Arbeiten in der Krise Wir sehen uns vor Gericht

Mitarbeiter wehren sich erbittert gegen Kündigungen, Unternehmen knausern mit Abfindungen, die Justiz ist überlastet: In der Krise eskaliert der Kampf um Arbeit

Fünfzehn Minuten pro Schicksal müssen reichen. In Saal 112 des Hamburger Arbeitsgerichts geht es Schlag auf Schlag: Um 9 Uhr ist eine russische Putzfrau dran, die gegen ihre Entlassung klagt, um 9.15 Uhr ein Hafenarbeiter, um 9.30 Uhr eine Erzieherin, danach eine Kosmetikerin, ein Handwerksmeister, ein Fensterputzer. Damit der Terminplan eingehalten werden kann, ist im Gericht alles auf Tempo getrimmt. Ziehen sich Anwälte und Mandanten einmal zur Beratung zurück, ruft Richter Volker Stelljes gleich die Nächsten nach vorn und sagt: »Stören Sie sich nicht an den Jacken über den Stuhllehnen!«

Die wichtigsten Hilfsmittel des Arbeitsrichters sind ein Taschenrechner und eine weiße Mappe mit Klarsichthüllen. Mit dem Taschenrechner kalkuliert er Abfindungen. Auf die sollen sich die Konfliktparteien einigen, um den Streit zu beenden. Gelingt das, sucht Stelljes in den Klarsichthüllen nach passenden Textbausteinen und diktiert sie zusammen mit Namen und Daten der Protokollantin. Einen Augenblick später schiebt ein Drucker am Tischende das Ergebnis der 15-Minuten-Verhandlung heraus. Ein Blatt Papier, auf dem meist eine Zahl steht. Irgendeine Abfindungssumme. Damit ist der Fall erledigt.

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So sieht bisher die Routine aus, wenn in deutschen Gerichtssälen um Kündigungen gerungen wird. »Wir wandeln hier nur Prozesschancen in Geldbeträge um«, sagt Stelljes und meint damit: Wenn ein Arbeitnehmer gute Karten in seinem Prozess hat, erhält er Geld, damit er doch die Kündigung akzeptiert. Aber inzwischen mehren sich die Fälle, in denen es anders läuft. In denen es zu keiner schnellen Einigung kommt, sondern erbittert gestritten wird. Der Kampf um die Jobs wird härter geführt denn je – auf beiden Seiten.

Viele Arbeitnehmer fürchten: In dieser Krise finde ich woanders keinen Job. Viele Arbeitgeber sorgen sich: In dieser Krise kann ich mir nicht mal Abfindungen leisten. »Das prallt dann vor Gericht aufeinander«, sagt der Münchner Arbeitsrechtler Knut Müller. »Die Bereitschaft, sich zu einigen, ist drastisch gesunken.« Chefs und Arbeitnehmer finden sich immer häufiger in einem langwierigen Kleinkrieg wieder, einem Schlagabtausch voller Finten und Fallen.

Die Zahl der Klagen steigt sprunghaft an

Wenn Johann Schlüter (Name geändert) von seiner Kündigung erzählt, wählt er drastische Worte, als so schlimm hat er sie empfunden. »Wir wurden wie die Lämmer zur Schlachtbank geführt«, sagt er. Den Hafenarbeiter traf es am Ende einer Nachtschicht. Fast zwölf Stunden lang hatte er am Südwestterminal des Hamburger Hafens Kupferplatten aus Chile umgeladen. Als er fertig war, wurde er zum Gespräch in einen kleinen Büroraum gebeten. Dort wartete sein Vorgesetzter, auf dem Tisch lag ein großer Umschlag. Die Geschäfte würden schlecht laufen, sagte sein Chef, die Firma müsse sich von Personal trennen und ihm leider kündigen. Bis zum Abend erhielten 43 von 93 Arbeitern der Firma TransPack ihre Papiere. Wer keinen Dienst hatte, wurde zu Hause rausgeklingelt. Die Entlassungen sollten unbedingt noch vor dem Monatsende ausgesprochen sein.

