Irans Atomprogramm Mission Possible. Und hochriskantSeite 3/3

Problem 3: Auf solche Prämissen darf kein Kriegsherr seine Planung stützen. Bevor die Bomber überhaupt iranischen Luftraum erreichten, müsste das Luftabwehrsystem lahmgelegt werden. Das ist gewiss nicht auf dem neuesten Stand, aber es ließe sich nicht so einfach überrumpeln wie weiland die irakische Luftabwehr. An die 300 Raketenstellungen sind über das Land verteilt, dazu kommen 1700 Flakgeschütze.

Problem 4: Die beste Angriffswaffe fehlt. Das ist der »Bunkerkiller« namens GBU-28 , eine 2,3 Tonnen schwere Monster-Lenkwaffe, die sechs Meter Beton oder 30 Meter Erdreich durchschlägt, bevor sie explodiert. George W. Bush hat sie den Israelis 2008 verweigert; leichteres Gerät könnte die unterirdischen Anlagen in Natanz und Isfahan wahrscheinlich nicht knacken. Die USA haben den Israelis stattdessen 1000 Exemplare des kleineren Bruders GBU-27 verkauft, die nur zwei Meter Beton überwältigen können.

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Problem 5, 6, 7: die iranische Vergeltung. Die blutrünstigen Parolen der Chameneisten unterscheiden nicht zwischen einem US- und einem israelischen Angriff. Der Außenminister hat eine »vernichtende« Antwort versprochen. Ahmadineschad hat gar mit dem Erstschlag gedroht: »Iran wird die Hände des Angreifers abhacken, bevor er zuschlagen kann.« Mojtaba Zolnour, Chameneis Politkommissar bei der Revolutionsgarde: »Wenn Amerika oder Israel auch nur eine Kugel abschießt«, werde Iran das »Herz Israels und die 32 US-Basen in der Region attackieren«. Astronomische Ölpreise und die Blockade von Hormus stehen auch im Programm, obwohl sich Iran, existenziell abhängig von Treibstoffimporten, so die Schlinge um den Hals selber zuziehen würde.

Auf jeden Fall müssten die Israelis mit einem Raketenangriff im Norden (Hisbollah) und im Süden (Hamas) rechnen, wahrscheinlich auch mit einer Handvoll Shahab-3, die Tel Aviv träfen. Das sind keine freundlichen Aussichten, aber sie verblassen im Vergleich zu einer einzigen Atombombe, die über der Drei-Millionen-Metropole explodierte. Es sei denn, das Revolutionsregime in Teheran denkt rationaler, als es redet, würde doch die israelische Antwort (mit einem vermuteten Arsenal von 200 Kernwaffen) just die Apokalypse entfesseln, die ständig die Märtyrer-Poesie der frommen Revolutionäre beflügelt.

Doch geht es längst nicht mehr um Israel. Bleibt die iranische Atomrüstung intakt, lassen sich schon heute zwei sichere Voraussagen treffen. Eine ist die »Gegenproliferation«: Saudi-Arabien, Ägypten, irgendwann auch wieder der Irak (Saddams Bombe war immer dem Nachbarn zugedacht) werden selber zur Bombe greifen. Die zweite: Die revolutionäre Außenpolitik Irans wird im Schutz der Bombe noch aggressiver und raumgreifender sein – keine beruhigende Aussicht für die geballte Pathologie, die Mittelost auszeichnet.

Und wenn der Psycho-Druck, der in diesem Sommer aufgebaut wird, Iran nicht schreckt? Hätte ein israelischer Luftkrieg eine Chance? Zitieren wir das lakonische Fazit von Cordesman und Toukan, die bislang die beste Analyse verfasst haben: »Ein Militärschlag der IAF gegen Irans atomare Anlagen ist möglich. Aber er ist kompliziert und trägt ein großes operationelles Risiko. Eine hohe Erfolgsquote ist nicht gesichert.«

Siehe: Abdullah Toukan und Anthony Cordesman, Study on a Possible Israeli Strike on Iran’s Nuclear Development Facilities, 14. März 2009, 114 S., http://csis.org/files/media/csis/pubs/090316_israelistrikeiran.pdf

 
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