Karriere Die Weiberwirtschaft
Männer verlieren ihre Jobs, Frauen kommen voran – in dieser Krise schneller denn je
Die Friseurmeisterin Erika Mavonga hört in Radolfzell eine traurige Männergeschichte nach der anderen. Ein Stammkunde in den Fünfzigern mag sich nur noch einen Trockenhaarschnitt leisten, weil er sparen muss. Ein Mittdreißiger erzählt, dass er sich in Dubai um einen neuen Job bewerbe, weil seine Stelle beim Autozulieferer Georg Fischer wegfalle. »Noch kommen die Kunden, manche in größeren Abständen, aber wir haben alle Angst vor dem Herbst«, sagt Mavonga. Und dann erzählt sie ihre eigene Männergeschichte.
Von ihrem Nettogehalt, rund 1600 Euro, muss Erika Mavonga ihren Ehemann und den erwachsenen Sohn durchbringen. Beide sind tagsüber zu Hause. Beide hatten im Schichtbetrieb in der Metallindustrie gut verdient. Doch dann kam die Wirtschaftskrise – und sie verloren ihre Jobs.
Diese Krise ist eine Männerkrise.
Während die Arbeitslosigkeit der Frauen in Deutschland weiter sinkt, ist die der Männer in den vergangenen Monaten um steile 17 Prozent gestiegen. An den Werkbänken von ThyssenKrupp, Bosch und Daimler ist die Jagd unterbrochen – nach dem nächsten Exportrekord, nach der Eroberung des nächsten Marktes, nach der Entwicklung noch schnellerer, stärkerer Autos. Millionen Männer in den Industrieländern haben ihren Job verloren, in Deutschland geht die Zahl erst in die Hunderttausende, weil mehr als eine Million noch in der Kurzarbeit überdauert und hofft, bald wieder gebraucht zu werden. Aber ist die Jagd nur unterbrochen? Oder ist sie zu Ende?
Viele Jobs werden wohl nie zurückkommen, sagt Frank-Jürgen Weise, Chef der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit. Die Welt habe sich über die Maßen an deutschen Maschinen und Autos ergötzt, stimmt der Ökonom Michael Burda von der Humboldt-Universität in Berlin mit ein. Und Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, ist überzeugt: »Die deutschen Exportmärkte leiden auf Dauer.«
Es sei nicht leicht zu Hause, sagt Erika Mavonga. »Früher waren wir abends beide kaputt. Jetzt arbeite ich manchmal von acht bis acht, um so viel wie möglich zu verdienen. Und dann sitzt da abends ein ausgeruhter Partner und will was erleben.« Irgendwann ist jedes Fenster neu gestrichen, jedes Gartenhaus instand gesetzt.
Zwar tragen die Männer jetzt den Müll raus. Gehen einkaufen. Putzen. Aber vor allem Arbeitern mit Familie drückt diese berufliche Tatenlosigkeit aufs Gemüt und damit aufs Ego. Sie können ihrer als normal empfundenen Ernährerrolle nicht mehr gerecht werden, wie amerikanische Forscher untersucht und im American Journal of Public Health beschrieben haben. Ohne Arbeit schmerzt das Arbeiterherz. Und da in den USA auch kein Kurzarbeitergeld den Absturz bremst, ist dort schon nicht mehr von der recession, sondern von der he-cession, einer tiefen Männerkrise, die Rede.
So wirkt sich diese Wirtschaftskrise nicht nur auf Bankkonten, Währungen und Wahlergebnisse aus. Sie verändert das Verhältnis der Geschlechter.
Noch brüchiger wird die männliche Deutungshoheit und kulturelle Herrschaft über die Arbeitswelt, seit auch die Schuldfrage zu einer Männerfrage geworden ist. Denn wer hat die Krise angerichtet? Ein Blick auf die Vorstandsetagen zeigt: Vor allem Männer haben an den internationalen Finanzplätzen gezockt, haben in der Bankenaufsicht nicht genau hingeschaut, haben PS-Boliden gebaut, als sei Benzin ein nachwachsender Rohstoff. Männer saßen in den Anhörungen des amerikanischen Kongresses und mussten beichten, dass sie es so weit hatten kommen lassen. Von Männern geführte Banken wurden verstaatlicht.
