Kulturgeschichte Ach, Siena!

Die viel geliebte Stadt in der Toskana feiert den 700. Geburtstag ihrer Verfassung – und ihre bewegte Zeit als freie Republik

Die "Allegorie des schlechten Regierens" gehört zu den Fresken, die Ambrogio Lorenzetti in den Jahren 1338-40 für das Rathaus von Siena schuf

Die "Allegorie des schlechten Regierens" gehört zu den Fresken, die Ambrogio Lorenzetti in den Jahren 1338-40 für das Rathaus von Siena schuf

Europas moderne Demokratie speist sich aus vielen Quellen. Zu ihnen gehören Italiens Stadtrepubliken. Daran erinnert jetzt die viel geliebte Stadt Siena in der Toskana. Sie feiert in den kommenden acht Monaten, von September dieses Jahres bis zum Mai 2010, den 700. Geburtstag ihrer Verfassung. Genau genommen ist diese Verfassung sogar noch um einiges älter, 1296 war die Constitutio auf Lateinisch erschienen. Aber ins Italienische übersetzt – und damit auf ganz neue Weise wirksam und verpflichtend – wurde sie erst in jenem historischen Sommer von 1309.

Damals hatten die Stadtväter von Siena nämlich nicht nur die Übersetzung des kostbaren Dokuments verfügt, das alle Rechte und Pflichten für Adelige, Bürger und Behörden festlegt und zahlreiche Vorschriften fürs städtische Leben enthält (wie zum Straßenverkehr und zur Hygiene). Sondern sie bestimmten auch, dass diese Übersetzung in einem Saal des Palazzo Pubblico ausgestellt wurde. Damit niemand das Werk klaute, sicherte man es, wie bei wertvollen Büchern damals üblich, mit einer Kette.

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Für ebenjenes mächtige gotische Rathaus schuf Ambrogio Lorenzetti dreißig Jahre später, zwischen 1337 und 1339, seinen berühmten Freskenzyklus über »die Wirkungen der guten und der schlechten Regierung«. Lorenzetti hatte von den »Nove«, den neun regierenden Beamten Sienas, den Auftrag bekommen, die Vorzüge der Republik malerisch zu rühmen. So stellte er auf der linken Seite, an der südlichen Wand, die Tyrannei dar. Die »schlechte Regierung« wird repräsentiert durch eine schwarz gekleidete, schielende Herrscherfigur mit Hörnern und Fangzähnen. Sie sitzt zwar königsgleich auf einem Thron, hält aber anstelle eines Zepters einen Dolch in der rechten Hand, und Justitia liegt gefesselt am Boden. Zu beiden Seiten des Tyrannen tummeln sich allerhand Gestalten: Gewalt und Betrug.

An der nördlichen Wand des Saales aber wird alles gut. Die Gestalt des Buon Governo trägt ein Gewand in Sienas Stadtfarben, und gleich fällt, ihr zur Seite, der Frieden ins Auge, »Pax«: eine weiß gekleidete Dame, barfuß auf einem Diwan sitzend, den Kopf bequem in die rechte Hand gestützt. Versonnen geht der Blick in die Ferne. Darunter hat Lorenzetti die Concordia porträtiert, die Eintracht, über ihr, auf gleicher Höhe mit dem Frieden, Frau Justitia, hier nun kostbar gewandet und das güldene Haar im Zopf elegant um den Kopf gelegt. Die beiden übrigen Wände zeigen die Folgen guter und schlechter Regierung: friedliches Alltagsleben in einem wundervollen Sieneser Stadtpanorama auf der einen, Gewalt und Ungerechtigkeit auf der anderen Seite.

Der Saal, der zu den großen Kostbarkeiten Italiens zählt, ist eine einzige Huldigung an Sienas politische Ordnung. Ganz im Sinne des neuen Humanismus feiern Lorenzetti und seine Auftraggeber sie als zivilisatorisches Werk, das alle Finsternisse der Vorzeit hinter sich lässt und von der Hoffnung kündet, dass eine lange, verworrene, dunkle Geschichte zu einem glücklichen Abschluss kommt.

