Selbstständigkeit Eine Frage des persönlichen Lebensziels

Miete, Kindergartengebühren, Altersvorsorge – und ein bisschen mehr Freiheit: Das treibt die meisten Unternehmer an. Nicht die Gier.

Jeder Start in ein Unternehmerleben beginnt mit leeren Geschäftsbüchern und der Frage: Ist das Risiko nicht zu groß?

Jeder Start in ein Unternehmerleben beginnt mit leeren Geschäftsbüchern und der Frage: Ist das Risiko nicht zu groß?

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist immer mit einer entscheidenden Frage verbunden: Ist das Risiko nicht zu groß? Zuallererst stellt sich diese Frage ein werdender Unternehmer natürlich selbst. Häufiger noch kommt sie aber aus dem Kreise seiner Bekannten, Freunde und Verwandten. Meist sind die Fragenden selbst Angestellte, die teils bewundernd, teils besorgt die Entscheidung für das Unternehmerdasein und deren Umsetzung verfolgen.

Die Frage nach der Größe des unternehmerischen Risikos sollte besonders in Zeiten von Kurzarbeit und drohenden Entlassungen neu betrachtet werden. Unternehmer sein heißt, die Konsequenzen selbst zu tragen, wenn man Märkte falsch einschätzt und daraufhin falsch bearbeitet. Im schlechtesten Fall muss der Unternehmer mit seinem gesamten Privatvermögen haften. Ein Angestelltenverhältnis scheint da mehr Sicherheit zu bieten. Der Eindruck aber täuscht. Auch Arbeitnehmer müssen persönliche Konsequenzen tragen, wenn die Unternehmensleitung falsche Entscheidungen trifft: weniger Lohn, wie derzeit in der Automobilindustrie zu beobachten, Kurzarbeit oder Jobverlust. Zwar mag der Begriff der privaten Haftung hier keine Anwendung finden, das Ergebnis aber unterscheidet sich kaum: Weniger zu verdienen bedeutet immer, dass der Lebensstandard sinkt oder die Ersparnisse aufgezehrt werden.

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Erschwerend kommt hinzu, dass die Betroffenen wenig bis keinen Einfluss auf diese Entwicklungen haben. Sie sind in hohem Maße fremdbestimmt. Das unterscheidet Angestellte deutlich vom Unternehmer. Dieser entscheidet selbst, was er tut, um am Markt erfolgreich zu bestehen. Wichtiger noch, er entscheidet, wie er »Erfolg« definiert. Seine persönlichen Ziele sind die Basis seines Handelns.

Jeder Start in ein Unternehmerleben beginnt mit leeren Geschäftsbüchern und der Frage: Ist das Risiko nicht zu groß?

Jeder Start in ein Unternehmerleben beginnt mit leeren Geschäftsbüchern und der Frage: Ist das Risiko nicht zu groß?

Die wirtschaftlichen Ziele der meisten Unternehmer in Deutschland leiten sich aus der Höhe der Wohnungsmiete, den zu leistenden Versicherungsbeiträgen oder den Kindergartengebühren für den Nachwuchs ab. Diese Ziele entsprechen also jenen Maßstäben, nach denen Angestellte ihr Gehalt verhandeln. Das bedeutet nicht, dass der Unternehmer keinen Gewinn erzielen wollte. Es relativiert nur die Wahrnehmung des zurzeit gern dargestellten gierigen Unternehmers. Die Ziele der meisten Selbstständigen unterscheiden sich mithin auch grundlegend von den Zielen großer Aktiengesellschaften.

Das verantwortungslose und größenwahnsinnige Handeln, welches wir in den vergangenen Jahren oft gesehen haben, hat die Möglichkeiten des Lebens und Handelns Tausender gefährdet. Mit unternehmerischer Freiheit im demokratischen Sinne hat das nichts zu tun. Denn zu ihr gehört, sich in eine Gesellschaft einzufügen, die ihren Mitgliedern ein Leben in allgemeiner Freiheit und Gleichheit zugesteht.

Erweitert man, mitten in der Wirtschaftskrise, jetzt die allgemeine Vorstellung von diesem wohlverstandenen Unternehmertum, könnte mehr Selbstständigkeit sogar die Lösung eines Problems werden, mit dem sich viele Unternehmen konfrontiert sehen.

