Privathochschulen Das süße Leben der Luxusstudenten

BMW X5 statt Fahrrad, Chanel-Handtasche statt Rucksack. An der Webster-Privatuniversität in Wien wird die junge, reiche Elite aus Osteuropa ausgebildet

Studenten der Webster University bei einer Graduiertenfeier

Studenten der Webster University bei einer Graduiertenfeier

Eine Universität erkennt man in Wien auch daran, dass vor dem Eingang zu der Alma Mater Hunderte bunte Fahrrädern angekettet sind. Vor dem Campus der Webster University Vienna, einer der größten Privatuniversitäten des Landes, hängt hingegen kein einziges Fahrrad an einem Stahlschloss.

Hier parken schicke Schlitten. Ihre Fahrer scheint es wenig zu kümmern, dass sie all die Karossen mit klingendem Namen, Porsche Cayenne, Aston Martin oder BMW X5, mitten in einer Halteverbotszone abgestellt haben. Strafzettel fürchtet hier offensichtlich niemand. Die Kennzeichen der Fahrzeuge laden zu einer Reise durch Osteuropa und den Nahen Osten ein: Bulgarien, Rumänien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Saudi-Arabien. Die architektonische Kulisse verleiht dieser Kavalkade der Nobelmarken eine merkwürdige Note: Die private Uni liegt mitten in Kaisermühlen, einem Arbeiterviertel, dessen herben Charme eine beliebte Fernsehserie in ganz Österreich bekannt gemacht hat. Es ist ein Viertel, in dem Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit dominieren, durch dessen Straßen alte japanische Autos tuckern und in dem sich Diskont-Supermärkte an Bräunungsstudios und Wettcafés reihen. Ein Viertel, in dem die Normalität der Vorstadt herrscht.

Anzeige

Auch an der Webster University fing einst alles vergleichsweise normal an, als die Uni, eine Auslandsfiliale des Stammhauses in St. Louis, 1981 in bescheidenem Rahmen gegründet wurde. Das Einzige, was von Anfang an außergewöhnlich erschien, war die bunte Herkunft der Studenten – hier büffelten Österreicher gemeinsam mit Kroaten, Iranern, Franzosen, Russen, Amerikanern und allen anderen, die es irgendwie zufällig nach Wien verschlagen hatte. Obwohl es sich meist um Kinder aus Familien mit überdurchschnittlichen Einkommen handelte, ließen sie sich ihren privilegierten Status kaum anmerken. Sie radelten zu den Vorlesungen, erschienen hauptsächlich in Jeans und T-Shirts am Campus.

Heute sehen Webster-Studenten anders aus. Sie sind modebewusst und ausgestattet mit allen Accessoires einer sorglosen Wohlstandsjugend. Die Universität ist zur ersten Wahl für die verwöhnte Elite aus den Reformstaaten geworden – 70 Prozent der knapp 600 Hörer kommen aus osteuropäischen Ländern. Und diese Studiosi sind nicht irgendwelche jungen Leute.

Zwei Phänomenen verdankt die Privatuniversität diesen Kundenstrom. Einerseits waren viele junge Leute vor den Kriegswirren im zerfallenden Jugoslawien nach Wien geflohen, anderseits hatte sich überall in Osteuropa eine Klasse von Neureichen etabliert, welche die Phase des Übergangs der kommunistischen Regimes in westlich orientierte Demokratien geschickt für ihren Vermögenszuwachs auszunutzen wusste. Aus diesem Reservoir rekrutierte Webster neue Studenten, die eine gute, international anerkannte Ausbildung in Management, Internationalen Beziehungen oder Psychologie genießen wollen, um sich anschließend zu Hause noch besser zu positionieren.

Seit je zog Wien Zuwanderer aus den östlichen Nachbarstaaten an – heute kommt ein Drittel der Menschen, die hier leben, aus Osteuropa. Aber während die meisten vor Armut oder Krieg geflohen waren, sind Webster-Studenten alles andere als bedürftig. Und sie scheuen auch nicht davor zurück, das Vermögen ihrer Eltern zur Schau zu stellen. Die jungen Männer brausen in flotten Karossen durch die Stadt, und die jungen Frauen tauchen in der Vorlesung schon mal im Nerzmantel auf. In Wien kann es ja im Winter bitterkalt sein.