Klaus Schwab, der Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums in Davos, zieht daraus den Schluss: »Mehr Frauen müssen in Führungspositionen in Regierungen und Banken, um künftig solche Krisen abzuwehren.«

Hätten Frauen mitentscheiden können, so lautet der Umkehrschluss, hätten sie die Weltwirtschaftskrise mildern, wenn nicht gar verhindern können. Weil sie vorsichtiger sind und anders mit Risiken umgehen. Dermaßen verallgemeinert, ist auch das ein Vorurteil. Allerdings liefern Studien wie etwa die des Forschungsinstituts The Conference Board of Canada seit Längerem Hinweise darauf, dass weibliche Aufsichtsräte an Prüfberichten, Risikomanagement und anderen Kontrollmechanismen tatsächlich interessierter sind und diese konsequenter einfordern als viele Männer. Und so fragt die Washington Post, fragt die Unternehmensberatung Boston Consulting, fragen Parlamentarier im britischen Unterhaus: War es das viele Testosteron? Schadet so viel Männlichkeit der Wirtschaft? Der Umwelt? Der Welt?
Diese Fragen finden ihren Widerhall im Alltag. »Nach der Krise wird die Arbeitswelt vermutlich weiblicher und dienstleistungsgeprägter sein«, sagt der oberste Arbeitslosenverwalter Frank-Jürgen Weise. Die Frauen müssen ran. In Teilzeit sind sie das längst, als Berufsanfängerinnen haben sie gegenüber den Männern die Nase vorn, und als Chefs werden sie nach und nach ihre Chance bekommen. Es ist ihre Stunde, und sei es als moderne Trümmerfrau. Wer hätte denn Mary Shapiro zur Chefin der US-Börsenaufsicht gemacht, wenn die Männer dort nicht so sichtbar versagt hätten?
Deutsche Konzerne steuern langsamer um, aber sie tun es. SAP, BMW und Allianz wollen ihren Talentpool besser nutzen und fördern verstärkt ihre weiblichen Angestellten. Keiner hat es allerdings so deutlich angekündigt wie Siemens-Chef Peter Löscher.
- Datum 06.09.2009 - 19:52 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 23.07.2009 Nr. 31
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Die sind die zzt. im Bereich "Karierre" der ZEIT angezeigten Themen:
* In der Krise schlägt die Stunde der Frauen
* Führungskräfte - Chefinnen in Teilzeit – geht das?
* Arbeitsmarkt - Frauen: Erfolgreich, aber unglücklich
* Karriere - Kommen Kinder zu kurz, wenn Frauen arbeiten gehen?
* Arbeit oder Karriere - Die Mutter ist in den ersten Jahren unersetzbar »
Na, fällt Ihnen etwas auf?
Natürlich, da darf ein Artikel der quasi auch "Männer sind an der Krise Schuld, mit Frauen wäre das bestimmt nicht passiert" heißen könnte, nicht fehlen. Diese Artikel, die mit solchen feministischen Klischees um sich werfen, finde ich schon äußerst peinlich für die Zeit. Vor allem wenn sich damit eine reine [...] und ein Vorurteil von besseren Frauen aufgrund ihres Geschlechts vermischt. [...]
[Gekürzt, wir möchten Sie bitten, Kritik sachlich und konstruktiv zu formulieren. Danke. /Die Redaktion pt.]
Natürlich, da darf ein Artikel der quasi auch "Männer sind an der Krise Schuld, mit Frauen wäre das bestimmt nicht passiert" heißen könnte, nicht fehlen. Diese Artikel, die mit solchen feministischen Klischees um sich werfen, finde ich schon äußerst peinlich für die Zeit. Vor allem wenn sich damit eine reine [...] und ein Vorurteil von besseren Frauen aufgrund ihres Geschlechts vermischt. [...]
[Gekürzt, wir möchten Sie bitten, Kritik sachlich und konstruktiv zu formulieren. Danke. /Die Redaktion pt.]
Selten etwas gelesen, was so hahnebüchen daherkommt.
Selbstverständlich sind Frauen als gesellschaftliche Gruppe aktuell besser dran, das ergibt sich schon alleine aus ihrer größeren Risikoaversität.
Deshalb arbeiten sie meistens in deutlich riskoärmeren Berufen, zu deutlich geringeren Gehältern, in Deutschland nicht selten, in staatlichen Jobs. Beides erhöht ihre Konkurenzfähigkeit zu Lasten des allgemeinen Wohlstandes in Zeiten knapper Jobs, der dauernd beklagte Nachteil (geringere Gehälter)wird zum Vorteil, was ja auch das Wesen der Sache ist.
