Stilkolumne Mode vom Mond

Unser Kolumnist fragt sich: Warum feiern alle den Erdtrabanten?

Was hat uns die Mondlandung eigentlich gebracht – außer einem Fußabdruck im Staub, den niemand besichtigen kann, weil er Millionen Kilometer entfernt ist? Infrarotmessgeräte werden oft genannt und Metalllegierungen mit Formgedächtnis.

Aber da ist noch mehr. Man müsste mindestens eine neue Omega-Uhr, einen "Nike Air Max 1"-Schuh und nicht zuletzt eine große Werbekampagne der Luxusmarke Louis Vuitton nennen, die in der kommenden Woche anläuft.

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Das Motiv zeigt Sally Ride, die erste Amerikanerin im All, Buzz Aldrin, den zweiten Mann auf dem Mond und Jim Lovell, den Commander der Apollo-13-Mission, wie sie sehnsüchtig – mit gepackten Louis-Vuitton-Taschen – in Richtung des am Himmel stehenden Mondes blicken.

Alles das kommt pünktlich zum 40. Jahrestag der Mondlandung. Es scheint, dass dieses Ereignis seit den sechziger Jahren nie mehr so inspirierend war wie heute. So sehr, dass sich auch Uhren des Schweizer Herstellers Romain Jerome verkaufen, in denen echter Mondstaub verarbeitet worden sein soll. Die Modelle sehen aus wie eben aus einem Krater gezogen, was ihren Preis – bis 450.000 Dollar – aber nicht schmälert.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

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Warum wollen wir unbedingt zurück an einen Ort, von dem wir doch wissen, dass dort absolut nichts los ist? Die Firma Omega indessen hat allen Grund, den Tag mit einer Sonderedition "Omega Speedmaster Professional Moonwatch Apollo 11" zu feiern. Trugen doch die Apollo-11-Astronauten tatsächlich Speedmaster-Uhren auf dem Mond.

Aber auch mit Louis Vuitton verträgt sich das Thema bestens. Die Apollo-Crew hatte zwar keine Monogramm-Koffer an Bord – obwohl es dem Look der Mission zweifellos gutgetan hätte. Trotzdem passt das Thema bestens zur Marke, war doch die Mondmission die letzte große Reise der Menschheit. Der Mensch war noch einmal Eroberer. Die spätere bemannte Raumfahrt konnte nie mehr diesen Zauber entfalten; die Internationale Raumstation ist dagegen nur ein bewohnter Eimer im All. Der große Traum fehlt uns, er ist zerbröselt in allerlei kleine Träume. 

Kein Wunder, dass wir zurück in jene Vergangenheit wollen, als alles von Zukunft sprach. Mond-Magie zieht einfach immer. Bei Amazon bricht derzeit ein T-Shirt Verkaufsrekorde, das drei Wölfe zeigt, die den Mond anheulen. Glaubt man den mehr als 1000 Nutzerkommentaren, macht es sexy, reich und sogar unsterblich. Wenn das tatsächlich so ist, können wir ja auch auf Erden bleiben

 
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