Paris Eine Liebe in Zeiten des KriegesSeite 4/4
Tod im Kongo-Strom – Soehrings Leiche wird nie gefunden
Indes, sie war im Begriff, wieder Filme zu drehen. Sie brauchte Geld. Sie wollte, dass sich Soehring in Paris niederlasse, um zu schreiben und ihr nahe zu sein. Tatsächlich wurde ihm eine Aufenthaltsgenehmigung gewährt. Doch auch ein dritter Versuch, sie zur Heirat zu überreden, scheiterte. Ihre Liebe begann in einer Blockade zu erstarren. Soehring zog es vor, nach Bayern zurückzukehren. Sie schickte ihm ein Briefchen hinterher: »Ja, wir bleiben Komplizen. Ich sehe Dich, Du weißt es! Und ich lache über all diese Hanswurste, weil ich Dich, vor allen und gegen alle, liebe.«
Sein zweiter Roman, bei S. Fischer erschienen, fiel durch. Er reiste nach Buenos Aires, um sich dort in Geschäften zu versuchen. Wenig später langte auch sie in Argentinien an. Sie sollte in Südamerika für den französischen Film werben. Einige Stunden hielten sie sich in den Armen: »das letzte Feuer einer Liebe«, schreibt der Biograf Demonpion, »die durch die Vernunft gezähmt wurde«.
Soehring heiratete eine kluge, willensstarke Frau deutscher Herkunft. Zwei Söhne. Seine Bewerbung für den diplomatischen Dienst der Bundesrepublik fand Gehör. 1956 Ernennung zum Konsul in Luanda (Angola). Auf dem Weg nach Afrika machte die junge Familie in Paris Station. Arletty empfing sie herzlich.
Ende des Jahres wurde Soehring zum Generalkonsul in Léopoldville befördert, im Juli 1960, nach der Gründung der Republik Kongo, zum Botschafter. Am 9. Oktober Sonntagsausflug auf dem Kongo-Strom. Soehring und sein älterer Sohn Oliver wollten sich im angeblich sicheren Wasser erfrischen. Plötzlich sah der Bub, dass nur der Strohhut des Vaters neben ihm schwamm. Die Leiche wurde niemals gefunden. Herzschlag? Ein tückischer Strudel? Die Krokodile? Arletty besuchte die Witwe und die Kinder in Bad Godesberg.
Ihr gelangen keine großen Filme mehr: Achtungserfolge. Einmal triumphierte sie noch auf der Bühne, als Blanche in Tennessee Williams’ Endstation Sehnsucht. Zwanzig Jahre lebte sie, erblindet und zuletzt am Rande der Armut, in einer kleinen Sozialwohnung der Stadt Paris. Nach dem Zeugnis der Freunde bewahrte sie dennoch ihre heitere, ironische Gelassenheit bis zum Tod im Sommer 1992. Sie wurde 94 Jahre alt.
- Datum 08.09.2009 - 09:30 Uhr
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- Serie Zeitläufte
- Quelle DIE ZEIT, 30.07.2009 Nr. 32
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