Genau das war schon mal der Grund Frauenarbeit zu verbieten, mit sensationellen positiven sozialen Folgen, wie wir aus der Geschichte der Industrialisierung wissen.
Ob die größere Sicherheitsneigung ein Vorteil darstellt? Ich bezweifle das heftig. Denn entscheidend ist nicht die Risikoneigung, sondern der Umgang damit. So führt höhere Sicherheitsneigung nicht zwangsläufig zum Erfolg, wenn dies durch ein mehr an Institutionen, Vorschriften und Kontrollmechanismen kompensiert wird. Sondern nur dann wenn es mit individueller Verantwortung, vernünftigem Altruismus und Ehrlichkeit einhergeht. Dann aber ist auch die höhere Risikoneigung der Männer eher ein Gewinn, denn ein Verlust. Im Grunde geht es um die Pole Stillstand und Fortschritt, Bewahren und Verändern, es kommt halt drauf an. Gerade dadurch, das das Sicherheitbedürfnis vieler Frauen eher mit ersterem befriedigt wurde ist eher ein Teil, denn Lösung des Problems.
Eine weitere Frage ist, wie lange diese Jobs, die von Frauen bevorzugt werden halten, wenn der Produktionssektor nicht wieder anspringt und die Möglichkeit Transfergehälter zu zahlen schwindet?
H.
Prinzipiell gefaellt mir diese feministische Seite der Zeit ja sehr gut, habe da schon sehr viele gute Artikel gelesen, aber dieses Argument a la "mit Frauen in der Chef-Etage wird alles besser" hab ich jetzt doch einmal zu oft gehoert.
Nur, um gleich das groesse Geschrei zu vermeiden: ich bin eine Frau und habe ueberhaupt nichts dagegen, dass Fuehrungspositionen 50:50 besetzt werden, ich bin sogar ausgesprochen dafuer. Ich kann mir sogar ehrlich vorstellen, dass das Mischen von unterschiedlichen Talenten (welchen auch immer) bessere Ergebnisse liefert als immer wieder die selben Spezialisten/Fachidioten zu fragen.
Aber diese Studien ... das war mir im Artikel doch zu schwammig, halt das uebliche Problem mit den Korrelationen und Implikationen. Nur, weil in erfolgreichen Unternehmen viele Frauen arbeiten, heisst das (leider) nicht sofort, dass eine hohe Frauenquote ein Unternehmen erfolgreicher macht. Koennte halt auch sein, dass erfolgreiche Unternehmen generell internationaler, und vielseitiger sind, mehr an guter Publicity interessiert sind (wer laesst sich schon gern von Alice Schwarzer an die Wand schreiben), auf mehr als nur einem Gebiet arbeiten, und all das zieht halt einen groesseren Frauenanteil im ganzen Unternehmen und auch in den Chefetagen nach sich.
Im Artikel sind ja schon ganz passende Beobachtungen gemacht worden - gemischte Teams wirken sich gemaess der Erfahrung einzelner Unternehmen direkt im Profit aus. Aber da brauchts halt mindestens vorher-nacher-Studien, nicht nur das einfache Auszaehlen von Korrelationen.
dass bei diesem Thema stets Karrierejobs diskutiert werden, 50:50 in Führungspositionen gefordert wird. Die große Mehrheit der Männerjobs sind keine Weißkragen-Karrierejobs sondern nicht furchtbar gut bezahlt und physisch wie psychisch ungemein anstrengend. Aber niemand verlangt eine hälftige Teilhabe der Frauen an Jobs bei der Müllabfuhr, am Hochofen usw.
Davon ab: wenn sich die Beschäftigungschancen umdrehen, muss IMO natürlich auch die althergebrachte Versorgungsrichtung umgedreht werden. Da sei aber der unabänderliche Wunsch der Frauen nach sozial zumindest gleich, besser aber höher gestellten Männern vor.
Zitat aus dem Artikel:
"Denn wer hat die Krise angerichtet? Ein Blick auf die Vorstandsetagen zeigt: Vor allem Männer haben an den internationalen Finanzplätzen gezockt, haben in der Bankenaufsicht nicht genau hingeschaut.
[...]
