Finanzkrise Zuchtmeister der Banken

Philipp Hildebrand, der neue Präsident der Schweizer Nationalbank, machte Karriere im Ausland. Mit seinen Ideen dürfte er dem Finanz-Establishment in die Quere kommen

Roger Federer, gewiss, aber wer sonst noch? Wer sonst genießt so viel Respekt in der Schweizer Öffentlichkeit wie Philipp Hildebrand? Dass ein so mächtiger Mann kaum Kritik weckt, ist nicht selbstverständlich. Schon gar nicht, wenn es sich um einen Banker handelt. Schon gar nicht, wenn er sein Geld in einem Hedgefonds gemacht hat.

Philipp Hildebrand, soeben 46 geworden, wird im Januar Präsident der Schweizerischen Nationalbank. Als der Bundesrat ihn im April ernannte, war die Zustimmung enorm, die bürgerlichen Parteien freuten sich über die »Kontinuität« und die »Stabilität«, die der Mann garantiere, und für die Sozialdemokraten war die Wahl »ein logischer Schritt«. Nur die Grünen mäkelten, mit Hildebrand rücke »ein Vertreter des UBS-Klüngels« zum obersten Geldhüter auf.

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Ob das eine Verwechslung war? Immerhin hatte Hildebrand einst bei einer Bank mit ähnlichem Kürzel gearbeitet – er war von 2001 bis 2003 Generaldirektor der UBP in Genf. Und wenn er sich durch etwas abhebt auf dem Finanzplatz Schweiz, dann durch seine Randständigkeit. Der Mann gehört eben nicht zum »UBS-Klüngel« (ebenso wenig wie zum freisinnigen »Zürcher Filz« alter Schule).

Bis er 2003 ins dreiköpfige Direktorium der Nationalbank kam, legte Hildebrand eine Karriere hin, welche die Zürcher Bahnhofstraße bestenfalls tangierte. Studien in Toronto, Harvard, Florenz und Genf, Promotion in Oxford. Jobs beim World Economic Forum, dann Karriere beim US-Hedgefonds Moore Capital, später – ganz kurz – Kadermann bei der Bank Vontobel, anschließend – auch kurz – in der Geschäftsleitung der Union Bancaire Privée, genannt UBP. Und gerade hier mag eine Ursache seiner blitzblanken Reputation liegen: Man kennt ihn kaum. Wer die Zeitungsartikel nach seiner Ernennung las, fand allenfalls noch einige biografische Farbtupfer, etwa dass der Neue einst Spitzenschwimmer war, dass er als Hedgefonds-Partner steinreich wurde, dass seine Frau in Zürich eine Galerie für Gegenwartskunst führt. Und dass er in der internationalen Hochfinanz so gut vernetzt ist wie kein Schweizer außer vielleicht Josef Ackermann.

Aber wie der Mann so tickt? Seine wirtschaftspolitischen Leitbilder? Seine Ideen? Selbst nach seiner Wahl ins SNB-Direktorium blieb Hildebrand wenig fassbar fürs Publikum. Denn zum einen gilt das Kollegialitätsprinzip in dieser Behörde noch: Jeder redet für alle, keiner weicht ab. Und Hildebrands Ressort (Bargeld, Finanzen, Finanzsysteme) fiel in seinen ersten Jahren allenfalls dadurch auf, dass es für die Abwicklung der staatlich verordneten Goldverkäufe verantwortlich war.

Ein aktiver Staat ist für ihn kein ideologisches Problem

Zudem war es an Hildebrand, die Anlagepolitik der Nationalbank rundum zu erneuern – auch dies eine eher fachtechnische Tätigkeit. Und so bezeichnet er sich selbst gern als Technokraten oder Bürokraten: Die grundlegenden wirtschaftspolitischen Entscheide, so lautet seine Ansicht, müssten woanders gefällt werden, im Bundesrat, im Parlament, an den Urnen. Nicht in der Granitfestung der Nationalbank.

Das ist natürlich Understatement für einen, der zusehends politische Durchschlagskraft entwickelte. Je mehr die Finanzgemeinde in den letzten 18 Krisenmonaten an Orientierung verlor, desto mehr wurde der Hüne mit den dunkelblauen Anzügen zu ihrer Leitfigur. Er war es, der die Rettung der UBS im vergangenen Oktober im Geflecht von Politik, Verwaltung, Finanzaufsicht und Privatwirtschaft maßgeblich orchestrierte. »In jeder Sitzung braucht es einen, der einmal sagt: ›So, das machen wir jetzt‹«, erzählt ein Finanzexperte, der in den nationalen Teams zur Krisenbewältigung dabei war. »Und Hildebrand hat diese Rolle nun mehrfach übernommen.«

Leser-Kommentare
    • helvet
    • 31.07.2009 um 15:17 Uhr

    sehr geschmackvolle eloge! dass sich hildebrand in der schweiz zunehmend verhält wie wiedeking in wolfsburg, haben die herren wohl übersehen (wollen)...

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