Politik Mehr Geld, mehr Geist, mehr Zukunft
Wer Wohlstand will, braucht Wissenschaft. Das war im Bundestagswahlkampf bisher kein Thema. Es wird Zeit, über Bildung und Forschung zu streiten
Am 27. September ist Bundestagswahl. In der vergangenen Woche diskutierten Ministerin Annette Schavan und Vertreter der Bundestagsfraktionen in Berlin über die künftige Forschungspolitik. Denn in der Debatte um schnelle Hilfen für die Not leidende Wirtschaft – Rettungspakete, Staatsbürgschaften, Steuersenkungen – droht eine entscheidende Frage in Vergessenheit zu geraten: Was müssen wir nach der Wahl für Bildung und Wissenschaft tun, um Deutschland langfristig für die Zukunft zu rüsten?
DIE ZEIT: Von 2011 an wollen Bund und Länder 18 Milliarden Euro zusätzlich in Bildung und Forschung investieren, allerdings haben einige Ministerpräsidenten nur unter der Bedingung zugestimmt, dass die Steuereinnahmen das zulassen. Zugleich wollen Union und FDP nach der Wahl die Einkommensteuer senken. Sind die versprochenen Zukunftsinvestitionen in Gefahr?
Annette Schavan: Die Finanzminister hätten es lieber gesehen, wenn wir die Programme auf den Herbst verschoben hätten. Aber wir haben gesagt: Nein, gerade jetzt ist das ein wichtiges Signal. Mit 18 Milliarden Euro für die Exzellenzinitiative, den Pakt für Forschung und Innovation und den Hochschulpakt sehen wir die größte Investition in Bildung und Wissenschaft vor, die es je in Deutschland gegeben hat. Jeder weiß, dass es nach der Wahl einen neuen Entwurf geben wird. Aber ich möchte den sehen, der hinter diese Vereinbarung zurückgeht.
Jürgen Zöllner: Man muss sich überlegen, dass diese drei Pakete schon im völligen Bewusstsein der finanziellen Schwierigkeiten der öffentlichen Hand beschlossen wurden. Wir machen es wie avisiert, also nicht in abgespeckter Version. Was vorgelegt wurde, ist nicht nur die Kontinuität der Finanzierung von Forschung, sondern ein Aufbruch.
Krista Sager: Aus meiner Sicht sind die großen Forschungspakete finanziell nicht abgesichert. Die Finanzminister diverser Länder haben die ganz klare Ansage gemacht, dass sie nicht wissen, wie sie die Mittel erbringen sollen. Der Bundeshaushalt ist jetzt mit dem Vermerk versehen worden: Der Finanzplan bis 2013 bildet 2,4 Milliarden Euro nicht ab. Ich schließe daraus, dass wir keinen Platz für Steuergeschenke haben, wenn wir unsere Ziele in Bildung und Forschung erreichen wollen.
Patrick Meinhardt: Ich sehe die Zerreißprobe an dieser Stelle nicht. Deutschland muss ein attraktiver Bildungs- und Forschungsstandort sein. Dafür müssen Investitionen möglich sein. Insofern stimme ich mit dem überein, was der Bundespräsident dieser Tage gesagt hat: Wir müssen an das Steuersystem heran.
ZEIT: Die staatliche Forschungsförderung kommt bisher vor allem den Großen zugute. Könnten Steuervorteile für kleine und mittlere forschende Unternehmen nicht einen wichtigen Impuls geben?
Schavan: Der Konsens dafür ist im Laufe der letzten Monate stark gestiegen. Ich glaube, dieses Instrument findet sich in allen Wahlprogrammen, zumindest im Programm meiner Partei. Es ist aber nicht das einzige Instrument. Genauso wichtig war das, was wir mit der Hightechstrategie verbinden: In jeder Innovationsallianz, in der ein Anteil des Bundes steckt, finden sich mindestens fünf Anteile der Unternehmen; das Verhältnis ist etwa 60:360. Das hat Geld mobilisiert.
Petra Sitte: Wir haben uns eher distanziert bis ablehnend dazu verhalten. Man sollte die existierenden Förderprogramme entbürokratisieren und Zugänge erleichtern, bevor man anfängt, eine pauschale Vergünstigung auszuschütten, wie das ja bei einer steuerlichen Forschungsförderung der Fall wäre. Damit würde man Bereiche unterstützen, die einer steuerlichen Begünstigung gar nicht bedürfen – zum Beispiel Teilbereiche der Automobilindustrie, Komponenten von Sportwagen, Zulieferer der Atomkraftindustrie oder die Sicherheitsforschung.
Sager: Wir waren die erste Partei, die im Deutschen Bundestag ein Programm für Steuergutschriften bei kleinen und mittleren Unternehmen eingebracht hat. Wir finden das richtig, denn in fast allen OECD-Ländern gibt es neben der Projektförderung auch eine steuerliche Förderung. Eine Steuergutschrift hat den Vorteil, dass selbst ein Start-up-Unternehmen, das keine Gewinne macht, eine Auszahlung bekommt. Mich ärgert, dass die Große Koalition, die jetzt vier Jahre Zeit dafür hatte, nichts getan hat, obwohl sie oft darauf hingewiesen wurde, dass es hier eine Lücke in der Forschungsförderung in Deutschland gibt.
Zöllner: Auch meine Partei ist der Meinung, dass man über die Unterstützung von Forschung und Entwicklung bei kleinen und mittleren Unternehmen nachdenken sollte. Wir sollten aber nicht nur auf die Steuerseite gucken, wenn wir den Nachholbedarf des privaten Sektors, der in Forschung investiert, angehen wollen. In allen Branchen ist ja eine Verringerung der Fertigungstiefe zu beobachten, das heißt, wir müssen noch entschlossener eine geeignete Infrastruktur aufbauen, um den Wissenstransfer in kleine und mittlere Betriebe zu erleichtern.