Denn in der Tat waren im Anfang nur Mythos und Legende. Die Gründung der einstigen Etruskerstadt erinnert an die sagenhafte Entstehung Roms. Die beiden Städte haben ein gemeinsames Wappentier: die nährende Wölfin. Hießen deren Menschenkinder in Rom Romulus und Remus, so waren es hier Senius und Ascanius – die Söhne des Remus, ebenfalls Zwillinge. Im Streit erschlug Romulus seinen Bruder Remus. Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Onkel, so heißt es, hätten die beiden vaterlosen Knaben eine Skulptur der kapitolinischen Wölfin mitgenommen und auf einem Hügel in der Toskana ein wehrhaftes Kastell errichtet. Diese Burg, das Castel Senio, auch Castelvecchio genannt, gilt als Urzelle Sienas; das Dommuseum zeigt noch heute eine marmorne Wölfin.

Immerhin: Das erste Dokument, in dem die Ansiedlung erwähnt wird, stammt aus dem Jahre 70 vor Christus und ist von keinem Geringeren als Tacitus beglaubigt. Im vierten Buch seiner Historien, die gegen Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts entstanden, zitiert er den Brief eines Senators, der sich über die frechen Sieneser beschwert: Sie hätten ihn »vor versammeltem Volk verhöhnt und sogar geschlagen«. Auf den Freiheitsdrang des Ortes reagierte Rom, wie Tacitus berichtet, verärgert und verhängte drakonische Strafen.

Im Laufe mehrerer Jahrhunderte mussten die Sieneser vielen Herren dienen: Römern, Langobarden, Karolingern, ausbeuterischen Feudalherren und machthungrigen Kirchenfürsten (seit 313 war der Ort Bischofssitz). Aber mit geschickter Anpassung und ausgeprägtem Geschäftssinn überstanden sie alle. Im 12. Jahrhundert dann gelang es den Bürgern, sich der bischöflichen Gewalt zu entziehen.

Anders als in Florenz, wo die Parteigänger des Papstes, die Guelfen, dominierten, setzten sich in Siena lange Zeit die Parteigänger des Kaisers durch, die Ghibellinen, und stellten die Stadt unter den Schutz Friedrich Barbarossas. Die Regierung bestand nun aus Konsuln, deren Zahl zwischen drei und zwölf schwankte. Adelige bekleideten das Amt, bis der Druck der unteren Klassen, der popolani, dafür sorgte, dass auch sie mit einbezogen wurden. 1147 jagten die Sieneser den Bischof aus der Stadt – und im Rat saßen neben 100 Edelleuten jetzt 50 popolani. 1199 ging man dazu über, einen sogenannten Podestà von außerhalb zu berufen, eine Art obersten Bürgermeister, der nicht zuletzt zwischen Adel und Bürgern vermitteln sollte. Aber 1233 kam es zu neuem Krach. Jetzt stritt man um die Steuerfreiheit des Adels. Ein Magistrat aus zwölf Edelleuten und zwölf popolani wurde gebildet.

Doch damit nicht genug. Wiederum vier Jahrzehnte später warf die Bürgerpartei die Aristokratie ganz aus dem Magistrat. Der Rat sollte jetzt nur noch aus demokratisch gesinnten Mitgliedern der Mittelklasse, aus Kaufleuten und Handwerkern, bestehen. 1285 kam der Prozess zum Abschluss: Es wurde ein »Rat der Neun« aus (nun guelfisch orientierten) Bürgern einfacherer Klassen gebildet.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Siena zu einem einzigartigen Stadtkunstwerk – reglementiert durch eine Fülle rigider Bauvorschriften! – und zu einer Kunstmetropole von Weltrang. Die Werke von Malern wie Duccio di Buoninsegna, von Simone Martini und seinem Schwager Lippo Memmi, den Brüdern Lorenzetti, von Bildhauern und Baumeistern wie Giovanni Pisano oder Jacopo della Quercia füllen die Stadt noch heute mit dem Glanz der »Schule von Siena« und ziehen jährlich Tausende von Touristen an. Diese Kunstlust war ganz im Sinne der Verfassung. Denn wer regiere, so heißt es da, »muss vor allem die Schönheit der Stadt im Sinn haben, zu Freude und Entzücken der Besucher, wegen der Ehre, des Wachstums und des Wohlstands der Stadt und der Bürger«. Auch das gehörte zur guten Regierung, wie sie Lorenzetti in seinen Rathausfresken preist.

