Brauchen Universitäten einen Namen? Einen Paten, einen Patron? Einige der berühmtesten Hochschulen der Welt heißen einfach nach dem Ort, an dem sie zu Hause sind: Padua, Salamanca, Cambridge. Oder Leipzig, die Universität, die gerade ihren 600. Geburtstag feiert: Sie hat den Namen Karl Marx, der ihr 1953 aufgenötigt wurde, dankend wieder abgelegt. Andere ehren allenfalls Stifter, Gönner und Gründer: die Sorbonne in Paris, Heidelbergs Ruperto Carola, Harvard, Yale oder die Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg.

Greifswalds Uni gehört zu den ältesten Europas, 1456 wurde sie gegründet. 1933 verlieh ihr Hermann Göring den Namen Ernst-Moritz-Arndt-Universität, nach dem Historiker und Publizisten Ernst Moritz Arndt (1769 bis 1860), der eine Zeit lang hier Professor war. Die Nazis liebten Arndt über alles, denn er war ein fanatischer Nationalist und hatte eifrig gegen die Franzosen gehetzt. Auch gegen die Juden, dieses "entartete und verdorbene Volk", und das gefiel den Nazis noch besser. So wurden im "Dritten Reich" neben der Greifswalder Uni einige Traditionsgymnasien nach Arndt umbenannt, wie in Bonn, Krefeld oder Remscheid, und tragen seither seinen Namen.

Aber auch dem SED-Regime gefiel der Mann, hatte er sich doch für die Bauernbefreiung starkgemacht und für die deutsch-russische Waffenbrüderschaft im Kampf gegen Napoleon. Deshalb wurde Arndt nach 1945 in Greifswald weiterhin verehrt. Bis heute.

Die ZEIT hatte 1998 eine Diskussion über den Fall angeregt. Jetzt ist die Debatte in Greifswald neu entbrannt. Viele Studenten und Professoren wollen den Makel endlich loswerden. Denn ein Hassprediger, der die Juden "Ungeziefer" nennt, passe nicht zu einer weltoffenen Universität des 21. Jahrhunderts. Die Studenten haben eine Initiative für eine Abstimmung über den Namen gegründet mit einer exzellenten Website (www.uni-ohne-arndt.de); über 800 Unterschriften sind schon beisammen, 500 fehlen noch. Das Studierendenparlament beschloss überdies, den fatalen Namen nicht mehr zu führen. Die Universitätsleitung allerdings hält sich bedeckt.

Die Exkulpationsargumente der verbliebenen Arndt-Fans sind wohlvertraut: dass zu seiner Zeit viele Autoren wüst gegen die Franzosen polemisiert hätten, zum Beispiel der geniale Kleist. Dass Antisemitismus nichts Besonderes gewesen sei, weil man von Auschwitz ja nichts habe ahnen können. Dass Arndt 1848 Mitglied des Paulskirchenparlaments und überhaupt voller Widersprüche gewesen sei und dass man ihn in seiner Epoche sehen müsse.