Kino Die Waffen des Galeristen

Hinter den Kulissen des Kunstmarkt-Irrsinns: Der großartige Enthüllungsfilm »Super Art Market«

»Ein gutes Geschäft«, sagte Andy Warhol, »ist die beste Kunst.« Die meisten Künstler delegieren trotzdem die Vermarktung ihrer Werke lieber an Galeristen. Einigen von diesen ist der kroatisch-deutsche Dokumentarfilmer Zoran Solomun in den vergangenen Jahren des Booms mit der Kamera ganz nahe gerückt, und, ob gewollt oder nicht, es entstand ein stiller Enthüllungsfilm über den Irrsinn des Kunstbusiness. Jetzt ist Super Art Market in ausgewählten Kinos zu sehen.

Mit unheimlicher Geschmeidigkeit verstehen sich viele der Händler darauf, Geschmack, Geschäft und das Soziale zu verschmelzen. So sieht man etwa Gerd Harry Lybke, wie er Sammler durch die Ausstellung seines Schützlings David Schnell in Leipzig führt (»Das ist wirklich ein cooles Bild«), später ein Nackedei in Öl des Kitschmalers Martin Eder auf der Art Basel als »wirklich gute Arbeit« anpreist oder vor dem Gang über die Biennale in Venedig sein Mobiltelefon und das Notizbuch mit der Sorgfalt eines Kriegers in den Taschen seines Maßanzugs verstaut. In Lybkes Händen werden diese profanen Dinge zu Spezialwaffen, mit denen er den Markt durchdringt. Als Zuschauer begreift man spätestens bei Szenen wie diesen, dass Kunstverkaufen wenig mit Glamour oder intellektueller Debatte zu tun hat, dafür aber harte Sozialarbeit ist: pausenlose Kommunikation, langfristige Vertrauensbildung, trickreiche Verhandlungsführung.

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Zurückblickend war der Zeitpunkt, an dem Solomun seine fünf Protagonisten – neben Lybke etwa den New Yorker Galeristen Leo König – beobachtete, optimal. Denn in den Boomjahren 2006 bis 2008 drehten sie alle mit am großen Rad. »Das ist ja schon mal ganz schön extrem hier, wenn ein Auktionshaus an zwei Tagen mit zeitgenössischer Kunst 500 Millionen Dollar Umsatz macht«, staunt auch König in einer Szene, in der er sich am Computer durch die neuesten Auktionsergebnisse klickt. Martin Eder spaziert derweil über den Markusplatz in Venedig und findet heraus: »Kunst hat mit Kunst nichts zu tun – zumindest in der Welt, in der wir leben.« Seitdem hat sich die Welt weiter gedreht. Das »coole Leben ohne Kunstmarkt«, über das Eder im Film so kokett nachdenkt, ist für viele Künstler ganz ungewollt zur Realität geworden.

 
Leser-Kommentare
  1. Nun ja, beginnt man so überhaupt einen Kommentar, wenngleich, wen interessiert es schon, und darüberhinaus, was soll das ganze Lamento.
    Zum Ersten: Der Film wird sicherlich sehr interessant werden - für die Insider und für die Kenner und vor allem für alle geliebten Möchtegernekulturfanatiker - der übrige Rest bleibt beim Termi-, illumi- oder beim Alligator, alle sind gemeint. oder bei dem falschen Titan: Kahn.
    Schwachsinn - schaut euch doch Venedig oder Bonndorf oder Erstein an - kennt ihr nicht die letzteren Orte, das wäre aber interessant.
    Ich habe mir an der Akademie in Karlsriuhe die Arbeiten der Studenten angesehen - beim obligatorischen Rundgang - eine Öde, eine kastrierte Atmosphäre, ein einziger Selbstbetrug von Professoren und Studenten - aber alle waren gut drauf, allen gings um Größere.
    Schwachsinn - die Leipziger Schule, wenn man das überhaupt noch so in den Mund nehmen darf, konnte nur gelingen, in der aktuellen Form gelingen, weil die DDR vorher die Tübkes und Co. hatten.
    In Düsseldorf war Immendorf (und wie hießen die anderen relativ gesunden Professoren) meistens nur in einschlägigen Kneipen bekannt - so sagte man mir. Der letzte Kunstgrande Lüpterz in seinem schloßartigen Palais verhinderte die Fotografie als Kunst, aber was ist los, keiner rührt sich, und alle schauen auf die Akas, an denen noch ein Oberprominenter lehrt - beispielsweise die Städelschule, aber auch Birnbaum und Rehberger haben ihren Kredit iirgendwie fahrlässig m venezianischen Cafes verspielt - ohne Gnade.
    Es sollte eine richtige Bombe platzen, damit die Kunst wieder das Gewicht in der Gesellschaft hat, die ihr gebührt. empfehlenswert sind die Briefe van Goghs an seinen Bruder oder die Aussagen von Foucault, Ken Kesey oder Hunter s. Thompson.