Von Männern geführte Banken wurden verstaatlicht.
[...]
»Mehr Frauen müssen in Führungspositionen in Regierungen und Banken, um künftig solche Krisen abzuwehren.«
[...]
Hätten Frauen mitentscheiden können, so lautet der Umkehrschluss, hätten sie die Weltwirtschaftskrise mildern, wenn nicht gar verhindern können. Weil sie vorsichtiger sind und anders mit Risiken umgehen."
Ich stelle vor: Bettina von Österreich
Als Vorbild bejubelt, weil sie längere Zeit die einzige Frau im Vorstand eines DAX-Unternehmens war.
Nicht mehr ganz so bejubelt, als sie von diesem Posten zurückgetreten ist, weil ihr Job nämlich "Chief Risk Officer" (Höchste Risikomanagerin) der Hypo Real Estate war.
Erwähnt wird sie z.B. in folgendem, nur wenige Wochen vor Bekanntwerden der drohenden Insolvenz der HRE erschienenen Artikel (der auch wunderbar zur leicht feministisch angehauchten Karriereseite von ZEIT.de passen könnte):
"Warum weibliche Führungskräfte den Firmenwert steigern".
Sorry für die Ironie, aber es passt einfach so wunderbar zu diesem Artikel. ;-)
Um von der allgemeinen Feminismus-Diskussion wieder zum Artikel zurück zukehren ...
@Herr Vorragend,
eine interessante Beobachtung. Dazu fällt mir ein langer und tiefgehender Spiegel-Artikel von Nov. 2008 ein:
http://wissen.spiegel.de/...
1997 wurde bei JP Morgan an der Wall Street ein neuartiges Wertpapier namens BISTRO erfunden. Im wesentlichen war dies eine Verbriefung eines Credit Swaps. Grob vereinfacht gesagt konnten mit diesem Finanzinstrument Bankschulden an Investoren weiter verkauft werden. Über die Jahre hinweg wurde diese Idee der Schuldenverbriefung oft kopiert und weiter verfeinert, was die heutige Finanzkrise mitverursacht hat.
An der Erfindung von BISTRO war u.a. die JP-Morgan Managerin Blythe Masters mit beteiligt und wurde dafür jahrelang in der Finanzwelt gefeiert.
Auch ich bin skeptisch bei der Verherrlichung von Frauen für eine Verhinderung einer Wirtschafts-/Finanzkrise. Eine Frau hat 1997 quasi das "Dynamit" miterfunden, welches heute in den Bilanzen der Banken schlummert.
Fairerweise muß man sagen, daß Frau Masters nicht ahnen konnte, was später für ein Unfug mit Ihrer Idee getrieben wurde. Natürlich haben viele Erfindungen von Männern die Welt auch nicht gerade verbessert. Alfred Nobel kam (meiner Meinung nach) immerhin zur Einsicht und stiftete den Nobelpreis für wissenschaftliche Arbeiten, welche "der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben". (Zitat Wikipedia: http://de.wikipedia.org/w...)
Wird es demnächst einen Blythe-Masters-Preis für innovative Finanzprodukte geben, welche der Menschheit den größten Nutzen erwiesen haben?
Oder um es mit Alice Schwarzer zu sagen: "Frauen sind nicht etwa die besseren Menschen, sie hatten bisher nur nicht soviel Gelegenheit, sich die Hände schmutzig zu machen." (Quelle: http://de.wikiquote.org/w...)
Um von der allgemeinen Feminismus-Diskussion wieder zum Artikel zurück zukehren ...
@Herr Vorragend,
eine interessante Beobachtung. Dazu fällt mir ein langer und tiefgehender Spiegel-Artikel von Nov. 2008 ein:
http://wissen.spiegel.de/...
1997 wurde bei JP Morgan an der Wall Street ein neuartiges Wertpapier namens BISTRO erfunden. Im wesentlichen war dies eine Verbriefung eines Credit Swaps. Grob vereinfacht gesagt konnten mit diesem Finanzinstrument Bankschulden an Investoren weiter verkauft werden. Über die Jahre hinweg wurde diese Idee der Schuldenverbriefung oft kopiert und weiter verfeinert, was die heutige Finanzkrise mitverursacht hat.
An der Erfindung von BISTRO war u.a. die JP-Morgan Managerin Blythe Masters mit beteiligt und wurde dafür jahrelang in der Finanzwelt gefeiert.
