Belletristik Es gibt keine Sieger, nur ÜberlebendeSeite 2/2

Die Kühnheit des Romans besteht darin, dass er zwei Ebenen zusammenführt, die unser Denken leichtfertig zu trennen pflegt – und deshalb vielleicht so wenig der Komplexität des Konkreten gewachsen ist: die Ebene des Systems und die des Menschen. So begegnen wir in diesem Roman bekannten Momenten, Prozessen und Ereignissen des 20. Jahrhunderts: dem Reaktorunfall von Tschernobyl, der Übernahme der Sowjetunion durch die Oligarchen, den Interventionen des IWF in Zaire oder Mexiko, dem Rattenrennen um die Verwertungsrechte der Gendechiffrierung. Das liest sich teilweise wie minutiös recherchierte Reportagen, doch Volpi brilliert nicht als investigativer Journalist, sondern als scharfsinniger Verfasser von Krankenberichten. Die Kranken sind die Menschen – die historisch verbürgten wie die fiktiven –, die sich als Kettenhunde oder Zombies auf den Fluren ihres Lebens aus den Augen verlieren. Es gibt keine Sieger – nur Überlebende.

Nein, Zeit der Asche beweist nichts, sondern ist einfach ein großartiger Roman, der es wagt, mit dem 20. Jahrhundert abzurechnen.

 
Leser-Kommentare
    • wmebh
    • 22.07.2009 um 11:30 Uhr

    Der Kapitalismus ist genauso wie der Kommunisms dem sterben nahe.
    Wenn das Kaptal weiter von unten nach oben geleitet wird,dann stimmt der Satz."Das Kapital vernichtet sich durch seine Gier selbst."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service