Angela Merkel Die nackte KanzlerinSeite 3/3

Merkel tritt weder als Heroine noch als Souveränin in Erscheinung, sie vollzieht den Untergang ihrer Rivalen vielmehr als bürokratischen und administrativen Akt. Sie bindet die Ausübung von Macht an eine Strategie der konsequenten Vermeidung von Glanz. Aus diesem Grund ist die Liste ihrer politischen Opfer auch so lang. Die meisten von ihnen verstehen bis heute nicht, wie ihnen geschah.

Merkel konnte in der Inszenierung ihrer Harmlosigkeit natürlich auf geschlechtsspezifische Vorurteile zählen. Im Jahre vier ihrer Kanzlerschaft begegnet man ihr nach wie vor nicht mit Bewunderung, sondern mit Verwunderung. Helden werden bewundert, und zum Wesen des Souveräns gehört es, als selbstverständlich hingenommen zu werden. Die Verwunderung und das Erstaunen, die Merkel allerorten auslöst, zeigen überdeutlich, dass sie einen ganz neuen Stil der Repräsentation von Herrschaft verkörpert, indem sie Herrschaft eben gerade nicht verkörpert.

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Auch wenn die Medien bis heute gerne auf Merkels fehlendes Charisma hinweisen, verdient sie das Prädikat der »Medienkanzlerin« eher als ihr Amtsvorgänger Schröder. Schröder hatte als Poseur des Heroismus und als Schauspieler der eigenen Macht ein sehr beschränktes Repertoire. Eigentlich konnte er nur einen sich selbst als Helden spielenden Helden spielen. Nicht dass Merkel mehrere Rollen beherrschte. Ihr Faszinosum besteht darin, dass sie keine beherrscht oder, besser gesagt, dass sie die Rolle einer Kanzlerin spielt, die ihre Rolle nicht einstudiert hat. Für die medienwirksame Aufbereitung dieses Phänomens sorgt sie allerdings mit einer unerbittlichen Stringenz.

Wenn Merkel Militärparaden abnimmt, schreitet sie grundsätzlich frisch und weit aus. Nur dem Takt der Marschmusik gleicht sie ihren Schritt dabei nicht an. Ihre mit Abstand beste Beobachterin und Biografin Evelyn Roll vermutet zu Recht, dass dies für einen Menschen mit Merkels musikalischer Kompetenz eine äußerst schwer zu bewältigende Aufgabe sein dürfte. Weiter kann man sich von der Verkörperung von Macht jedenfalls nicht entfernen, als es die Bundeskanzlerin in solchen Augenblicken tut.

Der Autor Claude Haase lehrt Literaturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und schreibt an einem Buch über Heroismus-Darstellungen im klassischen Drama

 
Leser-Kommentare
  1. ...geht bei mir von selbst der Grill aus!

    Schönes Wochenende noch (ausser an den Autor)!

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    • mahib
    • 31.07.2009 um 17:07 Uhr

    dafür meine Zeit, was soll mir der Artikel sagen?
    Iridium_2 hat vollkommen Recht...

    • mahib
    • 31.07.2009 um 17:07 Uhr

    dafür meine Zeit, was soll mir der Artikel sagen?
    Iridium_2 hat vollkommen Recht...

  2. die nackte Kanzlerin? wohl eher die Kanzlerin, die gar nicht weiß, dass sie Kanzlerin ist? Oder warum ist sie ständig im Hintergrund, regiert nicht und hat keine Richtung? Statements von ihr sind wie leere Hüllen, die lieblos auswendig gelernt nachgeplappert werden. Sie ist wie eine Marionette. Wahrscheinlich zieht der Puppenspieler von Mexiko ihre Fäden...
    Als quasi deutsches Staatsoberhaupt ist sie eine völlige Enttäuschung, denn sie hat in 4 Jahren nichts geschafft, weder innenpolitischn noch außenpolitisch und deswegen sollte sie auf keinen Fall wiedergewählt werden.

  3. wenn Sie sich mit ihrem Lebenslauf, ihrem jeweiligen Verhalten und ihrer Sachpolitik auseinandern setzen würden.

    Nackt muss sie dafür nicht sein.

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    • keox
    • 31.07.2009 um 19:34 Uhr

    eine Bewertung ihrer Politik ist offenbar nicht sein Anliegen.

    Seine Beschreibung ist korrekt, Merkel ist Sachbearbeiterin, gleichsam der personifizierte Sachzwang.

    Was von ihrer Politik zu halten ist aber überläßt er dem Leser.

    So what?

