Ist die weltweite Rezession vorbei? Ja, oder fast, weil so viele Indikatoren plötzlich grün leuchten. Doch blinkt da noch eine Warnlampe aus der Vergangenheit. Der September-Crash 2008 liegt nur zehn Monate zurück. Ein knappes Jahr nach dem Schwarzen Dienstag von 1929 ahnte niemand, dass 1931 der Kollaps der Creditanstalt die Welt in die Große Depression stürzen würde.

Folglich muss der Optimismus fein dosiert bleiben. Zuerst die guten Nachrichten, welche die Financial Times am 2. Juli in der dürren Überschrift zusammenfasste: Data Show Evidence of Global Recovery – die Zahlen deuten auf einen weltweiten Aufschwung hin. Das Aufatmen begann in der US-Wirtschaft schon im Februar, als klassische Frühindikatoren nach oben gingen: der Verkauf neuer Häuser (plus 5 Prozent), gefolgt vom leichten Auftrieb bei langlebigen Konsumgütern. Der Trend hält an, und die panikgeschüttelten Geldmärkte gelten nun als "ruhig" oder "fest". Freundliche Kunde kommt aus Kanada und Japan, aus China sowieso, das für das zweite Quartal ein Wachstum von 7,9 Prozent meldet.

Selbst die schlechten sind in Wahrheit gute Nachrichten; das ist das Schöne an der "trostlosen Wissenschaft", wie die englischen Viktorianer die Ökonomie nannten. Die US-Regierung wird an diesem Freitag Zahlen veröffentlichen, wonach die Wirtschaft im zweiten Quartal um 1,5 Prozent geschrumpft sei. Bloß: In den beiden Quartalen davor hieß es minus 5,5 und minus 6,3 Prozent. Der Sprung des Dow-Jones über 9000 verheißt Wachstum in der zweiten Jahreshälfte, ist doch der Aktienmarkt ein klassischer Frühindikator, der – wie hierzulande der ebenfalls steigende Dax – die Zukunft um etwa sechs Monate vorwegnimmt.

Die Schrottpapiere stehen noch immer in den Bankbilanzen

Auch in Deutschland verwandelt sich "zu Tode betrübt" in "verstohlen jauchzend". Das Wirtschaftsministerium verkündet für das zweite Quartal die "schwarze Null"; das Sozialprodukt falle nicht mehr. Zwei wichtige Vorboten – der Ifo-Geschäftsklima-Index und der Einkaufsmanager-Index PMI – melden wieder Ermutigendes. Immerhin ist der Auftragseingang im Mai im Vergleich zum April um 4 Prozent, die Industrieproduktion um 5 Prozent gewachsen.

Warum? Weil der Welthandel sich wieder aufrappelt und die exportabhängigste Großwirtschaft der Welt davon so profitiert, wie sie zuvor am globalen Absturz gelitten hat. Anders als Amerikaner, Briten, Spanier und Iren sind die Deutschen mit einem prallen Portemonnaie in die Rezession geschlittert, weil sie alle "Schwaben" sind, also der Versuchung auf Pump widerstanden haben. Außerdem muss der Häuslebauer hier für eine Hypothek einen dicken Batzen Eigenes hinlegen; ergo keine Immobilienblase.

Nur: Die Arbeitslosenrate steigt. Sie hat sich zwar im Juni leicht verbessert, aber die Kurzarbeit wächst. Freilich ist der Jobverlust ein Spätindikator, der dem Trend hinterherhinkt. Dennoch zeigen sich in diesem Spätsommer auch hier frühlingshafte Triebe, habe sich doch laut Zeitarbeitsverband AMP die Nachfrage nach "Temps" in den vergangenen sechs Wochen um zehn Prozent erhöht. Das ist mehr als eine Fußnote im Frontbericht vom Arbeitsmarkt, denn in der Rezession sind die Zeitarbeiter die ersten Opfer. Umgekehrt dürfte sich hier die Erholung zuerst zeigen, weil Arbeitgeber im zarten Aufwind das Risiko der Festanstellung noch scheuen.

Und die schlechten Nachrichten? Während Goldman und Morgan Stanley wieder Milliarden scheffeln, ist unsere Bankenkrise noch nicht ausgestanden. Die Experten streiten sich, ob denn eine Kreditklemme die Industrie würge oder nicht – oder ob die Banken den Mittelstand erst im Herbst in die Insolvenz treiben könnten. Eines aber ist sicher: Obwohl die Deutsche Bank mitscheffelt, bleibt die Finanzkrise made in Germany noch im Programm.