Griechenland Küste, kernsaniertSeite 4/4

Constantakopoulos hat ein Leben auf See verbracht, aber er träumte immer vom Land. Einem Land, in dem keine Hotelbauten die Küste entlangwuchern, sondern Orangenbäume blühen. Er möchte die Landschaft seiner Heimat pflegen. Neunzig Prozent des Landes von Costa Navarino bleiben grün. Dazu hat der Käpt’n sich verpflichtet. Fünftausendfünfhundert Olivenbäume hat er ausgraben und dann wieder in die Ferienlandschaft einsetzen lassen, Tausende neuer Orangenbäume gepflanzt. Einer am Tisch fragt, warum er sich das alles eigentlich antue. »Mein Vater hat einmal zu mir gesagt: ›Du bist weinend zur Welt gekommen, und alle andern lachten. Wenn du stirbst, sollst du lachen, und die andern sollen weinen.‹«

Als alter Herr ist der Käpt’n im Heimathafen an Land gegangen. Nun steht sein Lebenswerk vor der Vollendung. Ein Werk, von dem er hofft, dass es ihm zur Ehre gereichen wird. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Im März 2010 werden die Luxushotels im Resort Navarino Dunes eröffnen. Auch für Navarino Bay haben die Arbeiten bereits begonnen. Die kleine Straße, die früher dem Verlauf der Küste folgte, wird in die Berge verlegt werden, auf dem zwei Kilometer langen Küstenstreifen entstehen eine Golfakademie, Villen und ein stattlicher Ballsaal. Tausende von Touristen werden kommen. Das ganze Jahr hindurch.

Doch noch ist es nicht so weit. Noch wohnen die wenigen Sommergäste in kleinen Pensionen und auf dem Campingplatz. Sie steigen zur großen Festung über der Bucht hinauf, sie fahren mit Fahrrädern die Lagune mit ihren Flamingos, Fischadlern und den afrikanischen Chamäleons entlang zum unendlich langen Strand von Krissi Akti. Sie laufen auf einem kleinen Fußpfad unterhalb der Felswand bis in die tiefblaue Bucht von Voidokilia, die von einem schneeweißen Sandstreifen eingekreist wird. Eine der schönsten Badewannen der Welt. Hier wird niemand mehr bauen, niemand mehr Sonnenschirme aufstellen. Das Paradies steht unter Naturschutz.

Die verschlafenen Gemüseläden von Pylos und die alte Apotheke genießen keinen Schutz. Niemand kann sagen, wie die Geschichte enden wird und ob nicht emsige Geschäftemacher Pylos schon bald unsanft aus dem Schlaf reißen werden. Auch der Käpt’n hat darüber nachgedacht: »Pylos, das könnte die Hölle werden oder das Paradies. Ich glaube ans Paradies!«

INFORMATION

Anreise: Direktflüge von Frankfurt nach Athen zum Beispiel mit Olympic Airways. Vom zentralen Busbahnhof Athen aus in etwa 3,5 Stunden nach Kalamata, Tickets 20 Euro. Von dort weiter nach Pylos, Fahrtzeit etwa eine Stunde, Ticket 3 Euro. Von Mai 2010 an fliegt Aegean Airlines täglich von Athen nach Kalamata

Navarino Dunes: Das Romanos Resort und das Westin Resort bei Romanos sollen im Mai 2010 eröffnet werden. Das Westin Resort nimmt gegenwärtig Gruppenanfragen entgegen, Einzelreservierungen sind noch nicht möglich. Informationen unter Tel. 0030-210/9490245, www.starwoodhotels.com/westin/property/overview/index.html?propertyID=3289

Unterkunft : Das Dreisternehotel Miramare liegt direkt am Hafen von Pylos, hat ein Restaurant vor der Tür und bietet DZ ab 45 Euro. Reservierung unter Tel. 0030-27230/22751

Schön gelegen ist auch das Hotel Philip am Ortsende mit Blick über Hafen und Bucht. DZ ab 65 Euro. Tel. 0030-27230/22741, www.hotelpylos.com

Ausflüge : In der Nähe des Campingplatzes Navarino gibt es einen Fahrradverleih. Von dort aus erreicht man über eine kaum befahrene Straße das Naturreservat und den Strand von Krisso Akti. Zur Entdeckung der Landschaft Messeniens empfiehlt sich ein Leihwagen oder auch ein Motorroller, in Kalamata ab 10 Euro pro Tag zu mieten unter Tel. 0030-27210/26683

Auskunft : Griechische Zentrale für Fremdenverkehr, Tel. 069/2578270, www.gnto.gr

 
Leser-Kommentare
  1. überhaupt wird die Welt derzeit so umgestaltet, dass ich froh bin nicht mehr sehr lange am Leben zu sein. Die nächsten Generationen tun mir echt leid.

