Katharina Wagner

"Will man das mit 30 alles?"

Sie ist die jüngste Nachfahrin des Komponisten Richard Wagner. In diesem Sommer leitet sie zum ersten Mal die Bayreuther Festspiele – und denkt zurück an ihre Kindheit in einem deutschen Mythos

Ein mächtiges Gewitter zieht auf überm Grünen Hügel. Wolken türmen sich, Blitze zucken, das Korn liegt waagrecht im Wind. Und wir zwei, sagt die Evi zur Kathi, machen es uns jetzt gemütlich, kuscheln uns auf der Terrasse in die Liegestühle. Reden, wenn du magst. Katharina nickt. 16 ist sie und richtig vernünftig geworden: hört in ihrem Zimmer lautstark Tannhäuser,Lohengrin und Die Meistersinger, kümmert sich um die Schule, nimmt Gesangsunterricht. Donner grollen und poltern den Hügel hinunter, als würden Fafner und Fasolt, die Riesen aus dem Ring des Nibelungen, mit Felsbrocken werfen. Oper ist nichts dagegen. Die beiden jungen Frauen schauen in den Himmel über Bayreuth und philosophieren. Der Sturm pfeift. Die Evi, eigentlich Eva-Maria Stanglmayr, ist Mitte 30 und Katharina Wagners Kindermädchen, ihre Zweit- und Ersatzmutter. Ihr Lebensmensch.

In einem Moment der Stille sagt die Kathi dann diesen Satz. Niemand weiß, wer oder was ihr den in den Mund gelegt hat: der Vater, die Mutter, das Wagner-Blut in ihren Adern, die Vorahnung, der Trotz? Sie sagt: »Ich glaub, ich möcht schon irgendwas mit den Festspielen zu tun haben.« Die Evi ist perplex. So hat sie das noch nie von ihr gehört. Da ist immer ein »Ich will nicht« in ihren Augen gewesen, ein »Ich weiß nicht«, es wurde viel geweint.

Dabei haben die Eltern sie niemals zu etwas gezwungen, schon gar nicht zu den Festspielen. Es wäre schön, ja, aber du machst, was du magst, so habe es immer geheißen. Sagt die Evi. Und sie muss es wissen, besser jedenfalls als die vielen bösen Zungen, die behaupten, das Kind Katharina sei nur für die Festspielnachfolge gezeugt und von seinen Eltern Gudrun und Wolfgang Wagner von Anfang an auf nichts anderes hin abgerichtet worden.

Das Gewitter – das war vor 15 Jahren. Heute ist Katharina Wagner 31, gelernte Regisseurin und, gemeinsam mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier, 64, Leiterin der Bayreuther Festspiele. Ein wüstes Hauen und Stechen hatte ihre Wahl vor einem Jahr begleitet: in der Familie, in der Politik, in den Medien. Rund 37000 aktive Mitglieder zählen allein die 136 Richard-Wagner-Verbände in aller Welt. Wer die Macht hat auf dem Grünen Hügel, hat den Mythos.

Wir wollen mit Katharina Wagner über ihre Kindheit sprechen und herausfinden, ob sie das, was sie jetzt tut, tatsächlich so wollte. Schließlich ist sie ihrer Stiefschwester bis zum Januar 2008 nie begegnet. Schließlich kann man auch in so eine große Sache hineinschlittern.

An einem Mittwochmorgen im Mai muss die Festspielleiterin erst einmal alles andere als die Verabredung mit der Reporterin einhalten: Dauertelefonate führen, Architekten treffen, Sponsoren besänftigen – es gibt solche Tage. Geschlagene neun Stunden wartet die Reporterin. Geht essen und schwimmen und wieder essen, ist mal mit Alexander »Buschi« Busche spazieren, Katharinas persönlichem Referenten, und mal ohne Buschi, kann sich vom Fortschritt der Umbauten im Verwaltungstrakt überzeugen und vom frisch ausgehobenen Rückhaltebecken, das Überflutungen des Festspielhauses bei Hagel oder Regen in Zukunft verhindern soll. Außerdem wird die Probebühne IV gerade für die erste Bayreuther Kinderoper umgebaut, den Fliegenden Holländer, aus der alten Isolierung haben Arbeiter einen mumifizierten Marder gezogen, auch den gilt es zu bewundern. Spitze Zähnchen, räudige Fellrestchen über elfenbeinernen Rippen – als wär’s ein Gruß von Christoph Schlingensief.

