Suchtprävention
Bätzings Bildungsoffensive
Panini-Bilder müsste man verbieten, wenn sie nicht sowieso eingestellt würden. Auch sie machen süchtig. Die Drogenbeauftragte der Regierung hat aber noch mehr Vorschläge

© Juergen Schwarz/ ddp
Auf der Panini-Klebebildertauschbörse in Köln
Es gibt bald keine Panini-Bildchen mehr, nur noch alte. Das ist einerseits eine traurige Nachricht. Andererseits ist es auch eine gute Nachricht. Wer einmal Panini-Bildchen gesammelt hat, also alle, weiß, dass das kein kindliches Hobby ist, sondern Sucht.
Für Süchte ist hierzulande Sabine Bätzing zuständig, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Sie erledigt ihre Aufgabe sehr gewissenhaft und sehr gründlich und fordert im Wochenrhythmus allerlei Verbote. In der Sache kennt sie sich bestens aus, nachdem, wie sie kürzlich kleinlaut eingestehen musste, sie auch mal einen Rausch gehabt hat, ja, sogar betrunken war. Es war ihr am anderen Tag aber total peinlich.
Man kann aus der Anekdote ablesen, wie gefährlich das Sammeln von Panini-Fußballbildchen ist, weil man naturgemäß nicht mal nur ein Bild sammelt, sozusagen als peinlichen Ausrutscher, als kindliches Sich-Ausprobieren, nein, man sammelt manisch, immer mehr Bilder müssen es sein. Und wenn das Album voll ist, ist die Sucht noch lange nicht satt, weil dann das nächste Album voll werden muss. Und immer so weiter.
Es wäre also nur noch eine Frage der Zeit gewesen, dass Frau Bätzing die schändlichen und schädlichen Bildchen in ihren Drogenbericht aufgenommen hätte und das Sammeln in ihren Verbotskatalog. Das ist nicht mehr nötig.
Gerechterweise sei erwähnt, dass Frau Bätzing nicht in die Riege der Menschen gehört, die jedes gesellschaftliche Problem mit Verboten lösen will. Jugendliche spielen zu viel am Computer? Verbot von Computerspielen! Jugendliche trinken sich ins Koma? Verbot von Alkohol in der Öffentlichkeit! Menschen rauchen? Verbieten! Menschen? Regulieren, und wenn das nicht hilft, verbieten!
Das stammt zwar fast alles auch von Frau Bätzing, die von sich sagt, dass sie nur fürsorglich sein will und keine Spaßbremse. Frau Bätzing hat indes noch mehr Ideen. Gestern forderte sie die Einführung eines Schulfaches für mehr Lebenskompetenz, Stressbewältigung, Alkoholvorbeugung und gesunde Ernährung. Man nennt das auch Bildungsoffensive. Wahrscheinlich kommt bald noch die Helmpflicht am Mittagstisch.
Was nun die Panini-Bildchen angeht, sie sind noch nicht ganz weg. Die Bundesliga hat nur einen anderen Fußball-Bildchenhersteller gefunden, der nicht Panini heißt. Die Sammelsucht hat kein Ende. Der Staat, insbesondere seine Drogenbeauftragte Sabine Bätzing, sollte regulierend eingreifen.
- Datum 17.7.2009 - 10:38 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 26
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... auch über den Artikel amüsieren konnte, so kritisch ist die in ihm enthaltene "Lehre" im Grunde auch. Das es bald keine Panini Bildchen mehr geben soll, ist jedoch ziemlich schade.
Ich weiss nicht, ich habe immer mehr das Gefühl, das wir von Menschen regiert werden, die mit dem realen leben nichts mehr zu tun haben.
Und wenn ich an die nächste Regierung denke wird mir buchstäblich schwarz vor Augen.
Politiker wie Sabine Bätzing und Karl Lauterbach sind pathognomonisch für das Erscheinungsbild der gegenwärtigen SPD: zu blutlos, zu langweilig, zu pseudokompetent - vielleicht sogar zu unfähig! (Und selbst Müntefering mit seiner jungen neuen wirkt etwas altbacken gegenüber Politikern wie Berlusconi, für die Münteferings junge neue wohl schon zu alt wäre.)
Wie sang Wolf Biermann so trefflich: "Keiner tut gern tun, was er tun darf
- was verboten ist, das macht uns grade scharf!"
absolut genialer Artikel !
Ich schlage einen verbindlichen Kurs für Politiker vor:
"Wie übertriebene Geltungssucht in die Lächerlichkeit führt."
Teilnehmer:
- Bätzing
- Gabriel
- Söder
- etc
Diese mediengeile Selbstdarstellerin sollte mal ihre eigene Sucht unter Kontrolle bekommen und für ein paar Jahre lang ein Schweigegelübbde ablegen. Klasse Artikel.
Wer als Drogenbeauftragte Herstellern von Panini-Bildchen hinterherjagt und lieber uns Verbraucher und Wähler mit unsinnigem Aktionismus drangsaliert, anstatt den wirklich Süchtigen in unserem Land zu helfen,
der hat auf diesem Posten nichts verloren.
Frau Bätzing, zu glauben, daß auch nur ein Raucher aufgrund von Schockbildern auf Zigarettenschachteln das Rauchen aufgibt, zeugt nicht nur nur von Unkenntnis der Materie, sondern auch von beispielloser Hilflosigkeit.
Frau Bätzing, tun Sie den Süchtigen in Deutschland einen Gefallen und nehmen Sie Ihren Hut.
Ich bekenne mich schuldig eines verwerflichen Lebens mit dem ich die Gesellschaft und mich zu tiefst geschädigt habe: Ich habe als Kind zwei(!!!) Panini-Alben gefüllt! Wehe mir!
Ich habe Haus und Hof (meine Playmobilfiguren und Gummibärchen) verhökert, um an die Bildchen ranzukommen. Auch mein Arbeitsverhalten wurde merklich gestört: Unter der Schulbank schaute ich mir, süchtig wie ich war, anstelle dem Unterricht zu folgen, gelegentlich meinen Schatz, MEINEN SCHAAATZ...aahh an. Sogar meine erste Liebe, die damals 12 Jährige Renate habe ich verloren, weil ich nicht mehr mit ihren blöden Barbie und Ken Puppen spielen wollte und statt dessen lieber meinem mich verzerrenden Laster widmete! Schande!
Man hätte diese Sammelbildchen verbieten sollen, den sie waren meine Einstiegsdroge: Heute schaue ich regelmäßig Fußball, verschwende Geld in Stadien, auf der Arbeit schaue ich mir gelegentlich die Ergebnisse im Web an und gelegentlich gibts Krach mit der Frau wegen der Sportschau. Fußball sollte man auch verbieten! Jawoll!!
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