Auch ich bin skeptisch bei der Verherrlichung von Frauen für eine Verhinderung einer Wirtschafts-/Finanzkrise. Eine Frau hat 1997 quasi das "Dynamit" miterfunden, welches heute in den Bilanzen der Banken schlummert.
Fairerweise muß man sagen, daß Frau Masters nicht ahnen konnte, was später für ein Unfug mit Ihrer Idee getrieben wurde. Natürlich haben viele Erfindungen von Männern die Welt auch nicht gerade verbessert. Alfred Nobel kam (meiner Meinung nach) immerhin zur Einsicht und stiftete den Nobelpreis für wissenschaftliche Arbeiten, welche "der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben". (Zitat Wikipedia: http://de.wikipedia.org/w...)
Wird es demnächst einen Blythe-Masters-Preis für innovative Finanzprodukte geben, welche der Menschheit den größten Nutzen erwiesen haben?
Oder um es mit Alice Schwarzer zu sagen: "Frauen sind nicht etwa die besseren Menschen, sie hatten bisher nur nicht soviel Gelegenheit, sich die Hände schmutzig zu machen." (Quelle: http://de.wikiquote.org/w...)
Mich würde auch einmal interessieren warum es bei Gleichberechtigung der Frauen immer nur um die vorteilhaften Dinge geht. Ich habe nichts dagegen das Frauen und Männer zu gleichen Teilen die Lasten der Gesellschaft tragen doch bitte schön entweder richtig oder überhaupt nicht. Dann soll es auch die Wehrpflicht für Frauen geben, inklusive im "Dreck robben" und anderer unangenehmer Sachen. Also wenn schon den schon bitte.
"Fleiß ist ein wesentlicher Grund dafür, dass Frauen so klar Bildungsgewinnerinnen geworden sind.
56,3 Prozent aller bestandenen Abiturprüfungen 2007 – abgelegt von Mädchen."
Dies verkennt die direkte (und auch die indirekte) Diskriminierung von Jungen in der Schule (die der Zeit anscheinend egal ist). Ich zitiere mal einen anderen Beitrag von mir:
"Jungen erhalten, wie inzwischen einige Studien (z.B. Quasum in Brandenburg: http://tinyurl.com/quasum , die Hamburger LAU-Studie: http://tinyurl.com/myxr7x (Kapitel 5)) oder jüngst die Studie des Aktionsrats Bildung) nachgewiesen haben, bei gleichen Leistungen schlechtere Noten und bei gleichen Noten am Ende der Grundschulzeit weniger Gymnasialempfehlungen. Als Ergebnis dieser Praxis sind Jungen demotiviert und erbringen tatsächlich leicht schlechtere Leistungen als Mädchen (diese rechtfertigen aber nicht diesen Notenunterschied); sie sind deshalb auch inzwischen beim Abitur unterrepräsentiert und bei Schulabbrechern und Hauptschülern überrepräsentiert. Deswegen sind seit Jahren wesentlich mehr junge Männer als Frauen arbeitslos (siehe aktuelle Pressemitteilung des DGB; dieser Zustand ist übrigens auch durch die Frauenbevorzugung v.a. von großen Unternehmen entstanden (z.B. verkündet Bosch, besonders Frauen zu suchen (http://berufundchance.faz...) und (wie mir ein Personaler unter vier Augen mitgeteilt hat) stellt Daimler in der Krise keine Ingenieure, sondern nur noch Ingenieurinnen ein).
Außerdem gibt es umfangreiche Mädchenförderung im MINT-Bereich; kaum eine Universität/Forschungseinrichtung der genannten Richtung hat kein Mädchen/Frauenförderprojekt (der Girls' Day ist hier noch nicht einmal hinzugerechnet) und auch sehr viel Forschung im Bereich Mädchen und MINT (wie z.B. http://www.bmbf.de/pot/do... -- für Jungenforschung ist natürlich kein Geld da); damit will ich natürlich nicht sagen, dass sich die Mädchenförderung auf diesen Bereich beschränkt, nein auch bei Fächern (wie z.B. Biologie und teilweise auch Tiermedizin), in denen Frauen schon längst die Mehrheit der Studenten und Mädchen die besseren (im Sinne von erfolgreicheren; wie oben erwähnt bedeuten bessere Noten von Mädchen ja nicht unbedingt bessere Leistungen) Schüler sind, gibt es Girls' Days und anderes. Auch bei Migranten gibt es spezielle (Bildungs-)Programme nur für Mädchen, aber keine für Jungen, obwohl hier die geschlechtsspezifischen Unterschiede besonders groß sind.