Es ist kurz vor Vorlesungsbeginn, und ein von Kopf bis Fuß durchgestyltes Damenkränzchen aus Exjugoslawien sitzt im Stars and Stripes, dem austroamerikanischen Speiselokal im Webster-Gebäude. An dieser Uni speisen die Studenten in einem Restaurant, hier gibt es keine Kantine. Das Interieur ist mit amerikanischen Flaggen ausgestattet, MTV läuft im Hintergrund. Handtaschen der Nobelmarken Louis Vuitton, Gucci oder Prada sind prominent zwischen den Mädchen platziert. Jedes Detail ist Designerware – sogar auf den Haarspangen befinden sich zwei große C-Embleme für Chanel. Die langen schimmernden Haare sind perfekt geföhnt, und die manikürten Nägel glänzen im Licht.

Leser-Kommentare
  1. Mit was der wohl sein Geld verdient?! Kriegsgewinner nennt man die meist bei uns. Und zwar haben die nicht mit dem "Aufschwung" nach dem Krieg gewonnen, meist schon währenddessen. Die schwimmen im Geld, wo 98% der restlichen Bevölkerung nicht weiß wie es rum kommen soll. Das ist wohl die reine Form des Kapitalismus, hauptsache Geld, egal woher und womit...

  2. Früher studierten solche reichen Russensprösslinge bekanntlich im stinklangweiligen Genf. Dagegen lobe ich mir doch das kunterbunte, internationale Wien. Es war weitsichtig von Webster, hier eine offensichtliche Marktlücke zu erkennen, die Deutschland typischerweise versäumt hat. Wenn jemand nur den richtigen Riecher hat, finden sich immer Kunden, die sofort anbeißen. Obendrein bringt diese Idee natürlich weit mehr Euros ins schöne Österreich als bloße Touristen, denn solche Leute kommen immer wieder und bringen später ihre Familien.

  3. Die Universität scheint eine dieser suspekten BWL-Abschlussmühlen zu sein, die mit hohen Gebühren zwar halbwegs akzeptable Dozenten hereinholen, aber nicht wirklich mit echten Universitäten mithalten können. Somit sind alle Abschlüsse ganz einfach nur gekauft, und viel anderes als die väterliche Firma bleibt wahrscheinlich beruflich nicht übrig.

    Die 'Webster University' taucht im (ebenfalls etwas zweifelhaften) Shanghai Jiao Tong World Ranking (http://www.arwu.org/rank2...) unter den Top 500 überhaupt nicht auf, und kann sich selbst mit dem 33. Platz für Masterabschlüsse im amerikanischen mittleren Westen rühmen (http://www.webster.edu/sh...).

    Wahrscheinlich ist jede größere deutsche Universität diesem Laden weit überlegen, trotz Restaurant.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Na ja, was muss man auch für besondere wissenschaftliche Kenntnisse mitbringen als Magnatenkind. Irgendeine Job werden die im elterlichen Unternehmen schon kriegen.
    Aber ich muss schon sagen - sehr schlau. Schliesslich bezahlen die Eltern das Studium ja für den Eindruck, den der Laden bei Vertragsunterzeichnung macht, schöner Schein ist manchmal halt alles. Mehr braucht man als Firmenerbe einfach nicht. Das und ein gaannz leicht übersteigertes Ego. Dann läufts in der Welt der Alpha-Männchen.

    In diesem Jahr auf Platz 24 vorgerückt. (Siehe Link)

    Ist jetzt nicht Harvard aber bei mehreren hundert Institution ist das schon ein schöner Platz. Von "Abschlußmühle" kann nur wer reden, der die Uni noch nie von innen gesehen hat.

    http://colleges.usnews.ra...

    Das mag sein, aber dafür ist man da dann nicht "unter sich" und muss die Plebs ertragen - wer möchte das schon?

