USA Seltsame Gewächse
Amerikas Patrioten wundern sich über Obamas Freunde

© Win McNamee/Getty Images
Barack Obamas Verbindung zu intellektuellen Kreisen wird von seinen Kritikern misstrauisch beäugt
Für einen amerikanischen Präsidenten hat Barack Obama ungewöhnliche Freunde. Einer hat ihn kürzlich in politische Schwierigkeiten gebracht: der Harvard-Professor Henry L. Gates, der in seinem eigenen Haus von einem Polizisten für einen Einbrecher gehalten und festgenommen worden war, worauf Obama etwas voreilig den Ordnungshüter öffentlich kritisierte.
Gates ist schwarz, ein berühmter Gelehrter für afroamerikanische Studien, der Polizist war weiß – die Brisanz des Vorfalls kam aus der Explosivität der Rassenbeziehungen in den USA. Aber es war noch eine Besonderheit des Präsidenten im Spiel: seine Einbettung in ein linksintellektuelles Sozialmilieu, das durch Obamas politische Karriere gewissermaßen mit ins nationale Scheinwerferlicht gezogen wird und dort einen irritierenden Eindruck macht.
Henry L. Gates ist kein Radikaler, aber doch eine Figur des avantgardistischen Universitätsbetriebs, der sich weitab von Durchschnittsamerika abspielt. Die Republikaner hatten Obama im Präsidentschaftswahlkampf als elitär attackiert, als Snob, der sich über die kleinen Leute mokiere, die sich an ihren Gott und ihr Gewehr klammerten.
Mit der angeblichen Volksfremdheit ließ sich leichter Stimmung machen als mit rassistischen Untertönen, die in der guten politischen Gesellschaft tabu sind. Die Angriffe haben den Wahlsieg des Kandidaten nicht verhindern können. Aber eine Belastung stellt es schon dar, dass immer wieder Obama-Bekanntschaften mit Denkern und Schreibern auftauchen, die einem Massenpublikum schwer zu vermitteln sind.
Der dramatischste Fall war Obamas früherer Pastor Jeremiah Wright, von dem mitten im Wahlkampf hasserfüllte Predigten gegen das weiße Amerika bekannt wurden. Dies war vor allem ein Stück Rassenpolitik: Wright stand für ein aggressives Schwarzsein, von dem sich Obama unbedingt abgrenzen musste, wenn er seine Wahlchancen waren wollte.
Aber etwas »Elitäres« steckte in dem Wright-Problem auch: Die Rücksichtslosigkeit, mit der der Pastor über sein eigenes Land herzog, war typischer Intellektuellenradikalismus – gar nicht so außer der Welt in einem akademischen Milieu, aber für ein patriotisches Normalpublikum vollkommen entgeisternd.
Einen kleineren Skandal gab es um Obamas Kontakt mit Rashid Khalidi – einem palästinensischen Historiker und Politikwissenschaftler, den Obama in seiner Zeit an der Universität Chicago kennengelernt hatte; die Familien Khalidi und Obama freundeten sich an. Khalidi ist ein scharfer Kritiker Israels und der amerikanischen Politik im Nahen und Mittleren Osten.
- Datum 31.07.2009 - 11:52 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.07.2009 Nr. 32
- Kommentare 14
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Vielleicht finden die US-Amerikaner es ja auch gut, einmal einen intelligenten Präsidenten mit guten Kontakten zur kritischen Intelligenz des Landes zu haben. Es ist ja ein (in Deutschland zum Glück fast überwundenes) Problem, daß mit dem Argument des „Patriotismus“ die Leute daran gehindert werden sollen, sich schlaue Gedanken zu machen. (Die Formulierung „intelligenzlerhaft-unamerikanisch“ ist wirklich passend.)
Aber was soll eigentlich an unkritischen oder (rechts-)konservativen Haltungen „patriotisch“ sein? Ist es für die Heimat besser, wenn sie Krieg führt und zuhause die soziale Ungleichheit wächst? Bei den Wahlen jedenfalls hat die Mehrheit der US-Amerikaner das nicht so gesehen.
gewesen, die so genannten Patrioten in Anführungszeichen zu setzen.
Alles andere muß als Unterstützung für einen mehr als zweifelhaften politischen Kampfbegriff begriffen werden.
Man merkt die Absicht und man ist verstimmt.
gewesen, die so genannten Patrioten in Anführungszeichen zu setzen.
Alles andere muß als Unterstützung für einen mehr als zweifelhaften politischen Kampfbegriff begriffen werden.
Man merkt die Absicht und man ist verstimmt.
