Heiratsvermittlung Jeder Mann ein StarSeite 5/5

Joe, der Irakveteran, ist im Bus stolz darauf, dass er alle Kondome aus seiner Minibar verbraucht hat. Er hat zwei Mädchen mit aufs Zimmer genommen, sich, wie er sagt, "ein Handtuch vorgebunden und ihnen Bier serviert". Er hat sie in die Wanne gesteckt und sich dann mit ihnen vergnügt, so lange, bis alle Kondome verbraucht waren. Stolz fügt er hinzu: "Die Mädchen haben gerufen: 'Oh, Joe, du bist Superman.'" Joe schämt sich nicht, er erzählt es lauthals. Er fügt hinzu: "Auf dieser Tour ist jeder ein Rockstar."

David, ein pensionierter Mann aus Chicago, wird mir später erzählen, dass Joe für die Mädchen bezahlt hat. Doch wo hier die Prostitution anfängt und wo sie endet, ist schwer zu sagen. David verabredet sich mit einer Frau, die einen Sohn hat. Sie machen noch ein Date aus, sie erzählt ihm, dass ihr Sohn neue Turnschuhe braucht. David nennt das Prostitution. Man kann es auch anders nennen: Wohltätigkeit, Großzügigkeit, Liebe, Mitleid, Zärtlichkeit oder einfach nur "neue Turnschuhe".

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Der Mann als verhinderter Rockstar, das ist das Bild, das mir von dieser romance tour bleiben wird. Früher oder später wird der Rockstar in jedem Mann geweckt. Das Tier im Käfig, das einen Moment lang herausdarf.

Ich verlasse den social zusammen mit Julia und Olga. Julia ist die Schöne, auf die ich gleich zu Anfang mein Auge hatte fallen lassen. Hier bin auch ich ein verhinderter Rockstar. "Gehen wir zusammen was essen", habe ich gesagt. "Bleiben wir nicht länger hier."

Olga ist zweiundzwanzig und geschieden, Julia ist dreiundzwanzig. Sie spricht voller Lob über Putin und macht sich Sorgen über die russische Kultur, die ihrer Meinung nach in der Ukraine zusehends verschwindet. Julia und Olga führen mich zum Nachtklub Pretoria, doch dort ist kein Platz mehr. Wir gehen woanders hin. Auch essen kann man in Odessa in einem Klub. Das Steak ist nicht besonders, der Wodka dagegen eine Wucht. Olga und Julia bestellen kein Glas, sondern gleich eine Flasche. "Nur Alkoholiker trinken allein", sagt Julia.

Jedes Mal, wenn einer von uns das Glas hebt, müssen die anderen mittrinken und einen Toast aussprechen. Olga und Julia trinken so: In der Linken halten sie das Glas Wodka, in der Rechten ein Glas Sprite oder Orangensaft. Sie trinken nie, ohne an beiden Gläsern zu nippen. Erst ein Schluck Wodka, dann ein Schluck Sprite oder Saft. Vor allem Julia verzieht das Gesicht, wenn sie Wodka hinunterschluckt, doch trotzdem trinkt sie tapfer drauflos. Wir trinken auf das Glück, auf die Liebe, auf Odessa, Wladimir Putin, die russische Kultur und Gogol. Auch meine journalistische Pflicht darf ich nicht vernachlässigen.

"Wie fandet ihr den social?", frage ich. "Das Prinzip der Veranstaltung, meine ich."
"Wir waren da, um zu reden", sagt Olga. "Und wir haben dich kennengelernt, das ist doch cool?"
Bevor ich die nächste Frage stellen kann, um ihre Antwort zu notieren, zischt Olga: "Nie wen allein trinken lassen."

Keinen Moment Ruhe bekommt der rechtschaffene Undercover-Journalist hier.

Olga rollt sich die Bluse ein wenig nach oben, sodass ihr Nabel zum Vorschein kommt. Sie geht tanzen. Julia sagt: "Zum Tanzen habe ich nicht das richtige Kleid an."

Auch ich kann nicht tanzen, aber wenn man zu dritt in anderthalb Stunden eine Flasche Wodka geleert hat, spielen solche Erwägungen keine gewaltige Rolle mehr.

Zu dritt tanzen wir Hand in Hand in einem Nachtklub in Odessa, dessen Name ich schon wieder vergessen habe. Ich tue nichts als meine journalistische Pflicht.

Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten

 
Leser-Kommentare
    • JUKOS
    • 31.07.2009 um 18:44 Uhr

    Wie die Beatles schon in den 60er Jahren gesungen haben:

    "The Ukraine girls make you scream and shout, and Jo Jo is always on your mmm mind! .... Back in the USSR!"