Und dann fegt sie doch noch herbei, Katharina, abends um neun, bittet mit ihrem umwerfenden Reibeisentimbre »fünf Millionen Mal« um Entschuldigung. Wir stehen vor einem Minipartyzelt auf dem Grundstück ihres Elternhauses, schräg gegenüber vom Festspielhaus. Heizstrahler verbreiten ein funzeliges Licht, drinnen stehen Knabbereien auf dem Tisch und Rotweinflaschen. Ab und zu steckt einer der fünf Hunde die Schnauze herein (Emma, Helga, Louise, Sam, Molly), Buschi sitzt mit am Tisch und aktualisiert an seinem Laptop die Festspielhomepage.

Und drüben im Haus liegt Katharinas Vater, der 89-jährige Wolfgang Wagner, und schläft hoffentlich. Neuzugang Emma übrigens, schwarz, hoch und jung, geht auf sein Konto. Tagelang hatte er seine Tochter gelöchert: Ich will einen Riesenschnauzer, wann kriege ich endlich einen Riesenschnauzer? Unten in der Villa Wahnfried, wo er mit seinen Geschwistern Wieland, Friedelind und Verena aufwuchs, lebten die Wagners zeitweise mit zwölf Hunden.

42 Jahre lang war Wolfgang Wagner Alleinherrscher auf dem Grünen Hügel. Seit seiner offiziellen Verabschiedung im August 2008 hat er das Festspielhaus nicht mehr betreten. Er wird 24 Stunden am Tag betreut und gepflegt, seinem Alter entsprechend gehe es ihm gut, berichtet die Tochter.

Katharina Wagner, 1978 in Bayreuth geboren und hier in den Kindergarten gegangen, in die Grundschule und ins Wirtschaftsgymnasium, ist ein Einzelkind. Ihren Halbbruder Gottfried, Jahrgang 1947, kennt sie bis heute nicht. Mit ihrer Halbschwester Eva, einer erfahrenen Kulturmanagerin, verbindet sie seit dem vorigen Jahr kaum mehr als eine Zweckschwesternschaft, dem Machterhalt zuliebe. Hügel- und Hausverbote haben Wolfgangs Kinder aus erster Ehe jahrzehntelang von Bayreuth ferngehalten. Seine zweite Frau Gudrun, Katharinas Mutter, wechselte alle Schlösser aus und schwieg, was vor ihr war, beharrlich tot. Nur über die Kinder Wieland Wagners wurde ausführlich hergezogen. Die Nachkommen des Künstlerbruders, mit dem zusammen Wolfgang nach dem Krieg »Neu-Bayreuth« gegründet hatte und der 1966 starb, wollten mit auf den Wagner-Thron. Klein Kathi hat das damals alles nicht verstanden. Können Menschen böse sein, falsch, faul und bodenlose Lügner, nur weil sie auch Wagner heißen?

