Autotest Was blüht denn da im Honda Insight?
Der Hybrid-Honda vergibt Pixelblumen zur Belohnung für umweltbewusstes Fahren. Und unser Autor stellt fest: Vernunft allein macht nicht glücklich
© Honda

Kraft der zwei Herzen: Der Honda Insight trägt in seinem Inneren einen Benzin- und einen Elektromotor
Ich könnte mal wieder ein paar Blümchen wachsen lassen. Das geht ganz einfach: von null auf 50 in 25 Sekunden, im Tuckertempo den Hintermann zur Weißglut treiben und vor der Ampel schön ausrollen lassen. Der Wagen mag das. Und zur Belohnung schenkt er mir vier Pixeltulpen auf dem Monochromdisplay.
Im Honda Insight verschieben sich meine Prioritäten. Sollen doch die anderen schnell fahren! Sollen sie sich in ihren Lederpolstern rekeln und ihr Holzimitat polieren, ich erfreue mich am Plastikcharme des Armaturenbretts, spüre mich im viel zu weichen Sitz versinken und beobachte genüsslich die Verbrauchsanzeige. Nach acht Kilometern Rushhour-artigem Stadtverkehr sinkt sie unter die 5-Liter-Marke. Die Digitalzeichen des Tachometers sind jetzt eingerahmt von einem satten Grün, mit dem mir der Honda signalisiert: Gut gemacht, du bist ein Sparfuchs!
Der Insight ist ein sogenannter Hybrid. Das heißt: Er hat einen kleinen Benzinmotor und einen noch kleineren Elektromotor, der sich zum Bruder dazuschaltet, wenn der Hilfe braucht. Beim Bremsen saugt er die abgebaute Energie zuverlässig wieder auf. An der Ampel würgt sich der Wagen umgehend von selbst ab, was den ungeübten Fahrer zunächst glauben lässt, er hätte was kaputt gemacht. Aber nein, all das ist Teil des Konzepts, das sich Honda, wie auch die tropfenartige Karosserieform, vom Toyota Prius abgeschaut hat.
Wir erinnern uns: Der Prius ist das Auto, das die angesagten Leute in Hollywood fahren und das während der Ölkrise des vergangenen Jahres durch die Gazetten geisterte – als Beweis, dass Mercedes, BMW und Co. den Automobiltrend des Jahrzehnts verschlafen hatten. Der Insight ist wie der Prius, nur billiger: und zwar volle 5000 Euro in der Einstiegsversion. Und er ist besser, weil sein Elektromotor nicht nur bei niedrigen Geschwindigkeiten aushilft. Das habe ich in Automagazinen gelesen. Eine faszinierende Technik, schwärmen die Autojournalisten.
Vermutlich hatten sie nicht ihre Frau neben sich sitzen, die sich beschwert, dass sie doch lieber schnell fahren will. Die die bequemen Sitze vermisst. Und dann das ganze Plastik vor der Nase! Ich sehe mir die Blümchen im Display an. Und plötzlich muss ich mir eingestehen, dass sie recht hat. Vernunft allein macht nicht glücklich. Ich trete das Gaspedal durch. Das Tachometer leuchtet plötzlich rot, der Motor kreischt. Jetzt ist er mir böse, denke ich.
Jan-Martin Wiarda ist Redakteur im Ressort Chancen
- Datum 04.09.2009 - 19:13 Uhr
- Serie Autotest
- Quelle DIE ZEIT, 30.07.2009 Nr. 32
- Kommentare 13
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Ich bin auch eher für Autos, deren Cockpit komplett aus Tropenholz bestehen, die eine Hummer-gleichen Verbrauch und an allen erdenklichen Stellen 100 Watt Glühbirnen montiert haben.
Ja, ja Luxus muss schon sein und das (für das seelische Wohlbefinden elementare und unverzichtbare) Fahrgefühl in einem Hybrid oder kommenden 100% Strom Autos KANN, ich wiederhole KANN nur schlechter sein, als in (sexy!!!) Spritschluckern und Klimakillern.
Wer will schon belohnt werden für sparsames Fahrverhalten? Und das auch noch mit lächerlichen Pixelblumen!
Da lob ich mir doch die 2,500 Euro "Umweltprämie", das ist mal ne Belohnung - und auch noch vom Staat! Wofür, das bleibt mir allerdings ein Rätsel...
Mag sein das Auto ist vielleicht nicht das Beste. Aber ich finde das Auto wird hier in einen zu schlechten Schatten gestellt.
Ich verstehe das nicht. Erst meckern immer alle, dass es keine Sparsamen Autos gibt, alle wollen Elektro und Hybrid. Jetzt gibt es Hybridmodelle und dann wird gemeckert dass die Sitze zu weich sind oder, das keine Holzamatur aus dem Tropenwald verbaut ist, oder oder oder....