Und was gibt es für die Jungen? Für sie gibt es das Projekt "Neue Wege für Jungs" (NWfJ). Dieses Projekt ist kein Bildungsprojekt, sondern ein Sozialisationsprojekt (und wird deshalb auch nur vom Ministerium für alles außer Männer, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) angesiedelt -- der Girls' Day wird vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und dem BMFSFJ (und noch vielen anderen Aktionspartnern) unterstützt). NWfJ ist mit dem Girls Day also weder von der Zielsetzung und übrigens auch nicht vom finanziellen und personellen Aufwand her vergleichbar (das erkennt man z.B. der Seite von NWfJ auch an). NWfJ wurde aus im Wesentlichen drei Gründen gestartet:
1. NWfJ dient der Umerziehung von Jungen: Jungen sollen hier lernen, das Klo sauberzumachen (im Zuge eines Haushaltspasses) und den Mädchen nicht den Platz wegzunehmen (http://www.neue-wege-fuer...). Sie werden deshalb in die schlechtbezahlten Frauenberufe (und nur in die schlechtbezahlten, die gutbezahlten sollen weiter Frauen einnehmen) gedrängt. Dies ist das Motiv der FeministInnen hinter NWfJ.
2. Nachdem Jungen, wie oben schon erwähnt, wesentlich häufiger ohne Schulabschluss dastehen und auch eine höhere Arbeitslosigkeit aufweisen, verursachen sie natürlich Kosten in den Sozialkassen (gnz zu schweigen davon, dass sie nicht einzahlen). Deshalb die Bemühungen, Jungen in die Berufe, zu denen man Mädchen nicht mehr rät, zu bekommen. Der sozialverträgliche (d.h. einer, der den Staat nichts kostet und der keine Unruhen verursacht) Schulverlierer ist hier das Modell. Dies ist die Motivation der Finanzminister.
3. Es ist der Bevölkerung nicht unbemerkt geblieben, dass Jungen in der Schule schlechter abschneiden. NWfJ dient auch als Alibi-Vorzeigeprojekt, damit Politiker behaupten können, sie würden etwas in dieser Sache tun. Wie sich aber aus dem Gesagten ergibt, dient NWfJ nicht dazu, die Bildungssituation von Jungen zu verbessern.
Was unternimmt die Politik insbesondere nicht? Hier eine unvollständige Liste:
- Die Ursachenforschung wird nicht wirklich gefördert.
- Sie unterbindet z.B. folgende Veranstaltungen nicht: http://www.gea.de/detail/... ; http://www.gympeg.de/eige... (sehr interessant! -- hier wird weibliche Gewalt verherrlicht); http://www.sailer-gymnasi... ("Die Schulspielgruppe [...] machte aber gerade dabei die Aktualität der Thematik des Stücks deutlich:
Bornierte Mannsbilder waren zu allen Zeiten so intensiv mit kriegerischem Dreinhauen beschäftigt, dass Frauen nicht nur unter der Trennung, sondern auch unter der Gefahr litten, in Witwen verwandelt zu werden." -- Dieses Weltbild ist leider an Schulen zu weit verbreitet.)
- Allgemein herrscht an Schulen (d.h. in den Köpfen der LehrerInnen) ein sehr negatives Jungenbild, welches aus Stören, Aggresivität, "Macho-Gehabe" und Faulheit besteht. Gemäß diesem Bild werden die Jungen in der Schule auch behandelt: Sie müssen in Gewaltpräventionskursen lernen, wie sie Mädchen nicht mehr schlagen/vergewaltigen (was die überwältigende Mehrheit nicht tut), während man gleichzeitig in Selbstbehauptungs- und verteidigungskursen (von denen Jungen häufig ausgeschlossen sind) Mädchen fördert. Diese Kurse tragen nicht nur zur Verfestigung althergebrachter Rollenbilder (also dem Gegenteil dessen, was Gender Mainstreaming vorgibt tun zu wollen (de facto ist es an dieser Stelle natürlich erwünscht)) -- nämlich: Mann als Schläger, Frau als Opfer -- bei, sie sind ein Teild er Ursache, warum Jungen Schule weniger mögen.