- Datum 20.07.2009 - 14:11 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 16.07.2009 Nr. 30
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Schade, dass die ZEIT keine unbequemen Fragen gestellt hat, z.B. wer die ganze Frauenbevorzugung bezahlen soll, wenn man Jungen im gesamten Schul- und Ausbildungssystem konsequent diskriminiert und jeglicher Zukunftschancen beraubt.
Inwiefern werden Jungen "im gesamten Schul- und Ausbildungssystem konsequent diskriminiert und jeglicher Zukunftschancen beraubt"? Lassen wir mal das Stilmittel der Übertreibung - v.a. im Bezug auf den zweiten Teil Ihrer Aussage - außer Acht: Zumindest während meiner Schulzeit habe ich davon nichts mitbekommen, aber vielleicht kommt das ja noch, demnächst im Studium ...
Inwiefern werden Jungen "im gesamten Schul- und Ausbildungssystem konsequent diskriminiert und jeglicher Zukunftschancen beraubt"? Lassen wir mal das Stilmittel der Übertreibung - v.a. im Bezug auf den zweiten Teil Ihrer Aussage - außer Acht: Zumindest während meiner Schulzeit habe ich davon nichts mitbekommen, aber vielleicht kommt das ja noch, demnächst im Studium ...
Inwiefern werden Jungen "im gesamten Schul- und Ausbildungssystem konsequent diskriminiert und jeglicher Zukunftschancen beraubt"? Lassen wir mal das Stilmittel der Übertreibung - v.a. im Bezug auf den zweiten Teil Ihrer Aussage - außer Acht: Zumindest während meiner Schulzeit habe ich davon nichts mitbekommen, aber vielleicht kommt das ja noch, demnächst im Studium ...
Jungen erhalten, wie inzwischen einige Studien (z.B. Quasum in Brandenburg: http://tinyurl.com/quasum , die Hamburger LAU-Studie: http://tinyurl.com/myxr7x (Kapitel 5)) oder jüngst die Studie des Aktionsrats Bildung) nachgewiesen haben, bei gleichen Leistungen schlechtere Noten und bei gleichen Noten am Ende der Grundschulzeit weniger Gymnasialempfehlungen. Als Ergebnis dieser Praxis sind Jungen demotiviert und erbringen tatsächlich leicht schlechtere Leistungen als Mädchen (diese rechtfertigen aber nicht diesen Notenunterschied); sie sind deshalb auch inzwischen beim Abitur unterrepräsentiert und bei Schulabbrechern und Hauptschülern überrepräsentiert. Deswegen sind seit Jahren wesentlich mehr junge Männer als Frauen arbeitslos (siehe aktuelle Pressemitteilung des DGB; dieser Zustand ist übrigens auch durch die Frauenbevorzugung v.a. von großen Unternehmen entstanden (z.B. verkündet Bosch, besonders Frauen zu suchen (http://berufundchance.faz...) und (wie mir ein Personaler unter vier Augen mitgeteilt hat) stellt Daimler in der Krise keine Ingenieure, sondern nur noch Ingenieurinnen ein).
Außerdem gibt es umfangreiche Mädchenförderung im MINT-Bereich; kaum eine Universität/Forschungseinrichtung der genannten Richtung hat kein Mädchen/Frauenförderprojekt (der Girls' Day ist hier noch nicht einmal hinzugerechnet) und auch sehr viel Forschung im Bereich Mädchen und MINT (wie z.B. http://www.bmbf.de/pot/do... -- für Jungenforschung ist natürlich kein Geld da); damit will ich natürlich nicht sagen, dass sich die Mädchenförderung auf diesen Bereich beschränkt, nein auch bei Fächern (wie z.B. Biologie und teilweise auch Tiermedizin), in denen Frauen schon längst die Mehrheit der Studenten und Mädchen die besseren (im Sinne von erfolgreicheren; wie oben erwähnt bedeuten bessere Noten von Mädchen ja nicht unbedingt bessere Leistungen) Schüler sind, gibt es Girls' Days und anderes. Auch bei Migranten gibt es spezielle (Bildungs-)Programme nur für Mädchen, aber keine für Jungen, obwohl hier die geschlechtsspezifischen Unterschiede besonders groß sind.
Und was gibt es für die Jungen? Für sie gibt es das Projekt "Neue Wege für Jungs" (NWfJ). Dieses Projekt ist kein Bildungsprojekt, sondern ein Sozialisationsprojekt (und wird deshalb auch nur vom Ministerium für alles außer Männer, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) angesiedelt -- der Girls' Day wird vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und dem BMFSFJ (und noch vielen anderen Aktionspartnern) unterstützt). NWfJ ist mit dem Girls Day also weder von der Zielsetzung und übrigens auch nicht vom finanziellen und personellen Aufwand her vergleichbar (das erkennt man z.B. der Seite von NWfJ auch an). NWfJ wurde aus im Wesentlichen drei Gründen gestartet:
1. NWfJ dient der Umerziehung von Jungen: Jungen sollen hier lernen, das Klo sauberzumachen (im Zuge eines Haushaltspasses) und den Mädchen nicht den Platz wegzunehmen (http://www.neue-wege-fuer...). Sie werden deshalb in die schlechtbezahlten Frauenberufe (und nur in die schlechtbezahlten, die gutbezahlten sollen weiter Frauen einnehmen) gedrängt. Dies ist das Motiv der FeministInnen hinter NWfJ.
