Schickedanz Milliardäre dürfen auch verarmenSeite 2/2

Es gibt aber in Deutschland noch eine ganz andere Welt. Es gehört auch zum Wirtschaftsalltag – wenngleich meist auf einem niedrigeren finanziellen Niveau als im Fall Schickedanz –, dass Unternehmer alles verlieren, wenn sie scheitern. So mancher Selbständige, Freiberufler oder Mittelständler hat seine Lebensversicherung in die Firma investiert oder sein Haus verpfändet. Und ein Großteil des Reichtums vieler Millionäre und Milliardäre liegt nicht auf irgendwelchen Konten herum, sondern steckt in dem Unternehmen, das sie besitzen. Wenn es untergeht, sind auch die Millionen weg.

So ähnlich ist es, wenn man ihr glauben mag, auch Madeleine Schickedanz ergangen. Zu guten Zeiten war ihr KarstadtQuelle-Aktienpaket drei Milliarden Euro wert. Doch der heute unter Arcandor firmierende Konzern steckt schon seit einigen Jahren in der Krise. Schickedanz pumpte 2004 noch einen dreistelligen Millionenbetrag in das Unternehmen, geholfen hat das nicht. Inzwischen läuft bei Arcandor das Insolvenzverfahren. Heute sind Schickedanz’ Aktien nach ihrem Bekunden noch 27 Millionen Euro wert, aber ihnen stehen Bankschulden gegenüber, für die sie Häuser, Aktien und andere Firmenbeteiligungen verpfändet hat. Wenn die Sanierung von Arcandor scheitere, sagt Schickedanz, verliere sie alles. Mit ihren 65 Jahren habe sie nicht einmal Anspruch auf eine Rente.

Bisher ist es niemandem gelungen, diese Angaben von außen erschöpfend zu überprüfen. Deshalb bleibt ungewiss, wie gut die finanzielle Absicherung der Madeleine Schickedanz für den Notfall wirklich ist. Zumindest hat sie verraten, dass sie mit ihrem Mann Gütertrennung vereinbart hat und etwa die Bilder in ihrem Haus ihm gehören. Dass jemand in ihrer Vermögensklasse tatsächlich alles aufs Spiel setzt und keinerlei privaten Besitz von der Verpfändung gegen Kredite ausnimmt, scheint kaum vorstellbar. Es wäre sicher ein extremer Einzelfall. Aber vieles spricht dafür, dass Madeleine Schickedanz sich dem von ihren Eltern geerbten Unternehmen besonders verbunden fühlt. Deshalb hat sie womöglich größere Risiken auf sich genommen, als es ein kühl kalkulierender Finanzinvestor tun würde.

Das Bittere: Als Unternehmerin ist sie dennoch gescheitert. Das räumt sie selbst recht offen ein. »Ich habe viel zu spät bemerkt, dass ich die Kontrolle verloren hatte«, sagt sie. »Themen wie das Internet im Versandhandel« oder »Veränderungen der Kaufhäuser« hätte sie schon viel früher angehen müssen. Nun liege vor den Mitarbeitern von Quelle und Karstadt eine ungewisse Zukunft, für die sie Mitverantwortung trage.

Man kann Madeleine Schickedanz vorhalten, dass sie wenig unternehmerisches Geschick bewiesen hat. Dass sie bei der Führung und Aufsicht über ihren Konzern – vielleicht naiv, vielleicht einfach überfordert – zu sehr auf ihren jeweiligen Ehemann vertraut hat (sie ist zum dritten Mal verheiratet). Oder dass sie später manchen von ihr ausgewählten Manager zu wenig beaufsichtigt hat.

In jedem Fall agierte sie glücklos. Das ging anderen Unternehmern vor ihr auch schon so. Und dafür zahlt Schickedanz jetzt einen hohen Preis – selbst wenn sie nicht komplett verarmt. Ein Grund zum Spott ist das nicht. Es ist das Scheitern einer Unternehmerin. Das mag persönlich tragisch sein. Für die Verfasstheit unserer Gesellschaft ist es eher ein gutes Zeichen.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 22.07.2009 um 16:20 Uhr

    ... mit der Gütertrennung eigentlich auch wenn HARTZ4 ansteht?

    Ich finde den Artikel reichlich theoretisierend.
    Frau Schickedanz hat sich genauso wie Frau Scheffler jeden Spott und jede Häme redlich verdient.
    Da gibts mal nix.
    Darüber zu jammern das man nun bei Aldi einkaufen muss und nur noch für 40 Euros pizza essen gehen kann ist schon cool ... wenn hinter dem Sofa die wahrscheinlich recht teuren Schinken vom Angetrauten hängen ... wenn Sie nix mehr hat ... soll er sie doch mal einladen.

    Und überhaupt ...
    Zitat :"Die Quelle-Erbin scheiterte und muss dafür bezahlen – Grund zum Spott ist das nicht"
    der Satz muss anders lauten:
    Sie scheiterte --- fällt - wenn Sie den fällt - sehr sehr weich --- reist aber tausende mit in den Abgrund die beiliebe nicht so schön gepolstert sind.
    So long.