- Dieses negative (Männer- und) Jungenbild ist auch in den Medien verbreitet, in denen zu selten positiv über Jungen berichtet wird. ("Bis in die 70er-Jahre gab es ein positives, heroisches Männerbild, sie waren Entdecker der Welt, Staatenlenker, Ärzte und Heilige. Dieses Bild wurde durch den Feminismus niedergerissen. Seither werden Männer fast nur negativ dargestellt: als Naturzerstörer und Kriegstreiber, Pornografen und Vergewaltiger. Von der ursprünglich positiven Männlichkeit ist nicht viel übrig." -- Walter Hollstein) Dies gilt es durch spezielle Medienpreise zu ändern.
- In den Fächern, die vermehrt Frauen studieren, gibt es keine speziellen Werbekampagnen und Fördermaßnahmen für Jungen. Beispiel: Sprachfakultäten und veterinärmedizinische Fakultäten sollten nicht nur am derzeitigen "Girls' Day" (der gegen einen auch dem Namen nach gleichberechtigten Zukunftstag zu ersetzen ist) Veranstaltungen ausschließlich für Jungen anbieten (de facto tun sie noch nicht einmal das), sondern auch z.B. Sommerschulen ausschließlich für Jungen -- dies wäre das Äquivalent zu den vielen Mädchen-Technik-Initiativen. Es hätte auch noch den positiven Nebeneffekt, dass hierdurch Sprachen einen Teil ihrer weiblichen Prägung verlieren und angehende LehrerInnen den Umgang mit Jungen und das Halten eines Jungen ansprechenden Unterrichts üben können.
- Die Themenwahl und die Bewertungsmaßstäbe in den sprachlichen und künstlerischen Fächern müssen angepasst werden, um jungengerechter zu werden (z.B. sollte die äußere Form einer Arbeit in Deutsch nicht mehr in die Bewertung einfließen dürfen).
- Mentoring-Programme für Jungen (für Mädchen gibt es das schon längst, inzwischen ist auch ein Cybermentoring dabei).
- Gleichberechtigte Teilnahme am Zukunftstag (und zwar in allen Berufen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind und nicht nur den schlechtbezahlten!). Alternativ könnte man auch jegliche geschlechtliche Komponente des Zukunftstags entfernen.
- Besondere Förderung der Jungen mit Migrationshintergrund; außerdem muss dem Klischeebild des benachteiligten türkischen Mädchens durch spezielle Informationskampagnen entgegen gewirkt werden.
- Prämien für die Schulen, die sich am erfolgreichsten für Gleichstellung (und das bedeutet im schulischen Kontext zumeist: Jungenförderung) einsetzen; aktuell könnte man z.B. in Berlin an den Gymnasien in Zukunft die Plätze gemäß ihrem Anteil an den entsprechenden Jahrgängen verteilen, da die Gymnasien dort sowieso überlaufen sein werden. (Dafür ist bei den Regierungsparteien, die unter Gleichberechtigung nur Frauenförderung/-bevorzugung verstehen, natürlich kein politischer Wille vorhanden.)
- Und natürlich sollte man nicht nur die schulische Situation im Blickfeld haben, sondern auch andere Themen wie z.B. Suizid und Gesundheit: Die amtlichen Selbstmordraten für Jungs sind in der Pubertät 7 mal höher als die für Mädchen (und weil viele Selbstmorde nicht als solche erkannt werden, schätzt man, dass sie in Wahrheit 12 mal so hoch wie die der Mädchen ist). Die Gründe hierfür werden aber leider nicht erforscht! Außerdem gibt esin Deutschland viele Anlaufstellen für Mädchen, die von Gewalt betroffen sind; für Jungen gibt es nur 3. (Die meisten vereine, die sich in diesem Bereich engagieren, kennen Jungen nur als Täter.) Siehe hierzu auch http://www.aerztezeitung.... und http://www.youtube.com/wa...
[Gekürzt (Betreff), bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Danke. /Die Redaktion pt.]
...für diesen wunderbar ausführlichen Beitrag :-)
...und zwar ohne jeglichen geschlechterkampf und sonstiges gendergedöns:
angepaßte untertanen sind erwünscht, sonst nichts. schlechtere noten bei gleicher leistung/intelligenz resultieren in erster linie aus der überbewertung sogenannter "soft skills", einer euphemistischen umschreibung für angepasstes verhalten, duckmäusertum und allgemeinem "sich gut verkaufen können". mit emanzipation hat das wirklich nichts zu tun.
