Klima Das meiste für uns
Die Industriestaaten haben auf dem G-8-Gipfel die Ungleichheit im CO2-Ausstoß zementiert
Wenn es nach dem Willen der acht Politiker geht, die sich für die Mächtigsten der Erde halten, dann soll es auf der Welt auch noch in vierzig Jahren ziemlich ungerecht zugehen. Das haben die acht jetzt sogar aufgeschrieben. Sie haben zu Protokoll gegeben, dass die G-8-Länder auch Mitte des Jahrhunderts noch das Recht haben sollen, pro Kopf der Bevölkerung deutlich mehr klimaschädliches Kohlendioxid (CO₂) auszustoßen als sämtliche anderen Nationen. Vor allem in den südlichen Ländern der Erdkugel würden laut UN-Bevölkerungsprognose dann fast neun von zehn Menschen klimapolitisch benachteiligt leben, während die Minderheit in den acht großen Industriestaaten nach wie vor über Privilegien verfügen soll. Wenn es nach dem Willen der G8 geht.
Diese wenig gerechte Vision ist der Kern des Beschlusses, den die Staats- und Regierungschefs der G-8-Nationen vergangene Woche bei ihrem Treffen im italienischen L’Aquila gefasst haben. Das bereits als »historischer Durchbruch« gefeierte Übereinkommen ist deshalb bestenfalls ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einem neuen Klimaschutzabkommen. Auf ein solches, so das Drehbuch der UN, soll sich die Staatengemeinschaft im Dezember in Kopenhagen einigen.
Das G-8-Treffen galt als wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu dem angestrebten Klimaschutzvertrag. Weil die US-Delegation nicht mehr, wie in den Jahren zuvor, bremste, konnten sogar Fortschritte erzielt werden. So deutlich wie jetzt haben sich die Mächtigen beispielsweise noch nie zu dem Ziel bekannt, die Erdtemperatur um nicht mehr als zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit ansteigen zu lassen. Dieser Anstieg gilt mittlerweile als fast unvermeidbar, aber eben auch als gerade noch erträglich. Und dennoch: Obwohl nicht George Bush, sondern Barack Obama in dem vom Erdbeben zerstörten Abruzzen-Städtchen L’Aquila am Verhandlungstisch saß, erwies sich der Fortschritt erneut als Schnecke – vor allem deshalb, weil die G-8-Staaten nach wie vor nicht bereit waren, die Entwicklungsländer beim Kampf gegen den Klimawandel als gleichberechtigte Mitstreiter anzuerkennen.
Laut G-8-Kommuniqué sollen die Industrieländer zwar überproportional zu dem Ziel beitragen, die weltweiten Emissionen bis zum Jahr 2050 gegenüber 1990 zu halbieren. Doch selbst wenn sie die enorme Herausforderung schulterten, ihren eigenen Beitrag, wie in Aussicht gestellt, um 80 Prozent zu vermindern, wären sie gegenüber dem Rest der Welt noch haushoch im Vorteil. Im Jahr 2050 wären den G-8-Ländern pro Einwohner jährlich 2,4 Tonnen CO₂-Ausstoß erlaubt, während der Beschluss allen übrigen Staaten einschließlich der Entwicklungsländer pro Einwohner gerade einmal eine Tonne gestattet.
Die die armen Länder diskriminierenden Ziffern erschließen sich, wenn die Emissionsmengen des Jahres 1990 mit den im G-8-Kommuniqué mehr oder weniger deutlich genannten Reduktionszielen und der laut UN zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung in Beziehung gesetzt werden. Ihre eigenen Emissionen gedenken die G-8-Nationen bei insgesamt rund 2,2 Milliarden Tonnen CO₂ zu deckeln, das sind 20 Prozent ihrer Emissionsmenge des Jahres 1990. Soll gleichzeitig die gesamte weltweite Emissionsmenge des Jahres 1990 von 21 Milliarden auf 10,5 Milliarden Tonnen CO₂ halbiert werden, beliefe sich das dem Rest der Welt zur Verfügung stehende CO₂-Budget auf gerade einmal acht Milliarden Tonnen. Das wäre nur rund halb so viel wie heute.
Selbst wenn die Zahl der in den Entwicklungsländern lebenden Menschen nicht mehr steigen würde, stünden ihnen laut G8 im Jahr 2050 pro Kopf weniger Emissionsrechte zur Verfügung als den Bewohnern der Industrieländer. Laut UN-Prognose wird die Bevölkerung in den Entwicklungs- und Schwellenländern aber kräftig wachsen. Damit wächst zwangsläufig die Ungleichheit in der Pro-Kopf-Ausstattung mit CO₂-Emissionsrechten.
- Datum 09.09.2009 - 18:13 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 16.07.2009 Nr. 30
- Kommentare 18
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Vor diesem Dilemma stehe ich regelmäßig bei Artikeln von Fritz Vorholz.
