Umweltschutz Sprit aus Biomaschinen

Neue gen- und biotechnische Verfahren sollen helfen, umweltfreundliche Kraftstoffe aus Pflanzenresten zu gewinnen

Mikroben sollen künftig Kraftstoffe liefern, die umweltfreundlicher sind als Biodiesel aus Pflanzen

Mikroben sollen künftig Kraftstoffe liefern, die umweltfreundlicher sind als Biodiesel aus Pflanzen

Gestern bejubelt, heute geschmäht – so ergeht es derzeit den Biokraftstoffen. Noch vor zwei Jahren galten Biodiesel aus Raps oder Soja und Bioethanol aus Mais oder Zuckerrohr als nachhaltige Treibstoffe der Zukunft. Inzwischen ist klar: Würde man Biospritpflanzen im globalen Maßstab anbauen, müssten Regenwälder weichen, würden Nahrungsmittel teurer. Umweltschützer warnen daher vor dem »Agroenergie-Wahn«.

Doch schon wird an der nächsten Vision gearbeitet: an biotechnisch veränderten Bakterien und Pilzen, die höchst effizient Biokraftstoffe herstellen sollen, mit geringerem Energieeinsatz und ohne hässliche Nebenwirkungen für Umwelt und Ernährung. »Wenn die technischen Hürden, die es noch gibt, überwunden sind, können Biokraftstoffe in einigen Jahren aus Zellulose hergestellt werden«, prophezeit Eckhard Boles, Mikrobiologe an der Universität Frankfurt, und fügt hinzu: »Dann muss es das Problem mit der Nahrungsmittelkonkurrenz nicht mehr geben.«

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Diese Aussicht ruft auch globale Player auf den Plan. Der Ölkonzern BP finanzierte im vergangenen Jahr mit 500 Millionen Dollar den Aufbau eines neuen Energy Biosciences Institute, an dem zwei US-Universitäten und das Lawrence Berkeley National Laboratory beteiligt sind. Dessen Exchef Stephen Chu, der den Deal einfädelte, ist jetzt Obamas neuer Energieminister – was der Entwicklung weiteren Schub geben dürfte.

Bioethanol lässt sich zwar schon mit jenen einfachen Hefepilzen herstellen, die Alkoholbrauer seit Jahrtausenden nutzen. Aber in ihrer natürlichen Form können die Mikroorganismen nur bestimmte Zuckermoleküle verarbeiten, viele andere wertvolle Stoffe wie Zellulose, Lignin und zuckerhaltige Riesenmoleküle wie die Polysaccharide bleiben dabei ungenutzt. Um die Effizienz der Hefepilze zu steigern, setzen Forscher wie Eckhard Boles daher auf die sogenannte synthetische Biologie: Mithilfe der Gentechnik sollen die Einzeller zu winzigen Fabriken umprogrammiert und ihre Stoffwechselwege optimiert werden.

Beispielsweise rüstet Boles’ Forschungsgruppe die gute alte Bierhefe Saccharomyces cerevisiae genetisch auf. Am Computer entworfene Gensequenzen liefern den Code für neue Enzyme, die Moleküle gezielt zerlegen können und zuvor unverdauliche Zuckerarten wie Xylose oder Arabinose – Bestandteile der reichlich vorhandenen Zellulose – in einen Biotreibstoff umwandeln. Mit seiner Firma Butalco will der Frankfurter noch weiter gehen und statt Ethanol den höherwertigen Biokraftstoff Butanol produzieren, der rund ein Drittel mehr Energie als Ethanol enthält.