Wer schreibt denn bitte hier den Amerikanern vor, was sie zu denken haben?
Sicherlich ist es richtig, dass die Medien - allen voran Fox News aber schliesslich auch die New York Times - den Mainstream mit allem Nachdruck in die rechte Ecke getrieben haben.
Und auch heute noch gilt als unpatriotisch, wer nicht die Folter befürwortet bzw. Folterer bestraft sehen möchte.
Bedeutet dies nun, dass man einem solchen fragwürdigen Mainstream folgen muss, weil man sonst "ein Problem bekommt", wie der Autor hier erklärt ?
Dass sich weder Demokraten noch Republikaner solche Abweichungen leisten könnten und dürften, ist falsch. Es gibt bei beiden Parteien Abgeordnete und Senatoren, die sich ganz deutlich neben den Mainstream stellen, wie der Republikaner Ron Paul oder Demokraten, wie Dennis Kucinich, Barbara Boxer, Russ Feingold, der Sozialist Bernie Sanders und diverse andere. Es gibt etliche frühere Anhänger von Ronald Reagan, frühere republikanische Regierungsmitglieder, die die politische Praxis seit dem Machtantritt von Bush als faschistoid charakterisierten
Der Autor dieses Artikels tut dies durchaus nicht - im Gegenteil - sondern agiert selbst als Teil des zunehmend - insbesondere unter der Bush-Ära - mithilfe der großen Medien verlotterten Mainstreams, wenn er - ganz in der Tradition des Großinquisitors Joe McCarthy - die kritische Reflektion als unamerikanisch abtut.
"Barack Obamas Verbindung zu intellektuellen Kreisen"
DAS hätte man W. Bush nun beim besten Willen nicht vorwerfen können...
(Als ich klein war haben unsere Nachbarn haben meine Familie einmal als "Akademiker" beschimpft - ich verstand zwar dass dieser "Vorwurf" eine Beleidigung sein solle, verstand aber nicht was um alles in der Welt daran beleidigend sein sollte...)
Amerikanische Universitäten garantieren Redefreiheit seit Jahrhunderten in einem Maße, wie Deutschland sie nie kannte. Faschisten begegneten hier Maoisten, Kommunisten aus der DDR gastierten zusammen mit Bonner Bundesdeutschen. Hier konnte die Tochter Josef Stalins neben Henry Kissinger auftreten, auch Kerenski und Schuschnigg gaben sich einst an US-Unis ein Stelldichein, von afrikanischen Potentaten oder unserem deutschen Steinewerfer Joschka gar nicht erst zu reden. Selbst Ahmadinadsched erzielte voriges Jahr einen unbeabsichtigten Lacherfolg an der Columbia-Universität.
(entfernt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion / tr.)
Barrack Obamas Kontakte zum linksintellektuellen Milieu werden genau dann zum Problem, wenn Journalisten, wie Jan Ross hier, das zu einem Problem machen. Soweit sie das tun spielen sie eben für den schlichteren Teil der Republikaner.
Ich persönlich begrüße es eher, wenn kein Hurrapatriot an der Macht ist, sondern jemand, der auch hinter die Kulissen schauen kann.
Aber gut. Wenn die Presse es schreibt muss es ja stimmen. Nieder mit den intellektuellen. Sarah Palin ist bestimmt schon in Stellung, wenn in ein paar Jahren die Amerikaner endlich wieder einen an der Macht haben wollen, der so ist wie sie es selbst sind!
Allerdings frage ich mich doch, ob so ein Kurs nicht Amerika schadet d.h. eigentlich der unpatriotischere Weg ist: Wenn ich einen Präsidenten wähle, dann will ich doch gerade nicht, dass er dieselben Schwächen hat wie ich, sondern er soll so gut wie möglich sein.
Das Goebbels-Wort von den "Intelligenzbestien" - unausgesprochen, aber im Raume. Die Denkmuster bestätigen sich immer wieder: Der Konservative ist konservativ, weil er zu feige ist, sich gleich zum Faschismus zu bekennen.
In diesem Lichte ist es dann für jeden rechten Undemokraten natürlich ein Problem, dass der Präsident mit kritischen, frei denkenden Geistern kommuniziert - man weiss ja, was dabei rauskommt...
Nein. Weiss man nicht. Alles was wir - präzise - wissen, ist, was dabei rauskommt, wenn das Volk skrupellosen Dummbatzen aus Österreich oder Georgien folgt. Oder aus Texas.
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Lassen wir Taten folgen:
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Für Freiheit und Demokratie.
Denn etwas besseres als den Tod finden wir überall.