Früher hätte Schlüter geschimpft, aber er hätte sich nicht gewehrt. Der gelernte Schiffsmechaniker hat noch immer irgendwas im Hafen gefunden. Eine Bewerbung musste er nie schreiben. Jetzt ist alles anders. An manchem Kai legt tagelang kein Schiff mehr an. »Es gibt keine Jobs im Hafen, das ist aussichtslos«, sagt Schlüter. Seine Frau ist auch schon in Kurzarbeit. 5000 Euro Abfindung hat TransPack angeboten. »Aber was hilft mir das?«, fragt Schlüter. Die Krise, hat er im Hamburger Abendblatt gelesen, dauert noch bis 2010. »Ich bekomme aber nur zwölf Monate Arbeitslosengeld und danach nicht mal Hartz IV!« Schlüter besitzt ein Grundstück, das er wohl verkaufen müsste, bevor er Hilfe vom Staat erhielte.

Leser-Kommentare
  1. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Anwalt.

    In Zeiten von Rechtsschutzversciherungen ist es doch kein Wunder, dass jeder gegen jeden klagt. Und dass, wenn man am Ende mal zusammenrechnet, der einzige Gewinner die Anwälte sind, sollte eigentlich beide Seiten dazu ermuntern, sich doch noch einmal gemeinsam hinzusetzen.

    Aber aus eigenem Bekanntenkreis gibt es dann auch immer die, welche wohl zu vile Fernsehen gesehen haben und mit "ihrem" Anwalt gegen Gott und die Welt klagen wollen, egal ob berechtigt oder nicht.

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    • xtc
    • 17.07.2009 um 9:45 Uhr

    Lieber Kommentator,

    ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber Ihr Kommentar geht doch deutlich an der Lebenswirklichkeit vorbei. Daß sich im Arbeitsrechtsprozeß der Anwalt als einziger Gewinner herausstellt, ist doch eine schlichte Stammtischparole. Zudem würde ich doch bezweifeln wollen, daß ein Kündigungsschutzverfahren etwas mit der Prozeßhanselei Ihrer Bekannten zu tun hat. Also, was soll so ein Kommentar?

    Der Hinweis auf die Gewinne der Anwälte ist ein Nebenaspekt. Es geht um die Frage, ob der Staat das Recht auf Arbeit durchsetzen sollte.

    Dazu käme in Frankreich die Frage, ob dort je eine Revolution der Arbeiter funktionieren wird. Dort hält man sich etwas auf die Revolution des erstarkten Bürgertums gegen die Feudalherren von 1789 zugute. Aber Arbeiterrevolten in Frankreich?

    Zurück in die BRD: Irgendeine Partei müßte das Recht auf Arbeit zur Zielplanung machen. Wer käme da infrage?

    _______________________________________________________
    Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.

    • xtc
    • 17.07.2009 um 9:45 Uhr

    Lieber Kommentator,

    ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber Ihr Kommentar geht doch deutlich an der Lebenswirklichkeit vorbei. Daß sich im Arbeitsrechtsprozeß der Anwalt als einziger Gewinner herausstellt, ist doch eine schlichte Stammtischparole. Zudem würde ich doch bezweifeln wollen, daß ein Kündigungsschutzverfahren etwas mit der Prozeßhanselei Ihrer Bekannten zu tun hat. Also, was soll so ein Kommentar?

    Der Hinweis auf die Gewinne der Anwälte ist ein Nebenaspekt. Es geht um die Frage, ob der Staat das Recht auf Arbeit durchsetzen sollte.

    Dazu käme in Frankreich die Frage, ob dort je eine Revolution der Arbeiter funktionieren wird. Dort hält man sich etwas auf die Revolution des erstarkten Bürgertums gegen die Feudalherren von 1789 zugute. Aber Arbeiterrevolten in Frankreich?