2. Nachdem Jungen, wie oben schon erwähnt, wesentlich häufiger ohne Schulabschluss dastehen und auch eine höhere Arbeitslosigkeit aufweisen, verursachen sie natürlich Kosten in den Sozialkassen (gnz zu schweigen davon, dass sie nicht einzahlen). Deshalb die Bemühungen, Jungen in die Berufe, zu denen man Mädchen nicht mehr rät, zu bekommen. Der sozialverträgliche (d.h. einer, der den Staat nichts kostet und der keine Unruhen verursacht) Schulverlierer ist hier das Modell. Dies ist die Motivation der Finanzminister.
3. Es ist der Bevölkerung nicht unbemerkt geblieben, dass Jungen in der Schule schlechter abschneiden. NWfJ dient auch als Alibi-Vorzeigeprojekt, damit Politiker behaupten können, sie würden etwas in dieser Sache tun. Wie sich aber aus dem Gesagten ergibt, dient NWfJ nicht dazu, die Bildungssituation von Jungen zu verbessern.
Was unternimmt die Politik insbesondere nicht? Hier eine unvollständige Liste:
- Die Ursachenforschung wird nicht wirklich gefördert.
- Sie unterbindet z.B. folgende Veranstaltungen nicht: http://www.gea.de/detail/... ; http://www.gympeg.de/eige... (sehr interessant! -- hier wird weibliche Gewalt verherrlicht); http://www.sailer-gymnasi... ("Die Schulspielgruppe [...] machte aber gerade dabei die Aktualität der Thematik des Stücks deutlich:
Bornierte Mannsbilder waren zu allen Zeiten so intensiv mit kriegerischem Dreinhauen beschäftigt, dass Frauen nicht nur unter der Trennung, sondern auch unter der Gefahr litten, in Witwen verwandelt zu werden." -- Dieses Weltbild ist leider an Schulen zu weit verbreitet.)
- Allgemein herrscht an Schulen (d.h. in den Köpfen der LehrerInnen) ein sehr negatives Jungenbild, welches aus Stören, Aggresivität, "Macho-Gehabe" und Faulheit besteht. Gemäß diesem Bild werden die Jungen in der Schule auch behandelt: Sie müssen in Gewaltpräventionskursen lernen, wie sie Mädchen nicht mehr schlagen/vergewaltigen (was die überwältigende Mehrheit nicht tut), während man gleichzeitig in Selbstbehauptungs- und verteidigungskursen (von denen Jungen häufig ausgeschlossen sind) Mädchen fördert. Diese Kurse tragen nicht nur zur Verfestigung althergebrachter Rollenbilder (also dem Gegenteil dessen, was Gender Mainstreaming vorgibt tun zu wollen (de facto ist es an dieser Stelle natürlich erwünscht)) -- nämlich: Mann als Schläger, Frau als Opfer -- bei, sie sind ein Teild er Ursache, warum Jungen Schule weniger mögen.
- Dieses negative (Männer- und) Jungenbild ist auch in den Medien verbreitet, in denen zu selten positiv über Jungen berichtet wird. ("Bis in die 70er-Jahre gab es ein positives, heroisches Männerbild, sie waren Entdecker der Welt, Staatenlenker, Ärzte und Heilige. Dieses Bild wurde durch den Feminismus niedergerissen. Seither werden Männer fast nur negativ dargestellt: als Naturzerstörer und Kriegstreiber, Pornografen und Vergewaltiger. Von der ursprünglich positiven Männlichkeit ist nicht viel übrig." -- Walter Hollstein) Dies gilt es durch spezielle Medienpreise zu ändern.
- In den Fächern, die vermehrt Frauen studieren, gibt es keine speziellen Werbekampagnen und Fördermaßnahmen für Jungen. Beispiel: Sprachfakultäten und veterinärmedizinische Fakultäten sollten nicht nur am derzeitigen "Girls' Day" (der gegen einen auch dem Namen nach gleichberechtigten Zukunftstag zu ersetzen ist) Veranstaltungen ausschließlich für Jungen anbieten (de facto tun sie noch nicht einmal das), sondern auch z.B. Sommerschulen ausschließlich für Jungen -- dies wäre das Äquivalent zu den vielen Mädchen-Technik-Initiativen. Es hätte auch noch den positiven Nebeneffekt, dass hierdurch Sprachen einen Teil ihrer weiblichen Prägung verlieren und angehende LehrerInnen den Umgang mit Jungen und das Halten eines Jungen ansprechenden Unterrichts üben können.
- Die Themenwahl und die Bewertungsmaßstäbe in den sprachlichen und künstlerischen Fächern müssen angepasst werden, um jungengerechter zu werden (z.B. sollte die äußere Form einer Arbeit in Deutsch nicht mehr in die Bewertung einfließen dürfen).
- Mentoring-Programme für Jungen (für Mädchen gibt es das schon längst, inzwischen ist auch ein Cybermentoring dabei).
- Gleichberechtigte Teilnahme am Zukunftstag (und zwar in allen Berufen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind und nicht nur den schlechtbezahlten!). Alternativ könnte man auch jegliche geschlechtliche Komponente des Zukunftstags entfernen.
- Besondere Förderung der Jungen mit Migrationshintergrund; außerdem muss dem Klischeebild des benachteiligten türkischen Mädchens durch spezielle Informationskampagnen entgegen gewirkt werden.
- Prämien für die Schulen, die sich am erfolgreichsten für Gleichstellung (und das bedeutet im schulischen Kontext zumeist: Jungenförderung) einsetzen; aktuell könnte man z.B. in Berlin an den Gymnasien in Zukunft die Plätze gemäß ihrem Anteil an den entsprechenden Jahrgängen verteilen, da die Gymnasien dort sowieso überlaufen sein werden. (Dafür ist bei den Regierungsparteien, die unter Gleichberechtigung nur Frauenförderung/-bevorzugung verstehen, natürlich kein politischer Wille vorhanden.)
