Warum machen Sie das? "Ich bin fürsorglich und nicht die Spaßbremse"
Als Drogenbeauftragte der Bundesregierung muss Sabine Bätzing die Bürger dauernd vor Suchtgefahren warnen. Roger Willemsen erklärt sie, warum sie das macht
ZEITmagazin: Frau Bätzing, ich kiffe.
Sabine Bätzing: Ja?
ZEITmagazin: Was jetzt? Mache ich mich strafbar?
Bätzing: Cannabis ist eine illegale Droge. Wenn Sie erwischt werden, machen Sie sich strafbar, aber wenn es sich um kleine Mengen zum Eigenkonsum handelt, kann das Strafverfahren eingestellt werden.
ZEITmagazin: Wollen Sie es mir nicht trotzdem ausreden?
Bätzing: Ich möchte Sie erst mal fragen: Wie oft kiffen Sie denn? Gibt es schon Beeinträchtigungen? Kann ich Ihnen Hilfe vermitteln? Brauchen Sie Unterstützung beim Ausstieg? Ich möchte, dass Sie sich fragen: Kann ich es nicht sein lassen oder reduzieren?
ZEITmagazin: Sie sind ja nett! Das klingt ja wirklich fürsorglich!
Bätzing: Das ist ja das Eigentliche! Ich bin ja auch fürsorglich und nicht die Spaßbremse…
ZEITmagazin: …wogegen Sie sich immer wieder verteidigen müssen.
Bätzing: Immer und immer wieder.
ZEITmagazin: Aber Sie halten an der Strafbarkeit des Besitzes "sanfter Drogen" fest?
Bätzing: Ja. Das betrifft Besitz, Anbau und Handel. Aber wir wollen nicht jeden, der eine geringe Menge bei sich hat, zwangsläufig kriminalisieren.
ZEITmagazin: Ein Marihuana-Report der ehemaligen US-Regierung schließt mit der Feststellung, es ließen sich mehr Argumente für das Verbieten von Alkohol als von Marihuana aufführen.
Bätzing: Ich mag diesen Vergleich nicht. Cannabis ist keine harmlose Droge, (hustet) ich habe in den vergangenen Jahren viel mit Abhängigen gesprochen.
ZEITmagazin: Und Ihr Husten kommt nicht vom Rauchen?
Bätzing: Nein, nicht vom Rauchen, und die Stimme ist auch nicht vom Alkohol so angeschlagen.
ZEITmagazin: Haben wir denn überhaupt ein Recht auf Rausch?
Bätzing: Menschen wollen mal flüchten, mal Fantasiewelten erleben, mal den Alltag vergessen. Mir ist es vor allem wichtig, über die Risiken zu informieren, weder zu dramatisieren noch zu bagatellisieren. Ein erwachsener Mensch hat dann die freie Entscheidung, ob er sich diesem Risiko aussetzen möchte.
ZEITmagazin: Sie wünschen sich Mündigkeit?
Bätzing: Genau, und es geht darum, den Jugendschutz zu respektieren, weil vielen Kindern und Jugendlichen die Folgen ihres Handelns nicht bewusst sind. Bei ihnen müssen wir die Lebenskompetenz stärken.
ZEITmagazin: Aber Sie können nicht nur aufklären, Sie müssen auch Gesetze durchbringen.
Bätzing: Und da wird es schwieriger. Solange ich nur aufkläre, sind alle einverstanden. Bei der Durchsetzung des Jugendschutzes, etwa durch Testkäufer, wird die Zustimmung schon geringer. Spreche ich über die Promillegrenze, gibt es große Entrüstung bei den Erwachsenen.
ZEITmagazin: Nun müssen wir uns auf Schockbilder auf Zigarettenschachteln einstellen. Darauf reagiert man doch wie aufs eigene Passbild: Das bin nicht ich!
Bätzing: Kommt drauf an, wie man diese Bilder verwendet. Die EU-Kommission hat uns Motive aus 14 Lebenssituationen gegeben. Wir wählen aus, was nicht zu sehr schockiert, sondern berührt. Das kommt bei Kindern und Jugendlichen und bei aufhörbereiten Rauchern erfahrungsgemäß gut an.
ZEITmagazin: Was werden wir sehen?
Bätzing: Etwa drei Bilder zum Thema Frühgeburten, wozu Rauchen in der Schwangerschaft ja führen kann. Man sieht den Bauch der Schwangeren, ein Ultraschallfoto und ein Baby im Brutkasten. Letzteres ist am deutlichsten, aber so treten wir vielleicht Eltern zu nah, die auch eine Frühgeburt hatten, obwohl die Mutter nicht rauchte. Man muss sensibel vorgehen, dafür setze ich mich ein.
