Die chemische Analytik wird genauer, und so passiert es immer häufiger, dass Forscher in Laborproben zwar gewisse Substanzen nachweisen können, dass aber die Interpretation solcher Ergebnisse nicht eben leicht fällt.

An dieser Stelle ging es schon einmal um Hormone im Leitungswasser . Der Tenor damals: weitgehende Entwarnung. Übervorsichtige Zeitgenossen, die nur noch Wasser aus der Flasche trinken, wurden im März dieses Jahres durch eine neue Meldung aufgeschreckt: Forscher der Universität Frankfurt fanden in Mineralwasser, das aus PET-Flaschen stammte, Spuren von östrogenartigen Substanzen, also Stoffe, die dem weiblichen Sexualhormon ähneln. Hormonell betrachtet, habe das Wasser "in etwa die Qualität von Kläranlagenabwasser", sagte einer der Autoren, Martin Wagner.

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Wer seine Forschungsergebnisse so skandalisiert, der muss sich auch gefallen lassen, dass man sie kritisch unter die Lupe nimmt. Das tat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und kam zu dem Schluss, dass die Ergebnisse nicht so eindeutig waren: Die Stoffe wurden sowohl in Wasser aus PET- wie aus Glasflaschen nachgewiesen. Sie müssen also nicht aus dem Kunststoff stammen, und man sollte das Wasser untersuchen, bevor es in Flaschen gefüllt wird.

Außerdem haben die Forscher die hormonartigen Substanzen bisher nicht chemisch identifizieren können, sodass es bisher auch keine Erklärung dafür gibt, wie sie in das Wasser geraten konnten. PET (Polyethylenterephthalat) enthält keine entsprechenden Inhaltsstoffe. Insgesamt sieht das BfR aufgrund dieser vorläufigen Ergebnisse "für die Verbraucher keine Notwendigkeit, auf Mineralwasser aus PET-Flaschen zu verzichten". Übrigens enthält Milch von Natur aus mehr Östrogen, als in den Tests im Wasser gefunden wurde. Christoph Drösser

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