Wasserknappheit "Wir denken wie vor 10.000 Jahren"

Ein Gespräch mit Anthony Allan, der das »virtuelle Wasser« erfand – und zum Vegetarier wurde

DIE ZEIT: Auf der Tagesordnung der G-8-Staaten stand in der vergangenen Woche auch die Wasserknappheit. Waren Sie mit den Beschlüssen zufrieden?

John Anthony Allan: Immerhin ist das Thema endlich auf der Ebene der Regierungschefs angekommen. Bisher fanden Hunger und Klimawandel stärkere Aufmerksamkeit. Alle drei Probleme hängen ja eng zusammen.

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ZEIT: Sie wollen das für die Produktion von Handelswaren eingesetzte Wasser – das virtuelle Wasser, wie Sie es nennen – zur Linderung des Mangels einsetzen. Wie soll das gehen?

Allan: Schon in der Bibel steht die Geschichte von den sieben mageren und den sieben fetten Jahren. Josef rät dem Pharao, Getreideüberschüsse für Dürrezeiten aufzuheben. Und das bedeutet nichts anderes, als Wasser zu speichern, das in den regenreichen Jahren für den Anbau zur Verfügung stand.

ZEIT: Getreidespeicher gab es schon immer. Warum sollen wir nun von virtuellem Wasser sprechen?

Allan: Es hilft, unsere Vorstellung vom Wasser endlich der Wirklichkeit anzupassen. Die Menschen denken, wie vor 10.000 Jahren in der Savanne, noch immer nur an jene drei, vier Liter Wasser am Tag, die sie zum Trinken benötigen. Das entspricht etwa einem Kubikmeter im Jahr. Aber hier in London verbrauchen wir pro Kopf und Jahr außerdem 100 Kubikmeter zum Waschen; dazu kommen 1000 Kubikmeter, die bei der Erzeugung von Lebensmitteln verbraucht werden. Ausgerechnet mit diesen 90 Prozent des Wasserverbrauchs beschäftigen wir uns am wenigsten! Unser Gehirn ist fest verdrahtet mit all dem Unsinn, den uns die Evolution mitgegeben hat.

ZEIT: Wie ist Ihnen das klar geworden?

Allan: Als Experte für den Nahen Osten war ich seit Anfang der sechziger Jahre davon überzeugt, dass in dieser Region ein großer Krieg ums Wasser drohe. Doch auch zwanzig Jahre später hatte er trotz wachsender Bevölkerung nicht stattgefunden. Dann las ich, dass der israelische Ökonom Gideon Fishelson seiner Regierung Unvernunft vorwarf, weil sie den Export von wasserdurstigen Orangen und Avocados fördern wollte. Das brachte mich auf den Gedanken: Dass es im Nahen Osten nicht zu schlimmeren Auseinandersetzungen gekommen war, musste auch daran liegen, dass Nahrungsimporte die eigenen Wasserressourcen schonen. Virtuelles Wasser verhindert Kriege.

Leser-Kommentare
  1. Anthony Allan sagt: "Aber Nahrungsmittelsouveränität ist nicht für alle Staaten eine Lösung. Auch hier sehe ich eine falsche Konstruktion der Wirklichkeit, die in der Gesellschaft überdauert."
    Nach dieser problematischen Behauptung fährt er weiter unten fort:
    "Gewiss, Wasserprobleme löst man außerhalb des Wassersektors. Wir müssen die Ökonomien umwandeln. Stattdessen verhindern wir Entwicklung oft, indem wir billige Nahrungsmittel auf die Märkte armer Länder werfen. So bleiben die Bauern arm."
    Für sich betrachtet ist die zweite Aussage zutreffend. Sie steht aber in völligem Widerspruch zu Allans Auffassung bezüglich der Nahrungsmittelsouveränität, da sie die Schlußfolgerung zuläßt, daß ärmere Länder entweder gar nicht oder zu Preisen über dem Niveau des Weltmarktes beliefert werden sollen.
    Wie der Artikel zeigt, ist es gleichgültig, ob wir wie vor 10.000 Jahren denken.
    Wichtig ist, daß wir logisch denken.

    • olik1
    • 21.07.2009 um 10:34 Uhr

    @Partylöwe
    wie sollen einheimische Bauern und Bäuerinnen einen Markt für ihre, oft wasserangepasst produzierten, Waren finden, wenn es einen Überschuss billiger Importware gibt?

  2. 3. @olik1

    Partylöwe
    wie sollen einheimische Bauern und Bäuerinnen einen Markt für ihre, oft wasserangepasst produzierten, Waren finden, wenn es einen Überschuss billiger Importware gibt?

    Durch staatlich verfügte Einfuhrbeschränkungen und Schutzzölle.

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    ja gegen die WTO verstoßen

    ja gegen die WTO verstoßen

  3. ja gegen die WTO verstoßen

    Antwort auf "@olik1"

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