    Zurück in die BRD: Irgendeine Partei müßte das Recht auf Arbeit zur Zielplanung machen. Wer käme da infrage?

    _______________________________________________________
    Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.

  2. Der Kündigungsschutz gilt je eigentlich auch nur für die moralisch perfekten Menschen, die sich immer tadellos im Beruf verhalten haben. Das Beispiel mit den privaten Telefonaten oder mit dem berühmten Bleistift, den jemand mit nach Hause nimmt, zeigen doch, dass Arbeitgeber so ziemlich jeden kündigen können. Allerdings nur wenn Arbeitgeber irgendeine Minimalverfehlung beweisen kann.

    Die Folge ist ein systematisches Ausspionieren unliebsamer Mitarbeiter. Firmenhandys sind beispielweise gut geeignet, einen Mitarbeiter wegen privater Telefongesprächen rauszuwerfen, denn die Einzelverbindungsnachweise landen beim Chef. Die Internetnutzung lässt sich ja auch wunderschön protokollieren. Viele Firmen-PCs haben Überwachungstools sogar direkt installiert (Schäuble ist da sicher neidisch).

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    ist es leider so, daß Sie kaum eine Handhabe gegen faule oder "erfolglose"
    Mitarbeiter haben. Diese kosten aber einerseits den Arbeitgeber Geld, andererseits müssen Kollegen dessen Pensum oft mittragen. In solchen Fällen ist privates Surfen oder das Mitnehmen von Betriebseigentum der berühmte Tropfen der das Fass zu Überlaufen bringt. Klar, daß der Chef diese einmalige Chance ergreift. Niemand kündigt sonst einen wertvollen
    Mitarbeiter wegen ein paar Cent. Wenn Sie daß so locker handhaben
    empfehle ich Ihnen, sich lieber korrekt zu verhalten.

    ist es leider so, daß Sie kaum eine Handhabe gegen faule oder "erfolglose"
    Mitarbeiter haben. Diese kosten aber einerseits den Arbeitgeber Geld, andererseits müssen Kollegen dessen Pensum oft mittragen. In solchen Fällen ist privates Surfen oder das Mitnehmen von Betriebseigentum der berühmte Tropfen der das Fass zu Überlaufen bringt. Klar, daß der Chef diese einmalige Chance ergreift. Niemand kündigt sonst einen wertvollen
    Mitarbeiter wegen ein paar Cent. Wenn Sie daß so locker handhaben
    empfehle ich Ihnen, sich lieber korrekt zu verhalten.

    • xtc
    • 17.07.2009 um 9:45 Uhr

    Lieber Kommentator,

    ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber Ihr Kommentar geht doch deutlich an der Lebenswirklichkeit vorbei. Daß sich im Arbeitsrechtsprozeß der Anwalt als einziger Gewinner herausstellt, ist doch eine schlichte Stammtischparole. Zudem würde ich doch bezweifeln wollen, daß ein Kündigungsschutzverfahren etwas mit der Prozeßhanselei Ihrer Bekannten zu tun hat. Also, was soll so ein Kommentar?

    Antwort auf "Die Anwälte freuts"
  3. Ich gestehe Ihnen gerne zu, dass den Trend einer wachsenden Zahl von Kündigungen und damit verbundenen Arbeitsgerichtsverfahren gibt. Doch dies ist nur eine Seite der Wirklichkeit auf dem Arbeitsmarkt.

    Es gibt in Deutschland Branchen, die händeringend engagierte und kompetente Mitarbeiter suchen. Hierzu zählt beispielsweise der Pflegesektor in einigen Regionen Deutschlands. Angesichts der begrenzten Zahl von qualifizierten Bewerbern müssen hier die Unternehmen mittlerweile nahezu jeden Bewerber nehmen, den sie bekommen. Mitarbeiter, die neue Mitarbeiter ins Unternehmen bringen, erhalten so genannte Kopfprämien. Eine Kündigung von Mitarbeitern, die manchmal wegen unzureichender Arbeitsleistungen angebracht wäre, ist schier unmöglich, da kein Ersatz vorhanden wird.