- Und natürlich sollte man nicht nur die schulische Situation im Blickfeld haben, sondern auch andere Themen wie z.B. Suizid und Gesundheit: Die amtlichen Selbstmordraten für Jungs sind in der Pubertät 7 mal höher als die für Mädchen (und weil viele Selbstmorde nicht als solche erkannt werden, schätzt man, dass sie in Wahrheit 12 mal so hoch wie die der Mädchen ist). Die Gründe hierfür werden aber leider nicht erforscht! Außerdem gibt esin Deutschland viele Anlaufstellen für Mädchen, die von Gewalt betroffen sind; für Jungen gibt es nur 3. (Die meisten vereine, die sich in diesem Bereich engagieren, kennen Jungen nur als Täter.) Siehe hierzu auch http://www.aerztezeitung.... und http://www.youtube.com/wa...
Übrigens: Ja, die Benachteiligung werden Sie es merken. In den Universitäten und Fachhochschulen macht man schließlich keinen Hehl mehr daraus -- hier gibt es Mentoring für Frauen, Stipendien für Frauen, Frauenbeauftragte (in einigen Bundesländern nennt man sie Gleichstellungsbeauftragte, das ist aber nur Tarnung -- nur Frauen haben das Wahlrecht für sie) und natürlich werden Frauen bei gleicher eignung bevorzugt eingestellt (wobei die Frauenbeauftragte natürlich bei Berufungsverhandlungen dabei ist und bestimmen kann, wer geeignet ist). Dies geschieht übrigens auch dort, wo Frauen die absolute Mehrheit stellen, wie z.B. hier: http://www.academics.de/j... (der Gender-Bereich wäre übrigens ein weiterer Berufszweig, den man Jungen zeigen sollte!). In einigen Bundesländern geht man übrigens so weit, dass, wenn Frauen unterrepräsentiert sind und sich auf eine ausgeschriebene Stelle keine Frau beworben hat, das Anforderungsprofil der Stelle verändert (zu Gunsten von Qualitäten, die man bei Frauen eher vermutet) und dann die Ausschreibung wiederholt; gleichzeitig wird natürlich systematisch nach qualifizierten Frauen gesucht, die die Anforderungen erfüllen könnten und die dann auch auf die Stelle aufmerksam gemacht werden. Dasselbe passiert z.B. bei Grundschullehrern nicht.
Jungen erhalten, wie inzwischen einige Studien (z.B. Quasum in Brandenburg: http://tinyurl.com/quasum , die Hamburger LAU-Studie: http://tinyurl.com/myxr7x (Kapitel 5)) oder jüngst die Studie des Aktionsrats Bildung) nachgewiesen haben, bei gleichen Leistungen schlechtere Noten und bei gleichen Noten am Ende der Grundschulzeit weniger Gymnasialempfehlungen. Als Ergebnis dieser Praxis sind Jungen demotiviert und erbringen tatsächlich leicht schlechtere Leistungen als Mädchen (diese rechtfertigen aber nicht diesen Notenunterschied); sie sind deshalb auch inzwischen beim Abitur unterrepräsentiert und bei Schulabbrechern und Hauptschülern überrepräsentiert. Deswegen sind seit Jahren wesentlich mehr junge Männer als Frauen arbeitslos (siehe aktuelle Pressemitteilung des DGB; dieser Zustand ist übrigens auch durch die Frauenbevorzugung v.a. von großen Unternehmen entstanden (z.B. verkündet Bosch, besonders Frauen zu suchen (http://berufundchance.faz...) und (wie mir ein Personaler unter vier Augen mitgeteilt hat) stellt Daimler in der Krise keine Ingenieure, sondern nur noch Ingenieurinnen ein).
Außerdem gibt es umfangreiche Mädchenförderung im MINT-Bereich; kaum eine Universität/Forschungseinrichtung der genannten Richtung hat kein Mädchen/Frauenförderprojekt (der Girls' Day ist hier noch nicht einmal hinzugerechnet) und auch sehr viel Forschung im Bereich Mädchen und MINT (wie z.B. http://www.bmbf.de/pot/do... -- für Jungenforschung ist natürlich kein Geld da); damit will ich natürlich nicht sagen, dass sich die Mädchenförderung auf diesen Bereich beschränkt, nein auch bei Fächern (wie z.B. Biologie und teilweise auch Tiermedizin), in denen Frauen schon längst die Mehrheit der Studenten und Mädchen die besseren (im Sinne von erfolgreicheren; wie oben erwähnt bedeuten bessere Noten von Mädchen ja nicht unbedingt bessere Leistungen) Schüler sind, gibt es Girls' Days und anderes. Auch bei Migranten gibt es spezielle (Bildungs-)Programme nur für Mädchen, aber keine für Jungen, obwohl hier die geschlechtsspezifischen Unterschiede besonders groß sind.
Und was gibt es für die Jungen? Für sie gibt es das Projekt "Neue Wege für Jungs" (NWfJ). Dieses Projekt ist kein Bildungsprojekt, sondern ein Sozialisationsprojekt (und wird deshalb auch nur vom Ministerium für alles außer Männer, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) angesiedelt -- der Girls' Day wird vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und dem BMFSFJ (und noch vielen anderen Aktionspartnern) unterstützt). NWfJ ist mit dem Girls Day also weder von der Zielsetzung und übrigens auch nicht vom finanziellen und personellen Aufwand her vergleichbar (das erkennt man z.B. der Seite von NWfJ auch an). NWfJ wurde aus im Wesentlichen drei Gründen gestartet:
1. NWfJ dient der Umerziehung von Jungen: Jungen sollen hier lernen, das Klo sauberzumachen (im Zuge eines Haushaltspasses) und den Mädchen nicht den Platz wegzunehmen (http://www.neue-wege-fuer...). Sie werden deshalb in die schlechtbezahlten Frauenberufe (und nur in die schlechtbezahlten, die gutbezahlten sollen weiter Frauen einnehmen) gedrängt. Dies ist das Motiv der FeministInnen hinter NWfJ.
