Autoindustrie Russlands RüsselsheimSeite 3/3

»Der Preis des Siber ist zuletzt um 2000 auf 11.000 Euro gesenkt worden«, erzählt ein Autohändler. Dennoch steht das Modell in seinem Geschäft wie festgeklebt. »Der Wolga war für GAZ ein Verlustgeschäft, und der Siber ist es auch«, sagt der Händler. Nur die Staatsaufträge trösten etwas: »Gerade haben der Geheimdienst FSB und das Katastrophenschutzministerium 400 Stück bestellt.« Von Ende Juli an soll eine Billigvariante des Gasel-Busses für 4300 Euro neue Märkte erobern. Nach der Krise, zeigt sich der Händler sicher, gehe es wieder aufwärts. »Wir müssen nur überleben bis dahin.«

Im GAZ-Museum außerhalb der Fabrik, in einem langen, dunklen Raum mit dämmerigen Schaukästen und einem Teppichboden, der die Schritte dämpft, schreitet der Besucher wie durch eine Ruhmeshalle. Eine Losung zur Werkseröffnung 1932 erweist sich als zeitlos: »Aufholen in technisch-wirtschaftlicher Hinsicht!« Die Mitarbeiterin des Museums begrüßt jeden Besucher persönlich. »Manche Ingenieure, die früher hier gearbeitet haben, stehen mit Tränen in den Augen vor den Vitrinen«, erzählt sie. Nicht einmal Modellautos kann sie als Souvenir anbieten. »Früher hatten wir eine Werksabteilung für Spielzeugautos«, sagt sie. Heute kommen alle Wolga-Modellautos aus China. »Hoffentlich kaufen die Chinesen nicht auch noch unsere Fabrik«, sagt die Wärterin. »Da wäre mir Opel doch lieber.«

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Leser-Kommentare
  1. Wenn es zu diesem Geschäft kommt, sollte es nicht notwendig sein, Oleg Deripaska allzu viel Geld hinterher zu werfen - sein Vermögen wird auf 4,9 Milliarden Dollar geschätzt (http://de.wikipedia.org/w... , wahrscheinlich vor der Finanzkrise; er scheint für einen russischen Oligarchen aber in Ordnung zu sein) da kann er durchaus auch selber etwas in GAZ investieren, das Geld muss, nein, darf nicht von Opel kommen.

  2. Die russische Autindustrie ist vollkommen veraltet, daran wird auch ein Kauf von Opel in absehbarer Zeit nicht viel ändern.

    Meine Freundinn hat eine Bachelorearbeit über das Thema geschrieben, daher kann ich kurz die wichtigsten Punkte nennen:

    Es fehlen auf dem russischen Markt Tier 1, Tier 2, Tier 3 Zulieferer - die gesamte Zuliefererbranche ist in ihrer Struktur veraltet und selbst mit westlicher Hilfe attestiert z.B. Magna nur einem Bruchteil die Chance überhaupt in absehbarer Zeit für eine Automobilindustrie verwertbare Standarts zu erreichen.

    Auch die Logisitk ist eine Katastrophe - moderne Zuliefererstrukturen sind fast nur möglich wenn die Zulieferer alle in einem nahen Technologiepark angesiedelt sind.

    Die russischen OEMs (Autobauer) unterscheiden sich von internationalen Firmen durch ihre Fertigungstiefe - während international die Zulieferer eine große WErtschöpfung am Auto übernehmen (teilweise bis zu 80%) sind die russischen Autobauer noch integrierte Konzerne nach dem Vorbild von Ford.

    D.h. nahezu sämtliche Teile werden in einem großen Betrieb gefertigt - mit großen Problemen beim Qualitätsmanagement und in der Innovation.

    Global betrachtet sind indische und chinesische Autmobilzulieferer technologisch den russischen überlegen. Der einzige Grund wieso überhaupt noch in Russland produziert wird sind die hohen Zölle auf Fahrzeugimporte. Daher werden die Bausätze aus aller Welt importiert und dann in Russland zusammengeschraubt. Bisher haben sich nur einige westliche Zulieferfirmen angesiedelt. In der Regel stellen Sie große, sperrige Teile her, wie z.B. Autositze.

    Dennoch beklagen sich alle Firmen über massive Probleme mit dem Zoll, mit der Logistik (teilweise verschwinden ganze LKWs oder es werden neue Autos von Zügen gestohlen) mit der PErsonalbeschaffung (stichwort qualifiziertes Personal mit Englischkenntnissen.) usw. usf.

    Es wird m.A. nach der russischen Automobilindustrie nicht möglich sein westliche Standarts in absehbarer Zeit zu erreichen. Dafür ist die gesamte Wirtschaftsstruktur einfach zu problemtisch. Selbst wenn GAZ mit Magna und Opel kooperieren sollte werden weiterhin hohe Subventionen und Schutzzölle notwendig sein um diesen Dinosaurier (wie alle russ. Automobilbauer) am Leben zu erhalten.

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