Film Diesmal ist alles Muggel!Seite 2/2
Fixiert aufs allgemein Menschliche und Psychologische, verlässt der Film nie die Grenze der uns so weit bekannten realen Welt. Nie verschwendet er sich lustvoll an die von Magie durchsetzte Umgebung; und sogar wenn er den neuen Spaßartikelladen der Weasley-Zwillinge besucht, zeigt er lieber die Inhaber als deren Zaubereien. Nie lässt er sich ziellos treiben, einfach weil er neugierig ist, was sich hinter der nächsten verschlossenen Türe verstecken könnte. Dabei war und ist gerade das Erfinden solcher Türen und dahinter verborgener Rätsel das Geheimnis von Rowlings Universum: dass sich hier stets ein neuer Gang auftut und jedes Zaubersprüchlein und Artefakt seinen Sinn und Hintergrund im Ganzen hat. Zauberstäbe mit Phönixfedern und dampfende Schildkröten sind bei Harry Potter eben nicht bloß Requisiten, so wie es neue Uhren, Autos und Gimmickwaffen für einen britischen Geheimagenten sind; sie garantieren vielmehr die Dichte des Gesamten, weil jedes noch so kleine Detail seine Wurzeln und seinen Platz in der überbordenden und gleichzeitig wie ein Uhrwerk arbeitenden Fantasie dieser Autorin hat.
In früheren Büchern fing der Weg nach Hogwarts im Londoner Bahnhof Kings Cross auf dem Bahngleis 9¾ an: Hier berührt sich die Zauber- mit der Muggelwelt. Bekanntlich wird das Gleis 9¾ nur sichtbar, wenn man ein Zauberer ist und mit Karacho gegen einen bestimmten Pfosten rennt. Für Muggel tut es sich nicht auf, und so ist es mit dem ganzen Film. Er beschwört die Zauberwelt, er zieht an den Strippen ihrer Protagonisten, und sie bewegen sich wie echte Menschen. Kein Funke springt über. Dieser Film ist ein Muggelfilm.
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- Datum 16.07.2009 - 19:55 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 16.07.2009 Nr. 30
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Ich muss sagen, dass ich den dritten Film als am besten gelungen finde, besonders hinsichtlich der "magischen" Atmosphaere. Den aktuellen, Nr.6, habe ich noch nicht gesehn.
Ich frage mich allerdings, warum Rowling sich mit diesen unzureichenden Filmen zufrieden gibt. Die Handlung und Welt der Buecher bietet so viel Potenzial fuer die Filme, und doch wird ein Hollywoodspektakel inszeniert, dessen Zielgruppe nur Kinder, Teenager und Familien sind. Dazu kommen natuerlich noch die bereits erwachsenen Leser.
Gerade bei einem Publikumsgarant wie Harry Potter haette es die Chance gegeben, tatsaechlichn richtig gute Filme mit Regisseuren und Drehbuchautoren zu drehen, die einen Sinn fuer die feinen Details haben, mit der sich das Potter-Universum von vielen andere Fantasy-Geschichten absetzt.
Der Artikel entspricht weitestgehend auch meiner Einschätzung des Films.
Handwerklich beeindruckend gemacht, relevante zwichenmenschliche Themen aufgegriffen und trotzdem stört etwas.
---Spoiler-Warnung---
Für mich persönlich funktioniert die Kombination aus Komödie (Pubertätsprobleme der Hogwartsschüler) und Tragödie (Kampf gegen Voldemort bzw. die Todesser und Dumbledores Tod) hier nicht richtig. Obwohl ich es normalerweise schätze, wenn in einem Film der Facettenreichtum des menschlichen Daseins gezeigt wird und sich Lachen und Weinen abwechseln, empfinde ich die Darstellung des Sich-Verlieben- und Entliebens der Teenager hier mehr lächerlich als erheiternd (was es in der Realität zugegebenermaßen mitunter ja auch ist). Liebgewordene Charaktere werden hier leider zu oberflächlichen Karikaturen (vor allem Ron), was vermutlich am schauspielerischen Vermögen der Jungdarsteller liegt und/ oder der einfallslosen Anleitung des Regisseurs (idk)(?). Spätestens zum Ende hin, wenn es um den Verrat an Dumbledore geht (wenn es also wieder Ernst wird), erscheint mir das ganze Geplänkel nur als oberflächlicher Kikifax und verplämperte Filmzeit, weil sie mMn nicht überzeugend zur Entwicklung von Harry und auch anderen Figuren (viele bleiben leider nur Statisten) beigetragen hat. Es wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, wenn bereits im Drehbuch diese beiden großen Themen stärker miteinander verwoben worden wären.
Der Film ist vorne und hinten nicht gelungen. Mir fehlten so viele Dinge, die vor allem für die Umsetzung von Band 7 wichtig gewesen wären, und genauso merkte man, wie auch schon im OdP, dass einige der wichtigsten Charaktere von anfang an vollkommen vernachlässigt worden sind. Wer sich vor den Büchern gruselt, weil diese nun doch, vor allem ab Band 4, etwas aufwändiger zu lesen sind, da nicht jeder 800-900 Seiten schnell schafft, der hat bei den Filmen echt verloren, da hier die Charakterkonstellationen einfach nicht rüber kommen.
Überlegt man doch spätestens ab Band 4 welche Rolle denn nun Snape spielt - gut oder böse - werden einem im Film irgendwelche nicht verdaulichen Brocken hingeworfen, die man so akzeptieren muss aber unter keinen Umständen verstehen kann.
Das nicht jeder Charakter, der in den Büchern beschrieben wird, auch in den Filmen so auftauchen und verstanden werden kann, ist vollkommen natürlich, allerdings sollte man tiefgreifende Charakter schon mehr als nur mit ca. 60 Sekunden Filmzeit bedienen.
Im Film fand ich vor allem das Verhalten der Todesser in Hogwarts etwas sehr schräg - ich meine mich zu erinnern, das im Buch doch etwas mehr Handlung vorkam, als diese schmale und nichtssagende Etwas, was mir gestern abend im Kino präsentiert wurde.
Sehr enttäuschend war es auch, dass auf den Halbblutprinzen mal so gar nicht eingegangen wurde.
Alles in allem eine absolute Enttäuschung. Ich bin nur froh, dass mir Bücher im Allgemeinen mehr liegen als Filme, die eigene Phantasie kann nur über Bücher vernünftig beflügelt werden, was die Harry-Potter-Verfilmungen mit jeder Fortsetzung leider immer wieder auf's Neue beweisen. Schade, man hätte viel mehr aus der Geschichte rausholen können
... denn die Harry Potter Buchreihe ist meiner Meinung nach eindeutig eine Kinderbuchreihe oder für "jung gebliebene" Erwachsene.
Von daher zieht das Argument "Was interessieren mich als Erwachsenen denn solche Geschichten?" nicht wirklich...
Ich fand den Film sehr solide und handwerklich/schauspielerisch besser als die Vorgänger. Wer die Harry Potter "Magie" spüren will, sollte ohnehin die Bücher lesen, die so viel mehr transportieren können, als Farbflecke auf der Leinwand.
MfG,
f.zillo
...haben offenbar immer was zu meckern. Es nervt mich, wenn Erwachsene das Potter-Universum für sich vereinnahmen wollen. Es ist und bleibt ein Kinderbuch und deshalb dürfen Kinder auch die Zielgruppe des Film sein und deshalb darf das peinliche Teenieverhalten auch seinen Platz im Film haben. Meine Kinder waren jedenfalls begeistert. Ich auch, aber meine Meinung ist zweitrangig.
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