Arcandor-Pleite

Mitarbeiter Middelhoff

Karstadt-Erbin Schickedanz fürchtet die Armut. Ihr früherer Angestellter Middelhoff aber gehört weiter zu den Superreichen

Thomas Middelhoff während der Präsentation des Arcandor-Jahresergebnisses 2008

Thomas Middelhoff während der Präsentation des Arcandor-Jahresergebnisses 2008

Madeleine Schickedanz, die Eigentümerin des insolventen Karstadt-Konzerns, hat kürzlich Verarmungsängste bekannt. Dafür ist sie mit Häme überzogen worden, obwohl ihr Beispiel doch daran erinnert, dass Unternehmer wirklich etwas riskieren, manchmal sogar ihr Hab und Gut.

Das unterscheidet sie von ihren angestellten Managern, von denen Madeleine Schickedanz in den letzten Jahren vor dem Ruin ein besonders prächtiges Exemplar an Land gezogen hatte. Gegen diesen Thomas Middelhoff ermittelt inzwischen die Bochumer Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue. Der akribischen Recherche des Spiegels verdanken wir nun auch die Erkenntnis, dass der Angestellte Middelhoff, anders als seine frühere Chefin, selbst nach seinem Flop bei Karstadt in der Topliga der Superreichen mitspielt. Er ist offenbar Besitzer eines Anwesens bei Saint-Tropez, wie es sich Milliardäre gern leisten, sowie einer 33 Meter langen Jacht mit einem Spritverbrauch von 1000 Litern pro Stunde.

Ein mit dem Fall Schickedanz vergleichbarer Aufschrei ist bislang ausgeblieben. Kann es sein, dass uns, dem Millionenheer der abhängig Beschäftigten, ein kleiner Freudscher die Sprache verschlagen hat? Es wäre zugegebenermaßen ein ziemlich schäbiges Gefühl der Genugtuung: die Rache des Angestellten gegenüber den Eigentümern. Und dazu ein Hoffnungsschimmer in Zeiten der Angst: Wenn Middelhoff dem Untergang in einer Jacht entkommt, dann wartet vielleicht auch auf uns irgendwo noch ein Rettungsboot.

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Leser-Kommentare

  1. Ein etwas schmaler Beitrag von Herrn di Lorenzo. Was er beschreibt, ist der übliche Gang: Erben, die keine Ahnung und auch kein Interesse haben von dem Geschäft oder dem Vermögen, das sie ererbt haben-und dazu gehört Frau Schickedanz mit samt ihren Angetrauten - werden von den sogenannten Verwaltern - seien sie angestellt oder provisionpflichtige Verwalter des Vermögens,wie die Oppenheimbank - nach und nach ausgenommen. Merken tuns diese Erben erst, wenn nichts mehr da ist. Nur wenigen gelingt es über Generationen das Geld zusammenzuhalten. Fürst Johannes von Thurn und Taxis wird die Äußerung zugeschrieben: so ein Vermögen wie das der T&T kann man nicht versaufen und nicht verhuren-das kann man nur verdummen. Er war auch mal nahe dran und hat das Ruder rechtzeitig herumgerissen, indem er alle diese
    teuer bezahlten Angestellten von heute auf morgen vor die Tür gesetzt hat. Lamentieren soll Frau Schickedanz deshalb über ihre eigene Dummheit.

  2. .. durch den Chefredakteur der Zeit möchte ich mich eigentlich wehren.
    Die Middendorps auf der einen - wir auf der anderen Seite.
    So schlimm wirds für Herrn di Lorenzo schon nicht werden...

  3. ... wiesen diesen über den Managerverbrecher M. immer an einen Leitartikel im "Guardian" denken, dessen Verfasser vor einigen Wochen forderte, die abgeschlagenen Köpfe der für die Finanzkrise Verantwortlichen und der daran Verdienenden auf Pfählen vor dem Parlament auzustellen?

  4. Schaut man sich die vielfältigen Bemühungen des Middelhoff in Sachen Eigenversorgung an wie z.B das Rabattmarkenfeilschen um Töchterchens Auto so kann man als " normaler" Bürger nur feststellen: Was für ein entsetzlich armes Würstchen ist der Mann. Nur auf Tand fixiert und nie auf ehrliche Arbeit.

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    "Niemand ist reich, der das, was er hat, nicht von der Erde mit fortnehmen kann."

  5. "Niemand ist reich, der das, was er hat, nicht von der Erde mit fortnehmen kann."

    Antwort auf "Armes Würstchen"
  6. ... denn der Superstar und Erneuerer der Firmenwelt hat eine ganz schön blutige Spur, Bertelsmanns Buchsparte verkauft, Totalveränderungen und nicht erfüllte Ansprüche bei Arcandor, und das für ein Rieseneinkommen? Da sollten sich mal die Eigentümer an der Nase fassen, welche Schimären sich da auftun...
    http://kallewestrich.blog...

  7. hat das Quelle-Symbol "Q" einfach wörtlich genommen.
    Die Quelle-Mitarbeiter erklärten das Q mit: Meine Hand in deiner Tasche!

    Im übrigen ist Herr Middelhoff ein typisches Beispiel für unserer Eliten.

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  • Von Giovanni di Lorenzo
  • Datum 29.7.2009 - 15:13 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 30.07.2009 Nr. 32
  • Kommentare 7
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  • Schlagworte Unternehmen | Management | Reichtum
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