Sexualforschung Projekt Pink ViagraSeite 3/3
»Alles heiße Kandidaten«, sagt Meredith Chivers. »Aber es könnte sein, dass das, was für Männer eine nackte Frau ist, für Frauen ein bestimmter Beziehungsaspekt ist, der schließlich zur Erregung führt. Wenn ich spekulieren soll, dann würde ich allerdings voraussagen, dass es wahrscheinlich mehrere Faktoren sind.«
Die Studien deuten in alle Richtungen. Testosteron lässt nicht nur Männer sexuell aktiver werden, sondern auch Frauen. Hohe Wangenknochen bei Männern scheinen ebenso wie ein hoher sozialer Status universell als begehrenswert zu gelten. In realen Situationen stehen Frauen auf Vertrautheit, in ihren Fantasien oft auf Sex mit Unbekannten, in manchen Zyklusphasen finden sie Draufgänger attraktiver, in anderen Versorgertypen. Eine gute Beziehung galt sowieso schon immer als Grundvoraussetzung für weibliche Sexbereitschaft, umgekehrt hat sich die Idee durchgesetzt, dass ein harmonisches Miteinander nicht zwangsläufig zu einem erfüllten Sexleben führt. Inzwischen heißt es eher: Weibliche Lust springt vor allem auf Selbstbestätigung an, sie entsteht, wenn der Mann, dem gerade noch beigebracht wurde, möglichst keinen Druck zu machen, sie begehrt. Pharmakritische Wissenschaftlerinnen wiederum machen darauf aufmerksam, dass Ganztagskindergärten dem Sexleben junger Mütter mehr helfen würden als alle Medikamentenforschung der Welt zusammengenommen. Und Meredith Chivers sagt, dass es einfach einen gewissen Anteil Frauen gibt, die sich damit abfinden müssen, dass ihr Verlangen nach Sex nie so ausgeprägt sein wird, dass sie plötzlich im Supermarkt an der Gemüsetheke stehen und ohne Grund plötzlich das starke Verlangen nach Sex spüren, sofort und auf der Stelle. Das möge für manche schwer zu akzeptieren sein – aber krank sei es natürlich nicht zwangsläufig.
Angeblich liegt die Zahl der Frauen, die an vermindertem sexuellen Verlangen (hypoactive sexual desire disorder) oder an einer übergeordneten Funktionsstörung (female sexual dysfunction) leiden, bei zehn bis dreißig Prozent. Dass es schwierig ist, bei einem Phänomen, das jede dritte Frau betrifft, von einer »Störung« zu reden, ist offensichtlich. In einem Aufsatz im Journal of British Medicine von 2003 wurde die female sexual dysfunction als krassestes Beispiel für eine »unternehmensgesponserte Krankheitserfindung« kritisiert. Die Diagnose sei eine abermalige Gleichsetzung männlicher und weiblicher Sexualität, die etwas pathologisiere, was bei Frauen einfach normal sei.
Wenn Boehringer mit Flibanserin eine Aussicht auf Erfolg haben möchte, muss man dort diesen Einwänden natürlich zuvorkommen. Deshalb redet Manfred Haehl, der Mann, der die Forschung verantwortet, wenn er über sexuelle Hemmnisse redet, so, dass er auch ein feministisches Selbsterfahrungswochenende unbeschadet überstehen würde. »Erregungsstörung« sei sowieso ein dummes Wort, sagt er, das schweizerische »Luschtverluscht« beschreibe es viel besser. Möglicherweise behandlungsbedürftig sei die Sache dann, sagt Haehl, wenn eine Frau trotz guter Partnerschaft und Gesundheit deutlich weniger satisfying sexual events erlebe als früher und vor allem selbst darunter leide. Wobei als satisfying sexual events auch Masturbation oder Anflüge von Kuschelsex ohne Orgasmus gelten.
Die Ergebnisse der letzten Testphase von Flibanserin seien vielversprechend, sagt Manfred Haehl. »Wir reden über eine zahlenmäßige Steigerung von ein bis zwei Events im Monat. Das wollen die Zulassungsbehörden sehen. Für uns ist wichtig, dass die Frauen sagen: Ich fühl mich besser.« Die zulassungsrelevanten Studien werden noch dieses Jahr abgeschlossen, dann entscheiden die Behörden, ob der Sex unter Flibanserin toll genug ist, oft genug stattfindet und in einem vernünftigen Verhältnis zu den Risiken steht. Frühestens 2010 könnte das Präparat dann auf den Markt kommen.
