Kunststreit in Paris Alles so schick hierSeite 2/2
In der Öffentlichkeit angekommen ist freilich nur Fumarolis Verachtung für die Stars der Gegenwart. Der konservative Figaro gab unlängst einem anderen Académien viel Platz, Fumarolis Buch zu loben. Wenig später durfte sich auch der angesehene Kultursoziologe Jean-Louis Harouel über eine Eloge im gleichen Blatt freuen. Dessen Büchlein La grande falsification ließe sich, wäre es nicht ernst gemeint, als Parodie auf Paris–New York et retour verstehen. Anders als Fumaroli datiert Harouel den Beginn der Selbstzerstörung der Kunst nicht auf die berühmten eine Treppe herabsteigenden Nackten von Duchamp, sondern schon auf die Demoiselles d’Avignon von Picasso.
Jean-Louis Harouel empfiehlt die Rückkehr zum Schönen
Harouels Theorie in Stichworten: Als die Fotografie die realistisch malenden Künstler attackierte, gingen diese in die Defensive. Erst malten sie absichtlich »falsch«, später dann gar nicht mehr. An die Stelle des Kunstwerks trat der Künstler, die Verherrlichung seiner Sehergabe (gestützt auf »deutsche Philosophie«, über die Harouel offenbar dies und jenes gelesen hat). Tja, und dann kam die CIA, die zum Mäzen der modernen Kunst wurde. Die Rettung? Rückkehr zum Schönen!
Fumaroli für Kluge, Harouel für Dumme, so präsentiert sich derzeit eine Kulturkritik, die Unbehagen und Ressentiment mischt. Das geht teilweise recht weit; ausgerechnet der Weltbürger Fumaroli lässt an mehr als einer Stelle durchblicken, dass ihm multikulturelle Mischungen zuwider sind. Sein schönes, lesenswertes Buch, das die Unkultur, den Zirkus, das Brimborium im Kunstbetrieb entlarvt, ist leider auch anschlussfähig an das reaktionäre Mosern jener, die in der Umordnung nur Unordnung wahrnehmen, im Neuen nur die Relativierung des Alten und in dem, was sie nicht verstehen, nur die Abwesenheit eines Sinns.
Klappen wir das Buch zu, gehen wir in den Louvre. Der Weg führt durch die Glaspyramide von I. M. Pei. Sie wurde einmal von der konservativen Elite geschmäht. Wie zuvor der Eiffelturm. Ob auch die ersten Höhlenmaler ihren Zeitgenossen suspekt waren?
- Datum 31.07.2009 - 10:15 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.07.2009 Nr. 32
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