Ostsee Ist das ein Hühnergott?

An der ganzen Ostsee gibt es besonders schöne Steine zu bestaunen. Auf Fehmarn bekommt man sie erklärt

Rund 200 verschiedene Steinarten kann man auf Fehmarn finden

Rund 200 verschiedene Steinarten kann man auf Fehmarn finden

Da sind sie wieder. Zwei Dutzend Frauen, Kinder und Männer in bunten Windjacken, Jeans oder Bermudashorts stapfen über den Strand von Bojendorf an der Westküste Fehmarns. Mit tief geneigtem Kopf starren sie zu Boden, als wären sie in ein philosophisches Problem versunken oder auf der Suche nach einer verlorenen Kontaktlinse. Ab und zu hält einer inne, geht in die Knie, nimmt etwas vom Boden auf und läuft zu einer hochgewachsenen Dame in weißer Hose und weißer Strickjacke: Jutta Hahn ist mit den Steinesammlern unterwegs.

Seit zehn Jahren bietet die gelernte Krankenschwester auf Fehmarn geologische Wanderungen an, die nicht nur von Familien mit kleinen Kindern gebucht werden. Auch Erwachsene lieben es, am Strand nach ganz besonders schönen oder auffälligen Exemplaren zu suchen. Ein Ehepaar aus Nürnberg nimmt schon zum dritten Mal an der Tour teil. "Man findet ja immer wieder etwas Neues, und es macht Spaß, wenn man gleich erfährt, was es ist", sagt die Dame.

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Es ist ein wunderschöner Vormittag, keine Wolke am blauen Himmel. Eine weißhaarige Sonnenanbeterin macht es sich in ihrem Strandkorb gemütlich, ein paar späte Angler bestücken die Ruten mit Wattwürmern. Die Sammler aber haben nur Augen für das von den Wellen umspülte Geröll. Je länger sie hinschauen, desto mehr entdecken sie dort: scharfkantig gesplitterte oder kugelrund geschliffene Steine. Manche erinnern an rosafarbene Murmeln, andere an grün-grau gesprenkelte Vogeleier. Es gibt schwarz-weiß geriffelte Faustkeile und Steine, die einen an ein wurmzerfressenes Stück Holz denken lassen. Ein graubraun gebänderter Brocken schimmert mattsilbern in der Sonne. "Das ist ein Gneis", sagt Jutta Hahn. Das erkenne man an der weißen Bänderung. Dann untersucht sie ein Stück Granit mit blauen Einsprengseln aus Quarz.

Ihren ersten Seeigel fand die Führerin in einer Knopfschachtel

Begonnen hatte der Spaziergang der Hobby-Geologin mit einem kleinen Vortrag auf einem windgeschützten Parkplatz. Jutta Hahn erklärte, wie Gestein entsteht, wenn Magma, die flüssige Schmelze aus dem Erdinnern, nach außen dringt und erkaltet. Oder wenn die Schalen und Skelette von Milliarden von Lebewesen auf den Grund eines Meeres sinken und dort unter dem Druck des Wassers zusammengepresst werden. Wellen, Wind, Erdbeben, Frost und Hitze zerlegen die riesigen Platten dann ganz langsam in handliche Stücke.

Während der letzten Eiszeit, 115.000 bis 10.000 Jahre vor unserer Zeit, schob sich ein eineinhalb Kilometer breiter Gletscher von Skandinavien her über Fehmarn hinweg und brachte Fels und Geröll aus Schweden, Finnland und Norwegen mit. Deshalb ist die ganze Ostseeküste für Geologen so ergiebig. Allein auf Fehmarn gibt es heute rund 200 verschiedene Steinarten. Auch Jutta Hahn kennt sie nicht alle beim Namen. Manche nennt die Autodidaktin deshalb einfach "Ich-weiß-nicht-Steine".

Aber exakte Wissenschaft ist auch gar nicht so gefragt an diesem Vormittag. Jutta Hahn ist von Steinen fasziniert, seitdem sie als Kind in einer Knopfschachtel ihrer Mutter einen versteinerten Seeigel fand. Mittlerweile füllt ihre Steinsammlung ein ganzes Zimmer. Die schönsten Stücke hat sie mit an den Strand gebracht: Prachtexemplare, die, geölt und leicht poliert, heute morgen den Ehrgeiz der Sammler anstacheln sollen.

Der rötliche Brocken mit den schwarzen Punkten ist ein sehr seltener Granit, der rote, glatte Handschmeichler mit den bunten Einsprengseln ein Quarzporphyr von den Ålandinseln. Faserkalk sieht aus wie abgeschabtes Glas. Wenn man ihn poliere, werde er milchig, fast durchsichtig, sagt Jutta Hahn. Deshalb heiße er auch Ostsee-Jade. Sie trägt ein weißlich-gelbes Viereck davon am Hals. Wie ein weißer Leuchtturm steht sie am Strand und begutachtet die Funde der Sammler. Sie lobt und erläutert, findet interessant und erstaunlich und gibt jedem das Gefühl, einen großen Fund gemacht zu haben.

Leser-Kommentare
  1. wo ist die Geologin? Die Frau mit den Hühnergöttern?

  2. mir ist neu, daß man die ausbildung zum geologen nun an der schwesternschule absolviert.
    eine solche schreibe ist unseriös, herr lerchenmüller.

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