Die Stunde der Frauen »Die gläserne Decke war eher aus Beton«
Kind und Karriere traute ihr keiner zu. Unsere Autorin schreibt, wie sie es trotzdem nach oben schaffte
Zu Beginn meiner Karriere kannte ich den Begriff »gläserne Decke« nicht. Vermutlich hätte ich ihn auch nicht verstanden. Ich war erfolgreich und wurde befördert – schneller als mancher Kollege. In meiner Weltsicht war Karriere diskriminierungsfrei. Als ich dann Jahre später Bekanntschaft mit der gläsernen Decke machte, schien sie mir eher aus Beton zu sein. Aus dem anstehenden Aufstieg ins Management wurde nichts, trotz sehr guter Beurteilungen. Alle sechs Monate sah ich zu, wie Männer, die auf der Karriereleiter einst hinter mir waren, mich flott überholten.
Nur zwei Dinge unterschieden mich von ihnen – ich bin weiblich und habe ein Kind. Die Begründung für meine Nichtbeförderung war für eine Frau mit Ost-Sozialisierung nicht zu begreifen. Ich lernte, dass ein »hervorragend« nur halb so viel wert ist, wenn man nur 50 Prozent arbeitet. Ich hätte ja selbst zwischen Karriere und Familie gewählt und könne mich nun nicht darüber beschweren. Mein Vorgesetzter schwärmte davon, dass seine Frau wisse, »wo ihr Platz ist«. Als Managerin mit Prädikatsabschluss einer Eliteuniversität habe sie in drei Jahren drei Kinder bekommen und kümmere sich nun zu Hause um sie. Er sprach davon, dass Kindergärten den Nachwuchs asozial machten und der Beruf für Mütter nicht so wichtig sei.
Mein Sohn wurde im Jahr 2000 geboren, und relativ bald arbeitete ich wieder Vollzeit. Auch das passte vielen nicht. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich gefragt wurde: »Wie kommt dein Kleiner damit klar, dass du arbeitest?« Ich begann, mich zu rechtfertigen, erzählte von einem fein gesponnenen Betreuungsnetz aus Tagesmutter, Kita, Oma und Papa. Trotzdem bekam ich Schuldgefühle und klebte mir das Rabenmutteretikett auf die Stirn, dabei hätte ich doch am liebsten einfach nur zurückgefragt: »Und wo sind deine Kinder? Und wie kommen die damit klar, dass ihr Papa so viel arbeitet?« Einer meiner Manager fand es sogar lustig, dass ich am Geburtstag meines Kindes Urlaub nehmen wollte. »Dann müsste ich ja dreimal im Jahr Urlaub nehmen, bei drei Kindern«, bemerkte er lachend. »Ja, müsstest du!«, antwortete ich – und das war ernst gemeint.
Ich fing an, mich mit dem Thema Frauen in Führungspositionen zu beschäftigen. Ich las Studien und Bücher, besuchte Workshops und Konferenzen. Ich analysierte Statistiken der Personalabteilung meines Unternehmens. Meine Erkenntnis: Offenbar gab es kaum Frauen in Führungspositionen, ferngehalten durch gläserne Decken. Offenbar sind diese Barrieren dicker für Frauen, die wie ich in männerdominierten Branchen arbeiten und gleichzeitig Mutter sind. Aber ich lernte auch, dass man immer eine Wahl hat. Ich bildete mich in Seminaren weiter, um selbstbewusster aufzutreten, besser zu netzwerken. Ich nahm die Fäden selbst in die Hand.
Zuerst fand ich einen Geschäftsbereich, in dem es 40 Prozent Frauen auf der Topebene gab und jede zweite Managerbeförderung einer Frau galt. Ich ließ mich dorthin versetzen und stieg ebenfalls bald auf. Diese Topfrauen fanden meinen Wunsch, Managerin (trotz Kind) zu werden, nicht ungewöhnlich, sondern ganz normal. Die viel zitierte Stutenbissigkeit gab es nicht. Ich traf auch auf moderne Männer im Management, die in Frauen kompetente Kolleginnen sehen, sie ernst nehmen und nicht kleinmachen.