Die dafür notwendigen Enzyme besitzt die Hefe bereits von Natur aus – was übrigens zum Leidwesen von Brauern zum Vergären alkoholischer Getränke führen kann. »Eine kleine Menge Butanol macht aus einem guten Tropfen den Fusel, von dem Sie Kopfschmerzen bekommen«, flachst Boles. Was Brauer allerdings tunlichst vermeiden, will Boles nun optimieren. Durch genetische Schalter blockiert er den Stoffwechselweg der Hefe zum Ethanol und sorgt so dafür, dass sie nur Butanol produziert. Die Effizienz bei der Vergärung von Biomasse werde damit um bis zu 40 Prozent gesteigert werden, sagt Boles.

Der Frankfurter Mikrobiologe ist mit seiner Firma Butalco nicht der Einzige, der auf einen künftigen Markt spekuliert. In den USA forscht – gefördert von der Regierung oder von Ölkonzernen – eine ganze Reihe von Start-ups wie LS9, Amyris, Gevo oder Cobalt Biofuels an neuen Biokraftstoffen. Wenn dabei die Rede von synthetischen Genen und Stoffwechseldesign ist, klingt das ein wenig nach biochemischem Lego, so, als ob man nur die richtigen Bausteine zusammenfügen müsste, um Mikroorganismen in effiziente Biomaschinen zu verwandeln. Dass die Sache aber nicht ganz so einfach ist, zeigt das Beispiel der Firma LS9, die nicht auf Hefen, sondern auf Kolibakterien setzt.

Leser-Kommentare
  1. die aus CO2 Biomasse aufbauen, gibt es schon lange: z.B. Mikroben, die Licht als Energiequelle benutzen (man nennt das Photosynthese) oder Mikroben, die H2 und O2 als Energiequelle benutzen (Knallgasbakterien).

    Mikroben, mit deren Hilfe sich aus CO2 Biomasse aufbauen lässt, ohne dass dafür Energie aufgewendet wird, wird auch der smarte Herr Venter nicht inventern können.

    • otto_B
    • 19.07.2009 um 1:43 Uhr

    Der Faktor "Primärenergie" ist im Artikel kaum angeschnitten worden. Sicher mag es einen Reiz haben, die Stoffwandlungsprozesse zu beeinflussen - Ziele lassen sich da viele definieren. Aber irgendwas muß man auch als Futter reinfüllen. Der Verweis auf "Zellulose" ist nicht zwingend überzeugend. Direkte Nahrungskonkurenz zwar geringer als bei anderen Agrarprodukten. Aber bei den Produktionsfaktoren, z.B. Boden und Wasser, ist die Konkurrenz sofort wieder da. Und die Zellulose selbst steht auch in der Konkurrenz. Zwar nicht zum Magen, aber zum Ofen. Die Märkte für (Öko-)Wärme und (Öko-)Strom zehren ja mit aus dem gleichen Stoffsortiment (und auch ein bischenwas für die stoffliche Nutzung sollte noch übrigbleiben....).
    Man mag technische Grundlagen erarbeiten. Aber wie man die verfügbaren Kontingente verteilt, wenn es ernst wird, das dürfte interessant werden.
    Auf die Mikroben, die Sprit aus Kohlendioxid machen, können wir ja gespannt sein. Wird DESERTEC die entsprechenden Reaktoren gleich mit in der Sahara aufstellen?

  2. was passieren kann, wenn die "effizienten Biomaschinen" aus dem Labor bzw. der Fabrik entkommen?
    Nur mal eine Frage. Vielleicht passiert ja nix. Aber ich es würde es gerne wissen.

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    • lef
    • 20.07.2009 um 0:03 Uhr

    Diese Warnung ist nicht nur berechtigt, sondern schon älteren Datums,
    und es ist bereits geschehen:

    Reetdächer in Norddeutschland, gedeckt mit Reet aus China, lösen sich innnerhalb weniger Jahre auf.
    Grund:
    Ein in China entwickeltes neues Enzym zur Zerlegung von Zellulose in verwertbare Stoffe (Bio.... genannt).
    Eingeschleppt nach Deutschland mit eben diesem Reet.