    Hier ist es eher so, dass der Mitarbeiter am längeren Hebel sitzt. Er weiß, dass er unentbehrlich ist, und er verhält sich auch so. So drohen Mitarbeiter mehr oder weniger offen damit, dass sie sich im Falle einer aus ihrer Sicht unangemessenen Behandlung seitens des Vorgesetzten die nächsten Tage krank melden werden. Dies ist einer von mehreren Gründen, warum unter den Führungskräften im Pflegesektor eine hohe Personalfluktuation besteht.

    Dies ist ein kleiner Ausschnitt der Arbweitswelt. Wohlweißlich sollte er nicht verallgemeinert werden. Doch es ergibt sich ein Gesamtbild der aktuellen Arbeitswelt erst dann, wenn diese Ausschnitte zusammengefügt werden.

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    • Quarax
    • 17.07.2009 um 10:58 Uhr

    sieht so aus: Gerade Altenpflege ist ein absoluter Höllenjob!!!

    Körperlich und seelisch enorm anstrengend, mit unmöglichen Arbeitszeiten, unzureichend bezahlt, überbürokratisiert.

    Altenpflege heißt : Nahezu wöchentlich Leute sterben zu sehen!! Vor lauter Arbeit keine Zeit zu haben den Sterbenden auch nur die geringste menschliche Zuwendung zu geben. Und es heißt sich selbst kaputt zu machen: Körperlich und seelisch ....und das alles für ein Gehalt, dass angesichts der Belastungen absolut lächerlich ist.

    • Quarax
    • 17.07.2009 um 10:58 Uhr

    sieht so aus: Gerade Altenpflege ist ein absoluter Höllenjob!!!

    Körperlich und seelisch enorm anstrengend, mit unmöglichen Arbeitszeiten, unzureichend bezahlt, überbürokratisiert.

    Altenpflege heißt : Nahezu wöchentlich Leute sterben zu sehen!! Vor lauter Arbeit keine Zeit zu haben den Sterbenden auch nur die geringste menschliche Zuwendung zu geben. Und es heißt sich selbst kaputt zu machen: Körperlich und seelisch ....und das alles für ein Gehalt, dass angesichts der Belastungen absolut lächerlich ist.

  4. ist es leider so, daß Sie kaum eine Handhabe gegen faule oder "erfolglose"
    Mitarbeiter haben. Diese kosten aber einerseits den Arbeitgeber Geld, andererseits müssen Kollegen dessen Pensum oft mittragen. In solchen Fällen ist privates Surfen oder das Mitnehmen von Betriebseigentum der berühmte Tropfen der das Fass zu Überlaufen bringt. Klar, daß der Chef diese einmalige Chance ergreift. Niemand kündigt sonst einen wertvollen
    Mitarbeiter wegen ein paar Cent. Wenn Sie daß so locker handhaben
    empfehle ich Ihnen, sich lieber korrekt zu verhalten.

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    Im Grunde genommen stimmen Sie mir im Kern doch zu. Diese Kündigungsgründe sind vorgeschoben um unliebsame Mitarbeiter nach belieben kündigen zu dürfen, weil man sie sonst kaum los bekommt.
    Der Punkt ist doch der, dass ein Unternehmen gegen alle Mitarbeiter, die eine bestimmte Verfehlung begangen haben, gleichermaßen vorgehen sollte. Am Beispiel der privaten Telefongespräche sollten dann alle abgemahnt werden, wenn der Arbeitgeber das als so schwerwiegend ansieht.

    So wie es in Deutschland praktiziert wird, besteht der Kündigungsschutz doch nur auf dem Papier. Wie es im ursprünglichen Artikel anklingt ist es für einen gekündigten Arbeitnehmer kaum abschätzbar, ob er nun noch Kündigungsschutz besitzt, oder ob er ihn irgendwie leichtfertig verspielt hat.

