Merkel als Comic Nette Witze

Angela Merkels Karriere als Comic, aber nicht zu böse erzählt

In keinem anderen Land wird das Establishment von der Satire so brutal gezaust wie in England. Die gesamte Königsfamilie gibt es in vielen Varianten, unter anderem in einer Art royalen Muppets-Show als Lachnummer; in dem tiefschwarzen Roman Downing Street 10 machte die englische Autorin Sue Townsend vor ein paar Jahren aus Tony Blair eine hysterische Tunte. Während im Irak der Krieg tobt, im eigenen Land die Mittelschicht ins Prekariat rutscht, stöbert der Premier im Kleiderschrank der Gattin, wiehert vor Vergnügen, das Pinkeln im Sitzen zu erlernen, und lässt sämtliche Regierungsgeschäfte schleifen, weil er etwas Schöneres entdeckt hat: unter einer Altweiberperücke, mit Kostüm und Pumps, unerkannt durch London zu wackeln.

Und jetzt stellen wir uns vor, es hätte eine solche Romansatire in Deutschland gegeben, mit Gerhard Schröder als Hauptfigur. Eine Satire, in der sich Gerd bei den Schlüpfern von Doris bedient und, da ihm diese einfach nicht passen, nun Joschka Fischer anruft, um mit ihm sein Wäscheproblem zu diskutieren. Abgesehen von dem Geschrei, das dieses Buch ausgelöst hätte – wenn es überhaupt veröffentlicht worden wäre –, ob man wirklich darüber gelacht hätte, ist die Frage.

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Satirische Bösartigkeit funktioniert nur, wenn sie einen Nerv trifft, der entsprechend abgehärtet ist. Der deutsche Satire-Nerv zuckt schnell zurück. Das richtig Böse bekommt ihm nicht, die gewagten Scherze der Frankfurter Titanic, die in diesen Tagen 30. Geburtstag hatte, sind das Äußerste, was sich die deutsche Seele bieten lässt. Allerdings hatte es die Titanic über Jahre hinweg mit dem satirischen Glücksfall Helmut Kohl zu tun.

Insofern ist es verständlich, dass die Comicgeschichte von Miriam Hollstein und Heiko Sakurai, Miss Tschörmenie. Wie aus Angie unsere Kanzlerin wurde, doch ziemlich lieb daherkommt. Nicht tiefschwarz, sondern anthrazitfarben. Nicht richtig gemein, sondern eher genüsslich. Nicht zum Schreien komisch, sondern ganz witzig. Zum Schmunzeln eben. Aber die Deutschen schmunzeln ja auch gern.

Die Ausgangsidee ist nicht schlecht: Am Nachmittag der Bundestagswahl 2009 sitzt Gerhard Schröder in einer Bar in Berlin-Mitte, vor sich Rotwein, neben sich einen Fernseher, wartet auf die ersten Wahlprognosen und auf einen guten alten Bekannten aus der bayerischen Landeshauptstadt, auf Edi Stoiber. Im Großen und Ganzen einander sehr fremd, eint die Politveteranen eine Sehnsucht: Angie abtreten zu sehen. Obwohl sie lange Zeit dazu gehabt hätten, sind sie noch immer nicht in der Lage, zu begreifen, wie es dazu kommen konnte, dass das Pfarrersmädel aus dem Osten in Berlin im Bundeskanzleramt sitzt. Deshalb rekapitulieren sie nun Etappe für Etappe Angies Geschichte. Und an ebendiese hält sich in historischer Treue die Comicerzählung.

Natürlich sind die Sprechblasen mit saloppen Sprüchen gefüllt. Aber zwischen salopp und ätzend besteht in der Satire ein beträchtlicher Aggressionsunterschied. Nun gut: Es ist ein Büchlein, das sich jedem CDU-Wähler getrost zum Geburtstag schenken lässt.

 
Leser-Kommentare
  1. weil jemand die Dreistigkeit hate, auf den Gleichklang der Farbe ihrer Parteisymbole und des Kopfes ihres Großen Vorsitzenden hinzuweisen... Stehen jetzt die hessichen CDU-Mitglieder in Mahnwachen vor dem Eichborn-Verlag herum?