    Ich bin selber Absolventin der Webster University (und Fluechtling der Uni Wien). Waehrenddem man an der Uni Wien nur eine Nummer ist in einem Vorlesungssaal mit hunderten Leuten, kann man in den kleinen Gruppen an der Webster seine Meinung aeussern, mitdiskutieren, kritisch denken und praesentieren lernen. Man erkauft sich nicht nur kein Diplom, sondern die Kurse sind anspruchsvoll. Man kann sich nicht nur in einer Menge verstecken, sondern muss zu jeder Vorlesung erscheinen (Anwesenheitspflicht) und zu Vorbereitung eine Menge gelesen haben. Innerhalb von 8 Wochen haben Webster Studenten zwei Pruefungen pro Kurs, muessen eine Praesentation halten und eine Arbeit schreiben. Ich habe in jedem 8 Wochen term 3 Kurse gemacht.
    Der Grund, weshalb Webster nicht in den Rankings aufscheint ist ganz einfach. All diese Rankings werden auf Grund von Kriterien wie z.B. der Menge an Zitaten der Professoren, oder dem Studienangebot gemessen. Nachdem Webster eine kleine Uni ist, ist es nicht verwunderlich, dass sie in den Rankings benachteiligt ist. Viele Studenten aus meinem Jahrgang wurden an sehr rennomierten Universitaeten aufgenommen. Ich selber studiere jetzt auf der London School of Economics (wer mit den Rankings vertraut ist, weiss, dass das die beste Sozialwissenschaftliche Uni Europas ist und an Stelle 4 in der Welt). Kollegen von mir wurden in Cambridge, Oxford, Standford, Harvard, an der Columbia, Georgetown, Johns Hopkins und Anderen aufgenommen. Und das heisst schon etwas!

    Na ja, was muss man auch für besondere wissenschaftliche Kenntnisse mitbringen als Magnatenkind. Irgendeine Job werden die im elterlichen Unternehmen schon kriegen.
    Aber ich muss schon sagen - sehr schlau. Schliesslich bezahlen die Eltern das Studium ja für den Eindruck, den der Laden bei Vertragsunterzeichnung macht, schöner Schein ist manchmal halt alles. Mehr braucht man als Firmenerbe einfach nicht. Das und ein gaannz leicht übersteigertes Ego. Dann läufts in der Welt der Alpha-Männchen.

    In diesem Jahr auf Platz 24 vorgerückt. (Siehe Link)

    Ist jetzt nicht Harvard aber bei mehreren hundert Institution ist das schon ein schöner Platz. Von "Abschlußmühle" kann nur wer reden, der die Uni noch nie von innen gesehen hat.

    http://colleges.usnews.ra...

    Das mag sein, aber dafür ist man da dann nicht "unter sich" und muss die Plebs ertragen - wer möchte das schon?

    Ich bin selber Absolventin der Webster University (und Fluechtling der Uni Wien). Waehrenddem man an der Uni Wien nur eine Nummer ist in einem Vorlesungssaal mit hunderten Leuten, kann man in den kleinen Gruppen an der Webster seine Meinung aeussern, mitdiskutieren, kritisch denken und praesentieren lernen. Man erkauft sich nicht nur kein Diplom, sondern die Kurse sind anspruchsvoll. Man kann sich nicht nur in einer Menge verstecken, sondern muss zu jeder Vorlesung erscheinen (Anwesenheitspflicht) und zu Vorbereitung eine Menge gelesen haben. Innerhalb von 8 Wochen haben Webster Studenten zwei Pruefungen pro Kurs, muessen eine Praesentation halten und eine Arbeit schreiben. Ich habe in jedem 8 Wochen term 3 Kurse gemacht.
    Der Grund, weshalb Webster nicht in den Rankings aufscheint ist ganz einfach. All diese Rankings werden auf Grund von Kriterien wie z.B. der Menge an Zitaten der Professoren, oder dem Studienangebot gemessen. Nachdem Webster eine kleine Uni ist, ist es nicht verwunderlich, dass sie in den Rankings benachteiligt ist. Viele Studenten aus meinem Jahrgang wurden an sehr rennomierten Universitaeten aufgenommen. Ich selber studiere jetzt auf der London School of Economics (wer mit den Rankings vertraut ist, weiss, dass das die beste Sozialwissenschaftliche Uni Europas ist und an Stelle 4 in der Welt). Kollegen von mir wurden in Cambridge, Oxford, Standford, Harvard, an der Columbia, Georgetown, Johns Hopkins und Anderen aufgenommen. Und das heisst schon etwas!