    Das einzige was mich hier nervt ist der bloede Irak-Veteran.

    Sonst habe ich als gebuertiger Ukrainer nicht viel hinzuzufuegen oder auszusetzen!

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    • WNYC
    • 01.08.2009 um 21:37 Uhr

    Was ist Dein Problem mit dem Irakveteran? Er hat schließlich Kondome benutzt und Geld dagelassen. Und in den Irak ist er bestimmt nicht gegangen, weil er einen anderen guten Job hätte finden können.

    • WNYC
    • 01.08.2009 um 21:37 Uhr

    Was ist Dein Problem mit dem Irakveteran? Er hat schließlich Kondome benutzt und Geld dagelassen. Und in den Irak ist er bestimmt nicht gegangen, weil er einen anderen guten Job hätte finden können.

  1. Stichworte zu diesem Artikel: "Frau, Heirat, Partnerschaft". Das ganze klingt für mich eher nach Werbung, denn nach kritischer Berichterstattung...

  2. Davon kommt doch nichts. Man bekommt ein wenig Präsenz und Sex, aber niemanden, der einen mag geschweige den liebt.
    Und irgendwann geht man sich noch auf die Nerven und der Sex ist widerwillig.

    Das hat alles keinen Sinn.

  3. ...Ich tue nichts als meine journalistische Pflicht.

    ;)

    • Timo K
    • 01.08.2009 um 15:54 Uhr

    Die armen Männer und Frauen in der Ukraine, denen die Frauen weggekauft werden.
    Widerlich.

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    Die armen Männer und Frauen in der Ukraine, denen die Frauen weggekauft werden.

    Na, ja, eine quantitative Rolle spielt das wohl kaum. So ganz im Gegensatz zu Dunkeldeutschland, vor allem im Norden, wo die jungen Frauen derart Scharenweise die Flucht ergreifen, dass das Verhältnis Männer zu Frauen irgendwo bei 5:4 liegt. Frank Schirrmacher sieht Parallelen zur Verbreitung rechten Gedankenguts und nennt die Restbewohner dort "Triebwähler".

    Aber zurück zur Ukraine: Entweder haben die amerikanischen Frauen es nicht so nötig, oder es entsteht irgendwann ein Markt für ukrainische Männer, wenn die wohlalimentierten Ex-Frauen auf Bräutigamschau gehen.

    Ich kann die Frauen verstehen. Man ist ja nicht schuld daran, am Arsch der Welt geboren zu sein. Warum soll man sein Leben wegwerfen, indem man da bleibt? Wie liebevoll mögen Ehen dort sein, unter permanentem Existenzdauerstress? Sicher vielfach nicht besser als eine mit einem Ausländer, mit dem man sich halbwegs versteht. Ich las mal den vielleicht nicht mal zynisch gemeinten Spruch eines älteren Herrn, dass nicht so wichtig sei, ob man einander (OK, hier würde man wohl sagen: sich) bei der Heirat liebe, weil man das nach 20 Jahren sowieso nicht mehr tue. Aber jemanden, den man nicht geliebt habe, könne man nach 20 Jahren ganz gut leiden.

    Die echten Probleme liegen übrigens ganz woanders: In Asien, vor allem China und Indien, "fehlen" etwa einhundert Millionen Frauen. Da findet man als Mann keine Frau, weil so viele Eltern ihren weiblichen Nachwuchs - je nach Möglichkeit - abtreiben oder nach der Geburt umbringen. Töchter kosten ja nur. Und diesen kranken Wahnsinn schauen wir uns untätig an. Wir wollen uns ja nicht in anderer Leute innere Angelegenheiten einmischen. Nur bei passenden Nichtigkeiten, ein paar Ausländern auf Brautsuche in der Ukraine, fällt uns unser humanistischer Primat wieder ein und wir erheben die Stimme... Ich bin beeindruckt.

    Die armen Männer und Frauen in der Ukraine, denen die Frauen weggekauft werden.

    Na, ja, eine quantitative Rolle spielt das wohl kaum. So ganz im Gegensatz zu Dunkeldeutschland, vor allem im Norden, wo die jungen Frauen derart Scharenweise die Flucht ergreifen, dass das Verhältnis Männer zu Frauen irgendwo bei 5:4 liegt. Frank Schirrmacher sieht Parallelen zur Verbreitung rechten Gedankenguts und nennt die Restbewohner dort "Triebwähler".