ZEITmagazin: Sie müssen immer wieder die Grenze ziehen zwischen Lebensfreude und Disziplinierung. Warum machen Sie das?
Bätzing: Eine Motivation liegt in der Aufklärung, weil ich weiß, wie viel Leid durch Suchtmittelmissbrauch und Sucht entsteht. Das möchte ich verhindern. Manchmal ist eben auch Regulierung notwendig. Gerade nach Gesprächen mit den Leidtragenden sagt man sich jedes Mal: Ja, mach weiter!
ZEITmagazin: Hatten Sie schon mal einen Vollrausch?
Bätzing: Ja, einmal. Ohne Filmriss, aber ja, ich war auch schon betrunken.
ZEITmagazin: Waren Sie sich sympathisch in diesem Zustand?
Bätzing: Nee, ich war zwar nicht aggressiv, aber am nächsten Tag war ich mir peinlich.
ZEITmagazin: Und hätten Sie auf meinen fürsorglichen Einspruch gehört?
Bätzing: Im betrunkenen Zustand bestimmt nicht, aber wenn Sie danach gesagt hätten: Ich mache mir Sorgen um Sie, hätte ich noch mal drüber nachgedacht.
Sabine Bätzing, 34, ist Abgeordnete der SPD im Bundestag – und seit 2005 Drogenbeauftragte. Sie plant, die Warnhinweise auf Zigarettenpackungen durch drastische Fotos zu ergänzen. Roger Willemsen stellt im ZEITmagazin jede Woche die Frage: "Warum machen Sie das?"
- Datum 17.07.2009 - 11:46 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf mehreren Seiten lesen
- Serie Roger Willemsen fragt
- Quelle DIE ZEIT, 09.07.2009 Nr. 29
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ZEITmagazin: Ein Marihuana-Report der ehemaligen US-Regierung schließt mit der Feststellung, es ließen sich mehr Argumente für das Verbieten von Alkohol als von Marihuana aufführen.
Bätzing: Ich mag diesen Vergleich nicht. Cannabis ist keine harmlose Droge,
Na, dann ist ja alles gesagt. Wer hätte von einer Politikerin auch eine Begründung für eine Position erwartet, die Freiheitsrechte einschränkt und dabei inkonsistent ist. Das wäre derzeit doch völlig uncool. Wenn wir das Kiffen erlauben, dann jagen wir am Ende noch die Lügen-Ursula zum Teufel. Nein, nein, wehret den Anfängen.
http://www.youtube.com/wa...
gruß, Tycho.
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Für diesen Intervieweinstieg, ich krieg mich nichtmehr, wars denn ernst gemeint ;) ??
Die Sache ist die, würden "weiche" Drogen legalisiert werden und mit Alkohol (+12°%) und Tabackwaren in eigenständigen "Drugstores" verkauft werden wäre doch die Gefahr gebannt, dass Kinder/Jugendliche auf halblegalem/illegalem Wege an diese Stoffe herrankommen und die Gleichstellung weicher Drogen zu denen Alkohol ebenso zählt wie Nikotin und eben auch die altbewährten Cannabisprodukte wäre vollzogen. Es würden Steuereinnahmen fließen und der mündige Bürger könnte sich entscheiden mit Welchem Rauschmittel er denn seinen Geistesurlaub verbringt.
Aber da gibt es wohl einfach zu viel Ignoranz, Unwissenheit und wahrscheinlich wie immer zu großen Einfluss von Lobbygruppen um so viel Selbstbestimmung und Gleichberechtigung dem Brüger zuzumuten.
Mal ganz im ernst ... wer kann denn solche Aussagen ernst nehmen ??
Ich mag diesen Vergleich nicht. Cannabis ist keine harmlose Droge, (hustet) ich habe in den vergangenen Jahren viel mit Abhängigen gesprochen.
Nein ist sie nicht, aber von Schokolade wird man Fett/Zuckerkrank, von Alkohol geht die Leber drauf....
Menschen wollen mal flüchten, mal Fantasiewelten erleben, mal den Alltag vergessen. Mir ist es vor allem wichtig, über die Risiken zu informieren, weder zu dramatisieren noch zu bagatellisieren. Ein erwachsener Mensch hat dann die freie Entscheidung, ob er sich diesem Risiko aussetzen möchte.
Dem Risiko aussetzen ?? Welchem ?? Ich kann mir aussuchen ob ich auf legalem Wege Alkoholkrank werde oder mich selbst kriminalisiere weil ich Pflanzen rauche die schon seit Jahrtausenden konsumiert werden ??!!!