In dieser Zeit trat ich in ein Frauennetzwerk europäischer Managerinnen ein, den EWMD. Ich wollte von anderen erfolgreichen Frauen lernen und meine eigenen Erfahrungen weitergeben. Ich hatte begriffen, dass wir die Kultur verändern müssen – in der Gesellschaft und in den Unternehmen, aber auch in Zweierbeziehungen. Ich schulte selbst Hunderte Managerinnen.
Vor knapp zwei Jahren wechselte ich zu Microsoft – einem Unternehmen mit vier Müttern in der deutschen Geschäftsleitung. Moderne Kommunikationsmittel und flexible Arbeitszeiten erleichtern mir jetzt das Leben. Statt Dienstreisen nutze ich Videokonferenzen, Instant Messaging und gemeinsame Datenbanken, um mit Kollegen an anderen Orten zusammenzuarbeiten. Ich kann eine Managerin sein, die ihr Privatleben nicht versteckt.
Anke Domscheit ist Managerin für Regierungsbeziehungen bei Microsoft, war zuvor bei mehreren Unternehmensberatungen und engagiert sich in Frauennetzwerken wie dem European Women’s Management Development Network
- Datum 25.07.2009 - 22:46 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 23.07.2009 Nr. 31
- Kommentare 25
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Respekt fuer die Leistung dieser Frau, einen Weg nach oben zu finden. Aber um ueber solche Umwege doch noch ans Managment zu kommen, braucht es auch deutlich mehr Faehigkeiten, als fuer eine "normale" Bevoerderung dorthin.
Man koennte auch sagen, Frau Dormscheit hatte genug Kraft, die Decke zu durchstossen. Das haben aber lange nicht alle Frauen.
Es sollte eigentlich selbstverstaendlich sein, dass Kinder auch vom Vater grossgezogen werden muessen. Dass dann beide arbeiten, ist ebenfalls klar. Wieso fuehlen die Maenner in der ersten Firma der Autorin keine Verantwortung fuer ihre Kinder ueber die finanzielle Absicherung hinaus? Das ist natuerlich klassisches Rollendenken, aber im Grunde egoistisch.
Ich wuerde aber vermuten, dass Firmen, in denen ein modernes Arbeitsklima herrscht, mit "modernen" Maennern, wie Frau Dormscheit sie so schoen nennt, effizienter und innovativer sind als ihre konservative Konkurrenz. Insofern sollte sich das Problem durch natuerliche Selektion mit der Zeit loesen.
Fuer die Zukunft koennen Frauen also optimistisch sein.
Aber auch fuer Maenner, die berechtigterweise viel Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen, ist diese Entwicklung ein positive Nachricht, denn sie macht Hoffnung, dass auch die Frau einen guten Job trotz Kinder haben kann, so dass der Mann nicht die volle Last des Berufes traegt.
Leider kann ich ihre Hoffnung nicht teilen, dass eine leistungsgerechte, nicht chauvinistische Einstellung die natürlich selektive Zukunft für die Unternehmen sein müsste. Die Selektion hat genau die Hierarchien hervorgebracht, unter denen gelitten wird. Mit Rationalität kann man diese Strukturen nicht ändern. Die Macht bleibt die Macht.
Das Beispiel im Artikel ist auch eigentlich widersinnig. Es geht um den parasitär-räuberischen Bereich der Unternehmensberatung. Da sind Frauen doch nur Repräsentationswaren als Angestellte, die nach Attracktivität ausgesucht werden.
Leider kann ich ihre Hoffnung nicht teilen, dass eine leistungsgerechte, nicht chauvinistische Einstellung die natürlich selektive Zukunft für die Unternehmen sein müsste. Die Selektion hat genau die Hierarchien hervorgebracht, unter denen gelitten wird. Mit Rationalität kann man diese Strukturen nicht ändern. Die Macht bleibt die Macht.
Das Beispiel im Artikel ist auch eigentlich widersinnig. Es geht um den parasitär-räuberischen Bereich der Unternehmensberatung. Da sind Frauen doch nur Repräsentationswaren als Angestellte, die nach Attracktivität ausgesucht werden.
bei den Genen, bei Vater-& Muterschaft. Ich dachte das Thema sei längst vom Tisch!
Aber es scheint hier mehrheitlich ein Problem der Väter, nicht der Mütter die Besitzansprüche nicht verdauen können. Endlich wieder einmal ein Artikel der eben genau den Unterschied von "Die Zeit" zu anderen Postillen deutlich macht.