2. Nachdem Jungen, wie oben schon erwähnt, wesentlich häufiger ohne Schulabschluss dastehen und auch eine höhere Arbeitslosigkeit aufweisen, verursachen sie natürlich Kosten in den Sozialkassen (gnz zu schweigen davon, dass sie nicht einzahlen). Deshalb die Bemühungen, Jungen in die Berufe, zu denen man Mädchen nicht mehr rät, zu bekommen. Der sozialverträgliche (d.h. einer, der den Staat nichts kostet und der keine Unruhen verursacht) Schulverlierer ist hier das Modell. Dies ist die Motivation der Finanzminister.
3. Es ist der Bevölkerung nicht unbemerkt geblieben, dass Jungen in der Schule schlechter abschneiden. NWfJ dient auch als Alibi-Vorzeigeprojekt, damit Politiker behaupten können, sie würden etwas in dieser Sache tun. Wie sich aber aus dem Gesagten ergibt, dient NWfJ nicht dazu, die Bildungssituation von Jungen zu verbessern.
Was unternimmt die Politik insbesondere nicht? Hier eine unvollständige Liste:
- Die Ursachenforschung wird nicht wirklich gefördert.
- Sie unterbindet z.B. folgende Veranstaltungen nicht: http://www.gea.de/detail/... ; http://www.gympeg.de/eige... (sehr interessant! -- hier wird weibliche Gewalt verherrlicht); http://www.sailer-gymnasi... ("Die Schulspielgruppe [...] machte aber gerade dabei die Aktualität der Thematik des Stücks deutlich:
Bornierte Mannsbilder waren zu allen Zeiten so intensiv mit kriegerischem Dreinhauen beschäftigt, dass Frauen nicht nur unter der Trennung, sondern auch unter der Gefahr litten, in Witwen verwandelt zu werden." -- Dieses Weltbild ist leider an Schulen zu weit verbreitet.)
- Allgemein herrscht an Schulen (d.h. in den Köpfen der LehrerInnen) ein sehr negatives Jungenbild, welches aus Stören, Aggresivität, "Macho-Gehabe" und Faulheit besteht. Gemäß diesem Bild werden die Jungen in der Schule auch behandelt: Sie müssen in Gewaltpräventionskursen lernen, wie sie Mädchen nicht mehr schlagen/vergewaltigen (was die überwältigende Mehrheit nicht tut), während man gleichzeitig in Selbstbehauptungs- und verteidigungskursen (von denen Jungen häufig ausgeschlossen sind) Mädchen fördert. Diese Kurse tragen nicht nur zur Verfestigung althergebrachter Rollenbilder (also dem Gegenteil dessen, was Gender Mainstreaming vorgibt tun zu wollen (de facto ist es an dieser Stelle natürlich erwünscht)) -- nämlich: Mann als Schläger, Frau als Opfer -- bei, sie sind ein Teild er Ursache, warum Jungen Schule weniger mögen.
- Dieses negative (Männer- und) Jungenbild ist auch in den Medien verbreitet, in denen zu selten positiv über Jungen berichtet wird. ("Bis in die 70er-Jahre gab es ein positives, heroisches Männerbild, sie waren Entdecker der Welt, Staatenlenker, Ärzte und Heilige. Dieses Bild wurde durch den Feminismus niedergerissen. Seither werden Männer fast nur negativ dargestellt: als Naturzerstörer und Kriegstreiber, Pornografen und Vergewaltiger. Von der ursprünglich positiven Männlichkeit ist nicht viel übrig." -- Walter Hollstein) Dies gilt es durch spezielle Medienpreise zu ändern.
- In den Fächern, die vermehrt Frauen studieren, gibt es keine speziellen Werbekampagnen und Fördermaßnahmen für Jungen. Beispiel: Sprachfakultäten und veterinärmedizinische Fakultäten sollten nicht nur am derzeitigen "Girls' Day" (der gegen einen auch dem Namen nach gleichberechtigten Zukunftstag zu ersetzen ist) Veranstaltungen ausschließlich für Jungen anbieten (de facto tun sie noch nicht einmal das), sondern auch z.B. Sommerschulen ausschließlich für Jungen -- dies wäre das Äquivalent zu den vielen Mädchen-Technik-Initiativen. Es hätte auch noch den positiven Nebeneffekt, dass hierdurch Sprachen einen Teil ihrer weiblichen Prägung verlieren und angehende LehrerInnen den Umgang mit Jungen und das Halten eines Jungen ansprechenden Unterrichts üben können.
- Die Themenwahl und die Bewertungsmaßstäbe in den sprachlichen und künstlerischen Fächern müssen angepasst werden, um jungengerechter zu werden (z.B. sollte die äußere Form einer Arbeit in Deutsch nicht mehr in die Bewertung einfließen dürfen).
- Mentoring-Programme für Jungen (für Mädchen gibt es das schon längst, inzwischen ist auch ein Cybermentoring dabei).
- Gleichberechtigte Teilnahme am Zukunftstag (und zwar in allen Berufen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind und nicht nur den schlechtbezahlten!). Alternativ könnte man auch jegliche geschlechtliche Komponente des Zukunftstags entfernen.
- Besondere Förderung der Jungen mit Migrationshintergrund; außerdem muss dem Klischeebild des benachteiligten türkischen Mädchens durch spezielle Informationskampagnen entgegen gewirkt werden.