Katharina fährt sich mit ihren exorbitanten French nails durchs sehr blonde Haar, wurschtelt es zu einem Pferdeschwanz zurecht. Ungeschminkt sieht sie so offen und unverbraucht aus, dass man fast erschrickt. Nur die wasserblauen Augen haben bisweilen etwas Stilles, eine Einsamkeit und Traurigkeit, die zum Rest der Person nicht passen wollen. Sie sei schon als Kind ganz gut mit sich beschäftigt gewesen, erzählt sie. Wenn sie heute auf Gran Canaria in eine Karaokebar oder Disco geht, tanzt sie am liebsten für sich allein. »Seit ich 16 bin, fahre ich eigentlich nur nach Gran Canaria in den Urlaub«, sagt sie. »Da freue ich mich auf das konstante Wetter und meine Waschmaschine. Und jetzt zieh Leine, Emma, los, ab! Und, Buschi, hol doch mal den Kalender aus dem Zimmer meines Vaters, und bring mir neue Kippen mit.« Sie reibt sich mit einer Hand das Auge, fingert mit der anderen nach der nächsten Zigarette, raucht, redet, trinkt, fast alles gleichzeitig.

Briefe bekommt sie, die ihr das Schlimmste an den Hals wünschen, echte Drohungen. Und was wird sie oft angemacht, angegafft. »Wissen Sie, wie das ist, mit 16 zur Festspieleröffnung auf dem roten Teppich zu stehen?« Später, in Berlin, hat sie neben den unvermeidlichen Theaterwissenschaften auch ein bisschen Psychologie studiert. Seither – Stichwort »Perspektivenübernahme« – starrt sie zurück, sobald sie angestarrt wird. »Ich war nie geil aufs Rampenlicht, ich bin auch nicht der Bussi-Bussi-Typ, das muss ich ned haben.« Dafür ist sie in der Öffentlichkeit allerdings ziemlich präsent.

Schon mit zweieinhalb durfte die Kathi mit ins Festspielhaus, sich den Drachen im Siegfried angucken oder die Festwiese in den Meistersingern – und schlief regelmäßig ein, sobald das Licht erlosch. Wachte sie mittendrin auf und erschrak über den Lärm und die Dunkelheit, machte die Evi leise »pssst«. Dann legte auch Richard Wagners jüngste Urenkelin das Zeigefingerchen an den Mund und machte »pssst«. Theater heißt Stillsitzen, Stillhalten, das begriff sie schnell. Ihre Klavierlehrerin begrüßte die Sechsjährige hingegen mit den Worten »Ich hasse Klavierspielen!«, üben hielt sie all die Jahre nicht für nötig. Und mit acht wollte sie Eisverkäuferin werden.

Ein echtes Wagner-Wunderkind kündigt sich vielleicht anders an. Aber wer in der Dynastie ist schon genialisch begabt – und nicht bloß Blutsträger, Erblasser, Nachfolger von Beruf?

»…von Brett und Balken ein rohes Theater nach meinem Plane…«, in der Provinz, auf der grünen Wiese – so träumte Urvater Richard 1850 seine revolutionären Festspielträume. Gratis müsse das Ganze sein und für alle, am besten, der Bau würde nach drei Vorstellungen wieder eingerissen und sämtliche Partituren verbrannt. Kunst als Schocktherapie, als Event. Die Geschichte indes will es anders: Vier Wochen im Jahr, von Ende Juli bis Ende August, wird seit 1876 in Bayreuth Wagner gespielt, immer die gleichen zehn Opern, rauf und runter, mit wenigen finanz- oder kriegsbedingten Unterbrechungen. Das Festspiel als eiserner Ritus, längst üppig subventioniert und von den Weltwagnerianern ebenso für sich reklamiert wie von Merkel, Gottschalk & Co. Nach Cosima, Siegfried, Winifred, Wieland und Wolfgang führen Katharina und Eva die Wagner-Geschäfte nun in vierter Generation. 2007 gab Katharina Wagner mit den Meistersingern ihr Regiedebüt auf dem Hügel, 2015 soll der Tristan folgen. Im selben Jahr endet ihr Vertrag als Festspielleiterin, vorerst. Kein geringer Druck.