    Ich kenne eine Firma in der nur Faule und Erfolglose Führungspositionen haben. Und der Faulste und Erfolgloseste ist der Chef. Alle Mitarbeiter mit Fleiß, Gewissen und hoher Kompetenz werden mit menschenverachtender Brutalität wie [...] behandelt oder entlassen.

    Eigentlich ist der Laden kriminell. Die [...] Kunden, Mitarbeiter und Staat. Für Geld gehen die über Leichen (Arbeitsunfälle). Die Mafia ist im Vergleich dazu eine Wohltätigkeitsorganisation. Turbokapitalismus und Agenda 2010 machen es möglich.

    Ich bin eigentlich erstaunt, dass es in deutschen Betrieben so selten zu Amokläufen von gequälten und betrogenen Mitarbeitern kommt.

    [Gekürzt, bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke. /Die Redaktion pt.]

    Im Grunde genommen stimmen Sie mir im Kern doch zu. Diese Kündigungsgründe sind vorgeschoben um unliebsame Mitarbeiter nach belieben kündigen zu dürfen, weil man sie sonst kaum los bekommt.
    Der Punkt ist doch der, dass ein Unternehmen gegen alle Mitarbeiter, die eine bestimmte Verfehlung begangen haben, gleichermaßen vorgehen sollte. Am Beispiel der privaten Telefongespräche sollten dann alle abgemahnt werden, wenn der Arbeitgeber das als so schwerwiegend ansieht.

    So wie es in Deutschland praktiziert wird, besteht der Kündigungsschutz doch nur auf dem Papier. Wie es im ursprünglichen Artikel anklingt ist es für einen gekündigten Arbeitnehmer kaum abschätzbar, ob er nun noch Kündigungsschutz besitzt, oder ob er ihn irgendwie leichtfertig verspielt hat.

    Ich kenne eine Firma in der nur Faule und Erfolglose Führungspositionen haben. Und der Faulste und Erfolgloseste ist der Chef. Alle Mitarbeiter mit Fleiß, Gewissen und hoher Kompetenz werden mit menschenverachtender Brutalität wie [...] behandelt oder entlassen.

    Eigentlich ist der Laden kriminell. Die [...] Kunden, Mitarbeiter und Staat. Für Geld gehen die über Leichen (Arbeitsunfälle). Die Mafia ist im Vergleich dazu eine Wohltätigkeitsorganisation. Turbokapitalismus und Agenda 2010 machen es möglich.

    Ich bin eigentlich erstaunt, dass es in deutschen Betrieben so selten zu Amokläufen von gequälten und betrogenen Mitarbeitern kommt.

    [Gekürzt, bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke. /Die Redaktion pt.]

  5. Das Menschen in verzweifelten Situationen ihre rechtlichen Möglichkeiten voll ausschöpfen ist nur richtig. In der jetzigen Situation ist der Verlust des Arbeitsplatzes ein berufliches K.O. für längere Zeit mit drastisch erhöhtem Risiko des sozialen Abstiegs. Das dadurch die Arbeits- und Sozialgerichte deutlich stärker belastet werden ist ein Fakt, dem man durch Personalpolitik vor Ort entsprechend begegnen müsste. Aber genau an dieser Stelle versagt der Staat wieder, weil er aus Kostengründen zumeist nur eine personelle Minimal-Besetzung ermöglicht. Bezeichnend ist dabei, dass die daraus resultierende personelle und organisatorische Überlastung nicht als verfehlte Personalpolitik dargestellt wird, sondern das man lieber drüber diskuttieren möchte wie man weiter Arbeitnehmerrechte beschneiden kann um das Problem zu lösen. Das würde aber nur zu einer Verschärfung und womöglich zu einer echten Eskalation der Situation führen - die Franzosen machen es bereits vor. Eine primäre Aufgabe des Staates ist es den sozialen Frieden zu wahren.

