Pubertät Die Liebe von Paul und PaulaSeite 4/4
Paulas Mutter hat ihr eingeschärft, sie dürfe Paul nicht zu sehr einengen. Vielleicht gibt es doch eine zweite Regel, die in den dreieinhalb Monaten, in denen sie jetzt zusammen sind, dazugekommen ist, aber lernen muss sie vor allem Paula: "Wenn du jemanden liebst, lass ihn frei", murmelt sie.
Natürlich wollen alle immer von ihnen wissen, egal ob sie jetzt fragen oder ob sie sie nur auf eine bestimmte Weise anschauen: Habt ihr schon? Oder habt ihr noch nicht?
Die größte Fehlannahme der Erwachsenen über die Jugend von heute, sagt Paula, sei die, dass die Jugendlichen, nur weil sie wüssten, wie es aussieht, es auch sofort nachmachen würden. Dass sie Sex nicht ernst nähmen. Natürlich warteten die meisten Mädchen auf den Richtigen, einen, der zärtlich sei, der perfekt aussehe, immer mit einem zusammenbleiben wolle. Als empfohlene Mindestwartezeit fürs erste Mal gelten derzeit drei bis sechs Monate nach dem ersten Kuss.
Paul und Paula sind jetzt seit dreieinhalb Monaten zusammen.
Mehr wollen sie nicht verraten.
"Schreiben Sie: Kein Kommentar. Zwinker, zwinker", sagt Paul.
Die zweite große Fehlannahme, die Erwachsene über die Jugend hätten, sagt Paula, sei die, dass zwei Leute, nur weil sie sich total jung kennengelernt hätten, nicht für immer zusammenbleiben könnten.
Was der Jugendforscher Klaus Hurrelmann über die Generation der "Keenies" sagt, lesen Sie hier.
- Datum 28.07.2009 - 17:03 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 16.07.2009 Nr. 30
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:
Was ist das denn bitte für eine Redewendung? Find ich ja klasse übersetzt^^
was zum teufel ist das für ein wortmonster?
bitte nicht alle buzzwords aus amiland übernehmen, liebe ZEIT.
(entfernt. Bitte geben Sie Ihren Kommentaren etwas mehr Substanz. Die Redaktion/jk)
Als Lehrerin kann ich die in diesem Artikel beschriebenen Phänomene jeden Tag beobachten. Allerdings bleibt er doch sehr an der Oberfläche. Die scheinbar so selbstbewussten keenies treten zwar so auf, sind psychisch aber äußerst instabil und sehr stark abhängig von ihrer peergroup.
Die ach so hilflosen Eltern, die scheinbar plötzlich völlig machtlos vor ihren Kindern stehen, haben diese Entwicklung selbst zum größten Teil zu verantworten. Auf der Jagd nach Selbstverwirklichung und Geld koppeln sie ihre Kinder immer früher von ihrer Erziehungsverantwortung ab und wundern sich dann plötzlich, wenn ihre Sprösslinge völlig autonom leben wollen. Die Widersprüche werden in den Familien selbst erzeugt.
Aber zum Glück sehe ich auch, dass der Sozialisationsprozess in der Mehrzahl der Familien nicht grundsätzlich anders abläuft als vor dreißig, vierzig Jahren. Auch damals gab es schon verliebte Grundschüler und Zwölfjährige, die mal allein mit ihrem Taschengeld einkaufen gingen.
Ihre Reportage richtet nach meiner Meinung die Aufmerksamkeit einseitig auf (nach außen) selbstbewusste Mädchen, die zudem noch aus einer relativ privilegierten Schicht stammen. Haben Ihre Journalisten tatsächlich nicht mehr Mädchen getroffen, die sich für Bücher interessieren, aktiven Sport treiben oder ein Instrument spielen?
Haben sich Ihre Journalisten nicht getraut, Mädchen aus sozial schwachen oder sogenannten "bildungsfernen " Schichten nach ihrem Lebensgefühl zu fragen?
Wo bleiben die Recherchen bei Kindern und Jugendlichen aus Kreuzberg, Moabit oder Marzahn?
Bedauerlich finde ich auch, dass Jungen nicht mit dem gleichen Feingefühl behandelt werden. Ihre inneren Konflikte werden kaum dargestellt. In meinem Erfahrungs-bereich als Hauptschullehrer kann ich aber gerade bei ihnen eine zunehmende Verunsicherung beobachten. Auch Ihre Berichte über "Tresor" oder "Shoppen" sympatisieren mir zu sehr mit einem einseitigen Mädchenbild und hinterlassen von Jungen nur ein Zerrbild. Die ZEIT nimmt hier pars pro toto und schreibt an der gesellschaftlichen Realität vorbei.
Das sehe ich ganz genauso.
Setzen Sie mal für Paul und Paula, Dilara und Mehmet ein, dann sieht die Welt schon ganz anders aus. Und die Zeilen dementsprechend. Ich weiß, wie es sich anhört, spricht man zum Thema Porno mal mit zwei Jugendlichen, deren Eltern nicht als Gespann "er- Selbstständiger im Handwerk und sie- Hausfrau" auftreten, sondern als arbeitsloses, alkoholabhängiges Tandem. Wobei allein die Anwesenheit von Mutter und Vater in vielen in Deutschland lebenden Familien immer seltener wird. Dann doch mal die alleinerziehende Mutter mit 3mal wöchentlich wechselnden Geschlechtspartnern und übermäßigem Zigarettenkonsum .
und so weiter und so weiter...
Schön, dass es auch andere Jugendliche gibt, aber damit aufmerksam zu machen i. S. der Entschärfung des "Generation Porno"- Stigmatas......fraglich!
20. Juli 2009
Zeit Redaktion
Zeit Magazin
Betrifft: Die Liebe von Paul und Paula
Sehr verehrte Frau Faller.
Beim Lesen des obigen Artikels ist mir etwas aufgefallen, und ich hoffe, dass ich nicht in Ungnade falle, wenn ich Ihnen mit diesen Zeilen auf die Nerven falle.
Mir ist bekannt, dass man aus
allen Himmeln,
aufs Kreuz,
mit der Tür ins Haus,
vom Fleisch,
oder anderen sogar auf den Wecker
fallen
kann. Mir ist bekannt, dass die Liebe selbst hinfallen kann, aber seit wann fallen Menschen in unserem Sprachraum in Liebe? Dann müssten sie auch dem englischen Original entsprechend wieder aus der Liebe herausfallen. Geht das?
Vielleicht fallen diese Zeilen auch dem Rotstift zum Opfer.
Weitere Worte wollen mir jetzt nicht mehr einfallen.
Ihre
Ursula Detering
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren