Geschäftsmodelle Wie ein 15-Jähriger die Medienmärkte sieht
Matthew Robson kam als Praktikant und schrieb einfach mal auf, wie seine Freunde verschiedene Medien nutzen. Das schlug ein. The Report that shook the City titelte die englische Zeitung Guardian, was so viel heißt wie »Der Bericht, der die Kapitalmärkte bewegte«. Fondsmanager und Medienunternehmen rissen sich förmlich um die Schüleranalyse. Was hatte Robson getan?
Lakonisch hatte er aufgezählt, warum seine Freunde keine Zeitungen kaufen, kaum Radio hören, fürs Telefonieren selten bezahlen und so fort. Auf den Punkt gebracht: Sie zahlen nicht für etwas, das sie anderswo geschenkt bekommen. Musik hören sie werbefrei im Internet; PC-Computerspiele gibt es dort ebenfalls kostenlos (weil irgendjemand zuvor den Kopierschutz geknackt hat). Fürs Telefonieren nutzen Teenager zunehmend Spielkonsolen wie XBox und Playstation, die kostenlose Internettelefonie bieten. Sogar Zeitungen lesen Robsons Freunde – wenn sie handlich sind und in der U-Bahn ausliegen.
Also zahlen Teenager für gar nichts? Die Einschätzung wäre falsch. Sie geben Geld für Konzerte aus und für Computerspiele, die auf Konsolen laufen. Beide sind gut geschützt. Die einen durch einen Zaun, die anderen durch guten Kopierschutz. Am Ende beschreibt Robson eine einfache Wahrheit: Wer etwas verkaufen will, braucht ein unverwechselbares Produkt und muss es schützen. (GOH)
- Datum 15.07.2009 - 15:13 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 16.07.2009 Nr. 30
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Hier kann man den original Artikel lesen : http://www.guardian.co.uk...
In den meisten Punkten kann man dem jungen Autor zustimmen. Doch sollte man nicht das Konsumverhalten der jugendlichen in Britanien mit dem der deutschen Jugend vergleichen. Zum Beispiel spielen PC-Computerspiele hier im Lande immer noch eine sehr grosse Rolle, vor allem Word of Warcraft, was auch als das Crack unter den Computerspielen bezeichnet wird, da es extrem süchtig macht und man so gut wie nicht mehr davon weg kommt. Die Wii konsole, auch als Hartz4 Konsole bezeichnet als auch die mangelhaft verarbeitete und mit zu teurem Zubehör versehene Xbox werden immer häufiger von einer Playstation 3 erstetzt. Man schätzt halt Qualitat und kauft auch nicht gerne Sachen dazu. CDs werden hier auch oft verkauft, allein schon um die Bands zu unterstützen. Doch ins Kino geht man seltener, da die meisten Hollywood Filme ziemlich schlecht sind, und wieso 10 € für ein Kinoticket bezahlen, wenn man den Film auch kostenlos saugen kann. Apple Produkte würden auch eine viel grössere Käufergruppe finden, wenn die Preise nicht so hoch wären.
Unter den sozialen Netzwerken ist Facebook sehr schwach in Deutschland, dafür werden Netzwerke wie Studivz , Kwick und dergleichen oft verwendet. Fernsehen, Internet und Radio werden fast nur noch von der Unterschicht benutzt oder wenn man temporär keinen Internetzugang haben sollte. Zeitungen liest niemand, höchsten noch Wochenmagazine wie Spiegel oder Stern. Hauptgrunde für den extrem hohen Mediumkonsum, sind Armut, Langweile und das schlechte deutsche Wetter. Ausserdem wollen sich viele einfach nicht mit gestressten, oft angetrunkenen und oberflächlichen Leuten abgeben und schotten sich lieber in den eigen vier Wänden ab. Kommunizieren kann man auch von zu Hause aus und Geld fürs weggehen hat so gut wie niemand mehr, da Staat (durch Steurn) und Konzerne (durch astronimische Preise) den meisten Leuten auch den allerletzten Cent aus der Tasche luchsen.
...dass solche banalen Erkenntnisse die Bankmanager dermaßen aus den Socken hauen. Anscheinend ein weiteres Zeichen für die bedenkliche (digital) divide zwischen den alten Entscheidern und der jungen Generation.
Doch auch mit dem Erkennen simpler Wirtschaftsprinzipien tun sich die Top-Manager anscheinend schwer - denn das Prinzip "Wer etwas verkaufen will, braucht ein unverwechselbares Produkt und muss es schützen." ist schlichtweg logisch.
Was nun tatsächlich fehlt ist ein Bericht, der aufdeckt warum die Medienbosse nicht entsprechend handeln, und zum Beispiel unmassen Geld für Dinge investieren, die eigentlich niemand braucht und gleichzeitig wertvolle Inhalte zum Nulltarif verramschen.
Das kann ja nicht gut gehen. Vielleicht wird es Zeit, dass die neue Generation das Ruder übernimmt.
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