Wäre jetzt auch interessant gewesen zu erfahren, wo Frau Domscheit anfangs gearbeitet hat. Noch interessanter wäre ein allgemeines Firmen-Ranking über Frauenfreundlichkeit :)
welcher Bereich? egal.
Was wollen diese Leute eigentlich? Das wäre doch viel interessanter als die Frage ob eine Frau das schaffen kann. Was schaffen? Worum geht es? Und darf ein Kind darunter leiden? Insofern finde ich den Artikel total oberflächlich.
Die besten Führer und Ratgeber sind eigentlich die, die diese Aufgabe absolut nicht haben wollen.
Ist "Managerin für Regierungsbeziehungen" eigentlich der aufgehübschte Titel für Lobbyistin? Wurde ja auch Zeit, dass dieser etwas unpopuläre Tätigkeitsbereich einen geschmeidigen Titel bekommt.
Ansonsten möchte ich der ZEIT noch danken, dass nun endlich einmal die Problematik der Frauen mit Kind im Beruf auf den Tisch gebracht wurde.
Mir ist übrigens ein Mann bekannt, der regelmäßig, trotz hervorragender Leistung, nicht befördert worden ist. Ich bin mir jetzt gerade gar nicht mehr so ganz sicher, ob es sich wirklich um einen Mann handeln kann.
Wenn ich es mir recht überlege, dann sollte wohl langsam per Gesetz festgelegt werden, dass Männer, die noch keine Kinder geboren haben, grundsätzlich bei gleicher Eignung und Qualifikation bei der Jobvergabe zu benachteiligen sind. Das wäre wohl konsequent.
Also ich vermisse hier etwas den Testbericht. Hier hat jemand aus seinem eigenen Berufsleben berichtet und seine subjektiven Eindrücke geschildert. Dies ja auch nicht verwerflich, aber dies hier ist mitnichten ein Test oder auch nur in irgendeinerweise Weise ein Beweis oder Indiz.
Konsequent und richtig ist es, seinen Arbeitgeber zu wechseln, wenn man glaubt, dort nicht weiterkommen zu können. Das ist fast wie aus dem Karrierelehrbuch. Handeln statt jammern, genau so macht man das. So weit so gut, aber der Rest lässt mich grausen.
Es gibt wohl nahezu keinen Menschen auf dieser Welt, der nicht meint, dass er in irgendeiner Form benachteiligt wäre:
Mal ist man der einzige der Ahnung hat oder richtig arbeitetund trotzdem verdient man nicht mehr als die Kollegen.
Mal zahlt man zu viele Steuern oder bekommt zu wenig Zuschüsse.
Mal ist man Bürger zweiter Klasse, weil man ja aus dem Osten kommt.
Mal ... (hier kann sich jeder selbst sein Beispiel reinschreiben).
Wären das alles Tatsachen?
Lustigerweise werden Berichte von Frauen über ihre persönlich empfundene Benachteiligung immer als Tatsachen aufgefasst und immer liegt es ja nur am Geschlecht. Männer, die sich um ihre Kinder kümmern wollen und dies dem Arbeitgeber kundtun, werden genauso Probleme bekommen, wie Frauen. Ich habe als mann auch schon Karrierechancen vergeben, weil ich sagen musste, das kann ich meinen Kinder und meiner Frau nicht zumuten. Wenn überhaupt, dann werden Eltern benachteiligt, die sich um ihre Kinder kümmern wollen.
Aber davon mal abgesehen: was würden man denn von einem Manager oder Chef denken, der immer pünktlich nach Hause geht, auch wenn gerade die "Kacke am Dampfen" ist? Man stelle mich mal einen Wiedeking vor, der in den letzten 6 Monaten nur halbtags gearbeitet hätte oder immer um 17:00 Uhr nach Hause gefahren wäre, um mit seinen Kindern den Tag und Hausaufgaben zu besprechen. Was würde man denn von so einem Chef denken, wenn man um seinen eigenen Arbeitsplatz fürchtet?
Letztlich muss man einsehen, dass man nicht beides haben kann, die Spitzenkarriere und Kinder, um die man sich selbst kümmert.