Besonders in den vergangenen 15 Jahren haben sich die Anforderungen an viele vorwiegend große Unternehmen deutlich verändert. Produkte sind komplexer geworden, Lieferanten und Kunden sitzen überall auf der Welt. Innovationsintensive Unternehmen sind zunehmend darauf angewiesen, auf das Wissen vieler Spezialisten und Fachkräfte zurückzugreifen. Daraus und aus schnellen Schwankungen in der Auslastung resultiert ein hoher Anspruch an Flexibilität. Die Strukturen jedoch entsprechen noch häufig denen klassischer Industrieunternehmen, wie man sie von jeher kennt. Die große Anzahl von Spezialisten und die Tiefe der individuellen Spezialisierung führen dort dazu, dass Manager die Arbeit vieler Mitarbeiter, für die sie verantwortlich sind, nicht mehr verstehen und ihre Leistung nicht mehr erkennen.

Wie aber soll ein Abteilungsleiter über Gehalt oder Weiterbildung für einen Mitarbeiter entscheiden, wenn er den Inhalt der Arbeit nicht mehr beurteilen kann? Frust auf beiden Seiten ist die Folge.

Nun drohen in den kommenden Monaten große Entlassungswellen in vielen Konzernen. Von wem soll man sich trennen? Was gehört zum wirklichen Kern des Geschäfts?

Eine Lösung für all diese Herausforderungen liegt darin, Unternehmertum zu fördern. Der Spezialist weiß, welchen Wert seine Leistung hat, und er kann, wenn er nicht mehr angestellt ist, sondern Unternehmer, sein Wissen und Können zu einem angemessenen Preis anbieten. Mal wird er es allein tun, mal zusammen mit Gleichgesinnten.

Wer seine Zukunft nach einer Entlassung unter diesem Blickwinkel angeht, wird auf einmal neue Chancen erkennen. Mal abgesehen davon, dass er sich frei davon macht, wie ihn ein Chef beurteilt. Stattdessen muss er seinen Kunden zufriedenstellen, und das ist, das sage ich aus Erfahrung, ein großer Unterschied.

 
Leser-Kommentare
  1. Meiner Meinung nach werden Gier und Ehrgeiz inzwischen, zumindest sinngemäß, gleichgesetzt. Darum geht's im Kern im Artikel.
    Ehrgeiz ist wichtig für jeden Einzelnen, aber auch die Gesellschaft.
    Gier hat damit nichts zu tun. Auch aus Faulheit kann Gier erwachsen, um gierig zu sein muss man nicht ehrgeizig sein - eher im Gegenteil. Jemand der Ehrgeizig ist will Dinge aus eigener Kraft erreichen, sich wortwörtlich verdienen. Das widerspricht Gier ja geradezu. Und zu Gier muss man auch nicht viel Geld haben. Jemand der beim Einkauf rumgeizt um aus seinem Euro jeden Cent rauszuquetschen und dabei indirekt natürlich in Kauf nimmt dass dazu Leute in Asien und Osteuropa ausgebeutet werden, oder auch hierzulande zu Dumpinglöhnen im Einzelhandel etc., der ist ebenso gierig wie ein Manager der den Rachen vor lauter Boni nicht voll genug kriegen kann. Gier definiert sich nicht an der Höhe des angerichteten Schadens, Gier ist eine moralische Sache. So wie eine Lüge immer eine Lüge bleibt, ganz egal wie klein oder groß die Konsequenzen sind.

    Insofern ist unsere gesamte Gesellschaft, in allen Einkommensklassen, ziemlich von Gier und Fixierung auf Eigennutz zerfressen. Auch die sog. "Linken", die mit der klassischen Sozialdemokratie nichts mehr zu tun haben. Denn die Arbeiter hatten auch einen Ethos, ein klassischer Arbeiter in Ruhrgebiet und Co. wollte ebenfalls nichts "geschenkt" haben, sondern sich jeden einzelnen Pfennig (damals noch) ehrlich und mit seinem Schweiß verdienen - der hätte staatliche Almosen empört abgelehnt.
    Aber sie wollten auch gerecht bezahlt werden, die gleichen Chancen für ihre Kinder.. das alles wurde ja von Brandt mit seinem "Bürgerrecht auf Bildung" und Erfindungen wie "Bafög" auch weitgehend erfüllt.
    Sowas brauchen wir. Einen bodenständigen und fairen Leistungsethos.
    Nicht diese Zuspitzung auf "Sozialismus" Vs. "Neoliberalismus". Ich will keines von beiden Übeln.

