Wasserknappheit "Wir denken wie vor 10.000 Jahren"Seite 2/2

ZEIT: Aber der Konflikt ums Wasser schwelt noch immer zwischen Israelis und Palästinensern. In Indien, Kenia, Uganda wird immer öfter um Quellen gekämpft. Auch in Darfur

Allan: Gewiss gibt es viele lokale Konflikte um Wasser – aber keine zwischenstaatlichen Kriege. Zugleich wird der Handel mit virtuellem Wasser immer bedeutsamer. In Ägypten entsprachen die Einfuhren 1970 drei Kubikkilometern Wasser pro Jahr – heute sind es über 30 Kubikkilometer. Der Nahe Osten und Nordafrika importieren ein Drittel ihres Verbrauchs.

ZEIT: Die meisten Länder wollen sich von den Ressourcen anderer unabhängig machen, um nicht erpressbar zu sein.

Allan: Aber Nahrungsmittelsouveränität ist nicht für alle Staaten eine Lösung. Auch hier sehe ich eine falsche Konstruktion der Wirklichkeit, die in der Gesellschaft überdauert. Die Vorstellung: Wir werden schon genug Wasser haben.

ZEIT: Viele trockene Länder sind sehr arm. Ohne Devisen für Nahrungsimporte können sie von den Chancen virtuellen Wasserhandels nur träumen.

Allan: Gewiss, Wasserprobleme löst man außerhalb des Wassersektors. Wir müssen die Ökonomien umwandeln. Stattdessen verhindern wir Entwicklung oft, indem wir billige Nahrungsmittel auf die Märkte armer Länder werfen. So bleiben die Bauern arm.

ZEIT: Besonders bedrohlich ist doch, dass die Produktionssteigerungen auch in den Kornkammern der Welt an Ressourcengrenzen stoßen – ob in Indien, China, Australien oder den USA.

Allan: Eines ist völlig klar: Unser derzeitiges Konsumverhalten ist potenziell tödlich. Ein Großteil des Wassereinsatzes in der Landwirtschaft dient der Erzeugung von Viehfutter. Mit einer fleischlosen Ernährungsweise könnten wir den Wasserverbrauch in der Welt halbieren! Ich bin selbst Vegetarier geworden und kann Sie beruhigen: Es ist gar nicht schwer.

Die Fragen stellte Christiane Grefe

 
Leser-Kommentare
  1. Anthony Allan sagt: "Aber Nahrungsmittelsouveränität ist nicht für alle Staaten eine Lösung. Auch hier sehe ich eine falsche Konstruktion der Wirklichkeit, die in der Gesellschaft überdauert."
    Nach dieser problematischen Behauptung fährt er weiter unten fort:
    "Gewiss, Wasserprobleme löst man außerhalb des Wassersektors. Wir müssen die Ökonomien umwandeln. Stattdessen verhindern wir Entwicklung oft, indem wir billige Nahrungsmittel auf die Märkte armer Länder werfen. So bleiben die Bauern arm."
    Für sich betrachtet ist die zweite Aussage zutreffend. Sie steht aber in völligem Widerspruch zu Allans Auffassung bezüglich der Nahrungsmittelsouveränität, da sie die Schlußfolgerung zuläßt, daß ärmere Länder entweder gar nicht oder zu Preisen über dem Niveau des Weltmarktes beliefert werden sollen.
    Wie der Artikel zeigt, ist es gleichgültig, ob wir wie vor 10.000 Jahren denken.
    Wichtig ist, daß wir logisch denken.

    • olik1
    • 21.07.2009 um 10:34 Uhr

    @Partylöwe
    wie sollen einheimische Bauern und Bäuerinnen einen Markt für ihre, oft wasserangepasst produzierten, Waren finden, wenn es einen Überschuss billiger Importware gibt?

  2. 3. @olik1

    Partylöwe
    wie sollen einheimische Bauern und Bäuerinnen einen Markt für ihre, oft wasserangepasst produzierten, Waren finden, wenn es einen Überschuss billiger Importware gibt?

    Durch staatlich verfügte Einfuhrbeschränkungen und Schutzzölle.

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    ja gegen die WTO verstoßen

    ja gegen die WTO verstoßen

  3. ja gegen die WTO verstoßen

    Antwort auf "@olik1"

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