Es war jene Zeit, da sich in vielen Orten Italiens, vor allem gleich nebenan in Florenz, der Bürgerhumanismus zu entfalten begann. Eine geistige Bewegung, aus der im 15. Jahrhundert dann Schriftsteller wie Gianfrancesco Poggio Bracciolini, Giannozzo Manetti oder Leon Battista Alberti hervorgingen. Inspiriert von den Weisen der Antike, dachten sie über ein tüchtiges Leben, die wahre Kunst, Arm und Reich und die Würde des Menschen nach. In Siena schrieb Francesco Patrizi ein Lob der Republik: Sie sei – wie könnte es anders sein? – zweifellos die beste Staatsform der Welt.

Mindestens so sehr wie die inneren prägten die äußeren Konflikte die Geschichte der Stadt, vor allem jener mit der siebzig Kilometer entfernten Nachbarrepublik Florenz, die nach der Vormacht in der Toskana strebte. Drei Jahrhunderte lang, zwischen 1144 und 1454, fochten die Rivalen ständig neue Kämpfe aus. Am 4. September 1260 rückte wieder einmal ein Heer der Florentiner an. Zwölf Kilometer vor Siena, am Flüsschen Arbia bei Montaperti, gelang es den Sienesern, unterstützt von deutschen Rittern des Stauferkönigs Manfred von Sizilien, sowie den Truppen von Lucca, Pisa und Cortona, sie in einer brutalen Schlacht zu besiegen. Zehntausend Tote zählte man auf Florentiner Seite, 600 auf Siener; 15000 Florentiner waren gefangen genommen. Noch ein halbes Jahrhundert später klagt Dante in seiner Göttlichen Komödie, im 10. Gesang der Hölle, über »das Blutbad und Gefecht, das einstmals rot gefärbt der Arbia Wogen«.

Das Feldzeichen der Feinde, eine Fahne mit dem Bild Johannes’ des Täufers, wurde von einem Esel durch die Straßen von Siena gezogen. Aber das Hochgefühl der Sieger hielt nicht lange an. Der Papst belegte die Stadt mit einem Kirchenbann, und Sieneser Kaufleute wurden von vielen Handelspartnern boykottiert. Neun Jahre später, am 11. Juni 1269, revanchierte sich Florenz: Im Elsa-Tal bei Monteriggioni schlugen seine Truppen die Sieneser nicht minder vernichtend.

Die Rivalität der Städte verlagerte sich auf andere Felder. So begannen die Florentiner im Jahr 1296 »zu Ehren Gottes und seiner heiligsten Mutter und zum Ruhm der Stadt Florenz« mit einem Neubau des Domes von riesigen Ausmaßen. In Siena, wo man seit Langem ein Gedenkbuch über alle Beleidigungen, die der Stadt und ihren Bürgern zugefügt wurden, führte, war man empört. Einige Jahre später entschloss sich die Stadt, die Herausforderung anzunehmen und die bestehende Kathedrale – ein romanisch-gotisches Meisterwerk in schwarzem und weißem Marmor – zum Querschiff eines noch mächtigeren Gotteshauses zu machen. Eine Wirtschaftskrise allerdings und die Pest, die 1348 zwei Drittel der 50 000 Einwohner dahinraffte, ließen das gewaltige Projekt scheitern.

Und dennoch: Begünstigt durch seine Lage an der Francigena, der Frankenstraße, die von Canterbury in England nach Rom führte, blühte Siena immer mehr auf. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Handel mit Alaun, einem Salz, das man zum Ledergerben und zur Herstellung von Stoffen und Papier brauchte. Die Stadt wuchs unaufhörlich. Die Landflucht nahm gewaltige Ausmaße an. Nach und nach dehnte sich Siena über die drei Hügelrücken aus – in Form eines Ypsilon, das heute von den Straßen Via di Città, Banchi di Sopra und Banchi di Sotto gebildet wird. Kreuzungspunkt war und ist der Croce del Travaglio, oberhalb des weltberühmten Marktplatzes, des Campo, auf dem seit dem 11.Jahrhundert zweimal im Jahr, am 2. Juli und am 16.August, die dramatischen Pferderennen stattfinden, die ganz Siena in Aufregung versetzen.

Eine große Rolle bei diesem Aufschwung spielte die Entwicklung des Geldverkehrs und des Kreditwesens. Wie schon die Begriffe »Giro«, »Agio«, »Diskont«, »Lombard« verraten, hat das moderne Bankenwesen seinen Ursprung in Italien. Besonders günstig für Siena war, bereits im 12. Jahrhundert die etruskischen Silbergruben von Montieri in den westtoskanischen Bergen erschlossen zu haben, sodass die Stadt über viel ausmünzbares Edelmetall verfügte.