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    • Timo K
    • 03.08.2009 um 7:30 Uhr

    Was soll daran gut sein, mit Ehre zu geizen?

    • Timo K
    • 03.08.2009 um 7:30 Uhr

    Was soll daran gut sein, mit Ehre zu geizen?

  2. Merkwürdiger Artikel. Gier wird doch eher selten den kleinen Mittelständlern vorgeworfen, als vielmehr Millionenabfindungen kassierenden Managern, wie Hartmut Mehdorn und Wendelin Wiedeking. Der Autor macht ja selber den Unterschied.

    Unternehmen wird dann Gier vorgeworfen, wenn Sie bei steigenden Gewinnen Arbeitnehmer entlassen.

    Und schließlich wird die Selbstständigkeit als Alternative zur Arbeitslosigkeit heraus gekramt. Das mag eine Lösung für Herrn Linde und wenige andere sein, wie gut das allerdings als Arbeitsmarktinstrument funktioniert, haben wir gesehen.

    • Alobam
    • 02.08.2009 um 10:44 Uhr

    Ich sehe es auch wie der Autor, dass die Zeit vieler Großunternehmer vorbei ist. In dem Buch "Kopf schlägt Kapital" wird schön beschrieben, warum es heute durch technische und soziale Neuerungen in vielen Bereichen nicht mehr notwendig ist ein Großunternehmen zu sein.
    So ist es heute möglich Tee in Indien zu bestellen und über das Internet zu verkaufen, vor 50 Jahren war dafür noch ein großes Unternehmen notwendig, welches den ganzen Transport und Vertrieb abnimmt. Dafür gibt es heute auf allen Gebieten Spezialisten. So kann ich ein Indische Agentur mit dem Einkauf und der Bewertung des Tees beauftragen, eine Transportunternehmen übernimmt die Verschiffung und die Zoll formalitäten. Ein anderes Unternehmen übernimmt die Lagerung und den Versand in Deutschland. Der kleine Internet Designer um die Ecke designt die Homepage.
    So kann ich als einzelner von meinem Home Office ohne das geringste Wissen um Zoll oder Tee letztgenannten Importieren und Verkaufen. Wenn ich den Markt richtig eingeschätzt habe mache ich dabei Gewinn und kann meine Miete bezahlen.

    Dieses Beispiel lässt sich endlos erweitern, auch auf andere Branchen. Natürlich werden Großunternehmen nicht komplett verschwinden, aber sie werden ihre Aufgaben ändern und schrumpfen.

    Damit auf in eine Zukunft, in der Kleinunternehmer endlich den alten Wunsch der Linken erfüllen und die Abhängige Lohnarbeit überwinden!

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    ... Kapitalismus führt zu Größe. Das liegt vor allem an der damit steigenden Macht. Solange in der Wirtschaft Sachen wie Mengenrabatte, Zahlungsziele, Sicherheiten, Forschungskapazitäten, teure juristische Auseinandersetzungen und politischer Einfluß über Erfolg/Misserfolg entscheiden, solange werden große Unternehmen existieren und dominieren. Auch wenn sie vielleicht einige Vorteile verloren haben.

    Für einen Kleinunternehmer ist es beispielsweise nach wie vor riskanter und teurer Tee in Indien zu bestellen, als für einen Großunternehmer, der mal eben einen Handelsvertreter hinschickt und beste Qualität und Preise ermittelt und Jahresverträge abschliesst.

    • jasche
    • 03.08.2009 um 9:44 Uhr

    Irgendwo mal gelesen: Die existenz von unternehmen(im sinne konzern) ist nur solange gerechtferigt, wie lange transaktionkosten pro wertschöpfungsschritt innerhalb des unternehmens geringer sind, als würde man sie auslagern.