  4. Bezüglich der "normalen" Osteuropastudenten hier eine andere Beobachtung. Ich studiere an einer bayerischen, grenznahen Universität und wir haben dort eine hohe Anzahl an Studenten aus dem ehemaligen Ostblock. Deren Eltern haben aber keine Firmen sondern sind Akademiker (was in deren Heimatländern finanziell auch nicht gerade lukrativ ist), mit hoher Wertschätzung deutscher Unis.
    Diese osteuropäischen Studenten haben in der Regel zwei Nebenjobs und verfeinern neben der Uni ihre Deutschkentnisse.

  5. Der Informationswert des Artikels ist gleich Null. Nirgends wird erwähnt, was die jungen Leute denn dort studieren, oder studieren könnten. Ob sie sich durch den Abschluss an der Privat-Universität für die Elite qualifizieren, sei mal dahingestellt. Zumindest lernt man dort eine Menge Herrschaftswissen und wie man die Bürger unterkriegt.

    Der Autor hätte aber auch Klartext sprechen können, anstelle herumzueiern. Bei den in den osteuropäischen Ländern reich gewordenen Personen handelt es sich vielfach um moderne Plünderer und ähnlich ehrenhafte Leute. Hier wurde der Reichtum auf Kosten der Bürger dieser Länder "erworben". Schöner wäre der Sinn des Kapitalismus nicht darzustellen gewesen, wenn man den gewollt oder sich getraut hätte.

    [Anm.: Bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Danke. /Die Redaktion pt.]

  6. Na ja, was muss man auch für besondere wissenschaftliche Kenntnisse mitbringen als Magnatenkind. Irgendeine Job werden die im elterlichen Unternehmen schon kriegen.
    Aber ich muss schon sagen - sehr schlau. Schliesslich bezahlen die Eltern das Studium ja für den Eindruck, den der Laden bei Vertragsunterzeichnung macht, schöner Schein ist manchmal halt alles. Mehr braucht man als Firmenerbe einfach nicht. Das und ein gaannz leicht übersteigertes Ego. Dann läufts in der Welt der Alpha-Männchen.

  7. denke ich da, als studentin mit drei-nebenjobs. aber ja, ich bin doch stinkend neidisch, weil geld einem auch tür und tor zu bildung eröffnet.
    diese kinder brauchen keine bildung, sondern nur ein diplom, der stall-geruch haftet ihnen eh solange an, wie die designer-klamotten und edelschlitten kleinigkeiten sind.
    und das ist okay so - das ist nun mal unsere welt.
    andere leute haben drei nebenjobs und schätzen sich trotzdem glücklich studieren zu dürfen. wissen und bildung kann einem keiner nehmen, die prada-handtasche schon. wenigstens das ist für mich beruhigend - während ich zugegebenermassen von einer chanel-handtasche träume :-)
    es gibt immer zwei seiten einer medaille, schade nur dass es immer "diese" seite in die öffentlichkeit schafft, aber wie amelias kommentar zeigt, gibt es eben die andere seite auch.
    ach, übrigens nennen sich die von amelia erwähnten "ostblock"-studis selbst scherzhaft elite-kanaken. lässig.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ja den Begriff kannte ich auch. Ansonsten 100% Zustimmung, auch wenn ich eine Fendi Tasche einer Guccitasche doch vorziehen würde :-)
    Amelia (mit den zwei Nebenjobs und der H&M Tasche)

    ja den Begriff kannte ich auch. Ansonsten 100% Zustimmung, auch wenn ich eine Fendi Tasche einer Guccitasche doch vorziehen würde :-)
    Amelia (mit den zwei Nebenjobs und der H&M Tasche)

  8. ja den Begriff kannte ich auch. Ansonsten 100% Zustimmung, auch wenn ich eine Fendi Tasche einer Guccitasche doch vorziehen würde :-)
    Amelia (mit den zwei Nebenjobs und der H&M Tasche)

    Antwort auf "nur kein neid..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service