Kino Wir sind GlühwürmchenSeite 3/3
Jemand, der von diesem Hungerstreik nichts weiß – immerhin fand er vor 28 Jahren statt, in einem Irland, das mit dem heutigen so wenig gemein hat –, wird am Ende des Films nicht viel mehr Fakten kennen als vorher, aber er wird sie empfunden haben. Und diese durch den Film vermittelte Erfahrung führt zu einem tieferen Wissen. Etwas Geheimnisvolles eröffnet neue Möglichkeiten des Verstehens.
Je mehr Fragen man stellt, desto mehr Fragen werden aufgeworfen.
Irische und britische Künstler haben sich in den vergangenen dreißig Jahren bemerkenswert selten mit dem Hungerstreik auseinandergesetzt. Es gibt nur sehr wenige Bücher oder Filme, die dieses Thema mit der nötigen Tiefe behandeln. Man könnte sagen, dass die Hungerstreikenden von 1981 durch diesen ultimativen, gegen sie selbst gerichteten Akt der Gewalt geholfen haben, den Hunger nach Gewalt in Nordirland zu stillen.
Diese Männer haben ihren Körper von ihrem Geist verzehren lassen, und ihr Erfolg hat andere Formen der Gewalt letztlich überflüssig gemacht. Doch der Augenblick musste kommen, in dem sich ein Film mit diesem unerhörten Geschehen auseinandersetzt – und ebendies hat McQueens Hunger nun getan.
Dass der beste irische Film der letzten Jahre von einem schwarzen Londoner gemacht wurde, dessen Name (auf Gälisch) »Sohn der Königin« bedeutet, mag manchen bemerkenswert erscheinen – doch das sollte es nicht. Vielleicht war McQueen sogar der ideale Mann dafür. Er stand außerhalb und innerhalb zugleich, er verkörperte den Widerspruch.
Schließlich ist Kunst die Fähigkeit, eine Geschichte über die Grenzen des tatsächlichen Geschehens hinauszuführen. Kunst erweitert das Bewusstsein. Sie gibt uns eine zweite Chance. McQueen, Fassbender, Walsh und Bobbitt sind dieses Wagnis gemeinsam eingegangen. Gehen Sie ins Kino. Sehen Sie sich diesen Film an. Treten Sie ein in die Geschichte. Und dann gehen Sie hinaus. Das Licht wird sich verändert haben. Das ist genug.
Der Schriftsteller Colum McCann, 1965 in Dublin geboren, ist der Autor einer Novelle mit dem Titel "Hungerstreik". McCann wurde 1996 mit seinem Roman "Gesang der Kojoten" bekannt, sein Buch "Der Himmel unter der Stadt" machte ihn 1998 weltberühmt. McCanns jüngster Roman "Let the Great World Spin" wurde im Juni in New York von der Kritik frenetisch gefeiert und wird im September auf Deutsch unter dem Titel "Die große Welt" erscheinen.
Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren
- Datum 06.09.2009 - 11:18 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 23.07.2009 Nr. 31
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Wo ist der Film über folternde US-Soldaten in Abu-Ghuraib und Guantanamo ?
Wo ist der Film über folternde Israelis in israelischen Gefängnissen ?
Wo ist der Film über folternde Palästinenser in Hamas- und Fatah-Gefängnissen ?
Wo ist der Film über folternde Beamte in russischen, chinesischen, burmesischen, ägypthischen, afghanischen, usw. Gefängnissen ?
Warum kommt so ein Film erst nach fast 30 Jahren ?
Deshalb anschauen und nicht vergessen, das tagtäglich genau das immer noch geschieht.
Warum kommt so ein Film erst nach fast 30 Jahren ?
Ein Film, der sich ebenfalls mit dem Hungerstreik von 1981 beschäftigt, heißt "Teufelkreis der Gewalt"(engl. Some Mother's Son) von 1996.
Der Film nimmt eine eher Pro-Streiker-Haltung ein und bedient sich im Vergleich zu "Hunger" konventionelleren Erzählstrukturen.
Warum kommt so ein Film erst nach fast 30 Jahren ?
Ein Film, der sich ebenfalls mit dem Hungerstreik von 1981 beschäftigt, heißt "Teufelkreis der Gewalt"(engl. Some Mother's Son) von 1996.
Der Film nimmt eine eher Pro-Streiker-Haltung ein und bedient sich im Vergleich zu "Hunger" konventionelleren Erzählstrukturen.
Beim Schauen des Filmes kam mit immer wieder der Gedanke: krass, aber wer schaut sich so was an?
Am Ende geht so etwas immer an den *Verantwortlichen* vorbei.
So was hätte sich mal die Queen und das britische Parlament mal in der Mittagspause reinziehen sollen - aber das machen *die* grundsätzlich nicht.
Zynisch gesagt frage ich mich deshalb immer wieder, wer sich am Ende damit beschäftigt?
Es sind doch eh immer die gleichen Menschen, die genügend Empathie und Menschenrechtsempfinden haben, die aber nie gehört werden. Der Rest ist vielleicht ein bisschen betroffen und geht seinen Alltag weiter - und hofft niemals in so eine Lage zu kommen - fertig.
Abgesehen davon finde ich das Schwelgen des Autors dieser Kritik hier nicht ganz angemessen. Die Bilder, die dieser Film hier zeigt sind wirklich schwer zu verkraften und haben kaum etwas von dem "Schönen" was der Autor hier reinschreibt.
Anscheinend ist der Autor etwas abgebrüht und verroht, aufgrund der nimmersatten Bilderflut unserer virtuellen Welt.
Der Film ist ein Schocker und kein Kunstfilm.
Warum kommt so ein Film erst nach fast 30 Jahren ?
Ein Film, der sich ebenfalls mit dem Hungerstreik von 1981 beschäftigt, heißt "Teufelkreis der Gewalt"(engl. Some Mother's Son) von 1996.
Der Film nimmt eine eher Pro-Streiker-Haltung ein und bedient sich im Vergleich zu "Hunger" konventionelleren Erzählstrukturen.
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