Studiengebühren Jede Mark zählteSeite 2/2

Ich weiß nicht, wie die Entscheidung bei uns zu Hause ausgefallen wäre, wenn es nicht Bafög gegeben hätte. Eines weiß ich bestimmt: Mit Studiengebühren wäre ich nicht zur Universität gelangt. Zumal niemand bei uns von Stipendien jemals etwas gehört hatte. Aus heutiger Sicht kann ich lächeln über manches. Das Außenministersalär ist sicher eine ordentliche »Verzinsung«, keine Frage. Damals aber fehlte uns die Erfahrung, die langfristigen Vorteile von Studium und Universität zu ermessen. Wie auch, wenn man der Erste der Familie ist, der den Weg geht!

Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, von Gießen aus für ein Studium ins Ausland zu gehen. Harvard oder Yale lagen in einer anderen Galaxie. Und anders als viele meiner Freundinnen und Freunde konnte ich mich auch nicht nur aufs Studieren konzentrieren. Ich habe nebenher in einem Fahrzeugbetrieb und einer Möbelfabrik gejobbt und Tausende von dunkelbraunen Nussbaumschrankwänden mit dem damals so begehrten Barfach ausgestattet. Nussbaumschränke bauen statt netzwerken: Das waren meine Semesterferien.

Vielleicht ist mein Glück als Politiker, dass ich mich selbst noch erinnern kann, wie mir Schüler-Bafög und Bafög den Aufstieg durch Bildung ermöglicht haben. Dafür bin ich unendlich dankbar. Und diesen Dank drücke ich aus, indem ich heute für eine bessere Bildung und Chancen für alle kämpfe, gegen Gebühren und neue Hürden. Alles andere würde ich als Verrat an meiner eigenen Biografie empfinden.

 
Leser-Kommentare
  1. Fast sind mir die Tränen der Rührung in die Augen gestiegen, als ich Deine Geschichte las. Ich bin nämlich auch zu einer Zwergschule gegangen, damals im Sauerland. Meine Lehrerin wollte unbedingt, dass ich das Gymnasium besuche, aber meine Eltern ( Vater: ungelernter Arbeiter, Mutter: Friseuse, die den Nachbarinnen in der Küche die Wellen legte) meinten, es lohne sich nicht, weil ich ja doch heiraten würde. Letztlich kämpfte Frau Fazius erfolgreich dafür, dass ich wenigstens zur Realschule gehen durfte.
    Dann gab es unter Brandt und Schmidt den Ausbau der Universitäten und BAFÖG. Ich holte das Abi nach und nahm ein Studium auf
    Von BAFÖG konnte man leben und wenn man nebenbei joben ging, auch ins europäische Ausland verreisen.
    Meine Famile ( katholisch, Gewerkschafter und Stamm-SPD-Wähler waren stolz auf das Kind und die Sozis, die all das ermöglicht hatten.
    Frank-Walter, jetzt sagst Du, dass Du für eine bessere Bildung, gegen Studiengebühren und für Chancen für alle kämpfen willst, weil Du Deine eigene Biografie nicht veraten willst.
    Ui, jetzt kommen mir schon wieder die Tränen. Aus Wut über diese durchsichtige Wahlpropaganda. Wenn Du echt hinter all den tollen Dinge, die Du versprichst, stehst, warum hast Du die Agenda 2010 mit auf den Weg gebracht?
    Es würden mir noch viele andere Dinge, für die Du stehst einfallen, viele haben mit dem zu tun, was mir mein Vater einmal sagte, nämlich dass er eigentlich gegen meinen sozialen Aufstieg sein müsse, denn seiner Erfahrung nach seien die, die von "unten" kommen, die ärgsten Feinde und Verräter der Arbeiter .
    Das sei seine Erfahrung.
    Tja, Frank-Walter, jetzt meint ja die SPD, dass ihre früheren Wähler nicht verstanden haben, wie gut es die Genossen mit den Menschen meinen und deshalb die SPD nicht mehr wählen.
    Ich muss Dir aber sagen, unsere Familie, einschließlich der alten Mutter haben sehr gut verstanden und wählen kolletiv die LINKE.
    Apropos Zwergschulen: War doch gar nicht so übel, oder?

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    - man sollte keine Chance auf Bildung haben, wenn man aus einfachen Verhältnissen kommt, ( fordert das die "Linke" nicht auch)?

    - die anderen Parteien insbesondere die Linkspartei machen keine Wahlpropaganda?

    - die Linke wird Sie einschließlich der alten Mutter nach der nächsten Wahl vor irgendetwas behüten oder Ihnen einen Vorteil verschaffen?