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    • mexi42
    • 17.07.2009 um 12:34 Uhr

    den Franzosen, die sich nicht alles bieten lassen,
    im Gegensatz zum deutschen Michel.

    • Quarax
    • 17.07.2009 um 13:14 Uhr

    ....wundert man sich in ein paar Jährchen, warum denn um Gottes willen niemend in der tollen Weltgegend, in der man lebt INVESTIEREN will.

    Auch wenn noch niemand weiß, wie die Welt nach dieser Krise aussehen wird, ist eines sicher:

    Nichts wird dann so wenig vorhanden sein wie Kapital, das investiert werden kann, und von nichts wird es soviel geben wie -sogar von qualifizierter - Arbeitskraft.

    Dort wo die Leute "eskalieren" wird das Kapital dann bestimmt nicht hinfließen. Die Franzosen machen da gerade nichts Bewunderns- oder gar Nachahmenswertes. Nein, diese Leute "ver-eskalieren" gerade ihre Zukunft und möglichweise sogar noch die ihrer Kinder und Enkel.

    • mexi42
    • 17.07.2009 um 12:34 Uhr

    den Franzosen, die sich nicht alles bieten lassen,
    im Gegensatz zum deutschen Michel.

    • Quarax
    • 17.07.2009 um 13:14 Uhr

    ....wundert man sich in ein paar Jährchen, warum denn um Gottes willen niemend in der tollen Weltgegend, in der man lebt INVESTIEREN will.

    Auch wenn noch niemand weiß, wie die Welt nach dieser Krise aussehen wird, ist eines sicher:

    Nichts wird dann so wenig vorhanden sein wie Kapital, das investiert werden kann, und von nichts wird es soviel geben wie -sogar von qualifizierter - Arbeitskraft.

    Dort wo die Leute "eskalieren" wird das Kapital dann bestimmt nicht hinfließen. Die Franzosen machen da gerade nichts Bewunderns- oder gar Nachahmenswertes. Nein, diese Leute "ver-eskalieren" gerade ihre Zukunft und möglichweise sogar noch die ihrer Kinder und Enkel.

  6. Wir haben leider keinen wirklichen Arbeitsmarkt mehr. Ein gesunder Arbeitsmarkt lebt auch davon, dass Bewegung im Spiel ist. Er sollte so gestaltet sein, dass Leute, die ihren Job verlieren, leicht wieder einen neuen finden können. Wenn er so gestaltet wird, dass man seinen Job mit Zähnen und Klauen verteidigt, bzw. Arbeitgeber zu Tricks greifen müssen, um Personal entlassen zu können, haben am Ende beide Parteien verloren. Jeder misstraut dem anderen und das ist sicher nicht förderlich für das Arbeits- und Betriebsklima.

    Ich würde mir wünschen, wir hätten dänische Verhältnisse. Da kann man zwar sehr schnell seinen Job verlieren, aber man ist zum einen finanziell erst einmal sehr gut abgesichert und die Chancen auf einen neuen Job sind weitaus größer, als das hier der Fall ist. Komischerweise ziehen da alle an einem Strang, sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften. Warum geht das in Deutschland nicht? Wir prökeln seit Jahren beim Arbeitsrecht rum und verschlimmbessern alles nur. Gewinner ist am Ende keiner.

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    • mexi42
    • 17.07.2009 um 12:36 Uhr

    können das. Dort bekommen selbst Arbeitslose
    Hypotheken, weil das Arbeitslosengeld kalkulierbar ist.

    • mexi42
    • 17.07.2009 um 12:36 Uhr

    können das. Dort bekommen selbst Arbeitslose
    Hypotheken, weil das Arbeitslosengeld kalkulierbar ist.

    • Quarax
    • 17.07.2009 um 10:58 Uhr

    sieht so aus: Gerade Altenpflege ist ein absoluter Höllenjob!!!

    Körperlich und seelisch enorm anstrengend, mit unmöglichen Arbeitszeiten, unzureichend bezahlt, überbürokratisiert.