Das Problem der Akademia ist, dass es den Anspruch erhebt die Gesellschaft zu analysieren, und übersieht die Notwendigkeit sich vorher oder gleichzeitig auf die eigene Lauterkeit und Befähigung hin sich selbst zu analysieren.
Allein schon der Umstand, dass ausnahmslos sämtliche je existierenden Ideologien von der Akademia ihren Ausgang genommen haben, um später Ihre verstärkte und vulgarisierte auf die Praxis reduzierte Fassung auf der Strasse zu bekommen, sollte einem Intellektuellen mit Verantwortungsgefühl als Warnung gelten.
Die Welt ist böse. Oder annähernd so. Die Intelektuellen langweilen sich und flechten Variationen des vorhandenen Zustands, die für eine kurze Weile unterhaltsam wirken, jedoch bloß eine zusätzliche Welle dem Wesen der Welt hinzufügen.
Ein verantwortlicher Intellektueller sollte möglichst dort die Welt verändern, wo seine Kompetenzen am besten ausgeprägt sind. Wie wenig Veränderung gibt es ausgerechnet da... :-) Die größten Revolutionäre sind erstaunlicherweise in der Regel nur auf dem Gebiet revolutionär, wo Ihnen dafür der Überblick fehlt.
Der Spott Nietsches galt in erster Linie seinem intelektuellen Leser, den er in seiner erbärmlichen Selbstzufriedenheit verabscheute. Sein Leser warf jedoch die Schlüssel zu dessen Verständnis weg und fand in dessen Kritik einen weiteren Grund zur Stärkung seiner Selbstzufriedenheit...
Ich glaube daher kaum, dass ein skeptischer Blick auf Obama, wirklich unangebracht ist. Einer, der massenweise die gerade gefragten Clichées serviert und nie gegen den Strich redet, ist grundsätzlich suspekt.
"Amerika denkt so nicht"
Es ist erstaunlich, welche Empörung diese einfache Zustandsbeschreibung des Autors bei manchen Kommentatoren hervorruft.
@Die Welt ist böse. Oder annähernd so. Die Intelektuellen langweilen sich und flechten Variationen des vorhandenen Zustands, die für eine kurze Weile unterhaltsam wirken, jedoch bloß eine zusätzliche Welle dem Wesen der Welt hinzufügen.
Ein verantwortlicher Intellektueller sollte möglichst dort die Welt verändern, wo seine Kompetenzen am besten ausgeprägt sind. Wie wenig Veränderung gibt es ausgerechnet da... :-) Die größten Revolutionäre sind erstaunlicherweise in der Regel nur auf dem Gebiet revolutionär, wo Ihnen dafür der Überblick fehlt.
Das Hauptproblem der Intellektuellen im In- wie im Ausland war und ist, daß sie nicht bereit sind, das Verhalten der realen Menschen aus Fleisch und Blut in ihre Theorien zu berücksichtigen. Wenn dann aus genau diesen Gründen die Voraussagen über die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht eintreffen, die auf der Grundlage solcher Theorien gemacht wurden, dann führt das immer noch nicht zur Einsicht, sondern lediglich zur Beschimpfung der Menschheit als solcher, die unwillig und unfähig ist, sich diese höheren Weisheiten zu eigen zu machen.
"Amerika denkt so nicht"
Es ist erstaunlich, welche Empörung diese einfache Zustandsbeschreibung des Autors bei manchen Kommentatoren hervorruft.
@Die Welt ist böse. Oder annähernd so. Die Intelektuellen langweilen sich und flechten Variationen des vorhandenen Zustands, die für eine kurze Weile unterhaltsam wirken, jedoch bloß eine zusätzliche Welle dem Wesen der Welt hinzufügen.
Ein verantwortlicher Intellektueller sollte möglichst dort die Welt verändern, wo seine Kompetenzen am besten ausgeprägt sind. Wie wenig Veränderung gibt es ausgerechnet da... :-) Die größten Revolutionäre sind erstaunlicherweise in der Regel nur auf dem Gebiet revolutionär, wo Ihnen dafür der Überblick fehlt.
Das Hauptproblem der Intellektuellen im In- wie im Ausland war und ist, daß sie nicht bereit sind, das Verhalten der realen Menschen aus Fleisch und Blut in ihre Theorien zu berücksichtigen. Wenn dann aus genau diesen Gründen die Voraussagen über die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht eintreffen, die auf der Grundlage solcher Theorien gemacht wurden, dann führt das immer noch nicht zur Einsicht, sondern lediglich zur Beschimpfung der Menschheit als solcher, die unwillig und unfähig ist, sich diese höheren Weisheiten zu eigen zu machen.
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