    • rpmnyc
    • 06.08.2009 um 1:11 Uhr

    Bildunterschrift: "Der Künstler Martin Eder und eines seiner Modelle" ?

    Eher:

    "Das Supermodel Nadja Auermann und eines ihrer Künstler"

  2. Die „Schlagworte“ zum Artikel über die KUNSTMARKT-Kunst und –„Künstler“ zum „Kunstmarkt-Irrsinn“ des Enthüllungsfilm „Super Art Market“ passen: Galerie – Kunsthandel – Kunst. Den Film des Dokumentarfilmers Zoran SOLOMUN über den wahren „ Irrsinn des Kunstbusiness“ hat auch die KUNSTZEITUNG (August-Ausgabe) erwähnt: KZ-Chef und Herausgeber Karlheinz SCHMID hat sich jahrelang intensiv mit dem KUNSTBETRIEB befasst und ist (wie auch das Feuilleton der ZEIT) Teil desselben. Die Kunst-Markt-Macher liefern Anzeigen & Informationen für das Blatt KZ, von denen es lebt, abhängig ist.

    SCHMID konstatiert in NEGATIVer BILANZ: Es werde „für Künstler zunehmend schwieriger (…) Neues zu (er)finden, weil längst alle Innovationen festgeschrieben sind, die Zahl der bildnerischen Schlupflöcher ungeheuer abnimmt“. Die NEGATIVITÄT erkläre sich nach KS „vielmehr auch im Zusammenhang eines Dramas, das sich KUNSTVERMITTLUNG nennt und bisweilen sogar gelehrt wird, leider ohne wesentliche Spuren zu hinterlassen.“

    Was KS von der KZ immer wieder im Blatt feststellte ist: Nach wie vor stünden die Menschen „ratlos vor der Gegenwartskunst“ und fragten sich, „wie und warum sie eigentlich von den Artisten und ihren Fürsprechern schlichtweg auf den Arm genommen werden“. UND: „Sie wollen, aber können nicht begreifen, dass die vermeintliche Scharlatanerie öffentlich gefördert, ausgestellt und häufig gesammelt wird.“ Den meisten „Insidern“ des Kunstbetriebs sei dies aber „leider, schlichtweg Wurscht, wer was versteht oder missversteht“, diagnostiziert SCHMID richtig; dies gilt auch für PolitkerInnen (deren Kultur-Politik).

    KS hat sich in der KZ auch Sorgen um die Institution documenta gemacht und meine Initiative einer documenta-REFORM quasi unterstützt (bitte googeln: SCHMID WEIBEL DOCUMENTA HAHN). Zum „Davonlaufen, diese Entwicklung“ klagt der KZ-Chef über die „oft beschriebene Arroganz“ und „ekelhafte Selbstherrlichkeit“ der Macher in Institutionen: „Macht eigentlich der Künstler die Kunst – oder ist’s womöglich doch der Kurator“, fragt der ehemalige art-Kunstjournalist richtig. Statt „Kurator“ setze man besser „Kunst-Markt-Betrieb“.

    SCHMID informiert die KZ-LeserInnen über ein Zitat des New Yorker Kunst-Händlers Leo KOENIG der zur Zeit in deutschen Kinos als Zeuge im „Super Art Market“-Film (von Zoran SOLOMUN) auftaucht und sagt: „Teilweise ziehen wir uns die Preise auch total aus den Fingern“!

    Der Schriftsteller Orhan PAMUK, dem 2006 der Nobelpreis zuerkannt wurde, wird von SCHMID zitiert (SZ-Bericht – Biennale Venedig), der in der SZ als Biennale-Besucher „das frustrierende Gefühl, ein Kunstwerk einfach nicht zu verstehen“, beklagt hat. Man bekomme heute von den Ausstellungs-Machern vorgeschrieben, „was man dem Kunstwerk gegenüber zu empfinden hat“. SCHMID sieht keine Kunstmarkt-Krise, sondern eine KÜNSTLER-KRISE. Die Künstler werden im KZ-Artikel aufgefordert, „mehr Tiefgang zu entwickeln“: LEER sei das „Reservat der Schöpfung, die Freiraumzone Atelier, weil immer weniger Künstler ihre Antworten auf das abgegraste Terrain finden“ würden – „Hoffnungsträger“ seien (angeblich) Mangel-„Ware“.

    Mehr zum IRRSINN des Kunstbusiness (ohne das unabhängige innovative KUNST gut leben kann):

    A) mit Bilderserie http://www.myheimat.de/gl...
    B) ZEIT ONINE: http://kommentare.zeit.de...

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