    Aber zurück zur Ukraine: Entweder haben die amerikanischen Frauen es nicht so nötig, oder es entsteht irgendwann ein Markt für ukrainische Männer, wenn die wohlalimentierten Ex-Frauen auf Bräutigamschau gehen.

    Ich kann die Frauen verstehen. Man ist ja nicht schuld daran, am Arsch der Welt geboren zu sein. Warum soll man sein Leben wegwerfen, indem man da bleibt? Wie liebevoll mögen Ehen dort sein, unter permanentem Existenzdauerstress? Sicher vielfach nicht besser als eine mit einem Ausländer, mit dem man sich halbwegs versteht. Ich las mal den vielleicht nicht mal zynisch gemeinten Spruch eines älteren Herrn, dass nicht so wichtig sei, ob man einander (OK, hier würde man wohl sagen: sich) bei der Heirat liebe, weil man das nach 20 Jahren sowieso nicht mehr tue. Aber jemanden, den man nicht geliebt habe, könne man nach 20 Jahren ganz gut leiden.

    Die echten Probleme liegen übrigens ganz woanders: In Asien, vor allem China und Indien, "fehlen" etwa einhundert Millionen Frauen. Da findet man als Mann keine Frau, weil so viele Eltern ihren weiblichen Nachwuchs - je nach Möglichkeit - abtreiben oder nach der Geburt umbringen. Töchter kosten ja nur. Und diesen kranken Wahnsinn schauen wir uns untätig an. Wir wollen uns ja nicht in anderer Leute innere Angelegenheiten einmischen. Nur bei passenden Nichtigkeiten, ein paar Ausländern auf Brautsuche in der Ukraine, fällt uns unser humanistischer Primat wieder ein und wir erheben die Stimme... Ich bin beeindruckt.

  4. 6. toll

    [Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

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    • WNYC
    • 01.08.2009 um 21:43 Uhr

    Kommentar von Ihnen. Es ist eine Beldeidigung. Ich habe selber holländische Familienmitglieder und die würden stilistisch bestimmt besser schreiben (auch wenn sie in der Fahrzeugbranche tätig sind). Diese Pauschalisirungen und Beleidigungen sisnd gegen das ZEIT Forums. Ich hoffe, dass man Sie auf das Hausrecht verweist.

    • WNYC
    • 01.08.2009 um 21:43 Uhr

    Kommentar von Ihnen. Es ist eine Beldeidigung. Ich habe selber holländische Familienmitglieder und die würden stilistisch bestimmt besser schreiben (auch wenn sie in der Fahrzeugbranche tätig sind). Diese Pauschalisirungen und Beleidigungen sisnd gegen das ZEIT Forums. Ich hoffe, dass man Sie auf das Hausrecht verweist.

  5. Die armen Männer und Frauen in der Ukraine, denen die Frauen weggekauft werden.

    Na, ja, eine quantitative Rolle spielt das wohl kaum. So ganz im Gegensatz zu Dunkeldeutschland, vor allem im Norden, wo die jungen Frauen derart Scharenweise die Flucht ergreifen, dass das Verhältnis Männer zu Frauen irgendwo bei 5:4 liegt. Frank Schirrmacher sieht Parallelen zur Verbreitung rechten Gedankenguts und nennt die Restbewohner dort "Triebwähler".

    Aber zurück zur Ukraine: Entweder haben die amerikanischen Frauen es nicht so nötig, oder es entsteht irgendwann ein Markt für ukrainische Männer, wenn die wohlalimentierten Ex-Frauen auf Bräutigamschau gehen.

    Ich kann die Frauen verstehen. Man ist ja nicht schuld daran, am Arsch der Welt geboren zu sein. Warum soll man sein Leben wegwerfen, indem man da bleibt? Wie liebevoll mögen Ehen dort sein, unter permanentem Existenzdauerstress? Sicher vielfach nicht besser als eine mit einem Ausländer, mit dem man sich halbwegs versteht. Ich las mal den vielleicht nicht mal zynisch gemeinten Spruch eines älteren Herrn, dass nicht so wichtig sei, ob man einander (OK, hier würde man wohl sagen: sich) bei der Heirat liebe, weil man das nach 20 Jahren sowieso nicht mehr tue. Aber jemanden, den man nicht geliebt habe, könne man nach 20 Jahren ganz gut leiden.