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    die werte Dame wird sicher nicht "zum Amt" gehen müssen, wie viele ihrer - dann - ehemals Angestellten. Und sorry, wer nicht zumindest einen Teil bei diesem Vermögen absichert, ist schon ein bisschen mit Dummheit geschlagen.
    Dass sie nun ein (gewöhnliches) Leben führen muss, dass millionen andere Menschen auch führen, tut mir jedenfalls kein bisschen leid. Wäre man böswillig, könnte man unterstellen, dass sie sogar im Fallen noch überheblich und arrogant ist.

    die werte Dame wird sicher nicht "zum Amt" gehen müssen, wie viele ihrer - dann - ehemals Angestellten. Und sorry, wer nicht zumindest einen Teil bei diesem Vermögen absichert, ist schon ein bisschen mit Dummheit geschlagen.
    Dass sie nun ein (gewöhnliches) Leben führen muss, dass millionen andere Menschen auch führen, tut mir jedenfalls kein bisschen leid. Wäre man böswillig, könnte man unterstellen, dass sie sogar im Fallen noch überheblich und arrogant ist.

  1. für Herrn Rudzio. Aber vielleicht noch ein Erklärungsversuch für den Hohn: Solange Reiche reich sind, sind sie in der Regel auch sehr diskret und verschwiegen, was ihre finanziellen Verhältnisse angeht. Und als Unbeteiligter wünschte man den Reichen eine solche Diskretion auch im Absturz - zu kraß ist die Diskrepanz zwischen fast schon "vernagelter" Verschwiegenheit zuvor und dem lauten Lamentieren danach.

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  2. die werte Dame wird sicher nicht "zum Amt" gehen müssen, wie viele ihrer - dann - ehemals Angestellten. Und sorry, wer nicht zumindest einen Teil bei diesem Vermögen absichert, ist schon ein bisschen mit Dummheit geschlagen.
    Dass sie nun ein (gewöhnliches) Leben führen muss, dass millionen andere Menschen auch führen, tut mir jedenfalls kein bisschen leid. Wäre man böswillig, könnte man unterstellen, dass sie sogar im Fallen noch überheblich und arrogant ist.

    Antwort auf "Zieht die Masche ..."
    • iGude
    • 22.07.2009 um 16:30 Uhr

    Endlich einmal ein ordentlicher Bericht. Wie es um unsere Menschlichkeit, in unserem Lande steht, sah man wirklich ganz deutlich an Hand solcher "Aktionen" wie die Spendenbüchse.

    M. S. hat einmal ein Unternehmen geerbt. M. S. hat sich um dieses auch recht wenig gekümmert. M.S: hat auch viele Fehler begannen, wohlgemerkt aus heutiger Sicht. Und? Was soll es? Es ihr eigenes Recht auch Fehler zu begehen und für diese wird Sie auch gerade stehen müssen.

    Übrigens steht sie dafür mehr gerade wie die ganzen Managerschlümpfe die weit mehr Milliarden verbrannt haben. Im Übrigen. Meine und Deine Milliarden. Da muss man den Finger hinhalten und nicht auf Frau S.

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    Dass in Deutschland Doppelmoral, Selbstgerechtigkeit und Neid den Vorzug vor Menschlichkeit hat, sollte inzwischen auch dem blindesten klar sein. Sieht man ja auch an einigen Kommentaren hier.

    Dass in Deutschland Doppelmoral, Selbstgerechtigkeit und Neid den Vorzug vor Menschlichkeit hat, sollte inzwischen auch dem blindesten klar sein. Sieht man ja auch an einigen Kommentaren hier.

  3. Das diese Frau von 500-600 € leben muss halte ich für glatt gelogen...hier kann es sich nur um eine geschickt inzenierte PR-Aktion halten nach dem Motto "auch wir leiden müssen leiden". Diese Frau hat nur Angst, sich nie wieder auf der Straße blicken lassen zu können. Die hat schon noch ein paar Milliönchen irgentwo in Cayman geparkt...

    Aber falls es wirklich so ist habe ich eine Lösung:

    Dienstags 20:45 Uhr RTL2: Von der Villa in den Plattenbau
    Ein EX-Milliadärin ist tief gefallen und lebt nun von Hartz4 - die neue Real-Life Show im deutschen Fernsehen.

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    heisst es natürlich...

    Wo ist die Editierfunktion?

    heisst es natürlich...

    Wo ist die Editierfunktion?

  4. heisst es natürlich...

    Wo ist die Editierfunktion?

