Kino Mach mir den IndianerSeite 2/2

Die eigentliche Meisterschaft des Films liegt in der Inszenierung der stillen wütenden Rebellion der Guarani. Marco Bechis gibt die Indios, die noch nie vor einer Kamera agiert haben, nicht als Laien zur Besichtigung preis. Im Gegenteil, er findet in ihrer monolithischen Präsenz, ihrer rauen Intensität, aber auch in ihrem Humor und ihrem sexuellen Selbstbewusstsein eine eigene filmische Kraft. Interessanterweise sind es vor allem die Frauen, die die Körper der Männer genau studieren, mit derben Bemerkungen kommentieren oder schließlich unter listigem Einsatz der eigenen Attraktivität überwinden. So kommen sie an die Waffen der weißen Wächter, und der Kampf ums Land, das Urthema des Western, das hier variiert wird, bleibt nicht länger eine Angelegenheit zwischen Weißen und den Kriegern des Stammes.

Bechis hat seinem Ensemble während der Proben Spiel mir das Lied vom Tod gezeigt, um zu demonstrieren, wie man ohne Worte, aber mit vielsagenden Blicken ganze Dialoge einspart. Doch egal, wie viel von Charles Bronson nun in ihrem Ausdruck stecken mag, die Guarani betreiben ihre ganz eigene Art der Filmwerdung. Durch ihre Präsenz wird Birdwatchers auch zu einer Reflexion über das organische Erzählen der Ureinwohner, über den kulturellen Resonanzraum von Legenden, die aus einem Land, aus dem Klang von Namen und den Geräuschen der Umgebung entstehen.

Am Ende tragen die Guarani-Kaiowá alle Kriegsbemalung. Und dieses Mal geht es nicht darum, irgendwelchen Touristen einen möglichst unvergesslichen Augenblick zu bescheren. Diesmal geht es um eine tiefe, ohnmächtige Wut und um die historische Schuld, die auf einem ganzen Kontinent lastet.

 
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