    - man sollte keine Chance auf Bildung haben, wenn man aus einfachen Verhältnissen kommt, ( fordert das die "Linke" nicht auch)?

    - die anderen Parteien insbesondere die Linkspartei machen keine Wahlpropaganda?

    - die Linke wird Sie einschließlich der alten Mutter nach der nächsten Wahl vor irgendetwas behüten oder Ihnen einen Vorteil verschaffen?

  2. es ist doch immer beeindruckend, daß pünktlich kurz vor den wahlen der spd-kandidat mit der ich-hatt-es-ja-so-schwer-und-bin-einer-von-euch-nummer umme ecke kommt.

    was kommt als nächstes?
    über der brüstung hängen und "Don't cry for me Argentina ... eeeh ... Germany" singen?

    ;-PPP

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    • hardob
    • 26.07.2009 um 21:01 Uhr

    wenn man von Geburt an sein gemachtes Bettchen findet und Papa und Mama schon dafür sorgen, dass man gleich oben einsteigt.

    Wir lesen heute an anderer Stelle in der Zeit vom Adelstand eines anderen Ministers. Sind halt andere Startbedingungen. Die werden vom medialen Durchschnitt lobgepriesen.

    • hardob
    • 26.07.2009 um 21:01 Uhr

    wenn man von Geburt an sein gemachtes Bettchen findet und Papa und Mama schon dafür sorgen, dass man gleich oben einsteigt.

    Wir lesen heute an anderer Stelle in der Zeit vom Adelstand eines anderen Ministers. Sind halt andere Startbedingungen. Die werden vom medialen Durchschnitt lobgepriesen.

    • hardob
    • 26.07.2009 um 21:01 Uhr

    wenn man von Geburt an sein gemachtes Bettchen findet und Papa und Mama schon dafür sorgen, dass man gleich oben einsteigt.

    Wir lesen heute an anderer Stelle in der Zeit vom Adelstand eines anderen Ministers. Sind halt andere Startbedingungen. Die werden vom medialen Durchschnitt lobgepriesen.

    Antwort auf "es ist doch immer"
    • ribera
    • 26.07.2009 um 21:13 Uhr

    Auf der Leier hat schon Schröder gespielt1

  3. darauf zielt mein kommentar nicht ab.

    ich habe großen respekt vor menschen, die sich hochgearbeitet haben.
    aber dies zur manipulation von menschen vor der wahl zu nutzen, ist mir einfach zuwider.

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    • hardob
    • 26.07.2009 um 21:27 Uhr

    "ich habe großen respekt vor menschen, die sich hochgearbeitet haben." ... wenn sie schön bescheiden bleiben und nichts davon verraten (?)

    • hardob
    • 26.07.2009 um 21:27 Uhr

    "ich habe großen respekt vor menschen, die sich hochgearbeitet haben." ... wenn sie schön bescheiden bleiben und nichts davon verraten (?)

    • hardob
    • 26.07.2009 um 21:27 Uhr

    "ich habe großen respekt vor menschen, die sich hochgearbeitet haben." ... wenn sie schön bescheiden bleiben und nichts davon verraten (?)

  4. so weit so gut.
    Aber sind die Studiengebühren nicht Ländersache?!

  5. OH - die SPD entdeckt kurz vor der Wahl ihre soziale Ader.

    Leider haben wir aber noch nicht alles vergessen, was in den letzten Jahren passiert ist.

    Die Anekdoten aus der Jugend ziehen nun auch keinen mehr hinterm Ofen hervor.

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    Ich kann mich z.B. noch sehr gut daran erinnern, wie die damalige Koalition aus SPD und Grünen in NRW das gebührenpflichtige Studienkonto-Modell eingeführt hat, welches anschließend von der CDU/FDP in allgemeine Studiengebühren umgeformt wurde.

    Maßgeblich forciert wurde das Ganze von dem damaligen NRW-Finanzminister Peer Steinbrück...

    Sich jetzt hinzustellen und so zu tun, als wäre die SPD gegen Studiengebühren ist mit Heuchelei noch nett umschrieben.

    Ich kann mich z.B. noch sehr gut daran erinnern, wie die damalige Koalition aus SPD und Grünen in NRW das gebührenpflichtige Studienkonto-Modell eingeführt hat, welches anschließend von der CDU/FDP in allgemeine Studiengebühren umgeformt wurde.

    Maßgeblich forciert wurde das Ganze von dem damaligen NRW-Finanzminister Peer Steinbrück...

    Sich jetzt hinzustellen und so zu tun, als wäre die SPD gegen Studiengebühren ist mit Heuchelei noch nett umschrieben.

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