Dienstwagen-Affäre Die Paris-Sause
61 Dienstwagen hat Sarkozy, einer ist hierzulande schon einer zu viel

© Pascal Le Segretain/Getty Images
Der Staatspräsident Sarkozy hat 44 Chauffeure und 87 Köche. Die Franzosen kümmert das nicht
Als die französischen Parlamentarier vor sieben Jahren ihre deutschen Kollegen aus Anlass des 40. Jubiläums des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags nach Paris einluden, um sich dort gemeinsam und nach Herzenslust allerlei Lustbarkeiten und verwegenen Speisen zu ergeben, war die Stimmung schlecht. Die deutschen Volksvertreter, arg bedrängt durch den kleinlichen Vorwurf, derlei Rumreiserei und Völlerei gehe zulasten des Steuerzahlers (Bild-Schlagzeile: Paris-Sause), schämten sich ihrer Repräsentationsaufgaben, als seien diese nicht höchst wünschenswert und der Würde ihrer Ämter angemessen. Sie drängten auf ein möglichst unspektakuläres Menü und wenig Pomp, was die Franzosen natürlich gar nicht verstanden.
So blickt auch heute kaum ein Franzose, aber doch jeder Deutsche mit Unverständnis auf die Ausgaben des französischen Präsidenten, die zum ersten Mal vergangene Woche veröffentlicht wurden. Allein das regelmäßige Herbeischaffen frischer Blumen für die 300 Quadratmeter umfassenden Privatgemächer des Élysée-Palastes kostet jährlich 280.000 Euro. Der Präsident verfügt über 61 Dienstwagen, auf eine Million Euro sind seine Getränke veranschlagt, er hat doppelt so viele Angestellte wie die Queen, nämlich 1000. Darunter 44 Chauffeure und 87 Köche.
Hierzulande reicht ein einziger Dienstwagen aus, um eine Affäre zu begründen. Die Ministerin Ulla Schmidt hatte ihn an ihrem Urlaubsort bei Alicante genutzt, es kam übrigens nur heraus, da er dort aufgebrochen und gestohlen wurde. Nun ist allerorten respektlos und mit hämischer Genugtuung von »Verschwendung!« die Rede, als gelte es, möglichst hässlich zu versinnbildlichen, was Verfassungspatriotismus heißt.
Er muss so hässlich indes gar nicht sein. Die »République«, ganz stolz ausgesprochen, kann man sich gar nicht prachtvoll genug ausmalen. Der ihr unterlegte und in alle Himmelsrichtungen strahlende Patriotismus ist eine – wie Heinrich Heine in scharfer Abgrenzung zum deutschen erläuterte – amor mundi. Wer ein französisches Regierungsmitglied leichtfertig beschädigt, beschädigt die Republik. Wer Ulla Schmidt beschädigt, beschädigt Ulla Schmidt.
- Datum 29.07.2009 - 15:20 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.07.2009 Nr. 32
- Kommentare 11
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in das die Bälle rollen.
Gut, es ist Sommer und die wirklich wichtigen Themen interessieren soweiso nicht. Also biten wir eben diesmal nur eine kleine Sau, die dafür aber mit viel Tamtam durchs Dorf getrieben wird. Den dummen Michel wirds freuen!
Meinetwegen soll Sarko 100 Dienstwagen haben und dazu noch 3 Richelieus und 50 Perücken. Warum sind goutieren wir das nicht bei den deutschen Politikern?
Weil die immer so tun, als wären sie die Bescheidenheit selber und nehmen sich deswegen heraus, das Volk immer ärmer zu machen. Frankreich hat auch nicht 16 Bundesländer, die natürlich alle die gleichen Pöstchen, Rechte und Privilegien wie die in Berlin haben müssen. Wenn der Autor sich über mangelnde Toleranz der Deutschen beklagt, mag er recherchieren, woran das liegt.
Im übrigen ist die Berichterstattung des Ministeriums unter aller S... Erst 500,00 Euro, jetzt über 3.000,00. So was in einem Geschäftsbericht und der Ersteller hat seinen Job verloren. Entweder beruht diese Nachrichtenpolitk auf Unfähigkeit oder auf einer LMA Haltung und solchen Leuten gönne ich nicht mal ein Dienstfahrrad. Vielleicht hat der Fahrer ja auch nur vergessen wo er den Wagen geparkt hat oder den Parkplatz nicht wieder gefunden.
Wenn ich Herrn Soboczynski richtig verstanden habe stillt Monsieur Sarkozy seinen profanen Durst mit jährlich 1.000.000 Euro an Getränken.
