"The Good, The Bad, The Weird" Duell zu drittSeite 2/2

Kann man den Weirden als eine Synthese aus Gut und Böse betrachten? Schließlich geht es ihm um ein moralisch hoch stehendes Ziel, nämlich darum, seiner maximal passiven und tagelang in Wandschränken abgelegten winzigen Großmutter ein schönes Leben zu ermöglichen. Da seine Methoden, seine alberne Pilotenmütze und sein derber Humor aber eher von niederem Niveau sind, könnte man die Weirdness als eine Synthese aus guter Moral und bösen Manieren beschreiben. Doch mehr noch als Sergio Leones Original legt Ji-woon Kims Film großen Wert darauf, dass wir es mit drei völlig verschiedenen Prinzipien zu tun haben, die sich am Ende auch als gleich schlau, fähig, berechtigt erweisen.

Die alte Idee, dass ein Fußballspiel auf drei Tore dem üblichen in jeder Hinsicht an philosophischem wie an sportlich-strategischem Reiz vorzuziehen sei, wie sie der dänische Maler Asger Jorn einst vertreten hat, treibt auch hier die Story an: Wenn sich A mit B streitet, bieten beide C offen Flanken dar. Sie könnten sich aber auch verbünden.

Bevor es schließlich zum ausgiebigen Dreikampf-Showdown kommt, dem man gern noch länger zugesehen hätte, garantiert das Wissen um den jeweils abwesenden Dritten die ganze Zeit zusätzliche Spannung, hält jede Situation unabgeschlossen, ohne sich Gegner aus dem Hut zaubern zu müssen – was im Übrigen aber auch reichlich geschieht: Nach einer gewaltigen Eisenbahnraub-Ouvertüre wird das Trio erst einmal auseinandergesprengt, in Zweier- und Einzelgeschichten durch Steppen und Wüsten geschickt, bis es einen bizarren Reigen zweitrangiger Gegner nur noch als lästiges Hindernis für das finale Dreierspiel aus dem Weg räumen muss.

In der Mitte des Films, zwischen Zugraub-Urknall und finalem Dreikampf, spielen die Szenen auf dem Geistermarkt, dem scheinbaren Ruhepunkt zwischen rasenden Bewegungen mit allen denkbaren Verkehrsmitteln. Ein schöner Name für den Mittelpunkt einer so ungeordneten Welt! Hier begegnen sich, ähnlich wie bei den verschiedenen etxraterrestrischen Marktplätzen der Star-Wars-Serie, wilde Gesellen in einer improvisiert wirkenden Hüttensiedlung, deren prekäre Schönheit an all die Utopien informellen Wohnens und Arbeitens erinnert, die sich die Rem Kohlhaases dieser Welt gerne ausdenken.

Doch die Ruhe bleibt natürlich eine vor dem Sturm, und es kommt zu einem ersten Pre-Showdown. An diesem Fight lassen sich die Tugenden dieses Actionfilms gut exemplifizieren: verwirrende, überschnelle Bewegungen durch das Hüttenwirrwarr und zugleich eine Kamera, die immer wieder den Blick des Zuschauers stabilisiert. Dabei gelingt ein atemberaubender Austausch zwischen überwältigender Verwirrung und Nachvollziehbarkeit der Perspektive.

Auch fantastisch, obwohl nahe an dem übrigens die ganze Zeit nicht sehr fernen Tarantino-Geschmack, ist der großzügige Einsatz eines der erhabensten Urlaubs-Trash-Disco-Klassikers der siebziger Jahre: Don’t Let Me Be Misunderstood von Santa Esmeralda. Wie zu diesem Gewirbel aus vermüllten Flamenco-Resten, mit Gin Tonic geölten R’n’B-Phrasen, einer amtlichen Disco-Produktion und salzigsten Streicherriffs der gesamte Sand der Mandschurei verspritzt und faschistische Armeen aus der bloßen Hand gestampft werden (und ruck, zuck wieder vernichtet), sollte man gehört und gesehen haben. Wer diesen Sommer nur einen Actionfilm sehen will…

 
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