    Altenpflege heißt : Nahezu wöchentlich Leute sterben zu sehen!! Vor lauter Arbeit keine Zeit zu haben den Sterbenden auch nur die geringste menschliche Zuwendung zu geben. Und es heißt sich selbst kaputt zu machen: Körperlich und seelisch ....und das alles für ein Gehalt, dass angesichts der Belastungen absolut lächerlich ist.

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    Was soll dieses Rumgeheule? Altenpflege ist ein Höllenjob - das ist wirklich nur absoluter Blödsinn.

    Meine Frau arbeitet seit über 20 Jahren in der Altenpflege; ich erlebe also sehr wohl, was dieser Beruf bedeutet. Und ich kann Ihnen sagen, daß Ihre Aussagen definitiv falsch sind.

    Ich kann Ihre Auslassungen nicht nachvollziehen, allein schon wegen der Wortwahl, die blanken Zynismus widerspiegelt. Wenn Sie Altenpflege als "Höllenjob" bechreiben, dann frage ich mich: Sind die alten Menschen die "Bewohner der Hölle" und die Altenpfleger die "Teufel"? Ich denke, mit so einer Wortwahl diskriminiert man sowohl ältere Menschen als auch die Menschen, die sie pflegen und betreuen. Zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Altenpflege und das entsprechende Image trägt dies auf jeden Fall nicht bei. Sie schildern hier ein Zerrbild der Altenpflege, das in diesem Maße keineswegs Handeln und Einstellungen der Altenpfleger angemessen erfasst.

    Lasse ich Ihre Wortwahl einmal beiseite, dann stellt sich mir die Frage, mit welchen anderen Jobs vergleichen Sie die Altenpflege. Haben Sie sich bereits einmal darüber kundig gemacht, was Einzelhandels- oder Bürokaufleute verdienen und wie im Einzelhandel die Arbeitszeiten aussehen? So schlecht sieht die Entlohnung nun in der Altenpflege im Verhältnis mit anderen Berufen nun auch wieder nicht aus.

    Schließlich kenne ich auch davon, dass Menschen, die den Altenpflegeberuf wählen, wissen, was auf sie zukommt. Sterben gehört zum Leben, und in der Altenpflege ist Sterben allgegenwärtig. Wer in der Altenpflege etwas anderes erwartet, der hat wohl die Realität aus dem Auge verloren.

    Meine Frau arbeitet seit über 20 Jahren in der Altenpflege, ich selber hatte über 15 Jahren als Therapeut über 15 Jahren unmittelbaren Kontakt mit Menschen, die sich in Notsituationen befanden. Einige dieser Menschen haben den Suizid als ihren Weg gewählt. Meine Frau und ich, wir sind beide weit davon entfernt, die Arbeit im Gesundheits- und Sozialwesen schön zu reden. Und doch gelingt es uns bis heute, aus dieser Arbeit Zufriedenheit zu gewinnen. Menschen zu unterstützen, auch auf ihrem letzten Weg, ist oftmals schwer, aber es lässt das eigene Leben in einem anderen Licht erscheinen.

    Meine Frau und ich, wir haben nicht das Gefühl in der "Hölle" zu arbeiten. Wir gewinnen unsere Zufriedenheit daraus, jeden Tag gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen sinnvolle Arbeit geleistet zu haben.

    Gestatten Sie mir noch ein Wort zum Schluss: meine Mutter verbrachte ihre letzten vier Lebensjahre im Pflegeheim. Ich habe dafür gesorgt, dass sie das Heim wechselt, nachdem ich feststellen musste, dass sie nicht fachlich adäquat versorgt wurde. Dies lag jedoch nicht an der Überlastung der Pflegekräfte, die nahezu stündlich gemeinsam ihre 10minütige Zigarettenpause pflegten. Dies ist auch eine Seite dieser Wirklichkeit. Ich bitte Sie aber, diese nich zu verallgemeinern. In das nächste Heim, in das meine Mutter zog, haben sich die Pflegekräfte um sie gekümmert, und meine Mutter fühlte sich sichtlich wohl. Vielleicht haben sich diese Pflegekräfte nicht in einem "Höllenjob" gesehen.