Medikamentenversuche sind teuer, und sie werden immer teurer, je weiter die Versuche fortgeschritten sind. Für Boehringer Ingelheim, keiner der ganz großen Pharmakonzerne der Welt, ist diese Investition ein hohes Risiko. Ein Hormonpflaster von Procter & Gamble (ansonsten eher mit Waschmittel assoziiert), das die Häufigkeit sexueller Aktivitäten angeblich um 70 Prozent steigerte, wurde in den USA gar nicht und in Europa nur für wenige Diagnosen zugelassen. Haehl bleibt in dieser Phase nichts anderes übrig, als einerseits optimistisch zu klingen und andererseits die Behörden nicht mit Erwartungsdruck abzuturnen: »Wir sprechen grundsätzlich nicht über Erwartungen. Aber wenn es in den USA Frauen gibt, die weite Strecken auf sich nehmen, um an der Studie teilzunehmen, scheint es da schon einen Bedarf zu geben. Wenn ich das übersetze in einen potenziellen Markt, dann ist das einer.«
Viagra hilft Männern, etwas zu können, das sie sowieso wollen. Frauen können im Grunde immer, aber wollen häufig nicht. Aber ob Frauen Lust haben werden, eine Tablette zu schlucken, die im Kopf wirkt, also dort, wo sonst Medikamente für schwer Depressive mit einem hohen Leidensdruck eingreifen? Boehringer hätte allen Grund, vorsichtig zu sein. Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden: Frauen sind manchmal ein wenig kompliziert.
- Datum 23.07.2009 - 09:34 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 23.07.2009 Nr. 31
- Kommentare 52
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





so fragte einst S. Freud. Nach diesem Artikel fragt man zumindest: Was will Frau Faller? Sommerloch füllen? oder sonst noch was??
Der Artikel bestätigt was Männer seit Generationen wissen:
Frauen wissen nicht was sie wollen, selbst wenn sie es wollen :-)
Davon abgesehen, dass auch mir sich die Frage stellte, die tigurinus beschäftigt:
"Viagra hilft Männern, etwas zu können, das sie sowieso wollen. Frauen können im Grunde immer, aber wollen häufig nicht."
Mir ist irgendwie auch nicht so klar, warum ich ein Medikament kaufen und einnehmen sollte, das mich dazu bringt, etwas zu wollen, das ich eben NICHT will.
Mir wurde mal von Anwerbern einer "Religionsgemeinschaft" die Frage gestellt:
"Glauben Sie an Gott?"
Ich: "Nein."
Anwerber: "Würden Sie gerne an Gott glauben?"
So ähnlich fühlt sich diese Idee für mich an.
Ich verstehe, dass es Männer gibt, die gerne KÖNNEN würden, was sie WOLLEN, aber der umgekehrte Fall ist mir unverständlich.
Nebenher frage ich mich noch: kann man solche Medikamente für anderes herstellen?
Kann ich mir was verschreiben lassen, das mir Freude macht, Montags früh aufzustehen? Wird es ein Medikament geben, das mir Lust macht, CDU zu wählen? Bekommen wir in ein paar Jahren eine Tablette, die uns einredet, 200€ im Monat seien genug zum Leben?
-----------------------------------------------------------------------------------------------------
There always seems to be something great in the personality of a great leader.
Sadly history has shown that great folly will suffice.
Sehr schöner Beitrag!!! Besser hätte ich es nicht ausdrücken können.
Dennoch denke ich das Frauen innerlich so sehr verspannt sein können, dass sie einfach nicht fähig dazu sind, entspannten Sex zu haben.
Sei es wegen inneren Blockaden, Stress auf der Arbeit durch Familie und Freunde.
Dennoch würde ich auch hier nicht zum Medikament greifen, sondern versuchen diese Probleme durch eine andere Lebensweise zu lösen. Da gäbe es z.B. weniger arbeiten, Yoga, sich mehr mit sich selbst auseinander setzen, zur Ruhe kommen etc.....