Das Partyzelt – eine Mischung aus sturmfreier Bude, Vorposten und Kommunikationszentrale – ist der perfekte Ort, um Distanz mit Nähe zu verwechseln. Man ist drin in der berüchtigten Wagner-»Festung« (so der Bayreuther Volksmund) und draußen zugleich. Katharina zieht den Gürtel ihres schwarzen Ledermantels enger, es wird aufgefahren: noch eine Flasche von dem vorzüglichen Wein, die Telefonnummer der Klavierlehrerin – und auch der Kalender findet sich, den Katharina 2000 für ihren Vater gebastelt hat. Kinderfotos, mal schräger, mal gerader aufgeklebt: in den Ferien in Italien und auf Juist, mit Zahnlücke und als Geist verkleidet, unterm Weihnachtsbaum.

Ein Bild in dieser Vaterliebeserklärung freilich fehlt – das einzige von Katharina und ihrer Mutter. Das habe sie irgendwann rausgerissen. Wurden Sie geliebt? »Von meinem Vater auf jeden Fall«, sagt sie, »der hat das nur nicht so zeigen können. Und von der Evi auf jeden Fall. Ich weiß auch, dass meine Mutter mich geliebt hat, aber sie war extrem streng.«

Das Verlassensein zieht sich wie ein roter Faden durch Katharina Wagners Leben. Ihre Mutter ist seit anderthalb Jahren tot, ihr Vater alt, ihre Halbschwester nicht oft zu sehen.

Am härtesten aber trifft sie das Schicksal ihres besten, ältesten Freundes. Der Jurist und Festspielsyndikus Stefan Müller starb im November an Herzversagen. Freitagnacht auf der A9, er fährt, sie sitzt neben ihm, merkt, was los ist, bringt das Auto irgendwie zum Stehen, versucht ihn wiederzubeleben, läuft auf die Fahrbahn, winkt, schreit, alles vergebens. Die Gefahr für sich selbst, sagt sie im Nachhinein, sei ihr egal gewesen, »ich hab gedacht, mein Gott, dann erwischt’s mich halt auch«. Stefan Müller wurde 32 Jahre alt. Seit seinem Tod, sagt sie, fühlt sie sich den Festspielen emotional verpflichtet.

Erst seit seinem Tod? Keine richtige Antwort. »In absoluten Depri-Phasen frage ich mich schon, will man das mit 30 alles? Will ich so ein Riesenhaus geerbt haben, will ich diese Riesenverantwortung? Und was kommt beruflich eigentlich noch?« Es wird spät im Partyzelt, das keine Partys kennt. Am nächsten Morgen wartet die Evi in Katharinas noch jungfräulichem Festspielleiterinnenbüro, extra aus Landshut ist sie gekommen. Alles hier blinkt und blitzt in Brombeere, Weiß und Silber, kaum wagt man, sich hinzusetzen. Die Evi, sagen die Bayreuther, sei ein Segen für die Kathi gewesen, ein einziges Glück. »Mei«, erwidert die Evi verlegen, »die Katharina war halt mein Kind, ist doch mein Kind.« Heute hat sie selbst eine Tochter.

Auch die Evi hat Fotos mitgebracht, darunter eine Porträtserie, die zeigt, wie ungern sich schon die Acht- oder Neunjährige hat fotografieren lassen: Sie schneidet Grimassen und sieht mit einem Mal ihrer Tante Friedelind verblüffend ähnlich. Wo sie doch, das hat jedenfalls der Vater gern behauptet, so viel von ihrer Großmutter Winifred habe. Solange diese lebte, bis 1980, durfte Klein Katharina jeden Dienstagnachmittag in die Villa Wahnfried hinunter, zur »Audienz«. Die Evi gestikuliert und lacht, wenn sie erzählt, und wischt sich gelegentlich eine Träne aus dem lieben Gesicht. Bei den Audienzen saß dann das Kind auf einer Decke und spielte, während Winifred ihm zuschaute, Tee trank und sich für zwei Stunden das Kettenrauchen verkniff. »Genommen aber hat sie sie nie«, entrüstet sich die Evi, »höchstens mal ganz kurz auf den Schoß.«

Dieselbe Winifred hört man in Hans Jürgen Syberbergs Dokumentarfilm über die »Geschichte des Hauses Wahnfried« grummeln, wenn der Hitler jetzt, 1975, zur Tür hereinkäme, wäre sie »genauso fröhlich und glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben wie immer«. Damals verhängte Wolfgang Wagner ein Hügelverbot über seine Mutter.