    Holz ist als nächstes dran - an der Entwicklung holzzerlegender Stoffe (Enzyme, Baktereien) wird emsig gearbeitet und dann im großen Stil produziert.

    Wehe, wenn sie losgelassen.............

    • lef
    • 20.07.2009 um 0:03 Uhr

    Diese Warnung ist nicht nur berechtigt, sondern schon älteren Datums,
    und es ist bereits geschehen:

    Reetdächer in Norddeutschland, gedeckt mit Reet aus China, lösen sich innnerhalb weniger Jahre auf.
    Grund:
    Ein in China entwickeltes neues Enzym zur Zerlegung von Zellulose in verwertbare Stoffe (Bio.... genannt).
    Eingeschleppt nach Deutschland mit eben diesem Reet.

    Holz ist als nächstes dran - an der Entwicklung holzzerlegender Stoffe (Enzyme, Baktereien) wird emsig gearbeitet und dann im großen Stil produziert.

    Wehe, wenn sie losgelassen.............

    • lef
    • 20.07.2009 um 0:03 Uhr

    Diese Warnung ist nicht nur berechtigt, sondern schon älteren Datums,
    und es ist bereits geschehen:

    Reetdächer in Norddeutschland, gedeckt mit Reet aus China, lösen sich innnerhalb weniger Jahre auf.
    Grund:
    Ein in China entwickeltes neues Enzym zur Zerlegung von Zellulose in verwertbare Stoffe (Bio.... genannt).
    Eingeschleppt nach Deutschland mit eben diesem Reet.

    Holz ist als nächstes dran - an der Entwicklung holzzerlegender Stoffe (Enzyme, Baktereien) wird emsig gearbeitet und dann im großen Stil produziert.

    Wehe, wenn sie losgelassen.............

  3. dass die Frage, die ich in Kommentar drei gestellt habe, und die exemplarisch von lef in Kommentar vier beantwortet wurde, schon von jedem Journalisten gestellt würde, der einen Artikel über "bahnbrechende Forschungsergebnisse" oder so ähnlich schreibt.
    Immer und in jedem Fall muss man bei einem sogenannten "Fortschritt" die Frage nach möglichen damit verbundenen Risiken stellen.
    Es gibt heutzutage keinerlei Entschuldigung mehr dafür, wenn man das nicht tut! Die Zeit der naiven Fortschrittsgläubigkeit ist nach all den (Beinahe-)Katastrophen unwiderruflich vorbei!
    Dass man dafür von unverbesserlichen Technik-Fanatikern und von den kranken, geldgeilen Interessengruppen, die teilweise hinter den Forschungen stehen, als "Fortschrittsfeind" verleumdet wird, da müsste ein reifer Mensch eigentlich darüber stehen.

    • nbo
    • 24.07.2009 um 12:01 Uhr

    lieber antikaputtalist,

    die frage nach den risiken wird ja gestellt. allerdings kann man ihr nicht in jedem artikel gleich viel raum widmen. hier ist ein älterer text von mir, der sie ausführlich behandelt: http://www.heise.de/tr/Da...

    gruß, nbo

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    Jetzt sieht die Sache schon ganz anders aus.
    Und viel weniger erfreulich.
    Gruß
    antikaputtalist

    Jetzt sieht die Sache schon ganz anders aus.
    Und viel weniger erfreulich.
    Gruß
    antikaputtalist

  4. Jetzt sieht die Sache schon ganz anders aus.
    Und viel weniger erfreulich.
    Gruß
    antikaputtalist

    Antwort auf "zu den risiken"
  5. Man kann in Deutschland kaum was positives neu verkünden, ohne die üblichen Dauer Mahner. Sag nein zum Fortschritt und jedes mal wenn man etwas schief läuft, hatte man recht. einfache welt, gell? Wenn man so bedenkt, was alles mit dieser Einstellung verhindert worden wäre, würden wir uns noch im tiefsten Mittelalter befinden

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