    • yzzuf
    • 03.08.2009 um 15:42 Uhr

    Es gibt wie immer zwei Seiten. Messenien ist arm und wird nicht reich von Gemüse, Wein oder Oliven. Touristen kommen kaum noch, weil der Flugplatz in Kalamata geschlossen wurde.

    Letztes Jahr habe ich wieder einmal Urlaub gemacht in Romanos (sehr empfehlenswert: Haus Vigliza über fewo-direkt.de). Wenn man Messenien liebt und das Golfprojekt zuerst sieht denkt man: "Das geht gar nicht". Wenn man sich jedoch das Projekt erklären lässt und mit den Griechen spricht: Es ist besser als manches, was bei uns hier "saniert" wird.

    Bevor Messeniens Felder brach liegen, weil sich der Anbau von Gemüse, Wein und Oliven nicht mehr lohnt und bevor die Dörfer verrotten weil man die Häuser aus Geldmangel nicht sanieren kann - bevor also jeder wegzieht weil nichts mehr geht - ist es allemal besser, wenn der Kapitän sein Land "rettet". Wir Urlauber haben leicht reden, wir wollen "unser antikes Griechenland" nicht verschandelt sehen. Wir müssen dort auch nicht unseren Lebensunterhalt verdienen.

    Wer sich ausführlich mit diesem Projekt beschäftigt - und genau das lesen wir in dem Beitrag - der kann nicht umhin, dem Kapitän tatsächlich Hochachtung zu zollen. Statt seine Millionen steuergünstig ins Ausland zu verschieben zeigt er die hohe Kunst der Demokratie. Er gibt seinem Land das beste, was er bringen kann: Arbeitsmöglichkeiten, eventuell später ein wenig Wohlstand und vor allem zeigt er, dass solche Großprojekte möglich sind inclusive Naturschutz und Klimaschutz.

    Ich werde meinen Urlaub weiterhin bei Sophia und Andreas in Romanos verbringen und wenn ab kommendem Jahr der Flieger wieder in Kalamata landet: Was für wundervolle Aussichten!

