Tierplage Mensch, MarderSeite 3/3

»Marder reagieren sehr scheu auf Veränderungen ihrer Umgebung. Deshalb entfaltet fast jeder Eingriff zunächst Wirkung«, sagt Wildökologe Sven Herzog. Wer etwa nur einen Besen oder Holzscheit unters Auto schiebt, der versetzt das misstrauische Pelztier in ausgiebiges Sinnieren, ob dies katzengroße Gebilde reglos lauere und gefährlich sei. Meist trollt sich Martes foina. Irgendwann gewinnt jedoch seine Lernfähigkeit. Einst fremde Körper, Gerüche, Licht- oder Lärmquellen verlieren ihren Schrecken, und er folgt seinem Spiel-, Markierungs- und Beißdrang.

Herzog, der häufig in Wildtier-Mensch-Konflikten vermittelt, rät, Mardern den Zugang zum Haus und Auto möglichst zu erschweren und dabei gezielt ihre Macken zu nutzen. »Sie hassen es zum Beispiel, auf wacklige Drahtgitter zu treten.« Ein quadratmetergroßes Stück elastischer Hasendraht unterm Auto schreckt zuverlässig ab, das bestätigen alle Marderkenner. Im Carport kann man den Boden unter dem Motorraum permanent mit einem Billigzaun abdecken. Und so wie der Marder schlummernde Menschen wach lärmt, kann man ihm die Tagesruhe vergällen. »Ob Kindergeschrei, Klassikradio oder Rockmusik am effektivsten wirkt, ist unklar«, sagt Herzog. In der Tat waren bei uns Marder nie auffällig, als noch vier Kinder im Haus herumtobten. Ein altes Radio mit Schaltuhr wird den Part übernehmen.

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Mit einfachen, wirksamen Tricks abschrecken, dafür plädiert auch Karl Kugelschafter. Er hat vor Jahren an der Universität Gießen Luxuslimousinen in Marderkäfige gestellt und studiert, wie die Tiere diese zerbissen – und was sie abhielt. Am besten verwehrt man ihnen den Einstieg. Und wie kann ich nach der Schonzeit Marderlöcher an unserem Hausdach einfach stopfen? »Eine alte Socke genügt«, meint er. Flexible Verschlüsse offeriert auch Volkswagen für den neuen Golf als Marderschutz, dessen Entwicklung Kugelschafter begleitet hat. Wegen der federnden Vorderräder lässt sich der Motorraum nicht völlig starr verkapseln. Die bleibenden Öffnungen verdeckt ein elastischer Vorhang aus Bürstenfäden. »Prinzipiell könnten Marder hindurchschlüpfen, aber sie scheuen davor zurück«, erklärt der Experte.

Sven Herzog warnt jedoch vor der Illusion, ein großes, altes Haus ohne aufwendige Dachsanierung marderdicht zu halten. »In einen attraktiven Unterschlupf kommen sie meist zurück, finden neue Einstiege«, sagt er. Dann kann die Auseinandersetzung dauerhaft werden. In solchen Fällen hält er den Einsatz von Fallen für gerechtfertigt.

Mein Marder hat noch Bewährungsfrist, es ist jetzt ruhig. Den Einbau teurer Elektrozäune, den Autoclubs und Schädlingsbekämpfer empfehlen, lehne ich ab. Ich wohnte jahrelang an der ehemaligen DDR-Grenze, mein Bedarf an Elektrozäunen ist gedeckt. Soll ich den Marder aufwendig vertreiben unter ungeschützte Dächer der Nachbarn?

Falls im Herbst erneut Schäden auftreten, kommt das Kleine Jagdrecht zum Tragen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Ein Marder ist genauso nützlich wie ein Hund. Da wo es Marder gibt halten sich keine Ratten. Ja der Marderpinsel ist immer noch teuer. usw. Trotzdem sollte Deutschland dem Beispiel Österreichs folgen, dort liegt die Abschussquote bei 20 000. Deutschland müsste mehr als 50 000 im Jahr abschiesen.
    Gleichzeitig muss es eine staatliche Förderng geben, heisst Hausbesitzer, die bereit sind mit Marderklappe und Marderklo einen zu halten, sollten eine Förderung in Höhe der Hundesteuer bekommen.

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    ... nur sollte man weiter denken: Man macht sich gemeinhin gar keinen Begriff, was geschütztes Viehzeug für Schaden anrichtet: So gibt es bei uns viel zu viele Reiher und die schon längst angekommene Kormoranplage wird auch noch viel zu wenig thematisiert. Diese Vögel sind in ihrem derzeitigen massiven Auftreten der Todesstoß für alle Bemühungen, unsere Gewässer wieder biologisch zu diversifizieren und am Leben zu arhalten.