  5. Wir zählen zum "Reichen" eigentlich nur den , der über viel Geldbsitz oder Hausbesitz und so weiter verfügt.Das hat sich in der Verfassung unserer Gesellschaft so entwickelt.Dennoch , wer reich ist an Besitz , muß nicht auch reich sein an Glück/Leben usw. Hier trennt sich der Artikel von Herrn Rudzio von der Realität . Wer viel hat , gibt viel aus , wer wenig hat , kann nur wenig ausgeben und kann damit genauso zufrieden sein.Was die Masse der Bevölkerung nur stört sind die überflüssigen Inszenierungen der "Reichen" , die sich für Ihren Reichtum feiern lassen und dann Menschen , die 1,30 EURO unterschlagen(Tengelmann)einen Fußtritt geben.
    Im übrigen gehört Frau Schickedanz wohl auch zu der Kaste um Oppenheim,Middelhof usw.,die sich einen Dreck darum kehren , was mit den Mitarbeitern von Arcandor geschieht Vergessen tun diese Herrschaften alle , daß ihr Reichtum auch und nicht zuletzt auf den Leistungen ihrer Mitarbeiter beruht.Wenn derartige "Reiche"dann in das "normale"Leben zurückfallen , gibt es natürlich Applaus von den Rängen.Das verflüchtigt sich aber schnell , wenn die "Reichen"dann im normalen Leben bestehen müssen.Damit ich nicht mißverstanden werde : Ich will nicht , daß alle gleich sind wie im Kommunismus eigentlich vorgesehen.Lesitung muß sich , soll sich lohnen und wenn man dann etwas aufgebaut hat , sollte das auch respektiert werden.Es gibt genügend Unternehmer , die meinen vollen Respekt haben.Ich kenne Frau Schickedanz natürlich nicht persönlich,daher weiss ich nicht , ob das obige auf sie zutrifft.Die "Reichen"tun gut daran , sich in Zukunft gesellschaftskonformer zu verhalten."Marie Antoinette"wäre ein Lehrstück.

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    "und wenn man dann etwas aufgebaut hat , sollte das auch respektiert werden.Es gibt genügend Unternehmer , die meinen vollen Respekt haben.Ich kenne Frau Schickedanz natürlich nicht persönlich,daher weiss ich nicht , ob das obige auf sie zutrifft."

    Vieleicht wissen/ahnen Sie es gleich...

    Schickedanz soll sich an jüdischem Besitz bereichert haben

    Das sind doch in Wirklichkeit die Empfänger von ALG II. Sie sind - bescheiden - finanziell abgesichert, wohnen kostenfrei, haben ein tatsächlich gesichertes Einkommen, das stärker steigt als die allgemeine Lohnentwicklung, können sich dank Prozesskostenhilfe jeden Quatsch vor Gericht erstreiten und bei all dieser Totalversicherung gehen sie n i c h t arbeiten. Sie stecken n i c h t im Hamsterrad, in der Tretmühle, im Schichtdienst, im Weckerterror, im Kollegenmobbing und in Vorgesetztendrangsalierungen. Für die Kinder zahlen sie in Kita und Hort fast nichts, wenn es auf Klassenfahrt geht, beantragen sie amtliche Zuschüsse und wenn ihnen langweilig wird, beschäftigen sie auch noch Psychologen und Sozialarbeiter.

    Der Spott und die Häme gegen Unternehmer in Deutschland, die es nicht geschafft haben, ist meiner Meinung nach - um einmal mit Prinz Hamlet zu urteilen "... die Schmach, die Unwert schweigendem Verdienst erweist ..."

    "und wenn man dann etwas aufgebaut hat , sollte das auch respektiert werden.Es gibt genügend Unternehmer , die meinen vollen Respekt haben.Ich kenne Frau Schickedanz natürlich nicht persönlich,daher weiss ich nicht , ob das obige auf sie zutrifft."

    Vieleicht wissen/ahnen Sie es gleich...

    Schickedanz soll sich an jüdischem Besitz bereichert haben

    Das sind doch in Wirklichkeit die Empfänger von ALG II. Sie sind - bescheiden - finanziell abgesichert, wohnen kostenfrei, haben ein tatsächlich gesichertes Einkommen, das stärker steigt als die allgemeine Lohnentwicklung, können sich dank Prozesskostenhilfe jeden Quatsch vor Gericht erstreiten und bei all dieser Totalversicherung gehen sie n i c h t arbeiten. Sie stecken n i c h t im Hamsterrad, in der Tretmühle, im Schichtdienst, im Weckerterror, im Kollegenmobbing und in Vorgesetztendrangsalierungen. Für die Kinder zahlen sie in Kita und Hort fast nichts, wenn es auf Klassenfahrt geht, beantragen sie amtliche Zuschüsse und wenn ihnen langweilig wird, beschäftigen sie auch noch Psychologen und Sozialarbeiter.

    Der Spott und die Häme gegen Unternehmer in Deutschland, die es nicht geschafft haben, ist meiner Meinung nach - um einmal mit Prinz Hamlet zu urteilen "... die Schmach, die Unwert schweigendem Verdienst erweist ..."

  6. "und wenn man dann etwas aufgebaut hat , sollte das auch respektiert werden.Es gibt genügend Unternehmer , die meinen vollen Respekt haben.Ich kenne Frau Schickedanz natürlich nicht persönlich,daher weiss ich nicht , ob das obige auf sie zutrifft."

    Vieleicht wissen/ahnen Sie es gleich...

    Schickedanz soll sich an jüdischem Besitz bereichert haben

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