- Prämien für die Schulen, die sich am erfolgreichsten für Gleichstellung (und das bedeutet im schulischen Kontext zumeist: Jungenförderung) einsetzen; aktuell könnte man z.B. in Berlin an den Gymnasien in Zukunft die Plätze gemäß ihrem Anteil an den entsprechenden Jahrgängen verteilen, da die Gymnasien dort sowieso überlaufen sein werden. (Dafür ist bei den Regierungsparteien, die unter Gleichberechtigung nur Frauenförderung/-bevorzugung verstehen, natürlich kein politischer Wille vorhanden.)
- Und natürlich sollte man nicht nur die schulische Situation im Blickfeld haben, sondern auch andere Themen wie z.B. Suizid und Gesundheit: Die amtlichen Selbstmordraten für Jungs sind in der Pubertät 7 mal höher als die für Mädchen (und weil viele Selbstmorde nicht als solche erkannt werden, schätzt man, dass sie in Wahrheit 12 mal so hoch wie die der Mädchen ist). Die Gründe hierfür werden aber leider nicht erforscht! Außerdem gibt esin Deutschland viele Anlaufstellen für Mädchen, die von Gewalt betroffen sind; für Jungen gibt es nur 3. (Die meisten vereine, die sich in diesem Bereich engagieren, kennen Jungen nur als Täter.) Siehe hierzu auch http://www.aerztezeitung.... und http://www.youtube.com/wa...
Übrigens: Ja, die Benachteiligung werden Sie es merken. In den Universitäten und Fachhochschulen macht man schließlich keinen Hehl mehr daraus -- hier gibt es Mentoring für Frauen, Stipendien für Frauen, Frauenbeauftragte (in einigen Bundesländern nennt man sie Gleichstellungsbeauftragte, das ist aber nur Tarnung -- nur Frauen haben das Wahlrecht für sie) und natürlich werden Frauen bei gleicher eignung bevorzugt eingestellt (wobei die Frauenbeauftragte natürlich bei Berufungsverhandlungen dabei ist und bestimmen kann, wer geeignet ist). Dies geschieht übrigens auch dort, wo Frauen die absolute Mehrheit stellen, wie z.B. hier: http://www.academics.de/j... (der Gender-Bereich wäre übrigens ein weiterer Berufszweig, den man Jungen zeigen sollte!). In einigen Bundesländern geht man übrigens so weit, dass, wenn Frauen unterrepräsentiert sind und sich auf eine ausgeschriebene Stelle keine Frau beworben hat, das Anforderungsprofil der Stelle verändert (zu Gunsten von Qualitäten, die man bei Frauen eher vermutet) und dann die Ausschreibung wiederholt; gleichzeitig wird natürlich systematisch nach qualifizierten Frauen gesucht, die die Anforderungen erfüllen könnten und die dann auch auf die Stelle aufmerksam gemacht werden. Dasselbe passiert z.B. bei Grundschullehrern nicht.
Pah! Bildung ist andauernd Thema - schöner Reden jedenfalls. Aber wie bei
Allem, was keine kurzfristige auch für den Normaldeppen klar erkennbaren Veränderungen bewirkt, interessieren sich Politiker nicht für dieses Thema, denn da fehlen ihnen die Profilierungsmöglichkeiten. Das heißt kürzlich haben sich eine Reihe von Politikern, bzw. einseitig gebildeten, schon auf diesem Feld profiliert. Als Ergebnis erhielten wir die Reform der Studiengänge. Da auch noch mal von meiner Seite ein herzlichstes Dankeschön an die hochverehrte Frau Bildungsministerin und ihre persönliche Profilierungssucht.
Wer die Zukunft dieser Republick in den Dreck fährt sollte jedem gebildeten eigentlich klar ersichtlich sein, oder ist das vielleicht der Grund, wesshalb so mühevoll das Bidungswesen 'reformiert' wird?
Gruß
Diese Geschichte ist wie ein schlechter Witz. Da hiess es in den 80ern:
Warum brauchen wir Grundlagenforschung, das kostet doch zuviel und bringt kein Geld rein.
Man entliess alle Grundlagenforscher, jedoch auch die Anwendungen liessen nach
In den 90ern:
Man wollte sparen und schaffte die unbefristeten Zeitvertraege ab. Es gab nun nur noch befristete Jobs fuer hochqualifizierte Wissenschaftler.
2000-2009
Man machte noch eine groessere Reform, man verlangt nun Geld von den Studenten, jedoch die Lehre besserte sich nicht. Man entschloss sich auch das gute alte Diplom abzuschaffen um es durch schlechteres zu ersetzen.
Fazit: Bisher wurde sowohl die Lehre wie auch die Forschung von Jahr zu Jahr verschlechtert, egal wieviel Geld man in kurzfristige sogenannte Exzellensinitiativen investierte. Gefoerdert wurde bisher nie, nur gefordert.
Deswegen wandern ja auch soviele sogenannte Hochqualifizierte ab und dieser Trend ist bisher das einzige welches den betroffenen Wissenschaftlern wirklich genutzt hat.