  2. Satire hat in Deutschland, wo Politik grundsätzlich eher zum Weinen als zum Lachen ist ohnehin wenig Chancen. Hinzu kommt, dass angesichts des Übermasses an unfreiwilliger Komik, mit denen deutsche Politiker im allgemeinen gesegnet sind, jeglicher Versuch einer Parodie schon im Keim erstickt wird. Eíne Figur wie Norbert Blüm sieht bereits im Naturzustand aus wie ein Prototyp der Karnevalsproduktion der Frankensteinwerke. Wie soll man so etwas noch parodieren?

    Erschwerend kommt hinzu, dass ein nach wie vor signifikant hoher Anteil der Deutschen das Untertanengen in sich trägt. Dieses verhindert im Falle der Majestätsbeleidigung jegliche Aktivität der Gesichtsmuskulatur, bzw. hindert das Gehirn daran, die Pointen von Witzen zu finden. Darüber hinaus fördert es die Errichtung von Parteien, Jägerzäunen und Rechtsstreitigkeiten mit Nachbarn. Was man dagegen tun kann? Neben dem Hoffen auf natürliches Ableben der Träger hat sich das gelegentliche Enthaupten von Staatsoberhäuptern wie in England bereits im 17 Jhdt erfolgreich praktiziert, zur Unterdrückung der Nebenwirkungen bestens bewährt.

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    Sie sind von dieser Stimmung "...grundsätzlich eher zum Weinen als zum Lachen..." aber auch schon angesteckt, finden Sie nicht;-). Was ist denn so schlimm an einer "Karnevalsproduktion der Frankensteinwerke"? (Was mich daran erinnert: Kein Mensch findet den deutschen Karneval lustig - außer den Deutschen. Sollen wir jetzt aufhören, weil der Rest der Welt mit dieser Art Humor nichts anfangen kann?) Lieber ein paar harmlose, aber ehrlich gemeinte Scherze, als ein gebrülltes "Heute gehört uns Deutschland, und morgen..."

    • Isaidy
    • 04.08.2009 um 16:22 Uhr

    satirisch ist in Deutschland in der Tat nicht viel los, weil es offensichtlich an dem Erkennen von Pointen mangelt bzw. diese aus unverständlichen Gründen zunächst immer erstmal als Aufreger gelten. Im Grunde genommen fängt das schon bei den Werbespots im Fernsehen an. Wenn wir Besuch aus Skandinavien haben, dann fragen die jedes Mal, ob es in Deutschland nur junge, weißzähnig strahlende Ehepaare mit je einem Jungen und einem Mädchen gibt, die von den Werbespots angesprochen werden sollen, weil fast alle Spots genau aus dieser Kombination bestehen und für alles herhalten müssen, was der Haushalt so zu bieten hat, von der Leberwurst bis zum Raumspray. Es gibt nichts Drögeres als deutsche Werbung, und die wird ja offensichtlich nach dem Geschmack des deutschen Ottonormalverbraucher konzipiert. Wie sagt man: die Nachfrage bestimmt das Angebot. Mit Provokantem, Satirischem oder Hintergründigem werden hierzulange bestenfalls Rechtsstreits ausgelöst, weil sich irgendjemand auf den Schlips getreten fühlt. Es kommt nicht von ungefähr, das "der Deutsche" im Ausland als fleißig, pünktlich, korrekt aber hoffnungslos humorfrei wahrgenommen wird.

    Sie sind von dieser Stimmung "...grundsätzlich eher zum Weinen als zum Lachen..." aber auch schon angesteckt, finden Sie nicht;-). Was ist denn so schlimm an einer "Karnevalsproduktion der Frankensteinwerke"? (Was mich daran erinnert: Kein Mensch findet den deutschen Karneval lustig - außer den Deutschen. Sollen wir jetzt aufhören, weil der Rest der Welt mit dieser Art Humor nichts anfangen kann?) Lieber ein paar harmlose, aber ehrlich gemeinte Scherze, als ein gebrülltes "Heute gehört uns Deutschland, und morgen..."

