Bully HerbigEin komischer TypSeite 2/5

Dafür empfängt er einen im Synchronstudio mit entgegengestrecktem Manuskript und erklärt, was es mit den Anmerkungen in den verschiedenen Farben auf sich hat. Herbig trägt Turnschuhe, Jeans, Poloshirt. Seit Jahren hat er eine ähnliche Kombination an. Hinter einer Glasscheibe steht Günther Kaufmann, der Fassbinder-Schauspieler. Kaufmann, erzählt Herbig, habe sich bei einem der Fernsehshow vorausgehenden Casting für jedermann einfach angestellt. Weil der farbige Kaufmann beim besten Willen nicht wie ein Wikinger aussieht, gab Herbig ihm die Rolle eines Seeräubers. Im Sinne des Filmmarketings eine sinnvolle Sache: Kaufmann, der zweieinhalb Jahre unschuldig im Gefängnis und im Winter im Dschungelcamp saß, ist sehr bekannt. Und er beherrscht ein beeindruckendes Repertoire an Urviechlauten, das man für die Seeräuberrolle braucht. Jetzt stöhnt er, nicht laut genug, Herbig sagt: "Das Stöhnen brauchen wir ein bisschen lauter, bitte ein bisschen mit Grunzen." Kaufmann grunzt, Herbig feuert ihn an: "Noch ein bisschen dümmlicher – wie eine Dogge." Herbig ist gut gelaunt.

Herbig ist, wenn überhaupt, ein gelassener Pedant, was erstaunlich ist, denn er ist mit dem Film so sehr in Zeitverzug, dass die Pressevorführungen schließlich einen Monat verschoben werden müssen. Herbert Feuerstein, der auch in Wickie eine kleine Rolle hat, nennt ihn einen "gemütlichen Besessenen – der zieht einfach sein Ding durch".

Jetzt setzt sich Herbig in einen leeren Konferenzraum. "Es liegt oft an Details", sagt er, "auch technischen Details, ob eine Komödie letztlich bei den Zuschauern ankommt." Humor habe eine handwerkliche Seite. "Im Tonstudio bei der Mischung einzuschlafen, wie von manchem Kollegen erzählt wird, das könnte mir nicht passieren." Er fühlt sich unbehaglich im Gespräch, was man daran merkt, dass er noch mehr lacht als sonst und dabei die Nase kraus zieht. So hat man ihn noch nie gesehen. Er ist ein Mann der kurzen Form: drei Minuten plus Pointe. So lange waren die Sketche der Bullyparade. Und jetzt soll er ausführlich seine Komik analysieren. "Wenn ich spontan über etwas lachen muss, finde ich das eben lustig", sagt er. "Eine reine Bauchentscheidung. Ich kalkuliere da nichts. Ich frage mich: Wem könnte das gefallen? Meine Trefferquote liegt bei 80 Prozent." Von den deutschen Witzheften lese er lieber Mad als Titanic, sagt er: "Titanic ist mir zu böse." Eckhard Henscheid, Robert Gernhardt – die Neue Frankfurter Schule sei ihm "zu besserwisserisch. Belehrend sollte Humor nicht sein."

Manchmal verfällt Herbig in den Tonfall seiner Beckenbauer-Persiflagen. So als komme er sich selbst unterbewusst schwadronierend vor. Er scheint mit seiner Haltung im Gespräch zu hadern. Zu banal will er nicht sein. Doch wenn er sich zu nachdenklich gibt, könnte das sein Publikum abschrecken. "Ich bin kein Weltverbesserer", sagt er. "Wenn ich den Menschen ein, zwei Stunden Spaß biete, bin ich glücklich." Genauso sagt das Florian Silbereisen immer, der Volksmusikmoderator. Hat Herbig wirklich so wenig Ambition? "Wenn man spürt, da ist einer verbissen ambitioniert und will sich nur selbst verwirklichen, finde ich das egoistisch und falsch", sagt er. In dem Punkt ist er ungewohnt streng, fast ideologisch. So als habe er häufig die Überheblichkeit vermeintlich ernsthafterer Kollegen erlebt. Er möge einfach keine Filme, die "permanent die Abgründe der Menschheit" zeigten. Welche Regisseure er damit meint, will er nicht sagen. Erst als man ihm anbietet, dass er auch Tote nennen dürfe, sagt er: "Mit Fassbinder-Filmen kann ich wenig anfangen."

Es werde einfach unterschätzt, wie schwer es sei, einen leichten Film zu drehen, sagt Rick Kavanian, Herbigs häufigster Sketchpartner. Schon beim Drehbuch fange das an: eine ernsthafte, endlose Arbeit. Vom Schuh des Manitu gab es neun Drehbuchfassungen. Für die erste mieteten sich Herbig, Kavanian, Christian Tramitz und Alfons Biedermann, der Autor der Bullyparade, in einem Wellnesshotel in Österreich ein. Herbig saß am Computer, die anderen hockten auf dem Boden. Herbigs Humor entsteht in Teamarbeit. Nur die Regie, sagt Kavanian, habe Herbig sich nie nehmen lassen. "Immer war es Bully, der die Anweisungen gab: 'Mach mal leiser, Rick, mach mal schwäbisch, mach mal blöder!' So lange, bis es saß. Da muss man sich drauf einlassen."

Diese "Pingeligkeit", wie Kavanian es nennt, präge Herbigs Persönlichkeit. Als er vor Kurzem bei Herbig zum Essen war, lagen Untersetzer unter den Gläsern. Er lacht: "Das kannte ich nur von meiner Großmutter."

Seit zwanzig Jahren schon sind Kavanian und Herbig befreundet. Sie haben gemeinsam beim Radio begonnen: Anfang der neunziger Jahre waren sie beim Münchner Radiosender Gong die sogenannte Morgencrew. Die biedere Seite seines Freundes erklärt Kavanian so: "Im kreativen Prozess herrscht eine extreme Unordnung. Man lässt alles zu. Ein Laut, eine Geschichte – alles kann komisch sein. Im Gegensatz dazu braucht man eine enorme Verlässlichkeit. Für mich sind das meine Hausschuhe. Wenn ich die anhabe, weiß ich, ich brauche nicht mehr lustig zu sein."

Leserkommentare
  1. Aus welchem Loch wurde denn dieser Artikel ausgegraben?

    Zitat: "In diesen Sommerwochen sitzt Michael Herbig am Feinschliff seines neuen Films Wickie und die starken Männer".

    Irgendwie schon ein paar Jahre her, nicht wahr?

  2. ... der Rockstar Games wegen des Spieles "Bully" wegen des Namens verklagt hat?

    So jemand ist weder witzig noch interessant als privatperson.

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