    • keox
    • 31.07.2009 um 19:34 Uhr

    eine Bewertung ihrer Politik ist offenbar nicht sein Anliegen.

    Seine Beschreibung ist korrekt, Merkel ist Sachbearbeiterin, gleichsam der personifizierte Sachzwang.

    Was von ihrer Politik zu halten ist aber überläßt er dem Leser.

    So what?

  4. ...dann weiss man wenigstens woran man ist.

    Zitat:
    Der Autor Claude Haase lehrt Literaturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und schreibt an einem Buch über Heroismus-Darstellungen im klassischen Drama

    ...und die Geisteswissenschaftler wundern sich das sie kein Geld mehr bekommen ?

    Zu Titel folge ich iridium_2's spontanem Ausruf...

    • th
    • 31.07.2009 um 16:20 Uhr

    Ausgezeichneter Artikel, leider mit dummer Überschrift. Denn typisch für Merkel ist ja gerade, was sie alles verbirgt.

    Sehr gut:

    "Merkel tritt weder als Heroine noch als Souveränin in Erscheinung, sie vollzieht den Untergang ihrer Rivalen vielmehr als bürokratischen und administrativen Akt. Sie bindet die Ausübung von Macht an eine Strategie der konsequenten Vermeidung von Glanz. Aus diesem Grund ist die Liste ihrer politischen Opfer auch so lang. Die meisten von ihnen verstehen bis heute nicht, wie ihnen geschah."

    "Nur dem Takt der Marschmusik gleicht sie ihren Schritt dabei nicht an. Ihre mit Abstand beste Beobachterin und Biografin Evelyn Roll vermutet zu Recht, dass dies für einen Menschen mit Merkels musikalischer Kompetenz eine äußerst schwer zu bewältigende Aufgabe sein dürfte."

    Allerdings: "der erste heroische Lebenslauf"? Natürlich, wenn es nur um Kanzlerinnen geht - sie ist ja bis jetzt die einzige. Fragwürdig, wenn man sich an Willy Brandt erinnert; und Adenauer hatte doch auch eine ganz schöne Biographie vorzuweisen.

    • th
    • 31.07.2009 um 16:23 Uhr

    Wenn es eine Anspielung auf "Des Kaisers neue Kleider" war -
    "Aber er hat ja gar nichts an", d.h. sie täuscht etwas vor, was gar nicht da ist - dann kann ich dem nicht zustimmen: Merkel hat es faustdick hinter den Ohren.

  5. Unsere Bundeskanzlerin hat schon was schelmisches. Und sie ist eine beinharte German Lady.
    Gott bewahre uns vor einem Aussenminister aus der FDP. Obwohl! Wir werden dann für ziemlich modern gelten.
    Unsere Grünen wollen auch wieder regieren. Mit der SPD wirds wohl nix werden. Mei wäre das schön die Claudia Roth als Aussenministerin. Am besten wären Frau Roth und Herr Westerwelle als Aussenministerpaar. Da würden die Taliban katholisch. Israel würde lieber Palästina anerkennen, als einen weiteren Besuch des German Aussenministerpaares, the german couple of Aussenminister erdulden. Dann würde alles gut werden und der Untergang der SPD hätte wenigstens etwas genützt.

  6. "Nun sind über Angela Merkel aber überhaupt keine einschlägigen Witze in Umlauf. Schwer vorstellbar, dass sie es jemals auch nur zu einem passablen Spitznamen bringen könnte. Und auch auf den Kabarettbühnen der Republik fristet die deutsche Bundeskanzlerin ein Schattendasein. Ihre dortige Präsenz entspricht ihrem politischen Gewicht jedenfalls nicht annähernd, was darauf schließen lässt, dass Merkel mit den Mitteln der Satire kaum dingfest zu machen ist. Der Verdacht liegt nahe, dass diese satirische Ungreifbarkeit einer Person mit ausgewiesener parodistischer Kompetenz einem politischen Kalkül entspringt."

    Seltsam.. mir war Frau Merkel gerade aufgrund ihrer Worthülsen immer als eine geradezu prädestinierte Zielscheibe von vorzüglichem politischen Kabarett aufgefallen.

    Hierzu sehr sehenswert, einer der größten im Geschäft, Volker Pispers:

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    Also ich kann den nicht ausstehen. Seine belehrende und oberlehrerhafte Art ist einfach nervtötend.

    • bierus
    • 31.07.2009 um 17:44 Uhr

    [Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    Also ich kann den nicht ausstehen. Seine belehrende und oberlehrerhafte Art ist einfach nervtötend.

    • bierus
    • 31.07.2009 um 17:44 Uhr

    [Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

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