Nicht an der Karriereblockade in den Unternehmen, denn natürlich gibt es nicht überall eine passende Abteilung, in die man sich dann versetzen lassen kann (und das sollte vor allem nicht nötig sein), aber an der privaten Komponente.
Was, um Himmels willen, veranlasst eine Managerin mit Prädikatsabschluss einer Eliteuniversität, einen Mann zu heiraten, der so dumm daherredet? Brauchte sie einen Versorger? Haha. Wollte sie nie ernsthaft arbeiten, sondern nur für ihren Wunschgatten vorzeigbar sein? Dies mag ein Einzelfall sein, an dem man sich nicht aufreiben muss, aber das Problem liegt doch auf der Hand: Zu einer Familie gehören zwei.
Wenn die Frauen aus "genetisch bedingter Partnerwahlblödheit" immer noch nach einem Mann mit höherem Status streben (dazu gab's hier oder auf der SZ-Webseite vor ein paar Wochen mal Interessantes zu lesen) und dadurch in Kauf nehmen, dass der diese Rollenerwartung hat und durchsetzt, tja, worüber beschweren sich die Frauen in der Gesamtheit dann eigentlich? Es müssen ja so viele sein, die sich so verhalten, dass es für eine gesellschaftliche Prägung reicht.
Natürlich ist es nicht schön, dass die Alphamännchen so weiterhin so gerieren, aber da die Frauen andere Männer offenbar für unter ihrer Würde halten (wie schön, dass die Liebe anscheinend mit dem Einkommensteuerbescheid korreliert, haha), vermag ich kein großes Mitleid für sie aufzubringen. Wenn Männer kein karriererelevantes "Kinderproblem" haben, weil sie die richtige Frau zu Hause haben, dann kann ein Kind für eine Frau mit dem richtigen Mann zu Hause auch kein karriererelevantes Problem sein. Im Gegenteil: Das mag dem Managerimage sogar förderlich sein.
Leider kann ich ihre Hoffnung nicht teilen, dass eine leistungsgerechte, nicht chauvinistische Einstellung die natürlich selektive Zukunft für die Unternehmen sein müsste. Die Selektion hat genau die Hierarchien hervorgebracht, unter denen gelitten wird. Mit Rationalität kann man diese Strukturen nicht ändern. Die Macht bleibt die Macht.
Das Beispiel im Artikel ist auch eigentlich widersinnig. Es geht um den parasitär-räuberischen Bereich der Unternehmensberatung. Da sind Frauen doch nur Repräsentationswaren als Angestellte, die nach Attracktivität ausgesucht werden.
Jede Entwicklung ist letztlich Ergebnis natuerlicher Selektion. Vor allem das patriachalische System, welches sich noch in jedem Bereich unserer Gesellschaft zeigt. Wenn man aber in die Vergangenheit schaut oder in weniger moderne Laender, sieht man einen Zustand, der noch viel frauenfeindlicher ist, als heutzutage. Die Emanzipation schreitet voran, wenn auch nur langsam. Ausserdem aendern sich auch die Anforderungen an Angestellte. Frauen koennen dort viel besser gegen ihre Kollegen bestehen als frueher.
Man muss nur mal 50 Jahre zurueck schauen. Die Entwicklung, die sich in dieser Zeit vollzogen hat, ist wirklich unuebersehbar. Daraus speist sich meine Hoffnung, mittelfristig, eine annaehernde Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft zu haben.
Jede Entwicklung ist letztlich Ergebnis natuerlicher Selektion. Vor allem das patriachalische System, welches sich noch in jedem Bereich unserer Gesellschaft zeigt. Wenn man aber in die Vergangenheit schaut oder in weniger moderne Laender, sieht man einen Zustand, der noch viel frauenfeindlicher ist, als heutzutage. Die Emanzipation schreitet voran, wenn auch nur langsam. Ausserdem aendern sich auch die Anforderungen an Angestellte. Frauen koennen dort viel besser gegen ihre Kollegen bestehen als frueher.
Man muss nur mal 50 Jahre zurueck schauen. Die Entwicklung, die sich in dieser Zeit vollzogen hat, ist wirklich unuebersehbar. Daraus speist sich meine Hoffnung, mittelfristig, eine annaehernde Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft zu haben.
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