    • Isaidy
    • 04.08.2009 um 16:22 Uhr

    satirisch ist in Deutschland in der Tat nicht viel los, weil es offensichtlich an dem Erkennen von Pointen mangelt bzw. diese aus unverständlichen Gründen zunächst immer erstmal als Aufreger gelten. Im Grunde genommen fängt das schon bei den Werbespots im Fernsehen an. Wenn wir Besuch aus Skandinavien haben, dann fragen die jedes Mal, ob es in Deutschland nur junge, weißzähnig strahlende Ehepaare mit je einem Jungen und einem Mädchen gibt, die von den Werbespots angesprochen werden sollen, weil fast alle Spots genau aus dieser Kombination bestehen und für alles herhalten müssen, was der Haushalt so zu bieten hat, von der Leberwurst bis zum Raumspray. Es gibt nichts Drögeres als deutsche Werbung, und die wird ja offensichtlich nach dem Geschmack des deutschen Ottonormalverbraucher konzipiert. Wie sagt man: die Nachfrage bestimmt das Angebot. Mit Provokantem, Satirischem oder Hintergründigem werden hierzulange bestenfalls Rechtsstreits ausgelöst, weil sich irgendjemand auf den Schlips getreten fühlt. Es kommt nicht von ungefähr, das "der Deutsche" im Ausland als fleißig, pünktlich, korrekt aber hoffnungslos humorfrei wahrgenommen wird.

  3. 3. Hm.

    Sie sind von dieser Stimmung "...grundsätzlich eher zum Weinen als zum Lachen..." aber auch schon angesteckt, finden Sie nicht;-). Was ist denn so schlimm an einer "Karnevalsproduktion der Frankensteinwerke"? (Was mich daran erinnert: Kein Mensch findet den deutschen Karneval lustig - außer den Deutschen. Sollen wir jetzt aufhören, weil der Rest der Welt mit dieser Art Humor nichts anfangen kann?) Lieber ein paar harmlose, aber ehrlich gemeinte Scherze, als ein gebrülltes "Heute gehört uns Deutschland, und morgen..."

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    Nein, das mir von Natur aus inhärente Mass an Bosheit hat mich gegen derlei Unbill immunisiert :-))

    Der Karneval und die Frankensteinwerke stören mich nicht wirklich. Jedes Völkchen hat so seine Befindlichkeiten. Die Briten halten sich z.b. Royals. Die sind letztlich genauso unterhaltsam wie eine Büttenrede, kosten aber den Steuerzahler wesentlich mehr. Trotzdem sollte man sich hüten, als Ausländer drüber zu lästern, wenn man nicht geteert und gefedert werden will!

    Ich finde nur, ein mehr an (intelligenter) Bosheit im Umgang mit der selbstgerechten und reichlich dumpfbackigen Art, die deutsche Politiker auszeichnet, kann nicht schaden. Ansonsten sind es gerade die obskuren Eigenheiten diverser Völkerschaften, die diese unterhaltsam gestalten. Das gute an Leuten über die man lästern muss ist, dass man etwas hat, worüber man lästern kann. Vom politischen Armheben sehe ich die Deutschen meilenweit entfernt, aber hier sehen die Deutschen sich selbst wahrscheinlich weitaus kritischer als der Rest der Welt es je tun würde.....

    Nein, das mir von Natur aus inhärente Mass an Bosheit hat mich gegen derlei Unbill immunisiert :-))

    Der Karneval und die Frankensteinwerke stören mich nicht wirklich. Jedes Völkchen hat so seine Befindlichkeiten. Die Briten halten sich z.b. Royals. Die sind letztlich genauso unterhaltsam wie eine Büttenrede, kosten aber den Steuerzahler wesentlich mehr. Trotzdem sollte man sich hüten, als Ausländer drüber zu lästern, wenn man nicht geteert und gefedert werden will!

    Ich finde nur, ein mehr an (intelligenter) Bosheit im Umgang mit der selbstgerechten und reichlich dumpfbackigen Art, die deutsche Politiker auszeichnet, kann nicht schaden. Ansonsten sind es gerade die obskuren Eigenheiten diverser Völkerschaften, die diese unterhaltsam gestalten. Das gute an Leuten über die man lästern muss ist, dass man etwas hat, worüber man lästern kann. Vom politischen Armheben sehe ich die Deutschen meilenweit entfernt, aber hier sehen die Deutschen sich selbst wahrscheinlich weitaus kritischer als der Rest der Welt es je tun würde.....