Es ist schon erschreckend, was mittlerweile für dreiste Behauptungen und fadenscheinige Studien (deren Ergebnis von Beginn an feststeht) durch ständige Wiederholung und den Gender-Mainstreaming-Zeitgeist für bare Münze genommen werden.
Merke:
Machen mehr Mädchen als Jungen Abitur und sind in Sprachen besser, ist das ein Beweis dafür, dass Mädchen schlauer und fleißiger sind.Studieren mehr Jungen als Mädchen Ingenierwissenschaften oder erreichen mehr Männer Fühtrungspositionen ist das ein Beweis dafür, dass Mädchen und Frauen diskriminiert werden.
Kommt diese Logik denn keinem seltsam vor?
Damit haben Sie mehr als treffend die Misere der feministischen Propagandaveranstaltung in den Medien und der Politik beschrieben. Jetzt heißt es noch am Ball bleiben, denn der Feminismus ist in gleicher Art und Weise eine Fleißarbeit mit Sternchen. Will meinen, was an Sachargumenten und Reflektion gesellschaftlicher Zustände fehlt, wird duch permanente Wiederholung unwahrer Zuschreibungen und statistischen Verzerrungen wettgemacht. Und entgegentreten heißt, dass auch für die Opfer des Gender Mainstreaming, nämlich den Jungen, permanent eine Lanze gebrochen wird. Das ist eine repetitive Herausforderung. Solange bis die 68er ausgestorben sind und deren Epigonen der eigene diskursive Brei zum Hals raushängt.
...für diesen wunderbar ausführlichen Beitrag :-)
...und zwar ohne jeglichen geschlechterkampf und sonstiges gendergedöns:
angepaßte untertanen sind erwünscht, sonst nichts. schlechtere noten bei gleicher leistung/intelligenz resultieren in erster linie aus der überbewertung sogenannter "soft skills", einer euphemistischen umschreibung für angepasstes verhalten, duckmäusertum und allgemeinem "sich gut verkaufen können". mit emanzipation hat das wirklich nichts zu tun.
Es ist schon erschreckend, was mittlerweile für dreiste Behauptungen und fadenscheinige Studien (deren Ergebnis von Beginn an feststeht) durch ständige Wiederholung und den Gender-Mainstreaming-Zeitgeist für bare Münze genommen werden.
Merke:
Machen mehr Mädchen als Jungen Abitur und sind in Sprachen besser, ist das ein Beweis dafür, dass Mädchen schlauer und fleißiger sind.Studieren mehr Jungen als Mädchen Ingenierwissenschaften oder erreichen mehr Männer Fühtrungspositionen ist das ein Beweis dafür, dass Mädchen und Frauen diskriminiert werden.
Kommt diese Logik denn keinem seltsam vor?
Damit haben Sie mehr als treffend die Misere der feministischen Propagandaveranstaltung in den Medien und der Politik beschrieben. Jetzt heißt es noch am Ball bleiben, denn der Feminismus ist in gleicher Art und Weise eine Fleißarbeit mit Sternchen. Will meinen, was an Sachargumenten und Reflektion gesellschaftlicher Zustände fehlt, wird duch permanente Wiederholung unwahrer Zuschreibungen und statistischen Verzerrungen wettgemacht. Und entgegentreten heißt, dass auch für die Opfer des Gender Mainstreaming, nämlich den Jungen, permanent eine Lanze gebrochen wird. Das ist eine repetitive Herausforderung. Solange bis die 68er ausgestorben sind und deren Epigonen der eigene diskursive Brei zum Hals raushängt.
Natürlich, da darf ein Artikel der quasi auch "Männer sind an der Krise Schuld, mit Frauen wäre das bestimmt nicht passiert" heißen könnte, nicht fehlen. Diese Artikel, die mit solchen feministischen Klischees um sich werfen, finde ich schon äußerst peinlich für die Zeit. Vor allem wenn sich damit eine reine [...] und ein Vorurteil von besseren Frauen aufgrund ihres Geschlechts vermischt. [...]
[Gekürzt, wir möchten Sie bitten, Kritik sachlich und konstruktiv zu formulieren. Danke. /Die Redaktion pt.]
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