Und die Ausrede mit dem Preis zählt nicht mehr. Besonders der Insight ist nicht viel teurer als ein Golf.
Ich glaube in Wirklichkeit möchte niemand so ein Auto. Es wird einfach nur nach Elektro und Hybrid geschrien, weil das ein gutes Image hat. Wenn es dann um das kaufen geht sind die Meisten auf einmal ganz still. Da kauft man sich dann doch lieber einen Audi Q7.
Hybridautos sind überall auf der Welt ein Erfolg - nur in Deutschland nicht. Denn jeder, der sich dafür interessiert, bekommt von a (wie auto motor sport) bis Z (wie Zeit) gesagt, dass solche Fahrzeuge lächerliche, nicht ernstzunehmende Spielzeuge sind.
Ernstgenommen werden von den Deutschen und ihren Autojournalisten offenbar nur Autos, die mindestens 250 PS und vier Ringe, einen Stern oder einen blau-weissen Kreisel auf der Haube spazierenfahren.
Ich kann es ständig auf der Autobahn sehen: mit meinem Firmen-A 6 kann ich in Deutschland gar nicht langsam fahren, weil alle sofort nach rechts spritzen - aber mit unserem privaten Prius fuhr ich am Sonntag mehr als 16 km mit 120kmh hinter einem Mercedes auf der linken Spur her, ohne dass ihm einfiel, auf die rechte (freie) Spur zu wechseln. Von den drei früheren Grundtugenden der Deutschen (Zuverlässigkeit, Fleiss und Gehorsam bzw. Obrigkeitshörigkeit) hat sich vor allem die Hierarchie-Gläubigkeit bis heute gehalten - die aber hat im Strassenverkehr wohl Gesetzes-Rang.
Zum Glück für Toyota oder Honda - und zum Entsetzen der deutschen Autobauer - beurteilen ausserhalb von Deutschland die Tester und Käufer die Hybrid-Autos völlig anders als Sie, lieber Herr Wiarda.
Und wir auch: Denn im Gegensatz zu dem in deutschen Gazetten hochgelobten Golf V, den wir vorher hatten, verbraucht der Prius im Stadtverkehr - wo wir ihn hauptsächlich fahren - nicht nur wesentlich weniger Sprit (5,2l zu 8,4l), sondern ist trotz der High-Tech auch noch enorm zuverlässig. Kein ausserplanmässiger Werkstattaufenthalt in zwei Jahren - im Gegensatz zum Golf, bei dem in drei Jahren Radio, Schiebedach-, Heckwischer- und Fensterheber-Motor getauscht werden mussten.
Vielleicht darf man einfach kein Deutscher sein, um an so einer zum spritsparen animierenden Technik wie im Prius oder dem Honda Insight auch Fahr- und Spar-Spass zu empfinden.
Mein Teurer,
wenn sie sich schon erdreisten BMW zu kritisieren, so darf ich sie doch darauf hinweisen, dass dieses weiß-blaue runde Logo keinesfalls ein Kreisel, sondern ein Flugzeug-Rotor ist.
Mit den besten Grüßen aus München
Ich kann Ihre Beobachtungen auf der Autobahn nur bestätigen. Im Prius erzeugt man eine relativ geringe Aufemerksamkeit bei vor sich hin dösenden Mercedesfahrern. Im Auto mit dem weißblauen Kreisel ist das anders.
Genauso wie beschrieben ist es mit der Zuverlässigkeit und dem Verbrauch. Der Prius ist ein Hit.
Die deutschen Automobilbauer haben da echt super was verpennt und müssen den Markt nun mit saufenden Benzinern oder tuckernden, qualmenden TDIs/CDIs verorgen.
Das witzige an der Sache ist ja, wenn einer mal den Prius gefahren hat, will er kaum noch auf einen Diesel oder Standardbenziner umsteigen.
Es geht nichts über stromernde Autos und fröhliche Partner auf dem Beifahrersitz.
Ihre Anmerkungen kann ich ebenfalls bestätigen. In Deutschland definieren sich viel zu viele Leute über ihre Autos statt über ihre Persönlichkeit.
Zum Schnell-Fahren braucht man nur ein schnelles Auto, zum sparsamen Fahren aber einen gewissen IQ. Ich persönlich bevorzuge letzteres ;-)
Mein Teurer,
wenn sie sich schon erdreisten BMW zu kritisieren, so darf ich sie doch darauf hinweisen, dass dieses weiß-blaue runde Logo keinesfalls ein Kreisel, sondern ein Flugzeug-Rotor ist.
