Hoteltest Eine Insel auf der Insel

Das Hotel Budersand Golf & Spa – passt denn so was nach Sylt?

Das Budersand auf Sylt ist ein Golf- und Spa-Hotel

Das Budersand auf Sylt ist ein Golf- und Spa-Hotel

Keine andere deutsche Insel bedient die Klischees so hervorragend wie Sylt. Kaum ist man am Bahnhof in Westerland angekommen, sieht man Frauen mit Perlenketten und goldenen Knöpfen an blauen Barbour-Steppjacken. Man sieht blitzblanke Geländewagen, die den Autozug verlassen, um wenige Minuten später Reetdachdomizile anzusteuern. Man sieht Wegweiser zur Sansibar, Austernschlürfer und Designer-Gummistiefel, die neben Golden Retrievern zur Dünenwanderung ausgeführt werden. Und weil die Klischees so zutreffen, gibt es zwei Typen von Syltreisenden, die Sylter und die Nichtsylter.

Das vor wenigen Wochen auf der Insel eröffnete Hotel Budersand Golf & Spa ist ein Ort für Nichtsylter. Es hat mit dem Hokuspokus wenig zu tun, schon deshalb, weil es in Hörnum liegt, im Süden der Insel. Wer die letzten Kurven vor dem Ort durchfahren hat, dem sticht das neue Hotel gleich ins Auge. Es besteht aus vier kubusförmigen Gebäuden, die über verschiedene Brücken miteinander verbunden und von einem Skelett aus amerikanischen Zedern eingefasst sind. Das beigegraue Holz der Zeder bildet einen ästhetisch gelungenen Übergang zwischen dem Meer, das in der Sonne silbrig schimmert, und den trockenen Gräsern der Dünenlandschaft.

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Etwa 50 Millionen Euro hat die Unternehmerin und Wella-Erbin Claudia Ebert in die Umgestaltung des 74 Hektar großen einstigen Kasernengeländes investiert. Und sich dafür wahre Könner ins Boot geholt. Den Hamburger Innenarchitekten Jan Wichers zum Beispiel. Er hat das Draußen nach drinnen geholt, ausschließlich helle und natürliche Materialien wie Holz, Rochenleder und Leinen verwandt. Er hat nichts, aber auch gar nichts mit Tinnef und Kinkerlitzchen versehen. Man betritt eine Lobby, die mit grauen und sandfarbenen Polstern schlicht und schön ist, man läuft in den oberen Trakt, vorbei an begrünten Lichthöfen und Dachterrassen, und betritt das Zimmer. Holzboden, Flachbildschirm, begehbarer Kleiderschrank – große Freude. Doch die riesige Fensterfront zieht die Blicke nach draußen. Und was man da sieht, verleitet einen, das Hotel umgehend wieder zu verlassen: einen Golfplatz wie in den schottischen Highlands. Kein Baum, kein Strauch, nur das sanfte Auf und Ab der Dünen. Gelungen, aber auch gemein. Das zeigt schon der erste Abschlag. Der Ball steht sekundenlang wie ein Vogel im Wind, Entfernungen sind in den Gründünen schwer einzuschätzen, und die Sandbunker fallen so tief und steil ab, dass man nicht nur Probleme hat, den Ball rauszubekommen, sondern auch sich selbst. Das Golfmagazin hat Budersand gerade zum »besten neuen Golfplatz in Deutschland« erkoren.

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So ambitioniert wie der Landschaftsarchitekt Rolf Stephan Hansen den Platz angelegt hat, so hat auch Elke Heidenreich die Bibliothek mit über 1200 Büchern zusammengestellt. Romane, Erzählungen, Biografien und Kinderbücher, Saramago, Camus, Mann und Walser, alles da. Unterhaltsam, aber nicht trivial. Mit einem Hesse schlendert man schließlich ins Spa. Doch das Lesen fällt hier schwer. Zu schön ist der Blick aus dem Ruheraum hinaus aufs Meer. Zu schön sind die Details, die man hier entdeckt. Etwa die geschwungenen Arme der Muranoleuchter, die sich unter der Decke in großen Glasbehältern wie die Arme einer Qualle schlängeln.

Wenn man in diesem Hotel etwas kritisieren will, dann Kleinigkeiten. Das Zimmer ist bis um 14 Uhr noch nicht gereinigt und das Obst im Ruheraum etwas angetrocknet. Aber das kann den Appetit nicht verderben. Abends gibt es »Spiegelei vom Friesenei auf Rahmspinat» und »Steinbutt mit Kapernkruste auf geschmortem Salat mit einer Emulsion aus Pinienkernöl«. Köstlich! Auch das Frühstück erfreut. Wer nicht gerne zum Buffet läuft, bekommt eine Etagere an den Tisch gebracht. Man sitzt da und schaut wieder glücklich aufs Meer. Dieses Hotel ist eine Insel auf der Insel. Viele Gäste wünscht man ihm, aus Europa und dem Rest der Welt. Doch was sieht man da: Ein deutsches Ehepaar spaziert vorbei. Beide tragen blaue Barbour-Steppjacken. Alle Klischees stimmen. Das behauptet der Volksmund. Er hat wirklich recht.

Hotel Budersand Golf & Spa, Am Kai 3, 25997 Hörnum, Tel. 04651/4607-0, www.budersand.de, EZ ab 230 Euro, DZ ab 250 Euro, Junior Suite ab 415 Euro, alle Preise inklusive Frühstück, bei Zimmerbuchung 30 Prozent Ermäßigung auf Greenfee

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Schade

    Jetzt hat die mondäne Welt auch Hörnum entdeckt.

    Michel Katzentisch

  2. Recht haben Sie! Und in List entsteht bereits das nächste große Hotel, das zu Sylt passt wie eine ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke vom Ellenbogen bis zur Odde.
    Jahrzehnte nach dem Sündenfall Westerland (Stichwort: Hochhäuser) begibt man sich erneut ins Paradies, das offensichtlich (leider noch) nicht verschlossen ist. Dem Sylter Charme tut dies nicht gut.
    Noch ein Wort zum Text aus der PR-Schatulle: Es wäre schon verwunderlich, hätte dieses Hotel bei dem genannten Investitionsvolumen nicht die beschriebene Klasse - es passt nur nicht auf eine Insel wie Sylt.

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