Die Evi erzählt. Vom guten Leben mit den Wagners, von den gemeinsamen Grundsätzen, der Erziehung. Ja, doch, die Katharina habe Kontakte »nach außen« gehabt. Das klingt nach goldenem Käfig: Ist es das? Die Evi sträubt sich, die Kathi sei kein Promi-Kind gewesen, sondern von Anfang an »gut geerdet«. Jeden Morgen habe der Herr Wagner ihr das Brotzeitgeld abgezählt, auf den Pfennig genau. Das Kind sollte lernen, dass nichts vom Himmel fällt. Mein Vater ist Metzger, sagten die Mitschüler, Arzt, Gastwirt, Schreiner. Mein Vater ist Festspielleiter, antwortete Kathi und fand lange nichts dabei. Zumal dieser Vater ihr beibrachte, dass jeder Mensch, und sei er noch so berühmt, »aufs Klo geht«. Zu Besuch kamen Daniel Barenboim und Franz Josef Strauß, Heiner Müller und René Kollo, ganz normale Künstler und Politiker.

Haben sich die festspielleitenden, viel reisenden Eltern um dieses Kind überhaupt viel kümmern können? Die Evi macht ein sibyllinisches Gesicht: »Die Kathi war wahnsinnig lieb, verständig und folgsam.« Die Disziplin habe sie von der ostpreußischen Mama, das Praktische vom Papa. Mit fünf kann die Kathi einen Hummer zerlegen. Und die tiefe Stimme, die hat sie natürlich vom Rauchen. Das, sagt die Evi und walkt ihre Hände, habe sie ihr einfach nicht austreiben können.

Katharina Wagner steckt den Kopf zur Milchglastür herein, geht’s euch gut, habt ihr alles, brauchen Sie mich noch? In ihrer linken Hand qualmt’s, in der rechten quäkt das Handy, gleich steht eine Präsentation der Kostüme für den Kinder- Holländer an, derweil sorgt sich der Arzt um den CRP-Wert des Vaters, und in ein paar Stunden ruft die Autobahn, schnell nach Frankfurt in den dritten Akt Lohengrin, einen Tenor anhören für den Ring im Wagner-Jubiläumsjahr 2013.

Eine Raserin sei sie nicht, sagt sie, bei Geschwindigkeitsbegrenzungen schalte sie grundsätzlich den Tempomat ein, »ich war schon immer ein Spießer«. Die Festspielleiterin winkt, wirft der Evi ein Küsschen zu und ist weg. »Spießer« sagt sie, nicht »Spießerin«. So wie sie von sich selbst stets als »Regisseur« spricht, nicht als »Regisseurin«. Eine Vatertochter mit Vatersprache, durch und durch.

Die Evi geht jetzt rüber ins Haus, nach dem Rechten sehen, der Reporterin bleibt das Abendessen mit der Cembalistin Eleonore Bühler-Kestler. Wir treffen uns auf der anderen Seite des Hügels, in Gräfenthal. Lauschig ist es hier, Bächlein rauschen, Vögel zwitschern. Klavierspielen, nun ja, hat Katharina bei Frau Bühler gelernt, vor allem aber Partiturlesen. Sie blickt etwas unschlüssig auf ihrem Vorspeisenteller herum, Bayreuth ist klein. Angst vor der Wagnerschen Schweigepflicht? »I wo! Aber Diskretion dem Kind gegenüber, die ist mir wichtig.« Dann fliegt ein Leuchten über ihr feines Gesicht: »Ich glaub, ich hätt der Kathi gewünscht, dass sie noch ein paar Jahre ihre Freiheit hat.«

Das empfindet Katharina Wagner im Grunde ihres Herzens möglicherweise auch so. Die Wahl aber hat sie nicht gehabt, nicht gegenüber der Wagner-Welt, dem Vater, sich selbst.