Genau, und es geht darum, den Jugendschutz zu respektieren, weil vielen Kindern und Jugendlichen die Folgen ihres Handelns nicht bewusst sind. Bei ihnen müssen wir die Lebenskompetenz stärken.
Stimmt ... genau ... Kinder und Jugendliche wurden von Verboten schon immer darin gestärkt ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln ... lol ??
Eine Motivation liegt in der Aufklärung, weil ich weiß, wie viel Leid durch Suchtmittelmissbrauch und Sucht entsteht. Das möchte ich verhindern. Manchmal ist eben auch Regulierung notwendig. Gerade nach Gesprächen mit den Leidtragenden sagt man sich jedes Mal: Ja, mach weiter!
Gäbe es denn bei einer in "Drugstores" kontrollierten Abgabe der "weichen" Drogen wirklich mehr Abhängige als jetzt ?? Auch da existiren Studien die aber ungerne gehört werden ... da kommt mir dann der Herr Churchill wieder in Sinn: "Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast" ... nur wer fälscht ist halt die Frage ...
Aber mit Aufklärung hats leider wenig zu tun ....
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Aus so krummem Holz wie der Mensch geschnitzt, lässt sich nichts gerades zimmern. - i.kant-
Ach Leute, gebts auf zu hoffen, dass das legal wird mit dem kiffen.
Wie lange geht die Debatte jetzt schon bitteschön. Nein, nein, die WOLLEN, dass man sie belügt und betrügt. Da geht es nicht um Argumente, oder um Vor- und Nachteile oder um Jugendschutz oder sonstwas. Das ist denen doch völlig egal. Das haben wir doch alles schon ausgiebig und langatmig zerredet. Natürlich wäre es in allen Belangen von Vorteil das Kiffen zu legalisieren: Jugendschutz wird gefördert, Steuereinnahmen fließen, der Konsument weiß endlich was er raucht, die Polizei wird entlastet, der Drogenreport geschönt und vor allem sinkt die latente Angst und Paranoia von Kleinverbrauchern. Die Politik hat das auch schon lange begriffen. (Außer der Sabine vielleicht)
Etwas zu legalisieren dauert halt viel zu lange, im Gegensatz zum verbieten, siehe Spice, das hat kein halbes Jahr gedauert da wars weg von der Bühne, und wir waren (ehrlich gesagt) auch ganz froh, dass wir uns jetzt wieder dem Gras zuwenden konnten. ("Sorry MJ für diesen Seitensprung, aber glaub mir, keine ist so wie du.")
Ich will auch gar nicht mutmaßen obs jetzt die Bierlobby ist oder wattweißich wer da dagegen hält. Ist mir mitlerweile auch egal.
Ich, als Kleinkonsument, habe mich damit abgefunden und lebe damit, dass es legal ist mich jeden Abend zu betrinken und (wie mein Nachbar) seine Frau zu verprügeln und Leute vom Balkon aus anzupöpeln, aber illegal zu Hause einen Joint zu rauchen. Mir ist das auch egal ob die Leuten das wissen, oder meine Pflanze auf dem Balkon sehen. Ich geb sogar meinen Eltern was ab. Das beste ist nämlich wirklich damit umzugehen als obs legal wär, genau so wie der Roger das gemacht hat. "Ich kiffe." so siehts nämlich aus.
Legalisiert wirds nicht. Nur immer teurer und kapitalistischer.
Deshalb bin ich einfach dafür, dass jeder selbst anbaut und sich nicht drum schert was die Nachbarn sagen. Das ist wie wenn eine Fehlermeldung vom System kommt, wenn man um Legalisierung bittet. Einfach auf "Ignorieren" klicken und gut ist. Den "Retry"- Button haben wir jetzt schon oft genug gedrückt, da passiert nix und auch der "Details" Button gibt nicht viel her.
dass Drogenkonsum einhergeht mit Lebensfreude. In meinem Umfeld sehe ich Konsum, der für meinen Geschmack nichts mit Lebensfreude zu tun hat, sondern oft nur mit dem hoffentlich bald berauscht werden.
"Bätzing: Menschen wollen mal flüchten, mal Fantasiewelten erleben, mal den Alltag vergessen. Mir ist es vor allem wichtig, über die Risiken zu informieren, weder zu dramatisieren noch zu bagatellisieren. Ein erwachsener Mensch hat dann die freie Entscheidung, ob er sich diesem Risiko aussetzen möchte.
ZEITmagazin: Sie wünschen sich Mündigkeit?
Bätzing: Genau, ...,"
Interessant,
warum tritt die Frau dann weiter für ein Verbot ein?
Und: Ein Hoch auf Herrn Willemsen für den Einstieg.
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