Sie können ihm nichts anhaben, nicht an diesem Tag, nicht mit solch einem Erfolg im Rücken. Am Dienstagmorgen hat Josef Ackermann den Aufsichtsräten der Deutschen Bank den Quartalsgewinn präsentiert, 1,3 Milliarden Euro, doppelt so viel wie noch im Vorjahr. Vor allem im Investmentbanking, im Geschäft mit Aktien und Anleihen, hat die Bank Geld verdient. Investmentbanking – das ist die große Leidenschaft Ackermanns, dafür hat er gekämpft. Seine Kapitalmarktspezialisten haben die Bilanz der Deutschen Bank gerettet, die ansonsten düster aussieht.

Am Dienstagnachmittag sagt Ackermann vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Beinahe-Pleite der Hypo Real Estate (HRE) aus. Welche Rolle spielte die Deutsche Bank bei der Rettung der HRE? Was geschah genau, als Regierung und Finanzindustrie Ende September 2008 um die HRE rangen? Und was besprach Ackermann in einem nächtlichen Telefonat mit der Kanzlerin?

Der Bankchef antwortet auf die Fragen der Parlamentarier ganz ruhig, sehr gelassen. Er füllt den Sitzungssaal mit Selbstbewusstsein. Nur am Anfang seiner Aussage patzt er kurz: Als Ackermann seine Meldeadresse nennen soll, muss er sie von der eigenen Visitenkarte ablesen.

Ackermanns starker Auftritt hat etwas Irreales. Formal geht es an diesem Tag zwar um ihn und die Rettungstage im Herbst. Tatsächlich aber steht unausgesprochen eine andere, viel größere Frage im Raum: Wie kann es sein, dass die ersten Banken schon wieder Milliardengewinne machen – während der Staat der Finanzwelt mit Milliarden aushelfen musste und auf Jahrzehnte hinaus hochverschuldet sein wird?

Bei einer Pleite wären 30 Milliarden Euro unmittelbar verloren gegangen

Es ist die Frage, die viele Bürger beschäftigt und die die Regierung nicht beantwortet. Hätten die obersten Krisenmanager der Koalition – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) – bei der Rettung der HRE anders handeln müssen? Lässt sich der Staat von den Banken über den Tisch ziehen?

Im Kern geht es um die dramatischen Wochen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008. Die HRE braucht Geld, verhandelt mit privaten Banken über Kapitalhilfen, scheitert aber. Tagelang prüfen die Deutsche Bank und der private Bankenverband die HRE. Noch am 25. September sagt Peer Steinbrück im Bundestag, dass die Finanzmarktkrise "vor allem ein amerikanisches Problem" sei. Ein Rettungsprogramm für Banken sei in Deutschland "weder notwendig noch sinnvoll". Da steht die HRE schon vor dem Aus.

Rund um die Uhr ringen die Bundesbank, die Finanzaufsicht BaFin und die privaten Banken um die Rettung der HRE. Erst am frühen Abend des 28. September stößt der zuständige Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen dazu. In derselben Nacht – die Aufsicht bereitet da schon die Schließung der Bank vor – telefoniert Ackermann mit der Kanzlerin. Regierung und Finanzindustrie stützen die HRE mit Krediten und Garantien in Höhe von 35 Milliarden Euro, der Großteil kommt vom Staat.