Ich habe den Verdacht das der Kunde eines derartigen Medikaments auch nicht die Frau sondern Männer wären die naja, sagen wir mal eine Abkürzung nehmen wollen.
Und ich wette den Jahresgehalt eines Bundesbankers, das Ihre Idee mit der Tablette die uns einredet 200,- Euro im Monat sind genug, garnicht so weit hergeholt ist....
Sehr viele Frauen, die die Pille nehmen, leiden unter Libidoverlust. Und manche davon nur partiell: die wollen sehr wohl noch, können aber nicht so recht, weil die körperliche Reaktion ausbleibt...
Ich denke, dass Wille und Lust zweierlei sind. Lustlosigkeit muss nicht bedeuten, dass man etwas nicht will, sondern kann auch ein Zeichen von Abgespanntheit, den-Kopf-nicht-frei-haben oder gar einer depressiven Verstimmung sein - übrigens auch bei Männern, ich muss das wissen, weil ich selbst einer bin. Wenn man also zu nichts Lust hat oder zu etwas nicht, was man eigentlich gern genießen möchte, ist das wahrlich kein angenehmer Zustand. Wenn es dann eine Methode gibt, diese Lust und damit die allgemeine Vitalität zu steigern, ist das durchaus begrüßenswert und hat nichts mit Gehirnwäsche zu tun.
Was übrigens die Pille betrifft, die einen gern am Montag früh aufstehen lässt (würde es so etwas geben), die finde ich gar nicht so etwas Negatives. Wenn man es sowieso muss - was für einen vernünftigen Grund sollte es geben, sich lieber miesgelaunt aus dem Bett zu quälen? Natürlich ist es jedermanns - und fraus - gutes Recht, mit seiner Situation unzufrieden zu sein, ob er/sie nun ändern kann oder nicht.
Aber wozu sich das Leben schwerer machen, als es ohnedies ist. Ich kenne so Leute, die ihre Situation künstlich schlecht reden und mir dasselbe versucht haben einzureden - nicht die angenehmsten Zeitgenossen, diese "Negaholiker".
Was das Sexuelle betrifft: Wer notorisch keine Lust dazu hat und auch partout keine haben will, sollte den Anstand haben, keinen oder zumindest keinen sexbegeisterten Partner an sich zu binden, Treue zu verlangen und ihn so zu ewiger Sexlosigkeit zu verdammen.
Wer Andere neben sich klein macht, ist nie groß.
Johann Gottfried Seume
Sehr schöner Beitrag!!! Besser hätte ich es nicht ausdrücken können.
Dennoch denke ich das Frauen innerlich so sehr verspannt sein können, dass sie einfach nicht fähig dazu sind, entspannten Sex zu haben.
Sei es wegen inneren Blockaden, Stress auf der Arbeit durch Familie und Freunde.
Dennoch würde ich auch hier nicht zum Medikament greifen, sondern versuchen diese Probleme durch eine andere Lebensweise zu lösen. Da gäbe es z.B. weniger arbeiten, Yoga, sich mehr mit sich selbst auseinander setzen, zur Ruhe kommen etc.....
Ich habe den Verdacht das der Kunde eines derartigen Medikaments auch nicht die Frau sondern Männer wären die naja, sagen wir mal eine Abkürzung nehmen wollen.
Und ich wette den Jahresgehalt eines Bundesbankers, das Ihre Idee mit der Tablette die uns einredet 200,- Euro im Monat sind genug, garnicht so weit hergeholt ist....
Sehr viele Frauen, die die Pille nehmen, leiden unter Libidoverlust. Und manche davon nur partiell: die wollen sehr wohl noch, können aber nicht so recht, weil die körperliche Reaktion ausbleibt...