Jungen erhalten, wie inzwischen einige Studien (z.B. Quasum in Brandenburg: http://tinyurl.com/quasum , die Hamburger LAU-Studie: http://tinyurl.com/myxr7x (Kapitel 5)) oder jüngst die Studie des Aktionsrats Bildung) nachgewiesen haben, bei gleichen Leistungen schlechtere Noten und bei gleichen Noten am Ende der Grundschulzeit weniger Gymnasialempfehlungen. Als Ergebnis dieser Praxis sind Jungen demotiviert und erbringen tatsächlich leicht schlechtere Leistungen als Mädchen (diese rechtfertigen aber nicht diesen Notenunterschied); sie sind deshalb auch inzwischen beim Abitur unterrepräsentiert und bei Schulabbrechern und Hauptschülern überrepräsentiert. Deswegen sind seit Jahren wesentlich mehr junge Männer als Frauen arbeitslos (siehe aktuelle Pressemitteilung des DGB; dieser Zustand ist übrigens auch durch die Frauenbevorzugung v.a. von großen Unternehmen entstanden (z.B. verkündet Bosch, besonders Frauen zu suchen (http://berufundchance.faz...) und (wie mir ein Personaler unter vier Augen mitgeteilt hat) stellt Daimler in der Krise keine Ingenieure, sondern nur noch Ingenieurinnen ein).
Außerdem gibt es umfangreiche Mädchenförderung im MINT-Bereich; kaum eine Universität/Forschungseinrichtung der genannten Richtung hat kein Mädchen/Frauenförderprojekt (der Girls' Day ist hier noch nicht einmal hinzugerechnet) und auch sehr viel Forschung im Bereich Mädchen und MINT (wie z.B. http://www.bmbf.de/pot/do... -- für Jungenforschung ist natürlich kein Geld da); damit will ich natürlich nicht sagen, dass sich die Mädchenförderung auf diesen Bereich beschränkt, nein auch bei Fächern (wie z.B. Biologie und teilweise auch Tiermedizin), in denen Frauen schon längst die Mehrheit der Studenten und Mädchen die besseren (im Sinne von erfolgreicheren; wie oben erwähnt bedeuten bessere Noten von Mädchen ja nicht unbedingt bessere Leistungen) Schüler sind, gibt es Girls' Days und anderes. Auch bei Migranten gibt es spezielle (Bildungs-)Programme nur für Mädchen, aber keine für Jungen, obwohl hier die geschlechtsspezifischen Unterschiede besonders groß sind.
Und was gibt es für die Jungen? Für sie gibt es das Projekt "Neue Wege für Jungs" (NWfJ). Dieses Projekt ist kein Bildungsprojekt, sondern ein Sozialisationsprojekt (und wird deshalb auch nur vom Ministerium für alles außer Männer, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) angesiedelt -- der Girls' Day wird vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und dem BMFSFJ (und noch vielen anderen Aktionspartnern) unterstützt). NWfJ ist mit dem Girls Day also weder von der Zielsetzung und übrigens auch nicht vom finanziellen und personellen Aufwand her vergleichbar (das erkennt man z.B. der Seite von NWfJ auch an). NWfJ wurde aus im Wesentlichen drei Gründen gestartet:
1. NWfJ dient der Umerziehung von Jungen: Jungen sollen hier lernen, das Klo sauberzumachen (im Zuge eines Haushaltspasses) und den Mädchen nicht den Platz wegzunehmen (http://www.neue-wege-fuer...). Sie werden deshalb in die schlechtbezahlten Frauenberufe (und nur in die schlechtbezahlten, die gutbezahlten sollen weiter Frauen einnehmen) gedrängt. Dies ist das Motiv der FeministInnen hinter NWfJ.
2. Nachdem Jungen, wie oben schon erwähnt, wesentlich häufiger ohne Schulabschluss dastehen und auch eine höhere Arbeitslosigkeit aufweisen, verursachen sie natürlich Kosten in den Sozialkassen (gnz zu schweigen davon, dass sie nicht einzahlen). Deshalb die Bemühungen, Jungen in die Berufe, zu denen man Mädchen nicht mehr rät, zu bekommen. Der sozialverträgliche (d.h. einer, der den Staat nichts kostet und der keine Unruhen verursacht) Schulverlierer ist hier das Modell. Dies ist die Motivation der Finanzminister.
3. Es ist der Bevölkerung nicht unbemerkt geblieben, dass Jungen in der Schule schlechter abschneiden. NWfJ dient auch als Alibi-Vorzeigeprojekt, damit Politiker behaupten können, sie würden etwas in dieser Sache tun. Wie sich aber aus dem Gesagten ergibt, dient NWfJ nicht dazu, die Bildungssituation von Jungen zu verbessern.
Was unternimmt die Politik insbesondere nicht? Hier eine unvollständige Liste:
- Die Ursachenforschung wird nicht wirklich gefördert.
- Sie unterbindet z.B. folgende Veranstaltungen nicht: http://www.gea.de/detail/... ; http://www.gympeg.de/eige... (sehr interessant! -- hier wird weibliche Gewalt verherrlicht); http://www.sailer-gymnasi... ("Die Schulspielgruppe [...] machte aber gerade dabei die Aktualität der Thematik des Stücks deutlich:
Bornierte Mannsbilder waren zu allen Zeiten so intensiv mit kriegerischem Dreinhauen beschäftigt, dass Frauen nicht nur unter der Trennung, sondern auch unter der Gefahr litten, in Witwen verwandelt zu werden." -- Dieses Weltbild ist leider an Schulen zu weit verbreitet.)
- Allgemein herrscht an Schulen (d.h. in den Köpfen der LehrerInnen) ein sehr negatives Jungenbild, welches aus Stören, Aggresivität, "Macho-Gehabe" und Faulheit besteht. Gemäß diesem Bild werden die Jungen in der Schule auch behandelt: Sie müssen in Gewaltpräventionskursen lernen, wie sie Mädchen nicht mehr schlagen/vergewaltigen (was die überwältigende Mehrheit nicht tut), während man gleichzeitig in Selbstbehauptungs- und verteidigungskursen (von denen Jungen häufig ausgeschlossen sind) Mädchen fördert. Diese Kurse tragen nicht nur zur Verfestigung althergebrachter Rollenbilder (also dem Gegenteil dessen, was Gender Mainstreaming vorgibt tun zu wollen (de facto ist es an dieser Stelle natürlich erwünscht)) -- nämlich: Mann als Schläger, Frau als Opfer -- bei, sie sind ein Teild er Ursache, warum Jungen Schule weniger mögen.