    • Isaidy
    • 04.08.2009 um 16:22 Uhr

    satirisch ist in Deutschland in der Tat nicht viel los, weil es offensichtlich an dem Erkennen von Pointen mangelt bzw. diese aus unverständlichen Gründen zunächst immer erstmal als Aufreger gelten. Im Grunde genommen fängt das schon bei den Werbespots im Fernsehen an. Wenn wir Besuch aus Skandinavien haben, dann fragen die jedes Mal, ob es in Deutschland nur junge, weißzähnig strahlende Ehepaare mit je einem Jungen und einem Mädchen gibt, die von den Werbespots angesprochen werden sollen, weil fast alle Spots genau aus dieser Kombination bestehen und für alles herhalten müssen, was der Haushalt so zu bieten hat, von der Leberwurst bis zum Raumspray. Es gibt nichts Drögeres als deutsche Werbung, und die wird ja offensichtlich nach dem Geschmack des deutschen Ottonormalverbraucher konzipiert. Wie sagt man: die Nachfrage bestimmt das Angebot. Mit Provokantem, Satirischem oder Hintergründigem werden hierzulange bestenfalls Rechtsstreits ausgelöst, weil sich irgendjemand auf den Schlips getreten fühlt. Es kommt nicht von ungefähr, das "der Deutsche" im Ausland als fleißig, pünktlich, korrekt aber hoffnungslos humorfrei wahrgenommen wird.

    • Nimzo
    • 04.08.2009 um 16:28 Uhr

    Ein Comic oder eine Muppets-Show über unsere Politiker muss nicht sein. Wieso auch?

    Mr. Vollbeschäftigung parodiert stimmenmäßig Gerhard Schröder und imitiert die Gestiken von Merkel. Und an Isch-Ypsilanti (u.a. mit dem Telefonat) kommt selbst Dieter Hallervorden nicht dran. Ebenso Herr Glos mit seinem Bühnenstück als Bundeswirtschaftsminister *lol* Oder die Herrn Müntefering und Stoiber, die nach jeder Veranstaltung multiple Wahlsiege für sich beanspruchten.

    Ausserdem würden die Comics ohnehin von den Leyendarstellern verboten und untersagt werden. Jugendliche könnten das sehen und zu Nachahmungstätern werden.....

  4. Nein, das mir von Natur aus inhärente Mass an Bosheit hat mich gegen derlei Unbill immunisiert :-))

    Der Karneval und die Frankensteinwerke stören mich nicht wirklich. Jedes Völkchen hat so seine Befindlichkeiten. Die Briten halten sich z.b. Royals. Die sind letztlich genauso unterhaltsam wie eine Büttenrede, kosten aber den Steuerzahler wesentlich mehr. Trotzdem sollte man sich hüten, als Ausländer drüber zu lästern, wenn man nicht geteert und gefedert werden will!

    Ich finde nur, ein mehr an (intelligenter) Bosheit im Umgang mit der selbstgerechten und reichlich dumpfbackigen Art, die deutsche Politiker auszeichnet, kann nicht schaden. Ansonsten sind es gerade die obskuren Eigenheiten diverser Völkerschaften, die diese unterhaltsam gestalten. Das gute an Leuten über die man lästern muss ist, dass man etwas hat, worüber man lästern kann. Vom politischen Armheben sehe ich die Deutschen meilenweit entfernt, aber hier sehen die Deutschen sich selbst wahrscheinlich weitaus kritischer als der Rest der Welt es je tun würde.....

    Antwort auf "Hm."
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    Nagel auf den Kopf getroffen.;)

    hätte ich Ihnen wohl sofort und bedenkenlos zugestimmt. Je älter und weiser (Vorsicht! Selbstironie!) ich werde, desto mehr neige ich jedoch zu der Auffassung von Dietrich Bonhoeffer, der über derlei Dinge einmal gesagt hat:

    "Es ist der Zyniker, der, unter dem Deckmantel, jederzeit und überall rücksichtslos 'die Wahrheit zu sagen', nur ein fahles, totes Götzenbild der Wahrheit zur Schau stellt."

    Nagel auf den Kopf getroffen.;)

    hätte ich Ihnen wohl sofort und bedenkenlos zugestimmt. Je älter und weiser (Vorsicht! Selbstironie!) ich werde, desto mehr neige ich jedoch zu der Auffassung von Dietrich Bonhoeffer, der über derlei Dinge einmal gesagt hat:

    "Es ist der Zyniker, der, unter dem Deckmantel, jederzeit und überall rücksichtslos 'die Wahrheit zu sagen', nur ein fahles, totes Götzenbild der Wahrheit zur Schau stellt."

  5. Wir haben nicht genug bissige Satire! ...? Warum eigentlich nicht? Ich vermute, weil das reale Leben schon Satire genug ist:

    http://www.youtube.com/wa...

    Frdl. Gruß
    Pf.

  6. Nagel auf den Kopf getroffen.;)

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