Mode Milde Gabe für EscadaSeite 2/2
»Wie beim Untergang der ›Titanic‹ – alle wollen dabei sein«
Sälzers wesentliche Aufgabe ist es in diesen Tagen, der Marke so viel Glanz wie möglich einzuhauchen, und er tut es, indem er an die guten achtziger und neunziger Jahre erinnert. Starfotografen wie Peter Lindbergh arbeiten wieder für die Modefirma, und Supermodel Eva Herzigova wirbt für die nächste Kollektion. »Wie beim Untergang der Titanic – alle wollen dabei sein«, scherzt Sälzer. Und dabei wächst die Zahl derer, die er beeindruckt. Anfang Juli brachte der Escada-Chef selbst Suzy Menkes, die führende internationale Modekritikerin neben Vogue - Chefin Anna Wintour, auf seine Seite. Nach einem Fest der Superlative während der Fashion Week in Berlin, als er die besten Stücke aus fast 30 Jahren Luxusmode im neobarocken Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel präsentierte, urteilte Menkes wohlwollend in der New York Times: »Escada ließ wieder seine Achtziger-Jahre-Muskeln spielen.« Die »Pink Party« lockte auch Stardesigner wie Wolfgang Joop und Schauspielerinnen wie Diane Kruger.
»Bei Escada weiß man jetzt wieder, wie man die Kundinnen erreichen kann«, urteilt Markus Höhn, Gesellschafter des Münchner Traditionsmodehauses Loden Frey, eines der größeren deutschen Escada-Kunden. Auch das Londoner Luxuskaufhaus Harrods setzt wieder stärker auf die deutsche Marke – ein Drittel mehr Umsatz als im vergangenen Jahr hat Harrods mit der aktuellen Escada-Kollektion erzielt, nachdem die Verkäufe dort seit Längerem sanken. »Wir führen schon eine Warteliste für einige Stücke aus der neuen Kollektion mit Leopardenmuster«, schwärmt Laura Brown, Modemarken-Chefin bei Harrods, mitten in der Wirtschaftskrise.
Doch so positive Nachrichten melden die für Escada wichtigsten Märkte, USA und Osteuropa, nicht. »Der Luxusmarkt wird erst in vier bis fünf Jahren wieder auf dem Niveau des Jahres 2007 sein«, glaubt Antonella Mei-Pochtler, Konsumexpertin der Unternehmensberatung Boston Consulting, die selbst leidenschaftlich gerne Abendkleider von Escada trägt. Eine andere Haute-Couture-Marke hat bereits aufgeben müssen: Christian Lacroix präsentierte vor wenigen Tagen auf dem Laufsteg in Paris seine letzte Kollektion – wegen Konkurs.
Ein Ende für das von Margareta und Wolfgang Ley gegründete Unternehmen mag sich momentan kaum jemand öffentlich vorstellen. Sabine Nedelchev, Chefredakteurin der Modezeitschrift Elle, sagt: »Es wäre ein Schock! Eine Insolvenz wäre ein Dämpfer für die gesamte Branche.«
Auf der Düsseldorfer Modemesse CPD wusste Bruno Sälzer nur so viel zu sagen: »Kinder, ich weiß es nicht, wie es ausgeht«, und zuckte dabei mit den Schultern. Viel lieber verteilt er Einladungen für Ende Juli: In München will Escada dann erstmals eine neue Dirndl-Kollektion präsentieren – rechtzeitig zur Oktoberfest-Saison und kurz vor dem Ende der Umtauschfrist für die Anleihe-Gläubiger.
- Datum 31.07.2009 - 18:33 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.07.2009 Nr. 32
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