    ... nur sollte man weiter denken: Man macht sich gemeinhin gar keinen Begriff, was geschütztes Viehzeug für Schaden anrichtet: So gibt es bei uns viel zu viele Reiher und die schon längst angekommene Kormoranplage wird auch noch viel zu wenig thematisiert. Diese Vögel sind in ihrem derzeitigen massiven Auftreten der Todesstoß für alle Bemühungen, unsere Gewässer wieder biologisch zu diversifizieren und am Leben zu arhalten.

  2. aus meiner Sicht ein sehr schöner Artikel mit viel Humor. Auch, wenn es ein etwas ernsteres Thema ist.

  3. ... dass der ADAC nach zig Jahren endlich mal den Marderverbiss als Thema entdeckt.

    Als bei meinem Suzuki Alto innerhalb der ersten 500 km der Kühlerschlauch zerbissen wurde und damit beinahe der Motor ruiniert gewesen wäre, fragte ich seinerzeit per email beim ADAC an, ob sie, statt das neueste elektronische Feature zu fordern, nicht auch mal eine Bewertung hinsichtlich Marderfestigkeit starten würden. Als Antwort kam eine Standardmail wie man sich mit (idR. weitgehend wirkungslosen) Hausmittelchen angeblich gegen Marder helfen kann. Da hätte ich an die Decke gehen können.

    Marder sind ja kein neues Phänomen in Deutschland, es gibt sie schon immer. Bei einem japanischen Auto kann man da vielleicht noch Nachsehen zeigen, warum allerdings deutsche Autos anfällig sind (wie mir viele Bekannte bestätigten) ist absolut unverständlich. ERST RECHT, warum Marderverbiss an den Motorteilen nicht von der Garantie erfasst wird. Wenn beim ersten Regen der Wagen innen naß ist, fällt das doch auch unter die Garantie, mit Mardern muss man aber doch schliesslich genauso rechnen wie mit Regen, oder nicht? Ein Geschenk an die Werkstätten, auf Kosten der Kunden.

    Nachdem Marderspray überhaupt nichts wirkte und alle anderen Lösungen auch keinen Erfolg garantierten aber Geld gekostet hätten (Piepsgeräte, Gitter unter den Motorraum etc.), hab ich die empfindlichen Schläuche im Motorraum mit Wasserschläuchen aus dem Baumarkt geschützt und fahre nun seit fast 5 Jahren ohne weitere Schäden (trotz gelegentlichen Marderbesuchen).

    Dies zu dem (von Werkstätten verbreiteten) Mythos man könne Autos nicht wirkungsvoll gegen Marder schützen. Es würde materialmässig keine 20 Euro kosten...

    Lasst euch das nicht mehr gefallen und tretet den Autoverkäufern ordentlich auf die Füße und presst ihnen eine Marderverbissgarantie ab! Früher oder später wird das schon Wirkung zeigen.

  4. ... nur sollte man weiter denken: Man macht sich gemeinhin gar keinen Begriff, was geschütztes Viehzeug für Schaden anrichtet: So gibt es bei uns viel zu viele Reiher und die schon längst angekommene Kormoranplage wird auch noch viel zu wenig thematisiert. Diese Vögel sind in ihrem derzeitigen massiven Auftreten der Todesstoß für alle Bemühungen, unsere Gewässer wieder biologisch zu diversifizieren und am Leben zu arhalten.

  5. ein sehr schön verfasster Artikel, der schon erahnen lässt wer hier am längeren Hebel sitzt.Der Marder nämlich verfügt über mehr Mittel seinen Lebensraum so effektiv zu nutzen,als man Ihm zutraut.Wir nehmen ihm oftmals seinen natürlichen Lebensraum und wundern uns warum ein Kulturfolger da wirkt wo er schon immer war!
    Der Mensch kann nur reagieren und ist immer in der Not Lösungen gegen das Marderproblem herbeizuführen.
    Oft wird nur halbherzig gegen den Marder vorgangen und somit kostbare Zeit verschenkt. Im Haus sollte kein Marder länger als nötig sein auskommen finden.Jeder Besuch des Marders hinterlässt erhebliche Schäden an der Isolierung im Dach od. Fassadenbereich.
    Versuche ihn mit Musik,Licht,Vergrämungsmittel...... zu verscheuchen werden langfristig nicht gelingen.Das Dach muss einfach Mardersicher sein, ansonsten kann man sich schon einmal beim örtlichen Dachdecker einen Kostenvoranschlag für eine Sanierung der Dachisolierung einholen.

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  • Quelle DIE ZEIT, 30.07.2009 Nr. 32
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