Warum? Weil konstruktives Antworten Gemeinsamkeiten im Ziel voraussetzt.
Und bei Vorholz? Nun, da passt mir häufig "die ganze Richtung nicht".
Ich möchte das mit ein paar kurzen Zitaten aus einer aktuellen Buchrezension des Geologen Kroonenberg verdeutlichen. (Das ist dort so schön formuliert, wie ich es besser nicht könnte.)
Für den Geologen Salomon Kroonenberg, Professor an der TU Delft, ist die globale Erwärmung nur ein "kleines Klimamaximümchen". Und ein Recht auf einen konstanten Meeresspiegel habe der Mensch nicht. Das klingt auf den ersten Blick blasphemisch. Doch am Ende des spannenden Buches werden die meisten Leser beipflichten: Wovor wir uns fürchten, ist unbedeutend, verglichen mit vergangenen und künftigen erdgeschichtlichen Veränderungen. .......
......"Vielleicht", schreibt Kroonenberg, "freuen sich die Menschen in 400 Generationen über das ganze Kohlendioxid, das wir heute in die Atmosphäre blasen." ....
Ein bischen zu global diese Sichtweise? Also, vom Mond aus betrachtet erscheint mir das als die richtige Sichtweise.
Herzlichst Crest
Lieber Crest,
natürlich hat Prof. Kroonenberg recht. Auch ein mutmaßlicher Meteoriteneinschlag vor vielen hundert Millionen Jahren, der große Teile des Lebens auf der Welt auslöschte, kratzt uns - vor allem auf die Lebensdauer der Erde betrachtet - heute herzlich wenig.
Ich möchte Sie nur bitten, sich kurz in die Situation eines Dinosauriers hineinzudenken, dessen Spezies diese erdgeschichtliche Marginalie schlichtweg nicht überlebt hat.
Ganz unabhängig vom Streit um Ursachen und Folgen des Klimawandels schreibt hat CO2-Ausstoß immer etwas mit Ressourcenverbrauch zu tun. Und die Botschaft der G8 an die weniger entwickelten Länder ist die, lasst euch bloß nicht einfallen, so viel zu verbrauchen wie wir. Wir sitzen zwar alle in einem Boot, das Sonnendeck bleibt aber unser, ihr bleibt unten im Rumpf.
Wie lange und mit welchen Mitteln werden die G8 diese Aufteilung der Welt durchsetzen können?
Lieber Crest,
natürlich hat Prof. Kroonenberg recht. Auch ein mutmaßlicher Meteoriteneinschlag vor vielen hundert Millionen Jahren, der große Teile des Lebens auf der Welt auslöschte, kratzt uns - vor allem auf die Lebensdauer der Erde betrachtet - heute herzlich wenig.
Ich möchte Sie nur bitten, sich kurz in die Situation eines Dinosauriers hineinzudenken, dessen Spezies diese erdgeschichtliche Marginalie schlichtweg nicht überlebt hat.
Ganz unabhängig vom Streit um Ursachen und Folgen des Klimawandels schreibt hat CO2-Ausstoß immer etwas mit Ressourcenverbrauch zu tun. Und die Botschaft der G8 an die weniger entwickelten Länder ist die, lasst euch bloß nicht einfallen, so viel zu verbrauchen wie wir. Wir sitzen zwar alle in einem Boot, das Sonnendeck bleibt aber unser, ihr bleibt unten im Rumpf.
Wie lange und mit welchen Mitteln werden die G8 diese Aufteilung der Welt durchsetzen können?
Diese Erleichterung war ja nur eine Frage entsprechender Mehrheiten und kein Ergebnis verantwortungsvoller Überlegungen für eine Zukunft, wo wir offensichtlich mit der Nase darauf gestossen werden müssen, dass die Lebensbedingungen auf diesem Planeten eine ebenso hohe wie dringliche Aufgabe und keine geschäftliche Verhandlungsmasse mehr sind. Die benachteiligten Staaten werden sich es zumindest schwerer tun, an eine ernsthafte Verhandlungsbereitschaft der bisher reichen Länder zu glauben und so wird ein dringlicher Prozess durch voreiliges sich Vorteile Verschaffen zum Schaden aller aufgehalten. Wem das jetzt nützt, wird uns am ehesten erklären, was zu diesem Beschluss bewogen hat. Das werden die wirklichen Nutznießer zu verhindern wissen.
dass an den Landesgrenzen der G8-Staaten endet, reicht der Blick irgendwie nicht weiter, als gerade mal bis an den eigenen Tellerrand.
Was ist denn daran so schwer zu erkennen, dass wir alle im selben Boot sitzen?! Man muss wohl der politischen Kaste angehören, um dermaßen unfähig zu sein, selbst das Offensichtliche dann noch zu übersehen, wenn es einen quasi selbst in den Allerwertesten beißt!