    Ich denke auch, dass die neuen medien nicht nur die gesellschaftwen demokratisieren werden, sonder auch die unternehmen. Mit auch ein paar unangenehmen wahrheiten für die arbeitnehmer.

    Für Marktnischen, Handle und Dienstleistungen mag dies tatsächlich eine Zukunft darstellen.
    Doch nicht im produzierenden Bereich.

    Sie werden sich aber bissi schwerer tun, Autos, Maschinen mit vielen kleinen Subunternehmern und von irgedwo um die Ecke zusammen zu bauen.

    Sie werden auch nicht in Lowcost-Countries produzieren können. Denn bevor dort ein Know-How aufgebaut ist, das den westlichen Standards entspricht, ist die Arbeitskraft wieder genau so teuer wie hier.

    Ausserdem setzt eine solche Zusammenarbeit ein ähnliches Verständnis für die Arbeitsweise, abgestimmte Prozesse, ähnliche Bewusstein für Qualität, Zeit, von reibungsloser Kommunikation ganz zu schweigen. Das Vorteil von Großunternehmen ist, dass sie all das schneller Umsetzten können. Obgleich natürlich nie perfekt.

    Grüße
    Messala
    -------------------------------------

    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)

    ... Kapitalismus führt zu Größe. Das liegt vor allem an der damit steigenden Macht. Solange in der Wirtschaft Sachen wie Mengenrabatte, Zahlungsziele, Sicherheiten, Forschungskapazitäten, teure juristische Auseinandersetzungen und politischer Einfluß über Erfolg/Misserfolg entscheiden, solange werden große Unternehmen existieren und dominieren. Auch wenn sie vielleicht einige Vorteile verloren haben.

    Für einen Kleinunternehmer ist es beispielsweise nach wie vor riskanter und teurer Tee in Indien zu bestellen, als für einen Großunternehmer, der mal eben einen Handelsvertreter hinschickt und beste Qualität und Preise ermittelt und Jahresverträge abschliesst.

    • jasche
    • 03.08.2009 um 9:44 Uhr

    Irgendwo mal gelesen: Die existenz von unternehmen(im sinne konzern) ist nur solange gerechtferigt, wie lange transaktionkosten pro wertschöpfungsschritt innerhalb des unternehmens geringer sind, als würde man sie auslagern.

    Ich denke auch, dass die neuen medien nicht nur die gesellschaftwen demokratisieren werden, sonder auch die unternehmen. Mit auch ein paar unangenehmen wahrheiten für die arbeitnehmer.

    Für Marktnischen, Handle und Dienstleistungen mag dies tatsächlich eine Zukunft darstellen.
    Doch nicht im produzierenden Bereich.

    Sie werden sich aber bissi schwerer tun, Autos, Maschinen mit vielen kleinen Subunternehmern und von irgedwo um die Ecke zusammen zu bauen.

    Sie werden auch nicht in Lowcost-Countries produzieren können. Denn bevor dort ein Know-How aufgebaut ist, das den westlichen Standards entspricht, ist die Arbeitskraft wieder genau so teuer wie hier.

    Ausserdem setzt eine solche Zusammenarbeit ein ähnliches Verständnis für die Arbeitsweise, abgestimmte Prozesse, ähnliche Bewusstein für Qualität, Zeit, von reibungsloser Kommunikation ganz zu schweigen. Das Vorteil von Großunternehmen ist, dass sie all das schneller Umsetzten können. Obgleich natürlich nie perfekt.

    Grüße
    Messala
    -------------------------------------

    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)

    • vlad
    • 02.08.2009 um 11:46 Uhr

    - ... muss man sehr aufpassen, als Selbstaendiger nicht noch abhaengiger zu werden. Insbesondere, wenn man "Zulieferer" fuer nur einen Kunden ist. Selbst grosse Zulieferfirmen haben heutzutage Probleme.

    - ... ist man meist gegen Konkurrenzfirmen guter Kapitaldecke machtlos. Innovation bringt wenig, Marktmacht durch schlichten Kapitaleinsatz jedoch viel.

    - ... braucht man nicht die Maer von eigenstaendigem Handeln unter "Gleichen" glauben. Annaehernd gleich ist nur wer auch annaehernd gleich viel Geld besitzt.

  3. Um selbstständig zu sein braucht es ein gerüttelt Maß an Mut, Selbstdisziplin und auch ein finanzieller Puffer. In guten Zeiten verdient man gut, in schlechten Zeiten verdient man schlecht. Selbstständigkeit kann der Himmel auf Erden sein - oder die Hölle.
    Und wer sich in diesen Zeiten selbständig macht der kann nicht ganz dicht sein. Die Auftragslage ist beschissen. Projektangebote sind minimal, und wenn vorhanden zu üblen Stundensätzen.
    Wer jetzt arbeitslos wird sollte das Jahr das er Ruhe hat dazu nutzen ein bischen Kapital zur Seite zu schaffen - und danach noch mal überlegen ob Selbstständigkeit wirklich für ihn etwas ist.
    Ich bin gerne selbstständig. Aber dazu muss man den Drall haben. Als allgemeine Alternative zum Angestelltendasein ist es nichts.
    Und Gier? Selbstständige sind gierig wenn sie überall gebraucht werden, in den Zeiten wo nichts los ist leben sie von der Substanz. Wir haben kein Jahr Arbeitslosengeld - das sollte man nicht vergessen.

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    • medwed
    • 02.08.2009 um 14:35 Uhr

    „Wer jetzt arbeitslos wird sollte das Jahr das er Ruhe hat dazu nutzen ein bischen Kapital zur Seite zu schaffen“ - Arbeitsloser sollte man sein. Der durchschnittliche Arbeitnehmer ist gut dran, wenn ihm das Erwerbseinkommen zum Leben reicht. Mit „Kapital zur Seite schaffen“ ist da nix. Da sind Arbeitslose offensichtlich besser dran. Nun denn, so werde ich mich mal bemühen, arbeitslos zu werden, damit ich endlich mal zu was komme...

    • medwed
    • 02.08.2009 um 14:35 Uhr

    „Wer jetzt arbeitslos wird sollte das Jahr das er Ruhe hat dazu nutzen ein bischen Kapital zur Seite zu schaffen“ - Arbeitsloser sollte man sein. Der durchschnittliche Arbeitnehmer ist gut dran, wenn ihm das Erwerbseinkommen zum Leben reicht. Mit „Kapital zur Seite schaffen“ ist da nix. Da sind Arbeitslose offensichtlich besser dran. Nun denn, so werde ich mich mal bemühen, arbeitslos zu werden, damit ich endlich mal zu was komme...

    • ohopp
    • 02.08.2009 um 12:13 Uhr

    gefördert werden. Es ist eine Gleichbehandlung notwendig. Warum sind Arztpraxen und Rechtsanwälte usw. nicht Gewerbesteuerpflichtig. Warum sollen die anderen Unternehmen deren infrastrukturellen Aufwand finanzieren.
    Fest steht aber, mir als sozial denkenden Unternehmer ist es schon peinlich, daß wir sowenig zum Gemeinweisen beitragen und das seit Jahren immer weniger (Stichwort Körperschaftssteuer nur noch 15%)

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    • jamah
    • 02.08.2009 um 13:13 Uhr

    ... wird es in Zukunft immer weniger 'sozial denkende Unternehmer' geben. Und daran sind nicht nur die Unternehmer schuld, sondern auch die Kunden. Wenn Kunden bevorzugt bei sozial verantwortlichen Unternehmern kaufen würden, wäre das ein riesiger Anreiz für Unternehmer genau so zu handeln.
    Aber da kaufen Kunden lieber das billigste als vielleicht auch einmal selbst Verzicht zu üben. Es wäre mit Sicherheit besser, auf bestimmte Dinge zu verzichten als mit einem Kauf nicht sozial handelnde Unternehmer zu unterstützen.
    Aber wie ein anderer Forumsteilnehmer schon sagte, die Gier ist nicht nur bei den Best-Verdienern zu finden.

    Daher wünsche ich Ihnen allen erdenklichen Erfolg für Ihr Unternehmen!

    • sogos
    • 02.08.2009 um 18:03 Uhr

    Ich denke, dass der Author dieses Artikels nicht "die Unternehmer" meinte sondern "das Unternehmertum".
    Klar, wer Geld macht (Gewinn) kann und sollte zahlen.
    Aber es muessen mehr "gegruendet" werden.
    Warum das nicht geschiet ist klar: es ist weniger das Risiko (obwohl hier wir Deutschen auch viel zu aengstlich sind), sodnern die Buerokratischen Huerden (Steuer).
    Ich spreche da aus Erfahrung...

    • jamah
    • 02.08.2009 um 13:13 Uhr

    ... wird es in Zukunft immer weniger 'sozial denkende Unternehmer' geben. Und daran sind nicht nur die Unternehmer schuld, sondern auch die Kunden. Wenn Kunden bevorzugt bei sozial verantwortlichen Unternehmern kaufen würden, wäre das ein riesiger Anreiz für Unternehmer genau so zu handeln.
    Aber da kaufen Kunden lieber das billigste als vielleicht auch einmal selbst Verzicht zu üben. Es wäre mit Sicherheit besser, auf bestimmte Dinge zu verzichten als mit einem Kauf nicht sozial handelnde Unternehmer zu unterstützen.
    Aber wie ein anderer Forumsteilnehmer schon sagte, die Gier ist nicht nur bei den Best-Verdienern zu finden.

    Daher wünsche ich Ihnen allen erdenklichen Erfolg für Ihr Unternehmen!

    • sogos
    • 02.08.2009 um 18:03 Uhr

    Ich denke, dass der Author dieses Artikels nicht "die Unternehmer" meinte sondern "das Unternehmertum".
    Klar, wer Geld macht (Gewinn) kann und sollte zahlen.
    Aber es muessen mehr "gegruendet" werden.
    Warum das nicht geschiet ist klar: es ist weniger das Risiko (obwohl hier wir Deutschen auch viel zu aengstlich sind), sodnern die Buerokratischen Huerden (Steuer).
    Ich spreche da aus Erfahrung...

  4. So so, ein bischen mehr Freiheit !?

    Aber genau diese Definition von Freiheit wurde ja in den vergangen +20 jahren bis zum vollen ausgereizt. Mit freundlicher Hilfe deines Politikers. Was wurde da nicht alles an Gesetzen und Vorschriften zu Gunsten von mehr an Freiheit (wohlgemerkt primär mal für Kapitaltransaktionen jeglicher couleur) in Gang gesetzt wärend der Rest der Gesellschaft sich dafür mehr und mehr einschränken musste. Im Gegenzug wurde so manches versprochen und ebenso manches bis heute nicht eingelöst.

    Weder geht es der Gesellschaft im Aggregat heute besser als vor +20 Jahren noch haben sich die träumereien verwirklicht die sich aus den unverschämten Reichtumsverschiebungen ergeben sollten. Im Gegenteil, die Reichtümer die sich in dieser Zeit in nie vorher dagewesenem Ausmass von unten nach oben kummuliert haben führten eben genau nicht zu einem mehr an Investitionen. Schon gar nicht dort wo den Menschen das Geld entzogen wurde.

    Verwendet wurden die geliehen Freiheiten lediglich dafür, diese mittels kreativen Kapitalvermehrungssystemen noch mehr zu vermehren. Gewährleistung dafür bot u.a. ein mehr an Freiheit für die Arbeitnehmer die sich oft dadurch zeigte das Arbeitsverhältnisse neu nun mittels Stundenlohn, 1 Euro Jobs und ohne die systematische Unterstützung von Gewerkschaften eingegangen werden mussten.

    Die Freiheiten die sich ein Unternehmer wünscht sind eben nicht die Freiheiten die sich der Rest der Gesellschaft wünscht. Diese vielfältigen Ansprüche wieder zu einem grossen ganzen zu vereinen wurde in den vergangen jahren sträflich weil systematisch vernachlässigt... nun, in letzter Konsequenz halt mit all den negativen Begleiterscheinungen die sich, hätten man den Kritikern mal zuhören wollen, zum Teil hätten verhindern lassen.

    Nun, da sich die berechtigten Kritiken endlich in den Untergrund (aus den Massenmedien und damit Tagesgesprächen) verzogen haben, hat man das Feld für sich alleine... Das seit langem erhoffte, ein definiertes Oligopol der Meinungen.

    Die EU Verfassung (Vertrag von Lissabon) wird für uns alle noch so manches zementieren was sich nun als kompletter Irrweg gezeigt hat.

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

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    "Freiheit wurde ja in den vergangen +20 jahren bis zum vollen ausgereizt". Und sie wollen die Freiheit offensichtlich -20 Jahre, d.h. auf den Zustand von 1989 ( und zwar offensichtlich in Ostdeutschland) zurückfahren!? Das könnte Ihnen so passen, das werden Sie aber nicht erleben! Was Sie erleben werden, in nur zwei Monaten nach den Wahlen, ist eine rein bürgerliche Regierung, die dann endlich die nötige Förderung des freien Unternehmertums anpackt. Und Sie haben die Freiheit, sich in onlineforen dagegen zu ereifern, ist ja auch was.

    **************
    "Kommunisten sind in Wirklichkeit nur rotlackierte Doppelausgaben der Nationalsozialisten. Beiden ist gemeinsam der Haß gegen die Demokratie und die Vorliebe für Gewalt."
    Kurt Schumacher (SPD)

    "Freiheit wurde ja in den vergangen +20 jahren bis zum vollen ausgereizt". Und sie wollen die Freiheit offensichtlich -20 Jahre, d.h. auf den Zustand von 1989 ( und zwar offensichtlich in Ostdeutschland) zurückfahren!? Das könnte Ihnen so passen, das werden Sie aber nicht erleben! Was Sie erleben werden, in nur zwei Monaten nach den Wahlen, ist eine rein bürgerliche Regierung, die dann endlich die nötige Förderung des freien Unternehmertums anpackt. Und Sie haben die Freiheit, sich in onlineforen dagegen zu ereifern, ist ja auch was.

    **************
    "Kommunisten sind in Wirklichkeit nur rotlackierte Doppelausgaben der Nationalsozialisten. Beiden ist gemeinsam der Haß gegen die Demokratie und die Vorliebe für Gewalt."
    Kurt Schumacher (SPD)

    • jamah
    • 02.08.2009 um 13:13 Uhr

    ... wird es in Zukunft immer weniger 'sozial denkende Unternehmer' geben. Und daran sind nicht nur die Unternehmer schuld, sondern auch die Kunden. Wenn Kunden bevorzugt bei sozial verantwortlichen Unternehmern kaufen würden, wäre das ein riesiger Anreiz für Unternehmer genau so zu handeln.
    Aber da kaufen Kunden lieber das billigste als vielleicht auch einmal selbst Verzicht zu üben. Es wäre mit Sicherheit besser, auf bestimmte Dinge zu verzichten als mit einem Kauf nicht sozial handelnde Unternehmer zu unterstützen.
    Aber wie ein anderer Forumsteilnehmer schon sagte, die Gier ist nicht nur bei den Best-Verdienern zu finden.

    Daher wünsche ich Ihnen allen erdenklichen Erfolg für Ihr Unternehmen!

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    Ganz genau hingucken, wem ich mein Geld gebe! zB beim wem ich

    * meine (täglichen) Schokoladenerzeugnisse (afrikanische Kinderarbeit? Hinnahme von Ungleichheit zementierenden Regeln des int. Agrarmarktes?)

    * meinen täglichen(!) Kaffee (s.o.)

    * meine Kleidung

    * meinen Strom (bitte NICHT über den Klimawandel beschweren/darüber lamentieren und GLEICHZEITIG Strom über RWE, E.on, Vattenfall oder EnBW beziehen)

    * mein Auto

    * meinen Fussball

    * meinen Grabstein

    * meine Geldanlagen

    * meine Putz- und Waschmittel

    * mein Handy

    * mein Papier

    * meine Möbel

    * meine Milch

    * mein Fleisch

    * meine Eier

    * meinen Ehering

    kaufe!

    Viele, zu viele (größere) Unternehmen und international tätige Konzerne VERDIENEN das Geld, was sie täglich von vielen Kunden erhalten, m.E., nicht.

    ... bei mehr als 90% der Produkte habe ich kaum mit vertretbaren Aufwand die Möglichkeit die Herstellung zu beurteilen. Nehmen wir nur Kleidung, die kommt mittlerweile zu fast 100% aus China und Indien. Und nun?

    Soll ich künftig im Kartoffelsack aus dem Bioladen rumlaufen? Oder die Autos, bestehend aus zig-tausenden Teilen, die überall verteilt auf der Welt gefertigt werden, oft in unbekannten Zulieferbetrieben. Oder Computer, gibts überhaupt welche, die nicht in China zusammengeschraubt werden? Oder Kinderspielzeug, selbst Mattel und Co fertigen in China.

    Es macht schon genug Mühe überhaupt brauchbare (und bei meinem Gehalt bezahlbare) Produkte zu finden. Gleichzeitig führt die globale Konkurrenz auch seit Jahren zu stagnierenden/sinkenden Reallöhnen, selbst wenn man will, kann man einheimische und faire Produkte deshalb idR nur gelegentlich kaufen. Zumal gute Ware mangels verkaufter Masse im Preis sogar gestiegen sein dürfte.

    Die weitgehende Zollfreiheit von Dumpingwährungsländern wie China, zusammen mit Mitarbeiterausbeutung und fehlenden Umweltauflagen, erzeugt einen derartigen Sog, dass man mit Konsumenten-Idealismus allenfalls in Nischen was ändern kann. Die Welt verändern kann man damit nicht, das könnte nur die Politik und die will nicht.

    Ganz genau hingucken, wem ich mein Geld gebe! zB beim wem ich

    * meine (täglichen) Schokoladenerzeugnisse (afrikanische Kinderarbeit? Hinnahme von Ungleichheit zementierenden Regeln des int. Agrarmarktes?)

    * meinen täglichen(!) Kaffee (s.o.)

    * meine Kleidung

    * meinen Strom (bitte NICHT über den Klimawandel beschweren/darüber lamentieren und GLEICHZEITIG Strom über RWE, E.on, Vattenfall oder EnBW beziehen)

    * mein Auto

    * meinen Fussball

    * meinen Grabstein

    * meine Geldanlagen

    * meine Putz- und Waschmittel

    * mein Handy

    * mein Papier

    * meine Möbel

    * meine Milch

    * mein Fleisch

    * meine Eier

    * meinen Ehering

    kaufe!

    Viele, zu viele (größere) Unternehmen und international tätige Konzerne VERDIENEN das Geld, was sie täglich von vielen Kunden erhalten, m.E., nicht.

    ... bei mehr als 90% der Produkte habe ich kaum mit vertretbaren Aufwand die Möglichkeit die Herstellung zu beurteilen. Nehmen wir nur Kleidung, die kommt mittlerweile zu fast 100% aus China und Indien. Und nun?

    Soll ich künftig im Kartoffelsack aus dem Bioladen rumlaufen? Oder die Autos, bestehend aus zig-tausenden Teilen, die überall verteilt auf der Welt gefertigt werden, oft in unbekannten Zulieferbetrieben. Oder Computer, gibts überhaupt welche, die nicht in China zusammengeschraubt werden? Oder Kinderspielzeug, selbst Mattel und Co fertigen in China.

    Es macht schon genug Mühe überhaupt brauchbare (und bei meinem Gehalt bezahlbare) Produkte zu finden. Gleichzeitig führt die globale Konkurrenz auch seit Jahren zu stagnierenden/sinkenden Reallöhnen, selbst wenn man will, kann man einheimische und faire Produkte deshalb idR nur gelegentlich kaufen. Zumal gute Ware mangels verkaufter Masse im Preis sogar gestiegen sein dürfte.

    Die weitgehende Zollfreiheit von Dumpingwährungsländern wie China, zusammen mit Mitarbeiterausbeutung und fehlenden Umweltauflagen, erzeugt einen derartigen Sog, dass man mit Konsumenten-Idealismus allenfalls in Nischen was ändern kann. Die Welt verändern kann man damit nicht, das könnte nur die Politik und die will nicht.

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  • Quelle DIE ZEIT, 30.07.2009 Nr. 32
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