Als sie 2005 am Münchner Gärtnerplatztheater Lortzings komische Oper Der Waffenschmied inszenierte, schickte sie Marie, die weibliche Hauptrolle, mit dicken Eisenkugeln an den Füßen ins verordnete Eheglück. Auf der Bühne sind solche Fesseln aus Pappmaschee und federleicht. Im wirklichen Leben braucht man übermenschliche Kräfte, um sie jemals loszuwerden. Oder den richtigen Schlüssel.

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Leser-Kommentare

  1. mit schlingensief kann nicht der Ernst der Autorin - und des Leben-Teams - sein...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    der satz   muminimu

    hat mir ein kehlig, dreckiges lachen entlockt .

    die blonde katha...äh...-i scheint ja ein "heißer feger" zu sein.
    sie soll ja bald einen gott, einen ganz großen, heim auf den hügel führen -
    und bittschön ehe ♥ ehe das crp ganz entgleist...
    (ja.. häme und boshaftigkeit, mehr hat der pöbel nicht...)

  2. Vor drei Jahren zog ich nach Bayreuth, des Studiums wegen. Wagner, Festspiele, Bayreuth waren mir nur Begriffe im Dunste des ahnenden Vermutens.
    In Bayreuth angekommen, verfluchte ich die Stadt kulturell. Wagner, Wagner. Wagner? Wagner!
    Immer und überall, garniert mit Wilhelmine.
    Nein, Bayreuth war für mich keine kulturelle Oase und wenn doch, dannnur mit toten Kadavern im Wasser, die es ungenießbar machten. Ein Kommilitone drückte es damit aus, indem er sagte: "Es gibt kein Bayreuth, es gibt nur Wagner." Ich habe ihm beigepflichtet.
    Das ganze Festspieltamtam an das sich Bayreuth so klammerte, weil es sonst nicht allzu viel hat, war mir über. Dann ging der Kmapf ums Festspielhaus los. Ich habe das immer belächelt, denn das "Erbe", welches verteilt wurde, war aus meiner Sicht lange schon aufgezehrt. Wagner, Nietzsche; auch wenn sie sich entfremdeten, aber was ist von ihren Gedanken übrig geblieben? Beide haben einander so viel gegeben und natürlich einander beeinflusst. In Villa Wahnfried lautet es dann sinngemäß, dass Nietzsche mit Wagner brach, weil er neidisch war auf das größere Genie Wagners.
    Jetzt dieser Artikel: Menschliches Allzumenschliches! Jetzt zehrt das Erbe an den Erben. Jetzt zerreißen sich 37000 Wagner-Verbandsmitglieder und mindestens halb Bayreuth, ob "die Wagner" alles richtig macht. Alles schaut auf Wagner, aber wer denkt an Richard? Wo ist die Idee der Kulturrevolution? Nicht in Bayreuth!
    Wagner also nur um der Festspiele Willen? So scheint es. Frau Wagner, dieses Erbe scheint ausgeschlagen lukrativer, für Sie und die Festspiele. So vermute ich jedenfalls.

  3. wer sich so fotgrphieren laesst.....

  4. hat mir ein kehlig, dreckiges lachen entlockt .

    die blonde katha...äh...-i scheint ja ein "heißer feger" zu sein.
    sie soll ja bald einen gott, einen ganz großen, heim auf den hügel führen -
    und bittschön ehe ♥ ehe das crp ganz entgleist...
    (ja.. häme und boshaftigkeit, mehr hat der pöbel nicht...)

    Antwort auf "...der satz "
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  • Von Christine Lemke-Matwey
  • Datum 11.7.2009 - 16:57 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 09.07.2009 Nr. 29
  • Kommentare 4
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