Sprechen nicht die drastisch zunehmenden Naturkatastrophen eine deutliche Sprache, mit einer eindeutigen und unmissverständlichen Botschaft?!
Was kann es bringen, wenn wir hier die Glühbirne verbieten, während in der s.g. 3. Welt, Reifen und Plastik (von Abfällen der Chemieindustrie ganz zu schweigen) einfach so im Ofen verstocht werden, ohne Rücksicht auf Verluste?
Da wäre unbürokratische Unterstützung einmal mehr denn je, doch auch schon Hilfe zur Selbsthilfe. Dioxine und andere Giftstoffe, eingeleitet in die Ozeane (aus denen auch wir uns ernähren!) und in die Luft, machen jedenfalls nicht ehrfürchtig vor den Gestaden von G8 halt!
Und eben grade mal kurz durchlüften, bzw. runterspülen, ist auch nicht!!!
"Wenn nicht der Mensch die Erde retten wird, wird sie es irgendwie selbst tun müssen! Doch wer retten dann die Menschen!??"
________________
"Dubito, ergo sum."
Wir sitzen nicht alle "im selben Boot": eine Klimaänderung hat Verlierer -
und Gewinner.
Herzlichst Crest
Wir sitzen nicht alle "im selben Boot": eine Klimaänderung hat Verlierer -
und Gewinner.
Herzlichst Crest
Wir sitzen nicht alle "im selben Boot": eine Klimaänderung hat Verlierer -
und Gewinner.
Herzlichst Crest
Wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fisch gefangen und der Boden/die Luft/das Wasser komplett versifft sein werden, will ich jedenfalls noch nicht mal zu den "Gewinnern" zählen müssen!
Oder glauben Sie, lieber Crest, die Arkoniden kämen rechtzeitig um uns zu retten? *g*
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"Dubito, ergo sum."
Wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fisch gefangen und der Boden/die Luft/das Wasser komplett versifft sein werden, will ich jedenfalls noch nicht mal zu den "Gewinnern" zählen müssen!
Oder glauben Sie, lieber Crest, die Arkoniden kämen rechtzeitig um uns zu retten? *g*
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"Dubito, ergo sum."
Wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fisch gefangen und der Boden/die Luft/das Wasser komplett versifft sein werden, will ich jedenfalls noch nicht mal zu den "Gewinnern" zählen müssen!
Oder glauben Sie, lieber Crest, die Arkoniden kämen rechtzeitig um uns zu retten? *g*
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"Dubito, ergo sum."
ist aber weder Ursache noch Konsequenz eines Klimawandels.
Herzlichst Crest
ist aber weder Ursache noch Konsequenz eines Klimawandels.
Herzlichst Crest
Lieber Crest,
natürlich hat Prof. Kroonenberg recht. Auch ein mutmaßlicher Meteoriteneinschlag vor vielen hundert Millionen Jahren, der große Teile des Lebens auf der Welt auslöschte, kratzt uns - vor allem auf die Lebensdauer der Erde betrachtet - heute herzlich wenig.
Ich möchte Sie nur bitten, sich kurz in die Situation eines Dinosauriers hineinzudenken, dessen Spezies diese erdgeschichtliche Marginalie schlichtweg nicht überlebt hat.
das sollte man tatsächlich tun.
Wenn wir das nun einmal tun, dann sehen wir, dass wir uns in zwei Punkten von den Dinosauriern unterscheiden:
1. Wir wissen um die Gefahr, und
2. (noch wichtiger) wir werden in spätestens 50 bis 100 Jahren die Möglichkeiten haben, uns davor zu schützen.
(Einwand: dies sind Aspekte, die mit dem Klimawandel nichts zu tun haben.)
Herzlichst Crest
das sollte man tatsächlich tun.
Wenn wir das nun einmal tun, dann sehen wir, dass wir uns in zwei Punkten von den Dinosauriern unterscheiden:
1. Wir wissen um die Gefahr, und
2. (noch wichtiger) wir werden in spätestens 50 bis 100 Jahren die Möglichkeiten haben, uns davor zu schützen.
(Einwand: dies sind Aspekte, die mit dem Klimawandel nichts zu tun haben.)
Herzlichst Crest
ist aber weder Ursache noch Konsequenz eines Klimawandels.
Herzlichst Crest
das sollte man tatsächlich tun.
Wenn wir das nun einmal tun, dann sehen wir, dass wir uns in zwei Punkten von den Dinosauriern unterscheiden:
1. Wir wissen um die Gefahr, und
2. (noch wichtiger) wir werden in spätestens 50 bis 100 Jahren die Möglichkeiten haben, uns davor zu schützen.
(Einwand: dies sind Aspekte, die mit dem Klimawandel nichts zu tun haben.)
Herzlichst Crest
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