Sind die Getränke für Gattin und Personal mit eingerechnet? Es ist mir nämlich schleierhaft wie man JEDEN Tag annähernd 3000€ versaufen kann? Also entweder ist Nicolas verdammt durstig oder er hat es sich zum Ziel gesetzt die europäische Latte der Dekadenz ein gutes Stück anzuheben..
schonmal die Preise für einen ordentlichen Bordaux oder Champagner gesehen? 3000 Euro am Tag versaufen ist überhaupt kein Problem - da muss man noch nicht mal die Massgabe setzen: Ich trinke nichts das jünger ist als ich. Schliesslich hat man als Präsident die auch Aufgabe die einheimische Wirtschaft zu stützen. Sonst nehmen die einen dort gefangen oder zünden irgendwelche Regierungsgebäude an. Der Schaden ginge in die hunderte von Millionen. In diesem Fall ist das Vorgehen Sarkozys also berechtigt.
Der Chauffeur von Frau Schmidt musste aber wo tanken? Richtig. In Frankreich und Spanien. Wo kommt Benzin her? Richtig. Aus Russland oder der Opec. Und zu guter Letzt taucht dieser doofe Benz auch noch wieder auf - dabei macht Daimler doch schon Verlust. Eine S-Klasse ohne Abwrackprämie hätte wenigstens etwas Linderung schaffen können. Ergo: Hier wird mit Steuermitteln das Ausland subventioniert. Und das geht natürlich nicht. Gar nicht. Sofort abwählen!
schonmal die Preise für einen ordentlichen Bordaux oder Champagner gesehen? 3000 Euro am Tag versaufen ist überhaupt kein Problem - da muss man noch nicht mal die Massgabe setzen: Ich trinke nichts das jünger ist als ich. Schliesslich hat man als Präsident die auch Aufgabe die einheimische Wirtschaft zu stützen. Sonst nehmen die einen dort gefangen oder zünden irgendwelche Regierungsgebäude an. Der Schaden ginge in die hunderte von Millionen. In diesem Fall ist das Vorgehen Sarkozys also berechtigt.
Der Chauffeur von Frau Schmidt musste aber wo tanken? Richtig. In Frankreich und Spanien. Wo kommt Benzin her? Richtig. Aus Russland oder der Opec. Und zu guter Letzt taucht dieser doofe Benz auch noch wieder auf - dabei macht Daimler doch schon Verlust. Eine S-Klasse ohne Abwrackprämie hätte wenigstens etwas Linderung schaffen können. Ergo: Hier wird mit Steuermitteln das Ausland subventioniert. Und das geht natürlich nicht. Gar nicht. Sofort abwählen!
haben wahrscheinlich soviel gemeinsam wie das Oktoberfest und eine Mönchsklause, in der versteckt gefeiert wird.
Mit welcher Vehemenz sich die Wochenzeitschrift DIE ZEIT für Ulla Schmidt einsetzt. Mich interessiert auch weniger der kleine Napoleon aus Frankreich, wieviel Dienstfahrzeuge der unterhält und wieviel Champagner er jährlich süffelt, denn diesen finde ich ja am 27. September wohl nicht auf meinem Stimmzettel. Damit muß das französische Volk klarkommen und nicht der deutsche Steuerzahler. Was unseren Politikern fehlt, ist das, was man in der freien Wirtschaft "Controlling" nennt, ein Instrumentarium um unnötige Ausgaben zu verhindern! - Was im Falle Schmidt den Zorn des Volkes nur noch vergrößert, da sie allen Ernstes auch noch meint richtig gehandelt zu haben ...
Je vous demande bien pardon, mais je ne suis pas d'humeur à plaisanter.
In Fronkreisch befinden wir uns auch am Hofe des absolutistischen Ärrschers Hypersarko I.. Soll denn der Könisch à pied gehen? Der roi ist petit, die Beine kurz.
Madame Schmidt ist ingeggen nur für die Bedroiung der les invalides et faibles revenus verantwordlisch.
schonmal die Preise für einen ordentlichen Bordaux oder Champagner gesehen? 3000 Euro am Tag versaufen ist überhaupt kein Problem - da muss man noch nicht mal die Massgabe setzen: Ich trinke nichts das jünger ist als ich. Schliesslich hat man als Präsident die auch Aufgabe die einheimische Wirtschaft zu stützen. Sonst nehmen die einen dort gefangen oder zünden irgendwelche Regierungsgebäude an. Der Schaden ginge in die hunderte von Millionen. In diesem Fall ist das Vorgehen Sarkozys also berechtigt.
Der Chauffeur von Frau Schmidt musste aber wo tanken? Richtig. In Frankreich und Spanien. Wo kommt Benzin her? Richtig. Aus Russland oder der Opec. Und zu guter Letzt taucht dieser doofe Benz auch noch wieder auf - dabei macht Daimler doch schon Verlust. Eine S-Klasse ohne Abwrackprämie hätte wenigstens etwas Linderung schaffen können. Ergo: Hier wird mit Steuermitteln das Ausland subventioniert. Und das geht natürlich nicht. Gar nicht. Sofort abwählen!
So wie wir das Leid des einen nicht mit dem des anderen relativieren wollen, so wollen wir nicht die schändliche Tat der einen durch die des anderen relativieren.
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