- Dieses negative (Männer- und) Jungenbild ist auch in den Medien verbreitet, in denen zu selten positiv über Jungen berichtet wird. ("Bis in die 70er-Jahre gab es ein positives, heroisches Männerbild, sie waren Entdecker der Welt, Staatenlenker, Ärzte und Heilige. Dieses Bild wurde durch den Feminismus niedergerissen. Seither werden Männer fast nur negativ dargestellt: als Naturzerstörer und Kriegstreiber, Pornografen und Vergewaltiger. Von der ursprünglich positiven Männlichkeit ist nicht viel übrig." -- Walter Hollstein) Dies gilt es durch spezielle Medienpreise zu ändern.
- In den Fächern, die vermehrt Frauen studieren, gibt es keine speziellen Werbekampagnen und Fördermaßnahmen für Jungen. Beispiel: Sprachfakultäten und veterinärmedizinische Fakultäten sollten nicht nur am derzeitigen "Girls' Day" (der gegen einen auch dem Namen nach gleichberechtigten Zukunftstag zu ersetzen ist) Veranstaltungen ausschließlich für Jungen anbieten (de facto tun sie noch nicht einmal das), sondern auch z.B. Sommerschulen ausschließlich für Jungen -- dies wäre das Äquivalent zu den vielen Mädchen-Technik-Initiativen. Es hätte auch noch den positiven Nebeneffekt, dass hierdurch Sprachen einen Teil ihrer weiblichen Prägung verlieren und angehende LehrerInnen den Umgang mit Jungen und das Halten eines Jungen ansprechenden Unterrichts üben können.
- Die Themenwahl und die Bewertungsmaßstäbe in den sprachlichen und künstlerischen Fächern müssen angepasst werden, um jungengerechter zu werden (z.B. sollte die äußere Form einer Arbeit in Deutsch nicht mehr in die Bewertung einfließen dürfen).
- Mentoring-Programme für Jungen (für Mädchen gibt es das schon längst, inzwischen ist auch ein Cybermentoring dabei).
- Gleichberechtigte Teilnahme am Zukunftstag (und zwar in allen Berufen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind und nicht nur den schlechtbezahlten!). Alternativ könnte man auch jegliche geschlechtliche Komponente des Zukunftstags entfernen.
- Besondere Förderung der Jungen mit Migrationshintergrund; außerdem muss dem Klischeebild des benachteiligten türkischen Mädchens durch spezielle Informationskampagnen entgegen gewirkt werden.
- Prämien für die Schulen, die sich am erfolgreichsten für Gleichstellung (und das bedeutet im schulischen Kontext zumeist: Jungenförderung) einsetzen; aktuell könnte man z.B. in Berlin an den Gymnasien in Zukunft die Plätze gemäß ihrem Anteil an den entsprechenden Jahrgängen verteilen, da die Gymnasien dort sowieso überlaufen sein werden. (Dafür ist bei den Regierungsparteien, die unter Gleichberechtigung nur Frauenförderung/-bevorzugung verstehen, natürlich kein politischer Wille vorhanden.)
- Und natürlich sollte man nicht nur die schulische Situation im Blickfeld haben, sondern auch andere Themen wie z.B. Suizid und Gesundheit: Die amtlichen Selbstmordraten für Jungs sind in der Pubertät 7 mal höher als die für Mädchen (und weil viele Selbstmorde nicht als solche erkannt werden, schätzt man, dass sie in Wahrheit 12 mal so hoch wie die der Mädchen ist). Die Gründe hierfür werden aber leider nicht erforscht! Außerdem gibt esin Deutschland viele Anlaufstellen für Mädchen, die von Gewalt betroffen sind; für Jungen gibt es nur 3. (Die meisten vereine, die sich in diesem Bereich engagieren, kennen Jungen nur als Täter.) Siehe hierzu auch http://www.aerztezeitung.... und http://www.youtube.com/wa...
Übrigens: Ja, die Benachteiligung werden Sie es merken. In den Universitäten und Fachhochschulen macht man schließlich keinen Hehl mehr daraus -- hier gibt es Mentoring für Frauen, Stipendien für Frauen, Frauenbeauftragte (in einigen Bundesländern nennt man sie Gleichstellungsbeauftragte, das ist aber nur Tarnung -- nur Frauen haben das Wahlrecht für sie) und natürlich werden Frauen bei gleicher eignung bevorzugt eingestellt (wobei die Frauenbeauftragte natürlich bei Berufungsverhandlungen dabei ist und bestimmen kann, wer geeignet ist). Dies geschieht übrigens auch dort, wo Frauen die absolute Mehrheit stellen, wie z.B. hier: http://www.academics.de/j... (der Gender-Bereich wäre übrigens ein weiterer Berufszweig, den man Jungen zeigen sollte!). In einigen Bundesländern geht man übrigens so weit, dass, wenn Frauen unterrepräsentiert sind und sich auf eine ausgeschriebene Stelle keine Frau beworben hat, das Anforderungsprofil der Stelle verändert (zu Gunsten von Qualitäten, die man bei Frauen eher vermutet) und dann die Ausschreibung wiederholt; gleichzeitig wird natürlich systematisch nach qualifizierten Frauen gesucht, die die Anforderungen erfüllen könnten und die dann auch auf die Stelle aufmerksam gemacht werden. Dasselbe passiert z.B. bei Grundschullehrern nicht.
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