    Was soll dieses Rumgeheule? Altenpflege ist ein Höllenjob - das ist wirklich nur absoluter Blödsinn.

    Meine Frau arbeitet seit über 20 Jahren in der Altenpflege; ich erlebe also sehr wohl, was dieser Beruf bedeutet. Und ich kann Ihnen sagen, daß Ihre Aussagen definitiv falsch sind.

    Ich kann Ihre Auslassungen nicht nachvollziehen, allein schon wegen der Wortwahl, die blanken Zynismus widerspiegelt. Wenn Sie Altenpflege als "Höllenjob" bechreiben, dann frage ich mich: Sind die alten Menschen die "Bewohner der Hölle" und die Altenpfleger die "Teufel"? Ich denke, mit so einer Wortwahl diskriminiert man sowohl ältere Menschen als auch die Menschen, die sie pflegen und betreuen. Zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Altenpflege und das entsprechende Image trägt dies auf jeden Fall nicht bei. Sie schildern hier ein Zerrbild der Altenpflege, das in diesem Maße keineswegs Handeln und Einstellungen der Altenpfleger angemessen erfasst.

    Lasse ich Ihre Wortwahl einmal beiseite, dann stellt sich mir die Frage, mit welchen anderen Jobs vergleichen Sie die Altenpflege. Haben Sie sich bereits einmal darüber kundig gemacht, was Einzelhandels- oder Bürokaufleute verdienen und wie im Einzelhandel die Arbeitszeiten aussehen? So schlecht sieht die Entlohnung nun in der Altenpflege im Verhältnis mit anderen Berufen nun auch wieder nicht aus.

    Schließlich kenne ich auch davon, dass Menschen, die den Altenpflegeberuf wählen, wissen, was auf sie zukommt. Sterben gehört zum Leben, und in der Altenpflege ist Sterben allgegenwärtig. Wer in der Altenpflege etwas anderes erwartet, der hat wohl die Realität aus dem Auge verloren.

    Meine Frau arbeitet seit über 20 Jahren in der Altenpflege, ich selber hatte über 15 Jahren als Therapeut über 15 Jahren unmittelbaren Kontakt mit Menschen, die sich in Notsituationen befanden. Einige dieser Menschen haben den Suizid als ihren Weg gewählt. Meine Frau und ich, wir sind beide weit davon entfernt, die Arbeit im Gesundheits- und Sozialwesen schön zu reden. Und doch gelingt es uns bis heute, aus dieser Arbeit Zufriedenheit zu gewinnen. Menschen zu unterstützen, auch auf ihrem letzten Weg, ist oftmals schwer, aber es lässt das eigene Leben in einem anderen Licht erscheinen.

    Meine Frau und ich, wir haben nicht das Gefühl in der "Hölle" zu arbeiten. Wir gewinnen unsere Zufriedenheit daraus, jeden Tag gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen sinnvolle Arbeit geleistet zu haben.

    Gestatten Sie mir noch ein Wort zum Schluss: meine Mutter verbrachte ihre letzten vier Lebensjahre im Pflegeheim. Ich habe dafür gesorgt, dass sie das Heim wechselt, nachdem ich feststellen musste, dass sie nicht fachlich adäquat versorgt wurde. Dies lag jedoch nicht an der Überlastung der Pflegekräfte, die nahezu stündlich gemeinsam ihre 10minütige Zigarettenpause pflegten. Dies ist auch eine Seite dieser Wirklichkeit. Ich bitte Sie aber, diese nich zu verallgemeinern. In das nächste Heim, in das meine Mutter zog, haben sich die Pflegekräfte um sie gekümmert, und meine Mutter fühlte sich sichtlich wohl. Vielleicht haben sich diese Pflegekräfte nicht in einem "Höllenjob" gesehen.

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