    Die echten Probleme liegen übrigens ganz woanders: In Asien, vor allem China und Indien, "fehlen" etwa einhundert Millionen Frauen. Da findet man als Mann keine Frau, weil so viele Eltern ihren weiblichen Nachwuchs - je nach Möglichkeit - abtreiben oder nach der Geburt umbringen. Töchter kosten ja nur. Und diesen kranken Wahnsinn schauen wir uns untätig an. Wir wollen uns ja nicht in anderer Leute innere Angelegenheiten einmischen. Nur bei passenden Nichtigkeiten, ein paar Ausländern auf Brautsuche in der Ukraine, fällt uns unser humanistischer Primat wieder ein und wir erheben die Stimme... Ich bin beeindruckt.

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    • JUKOS
    • 02.08.2009 um 16:34 Uhr

    Was soll das heissen, "am Arsch dr Welt? Die Geschichte ist noch lange nicht am Ende der Zeit angelangt, und ganz schnell können sich die Verhältnisse auch wieder ändern. Was meinen Sie wohl wieviele solcher arrnagierten Ausländer Ehen es wohl in Deutschland gäbe, wenn der deutsche Staat aufhören würde sich weiter und immer tiefer zu verschulden indem alle Sozialleistungen einstellt, wenn es keinen Aufbau Ost mehr gäbe usw. Wieviele Frauen in Deutschland wären dann wohl in der gleichen Lage. Aber hier muss ja der Starke den Schwachen mittragen und sehr viele wären am Arsch wenn das nicht mehr so wäre! Aber wenn es nicht mehr so wäre, und es nur noch wie z.B. in den USA und nicht einmal wie in der Ukraine zugehen würde, und in den USA "liebt" man den Partner des Geldes wegen wirklich, und der Sozialrassismus ist noch um ein Vielfaches ausgeprägter als in Deutschland, dann gäbe es in DE für viele Frauen auch nur noch eine Möglichkeit, sich die wirtschalftliche Existenz zu sichern. Enweder jede nacht oder mit einem reichen!

    Haben sie schon mal nachgezählt, bei wievielen Ehen die wirtshaftlche Absicherung die entscheidende Rolle gespielt hat? Ich würde diese Zahl selbst bei in DE geschlossenen Ehen nicht unterschätzen.

    'Mensch, ich wusste ja gar nicht, dass es zwischen Aschaffenburg und Hof so schlimm aussieht!'

    Nur so, um dazu anzuregen, nicht undifferenziert verbal auf bestimmte Gegenden in Deutschland einzuprügeln.

    Obwohl, Bayern ...

    JoshWolf, SLDD

    • JUKOS
    • 02.08.2009 um 16:34 Uhr

    Was soll das heissen, "am Arsch dr Welt? Die Geschichte ist noch lange nicht am Ende der Zeit angelangt, und ganz schnell können sich die Verhältnisse auch wieder ändern. Was meinen Sie wohl wieviele solcher arrnagierten Ausländer Ehen es wohl in Deutschland gäbe, wenn der deutsche Staat aufhören würde sich weiter und immer tiefer zu verschulden indem alle Sozialleistungen einstellt, wenn es keinen Aufbau Ost mehr gäbe usw. Wieviele Frauen in Deutschland wären dann wohl in der gleichen Lage. Aber hier muss ja der Starke den Schwachen mittragen und sehr viele wären am Arsch wenn das nicht mehr so wäre! Aber wenn es nicht mehr so wäre, und es nur noch wie z.B. in den USA und nicht einmal wie in der Ukraine zugehen würde, und in den USA "liebt" man den Partner des Geldes wegen wirklich, und der Sozialrassismus ist noch um ein Vielfaches ausgeprägter als in Deutschland, dann gäbe es in DE für viele Frauen auch nur noch eine Möglichkeit, sich die wirtschalftliche Existenz zu sichern. Enweder jede nacht oder mit einem reichen!

    Haben sie schon mal nachgezählt, bei wievielen Ehen die wirtshaftlche Absicherung die entscheidende Rolle gespielt hat? Ich würde diese Zahl selbst bei in DE geschlossenen Ehen nicht unterschätzen.

    'Mensch, ich wusste ja gar nicht, dass es zwischen Aschaffenburg und Hof so schlimm aussieht!'

    Nur so, um dazu anzuregen, nicht undifferenziert verbal auf bestimmte Gegenden in Deutschland einzuprügeln.

    Obwohl, Bayern ...

    JoshWolf, SLDD

    • WNYC
    • 01.08.2009 um 21:37 Uhr

    Was ist Dein Problem mit dem Irakveteran? Er hat schließlich Kondome benutzt und Geld dagelassen. Und in den Irak ist er bestimmt nicht gegangen, weil er einen anderen guten Job hätte finden können.

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