Mit den besten Grüßen aus München
Ich kann Ihre Beobachtungen auf der Autobahn nur bestätigen. Im Prius erzeugt man eine relativ geringe Aufemerksamkeit bei vor sich hin dösenden Mercedesfahrern. Im Auto mit dem weißblauen Kreisel ist das anders.
Genauso wie beschrieben ist es mit der Zuverlässigkeit und dem Verbrauch. Der Prius ist ein Hit.
Die deutschen Automobilbauer haben da echt super was verpennt und müssen den Markt nun mit saufenden Benzinern oder tuckernden, qualmenden TDIs/CDIs verorgen.
Das witzige an der Sache ist ja, wenn einer mal den Prius gefahren hat, will er kaum noch auf einen Diesel oder Standardbenziner umsteigen.
Es geht nichts über stromernde Autos und fröhliche Partner auf dem Beifahrersitz.
Ihre Anmerkungen kann ich ebenfalls bestätigen. In Deutschland definieren sich viel zu viele Leute über ihre Autos statt über ihre Persönlichkeit.
Zum Schnell-Fahren braucht man nur ein schnelles Auto, zum sparsamen Fahren aber einen gewissen IQ. Ich persönlich bevorzuge letzteres ;-)
Madame Nitribit verdiente ihr Geld auf ihre Art. Deshalb hätte sie auch nie einen Hybrid gefahren.
Mein lieber Freund, es ist noch schlimmer als Du ahnst:
Deine Kriterien> "250PS/4 Ringe/ein Stern oder blau-weißer Kreisel"
gelten nur in der BRD und in Afrika [...] (das weiß ich von meinem Schwager, einem Marabu aus dem Senegal)
Inder fahren jedoch LEXUS:350PS/250Kmh/Hybrid 8Liter auf 100 Km
Rein demokratisch haben Inder recht.
945.121 ooo Millionen können sich nicht gegenüber 80.000 000 irren!
Ciao> "Tacheles"
(Bitte verzichten Sie auf rassistische Begriffe. Vielen Dank, die Redaktion /ft)
Nach 730i, Audi100, 323CI, Z3 2.8, A2 1.2TDI nun seit 1,5a ein Prius II. Welch ein Segen: Gute Qualität zum überschaubaren Preis, eine unendliche Zuverlässigkeit, sozusagen unkaputtbar, viel Plastik fürwahr, aber eine Recyclingquote, die kein deutsches Auto bringt und 450 Nm Drehmoment, dafür braucht man in deutschen Autos wenigstens 6 Zylinder und 3 L Hubraum.
Ja, da sitze ich nun, gleite lautlos im Prius durch die Vorstadt, freue mich an unter 5L/100km, habe keine nach Tropenholz oder sonst was jankende Ehefrau neben mir sondern einen fröhlichen Mann, der sich an der modernen Technik erfreut.
Ich weiß nicht wie der Insight ist. Für den Prius kann ich wohl eins sagen, der toppt jedes vergleichbare, deutsche Auto, ökologisch und auch vom Komfort. Und zur Probe habe ich den Lexus RX450H gefahren, 6,6 L/100km bei 870 NM Drehmoment und 299PS, das wird der nächste, wenn er Li-Ionen-Batterien bekommt und Plug-In wird. SUV fahren ohne schlechtes Gewissen, geil.
Es müsste sich echt was tun auf dem deutschen Markt; diese tuckernden und schnarrenden, vollkommen hochgezüchteteten CDIs und TDIs oder die saufenden 6-Zylinder sind keine Alternative zu einem Hybrid. Vielleicht wird ja der Opel Ampera eine echte Alternative zu den japanischen Hybriden. Man wird sehen.
Mein Teurer,
wenn sie sich schon erdreisten BMW zu kritisieren, so darf ich sie doch darauf hinweisen, dass dieses weiß-blaue runde Logo keinesfalls ein Kreisel, sondern ein Flugzeug-Rotor ist.
Mit den besten Grüßen aus München
wenn in ein paar Jahren (wahrscheinlich direkt im Anschluss an die Wirtschaftskrise) das Öl so richtig schön teuer wird, dann wird sich einiges von selbst erledigen.
Dann werden auch Autojournalisten wie Herr Wiarda merken dass es nicht immer nur um Fahrspass geht und die Ehefrauen werden nicht mehr nörgeln daß man zu langsam fährt.
Ich bin gerade vom 3l Audi 1.2 TDI auf Bahncard 100 umgestiegen, und ich muss sagen es fühlt sich gut an. Man ist sicherer unterwegs und man bewegt sich mehr als wenn man immer nur vom Sofa faul in sein Auto steigt.
Ich habe eine BC 100 seit 9/08 und finde die Klasse; parallel dazu ein Prius II. Ein gutes Kombipacke für Komfort und Mobilität.
Herzlichen Glückwunsch und Spass in den Lounges.
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