  2. Es ist aller Ehren wert, wenn sich ein reicher, sein Land liebender Euerget wie der "Kapitän" um den angeblich armen Landstrich kümmert, die Infrastruktur fördert und Arbeitsplätze erschafft.
    Mal sehen, wie lange der Landstrich die neuen Hotelburgen und die vielen Touristen „verkraftet“.
    Nur mag Finikounda als existierendes Beispiel dafür dienen, wie ein verschlafenes Fischerdorf zum Holidayresort verwandelt wird.
    Des Einheimischen Freud, des angereisten Liebhabers Leid.
    Bis jetzt schafft die Gemeinde Pilos nicht mal den Ansturm der Touristen der letzten Jahre. Die Müllhalde am Fuß des Hügels hinter Pilos quillt im August regelmäßig über und wird umweltfreundlich und romantisch in der Nacht abgefackelt. Grandioses Lichtspiel – fast wie ein Vulkanausbruch bei Nacht. Ach ja die Feuergefahr im Sommer zählt hier nicht. Brennt ja nur hinter dem Berg.
    Die Kläranlage unterhalb der Müllgrube ist ein seit Jahrzehnten brachliegendes Milionengrab der EU und wird seiner Aufgabe, die Fäkalien nicht ins Meer zu leiten wohl nie mehr gerecht. So endete schon ein ambitioniertes Großprojekt.
    Die Chamäleons der Lagune sind nur in Touriszenzeiten hochheilig, danach ist Lagune nur mehr auf dem Papier Naturschutzgebiet, vielmehr Hobbyjagdrevier (s. Schrotpatronenhülsen ) Motocrossstrecke und stinkende Fischfarm der armen Messenier rund um Pylos. Übrigens setzte sich vor Jahren erstmalig ein Ausländer für den Naturschutz dort maßgeblich mit Leib und Leben für die Natur ein. Die Griechen dankten es ihm mit einer satten Tracht Prügel und Drohungen der unschönen Art.
    Der Umweltschutz wurde definitiv nicht in Griechenland erfunden und das Wort ist nicht griechischen Ursprungs.
    Ein weiteres Beispiel gefällig?
    Die Wasser(raub)Bauprojekte rund um die Hotels, früher nur für das Gemüse und die hocheiligen Oliven getätigt, heute zusätzlich für den erhöhten Wasserbedarf absolut sinnloser Golfplatzanlagen und tausender von Schwimmingpools in jedem Hotel und jeder Apartmentanlage rund um Navarino haben zu einer Wasserknappheit, versiegende Quellen und Bächen geführt, zu einer Versalzung der Süßwasservorräte. Wie soll es auch anders sein, wenn Brunnen in wenigen hundert Metern Entfernung zum Meer gebohrt werden. Der moderne Helene ist hier absolut schmerzbefreit.
    Schlussendlich sei hinterfragt, welche solvente Kundschaft spielt im Sommer bei 40 Grad und steifer Meeresbrise Golf auf einem von der Salzluft mühsam aufgepäppelten Grasnarbe, den das Golfspiel ist ja das Leitmotto für die Umgestaltung des kompletten Landstriches. Die Anlegung der Wasserreservoirs bei Pila und Petrochori und die Zwangsumsiedlung von hunderten von Olivenbäumen zwischen Gialova und Pilos, die in Ihrem jahrhundertelangen Dasein wohl kaum ein so gravierende Umgestaltung eines ganzen Landstrichs gesehen haben und ihr Dasein in einem verwunschenem Waldchen, dicht an dicht bei Gialova verschlummern, führt zu einer Machtkonzentration auf den Besitzer dieser Hotelanlagen, welches die Gemeinde Pylos noch zu spüren bekommt. Spätestens, wenn Manager und Hedgefonds die Anlage und den Landstrich übernehmen, weil die Anlage nicht richtig Rendite abwirft.
    Die Hotelanlage wird wohl der real gewordene Traum des Kapitano werden. Ob es der Wunsch der Messenier rund um Pilos wird, ist fraglich. Mit der Natur im Einklang wird es bestimmt nicht sein

    Eines rechne ich „meinen“ Griechen rund um Pylos allerdings hoch an, sie denken nur an sich und Ihren Vorteil und wenn der Grieche nicht mehr will, wird er bockig. Dann kommt er halt avrio, also Morgen, oder Übermorgen oder nächste Woche…oder gar nicht.
    Und dann erledigen sich viele ambitionierte Pläne von selbst..

    Und so sehe ich wehmütig von Tragana auf die Ebene herab und hoffe, sie möge noch lange so bleiben wie Sie ist.

  3. ...dass der Autor PR mit Journalismus verwechselt hat. Hätte er das nicht, dann wäre dem Leser ermöglicht worden ein umfassenderes Bild zu erhalten. In Stichpunkten, der Griechenlandzeitung entnommen, die vielleicht vor Ort mehr Stimmen einfangen konnte, als der Autor dieses Artikels:

    - die Strände werden für die Allgemeinheit gesperrt
    - Bäche aufgestaut und anderen Anrainern Wasser vorenthalten
    - Verkaufsunwillige drangsaliert (Strom und Wasser abgestellt)
    - die im hochpreisigen Tourismus unqualifizierte Dorfbevölkerung wird bei der Jobvergabe bestimmt ganz vorne stehen (Achtung Ironie)
    - die Gefahr, dass der vorgelagerten Lagune (letzter Rastplatz für viele Vögel auf dem Weg nach Afrika u.a. Flamingos, Fischadler, Eisvögel...) Wasser entzogen wird
    - die Gefahr, dass an dem kilometerlangen Sandstrand bei Romanos die Meeresschildkröte Caretta Caretta nicht mehr ihre Eier ablegt - weil demnächst Tausende von Touristen abends am Strand wandeln oder Nachtpartys feiern.
    - mitnichten nisten Vögel an dem künstlichen Wasserreservoir, schließlich gibt es hier kein Schilf sondern nur Beton

    Es verwundert sehr, dass der Autor gerade den Griechen, die für ihren Umweltschutz nicht gerade berühmt sind, so unkritisch ein Vorzeigeprojekt zutraut. Da sind ja selbst die Griechen kritischer...

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  • Quelle DIE ZEIT, 30.07.2009 Nr. 32
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  • Schlagworte Griechenland | Grüne | Reise | Athen
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