Ich denke, dass Wille und Lust zweierlei sind. Lustlosigkeit muss nicht bedeuten, dass man etwas nicht will, sondern kann auch ein Zeichen von Abgespanntheit, den-Kopf-nicht-frei-haben oder gar einer depressiven Verstimmung sein - übrigens auch bei Männern, ich muss das wissen, weil ich selbst einer bin. Wenn man also zu nichts Lust hat oder zu etwas nicht, was man eigentlich gern genießen möchte, ist das wahrlich kein angenehmer Zustand. Wenn es dann eine Methode gibt, diese Lust und damit die allgemeine Vitalität zu steigern, ist das durchaus begrüßenswert und hat nichts mit Gehirnwäsche zu tun.
Was übrigens die Pille betrifft, die einen gern am Montag früh aufstehen lässt (würde es so etwas geben), die finde ich gar nicht so etwas Negatives. Wenn man es sowieso muss - was für einen vernünftigen Grund sollte es geben, sich lieber miesgelaunt aus dem Bett zu quälen? Natürlich ist es jedermanns - und fraus - gutes Recht, mit seiner Situation unzufrieden zu sein, ob er/sie nun ändern kann oder nicht.
Aber wozu sich das Leben schwerer machen, als es ohnedies ist. Ich kenne so Leute, die ihre Situation künstlich schlecht reden und mir dasselbe versucht haben einzureden - nicht die angenehmsten Zeitgenossen, diese "Negaholiker".
Was das Sexuelle betrifft: Wer notorisch keine Lust dazu hat und auch partout keine haben will, sollte den Anstand haben, keinen oder zumindest keinen sexbegeisterten Partner an sich zu binden, Treue zu verlangen und ihn so zu ewiger Sexlosigkeit zu verdammen.
Wer Andere neben sich klein macht, ist nie groß.
Johann Gottfried Seume
ist das etwas, das ich als Mann einfach nicht verstehen kann;-)
-----------------------------------------------------------------------------------------------------
There always seems to be something great in the personality of a great leader.
Sadly history has shown that great folly will suffice.
...und ewig lockt das Weib
gab Zeiten da waren es 10 cm über den Knie...verrucht
heute sind es 15 cm unter den Nabel
die Rocklänge-kürze-höhe was auch immer, ist gemeint
und nun noch eine Pille als Scharfmacher dazu,wozu das ganze
nur gugn...nicht anfassen ...oder was
lernt endlich Euch fallen lassen zu können liebe Frauen
Sex, sexuelle Erregung als Leistungssport. Hat die Gesellschaft von heute nicht genug "Probleme" oberhalb der Gürtellinie, die man angehen sollte?
Zumal die hier besprochene Studie nicht wirklich ein Problem der weiblichen Sexualität behandelt sondern eher ein fiktives Problemchen, das dem Konzern ordentlich Einnahmen bescheren soll. Wenn man dann, dank PR und Marketing, Pseudo-Artikel in Zeitungen und Zeitschriften platzieren kann, die hoffentlich den Frauen einreden, sie hätten ein Problem, wenn sie nicht alle fünf Minuten körperlich und geistig total "rattig" sein, ist doch alles in bester Ordnung...
Die weibliche, "geistige" Erregung ist so komplex wie ein Drama von Shakespeare.
Wenn der Partner vor einem nun mal nicht der "Bringer" ist, in Bezug auf die Erregung der körperlichen UND geistigen Ebene, dann wird da auch kein Medikament helfen.
Sehr schöner Beitrag!!! Besser hätte ich es nicht ausdrücken können.
Dennoch denke ich das Frauen innerlich so sehr verspannt sein können, dass sie einfach nicht fähig dazu sind, entspannten Sex zu haben.
Sei es wegen inneren Blockaden, Stress auf der Arbeit durch Familie und Freunde.
Dennoch würde ich auch hier nicht zum Medikament greifen, sondern versuchen diese Probleme durch eine andere Lebensweise zu lösen. Da gäbe es z.B. weniger arbeiten, Yoga, sich mehr mit sich selbst auseinander setzen, zur Ruhe kommen etc.....
Ich habe den Verdacht das der Kunde eines derartigen Medikaments auch nicht die Frau sondern Männer wären die naja, sagen wir mal eine Abkürzung nehmen wollen.
Und ich wette den Jahresgehalt eines Bundesbankers, das Ihre Idee mit der Tablette die uns einredet 200,- Euro im Monat sind genug, garnicht so weit hergeholt ist....
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren