USA Gesundheit als Killer
Gelingt Obama die Reform des Gesundheitssystems, wird er ein wirklich großer Präsident

© Sara D. Davis/Getty Images
Obama versucht die Amerikaner von seinen Gesundheitsplänen zu überzeugen - wie hier auf einem Townhall-Meeting in North Carolina
In der bekannten Hollywood-Komödie Hangover fahren vier Freunde zu einem Junggesellenabschied nach Las Vegas. Während sie durch die Nacht feiern, lässt sich Stu, ein verklemmter Zahnarzt, von Alan herausfordern. Alan wettet mit Stu, dass dieser nicht Manns genug ist, sich gleich an Ort und Stelle einen seiner Zähne zu ziehen. Am nächsten Morgen wacht ein übernächtigter Stu auf und entdeckt mit Entsetzen einen blutigen Stumpf, der ihn an seinen fehlgeleiteten Männlichkeitswahn der vergangenen Nacht erinnert.
Für die vielen Amerikaner, die sich keinen Zahnarztbesuch leisten können, ist das gar nicht zum Lachen. Vor zwei Jahren hat ein zwölfjähriger Junge namens Deamonte Driver, der in der Nähe von Washington, D.C., lebte, Schlagzeilen gemacht. Der Junge starb, nachdem eine nicht behandelte eiternde Zahninfektion sich bis ins Gehirn ausgebreitet hatte. Seine Geschichte ist kein Einzelfall.
Im Wahlkampf hat der Präsidentschaftskandidat Barack Obama versprochen, diesen Horrorgeschichten durch eine nationale Gesundheitsreform ein Ende zu machen. Der Präsident Obama muss jetzt, wie viele seiner Amtsvorgänger auch, feststellen, dass der Versuch, das Gesundheitswesen zu reformieren, dem Umgang mit einem Immunsystem ähnelt, das eine dringend benötigtes Spenderorgan abstößt. Obama hat dem Kongress zwar Vorgaben für die Reform gemacht, ihn dann aber doch eher dazu aufgefordert, einen eigenen Gesetzesvorschlag auszuarbeiten, statt zu versuchen, seine Pläne umzusetzen.
Während die Demokraten im Kongress noch über den angemessenen Plan streiten, nutzt die republikanische Rechte die Gunst der Stunde, um jeden Reformversuch – und Obamas Präsidentschaft am besten gleich mit – zu Fall zu bringen. Ein Gesetz zu verabschieden ist inzwischen nicht mehr bloß eine Abstimmung über das Thema Gesundheit, sondern über Obamas Versprechen, Amerika zu verändern. Die Republikaner glauben, dass, wenn es ihnen gelingen sollte, Obama auf dem Feld der Gesundheitspolitik zu stoppen, sie ihn auch auf jedem anderen Gebiet aufhalten können. Die Kämpfe um die Gesundheitsreform münden in einen Bürgerkrieg, in dem es um die nationale Identität der Amerikaner geht. Die Konservativen behaupten, dass öffentliche Gesundheitsfürsorge nichts für echte Kerle, sondern etwas für europäische Weicheier sei.
Der konservative Standpunkt beruht auf dem Gründungsmythos des American exceptionalism. So wie der Siedlungspionier im 19. Jahrhundert ganz auf sich allein gestellt gen Westen gezogen sei, um die Weite des Landes zu erobern, kämen die Amerikaner von heute bestens alleine zurecht, ohne jemals fürchten zu müssen, die Verfügungsgewalt über den eigenen Körper an eine übermächtige Regierung zu verlieren. Warum sollten sie einem Kommissar, der in einem Büro in Washington herumsitzt, erlauben, sie zum Abspecken oder zur Verringerung ihres Cholesterinspiegels zu zwingen? In der freien Marktwirtschaft sollte jeder jederzeit das kaufen können, wonach ihm der Sinn stehe. Wenn jemand Schiffbruch erleide, könne er immer wieder aus der Versenkung auftauchen und von vorne anfangen. So ist es den Rechten gelungen, jede Form der öffentlichen Versicherung als Weg in die europäische Verdammnis zu brandmarken – Sozialismus, Misswirtschaft und eine ganze Reihe anderer vage definierter Schrecken.
Mit anderen Worten: Die Geschichte ist nicht auf Obamas Seite. Ganz im Gegenteil. Theodore Roosevelt, einer der mannhaftesten Amerikaner, der je gelebt hat, zog im Jahre 1912 mit dem Thema Gesundheitsvorsorge in den Wahlkampf. Seine Vorschläge verpufften im Nichts, nachdem Geschäftsleute seine Ideen als unamerikanisch gebrandmarkt hatten. Harry Truman hatte mit denselben Problemen zu kämpfen, als die American Medical Association die Idee einer »verstaatlichten« Medizin verunglimpfte. Genauso erging es Bill Clinton, als er im Jahr 1993 eine Gesundheitsreform anging. Er musste mitansehen, wie Konservative, Ärzte und Krankenhäuser seinen Vorstoß mithilfe einer gigantischen Anzeigenkampagne zu Fall brachten, die das Gespenst einer bolschewistischen Regierung auferstehen ließ.
Zur besseren Ernährung legt Michelle Obama einen Gemüsegarten an
Die Auswirkungen des Nichtstuns sind allerdings katastrophal. Obama stellte im März fest: »Es sind die explodierenden Ausgaben für die Gesundheitsfürsorge, die die mit Abstand größte Bedrohung für unseren nationalen Haushalt darstellen. « Das amerikanische Gesundheitssystem ähnelt General Motors – aufgebläht und ineffizient. Die Ausgaben für den Gesundheitssektor sollen im Jahr 2017 4,3 Billionen Dollar oder 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschlingen. 2004 waren es 2,4 Billionen Dollar.
- Datum 31.07.2009 - 15:24 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.07.2009 Nr. 32
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... laesst sich prima durch:
tapfer, beherzt, draufgängerisch, mutig, furchtlos, heldenhaft, heldenmütig, kühn, kämpferisch, todesmutig, tollkühn, unbeugsam, unerschrocken, unverzagt u.a. ersetzen.
All diese Eigenschaften, sollten sie im Einzelfall erstrebenswert sein, kann auch eine Frau innehaben.
Ansonsten denke ich immer öfter, sehr viele Amerikaner sind wirklich irre, wobei ich mich damit auf das Niveau von Jonah Goldberg begebe, fast. ...
Die Rate der Darmkrebserkrankungen bei 24-29 jährigen Amerikanern steigt/ist signifikant gewachsen: http://www.focus.de/gesun...
Aber "mannhaft" und ohne jede europäische Weichei-Manier werden wir auch diesen Unheils mit neuster Technik und ohne jegliche Risikoscheu habhaft werden ... schließlich haben wir ja bereits das Internet "erfunden" ...
im Interesse der Welt?
Ueberfettete Männer sind als Soldaten unbrauchbar und könnten den Expansionsdrang und den Hang zum Regime Change endlich stoppen.
dass es in den USA immer noch Leute zu geben scheint, die meinen ein Scheitern der Präsidentschaft Obamas könne ihnen persönlich irgendwie nutzen.
lieber Quarax, dem muß ich deutlich widersprechen. Vom texanischen Marionettenpräsidenten haben Tausende profitiert, die sich aufgrund neokonservativer Gesetzgebung hemmungslos an der Gesellschaft bereichern konnten. Für sie wäre das Scheitern Obamas der größte Triumph...
lieber Quarax, dem muß ich deutlich widersprechen. Vom texanischen Marionettenpräsidenten haben Tausende profitiert, die sich aufgrund neokonservativer Gesetzgebung hemmungslos an der Gesellschaft bereichern konnten. Für sie wäre das Scheitern Obamas der größte Triumph...
wozu die ´ne krankenversicherung brauchen ?
wie aus e.r. hinlänglich bekannt, wartet man ohne kv, bis die krankheit
nicht mehr zu übersehen ist - und schleppt sich dann in die notaufnahme,
wo einen dann schlaue sprößlinge der wasp-elite, aufopferungsvolle paramedics
und der dissozial persönlichkeitsgestörte chefarzt behandeln müssen.
auch finde ich den hochmut der europäer immer lustig. us-teens sahen schon 1994
so aus (fitnessverrückt, perfekt körperenthaart, etc...), wie europäerinnen erst 10 jahre später, was letztere aber nicht davon abhält, sich so zu benehmen, als hätten sie es erfunden etc...
lieber Quarax, dem muß ich deutlich widersprechen. Vom texanischen Marionettenpräsidenten haben Tausende profitiert, die sich aufgrund neokonservativer Gesetzgebung hemmungslos an der Gesellschaft bereichern konnten. Für sie wäre das Scheitern Obamas der größte Triumph...
das schafft man nicht mit krankenversicherten Weicheiern. Die amerikanischen Konservativen wissen das.
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