Siena wurde nicht nur wohlhabend, es wurde reich. Die Kaufleute verliehen Geld an auswärtige Potentaten und rückten zu den Bankiers der Päpste auf. Auch wenn Mailand und Florenz später Siena überflügeln sollten: Hier, an der Piazza Salimbeni, steht stolz das älteste Geldinstitut der Welt, die prachtvolle Banca Monte dei Paschi. Das Haus wurde im Jahre 1472 unter dem Namen Monte di Pietà als eine Art kommunales Leihinstitut gegründet und der »Madonna der Barmherzigkeit« geweiht. Heute hat die Bank weltweit mehr als 30.000 Mitarbeiter. Im Keller des jetzigen Gebäudes befindet sich, als Zeichen frommer Zuversicht, an der es besonders in Zeiten der Krise nie mangeln sollte, eine alte Kapelle.

Das wohl eindrucksvollste Beispiel für Sieneser Unternehmergeist gab Agostino Chigi, Il Magnifico, der Prächtige, genannt. 1465 geboren, ging er als 22-Jähriger mit seinem Vater nach Rom, wo beide sich als Geldhändler selbstständig machten. 1509 wurde Agostino Chef der angesehenen römischen Bank der Spanocchi. Innerhalb weniger Jahre richtete er Filialen in London, Lyon, Amsterdam und Konstantinopel ein und war bald Eigentümer von etwa hundert Frachtschiffen. Da der Handel mit Alaun äußerst ertragreich war, pachtete Chigi die päpstlichen Alaunminen bei Tolfa in Latium und sicherte sich zudem durch einen zinslosen Kredit an die Republik Venedig eine Monopolstellung im Alaunimport aus Kleinasien, der über die Lagunenstadt abgewickelt wurde. Selbstverständlich förderte er die Künste. Als 1507 Papst Julius II. Chigi erlaubte, in der römischen Kirche Santa Maria del Popolo eine Grabkapelle zu bauen, betraute der Bankier seinen Freund Raffael mit der Ausstattung.

Zu diesem Zeitpunkt war die erste Verfassung, war die Ära der »Neun« fast schon vergessen. Längst befand sich Siena in einem permanenten Alarmzustand. Rund siebzig Jahre hatten die Neun regiert. Es war eine gute Zeit gewesen. Doch hatte es nicht ausbleiben können, dass eine neue Oligarchie entstanden war. Auch wollte der alte Adel zurück an die Regierung und suchte die Koalition mit dem einfachen Volk. 1355 wurden die Neun gestürzt und durch einen Zwölferrat ersetzt.

Seither stritten Adelige und Kaufleute, Bankiers und Handwerker munter um die Macht, in immer neuen Koalitionen, Putschen und Gegenputschen. Überdies sah sich die Republik im ewigen Streit mit Florenz gezwungen, 1389 ein Bündnis mit dem Mailänder Herzog Gian Galeazzo Visconti einzugehen und zehn Jahre lang seine Vorherrschaft zu akzeptieren. Ein unerwartetes Glück erfuhr die Stadt hingegen ein halbes Jahrhundert später, als ein Sieneser Edelmann, Enea Silvio de’ Piccolomini, zum Papst gewählt wurde. Der hochgebildete Poet, Professor, Diplomat und Bonvivant, nebenbei Gründer der Universität Basel, nannte sich Pius II. – und drängte das christliche Europa zum Krieg gegen die Türken, die 1453 Konstantinopel erobert hatten.

Zu dieser Zeit bekam der Adel wieder Oberwasser, dann, nach dem Tod des Papstes 1464, triumphierte die Volkspartei erneut. Bis zwanzig Jahre darauf der Kaufmann und Politiker Pandolfo Petrucci an die Spitze der Regierung drängte. Zwar ließ er die republikanische Staatsform intakt, weitete aber seine persönliche Macht durch Bündnisse mit Florenz und Frankreich erheblich aus. 1502 verstießen ihn die Sieneser, doch ein Jahr später war er, mit ein wenig Hilfe seiner Florentiner und französischen Freunde, wieder da. Als er 1512 sechzigjährig starb, gab’s ein Staatsbegräbnis. Aber was den Medici in Florenz gelang, blieb den Petrucci in Siena verwehrt: Sie scheiterten bei dem Versuch, sich an der Macht zu halten. Ein Mitglied der Familie musste fliehen, als man ihm Korruption nachwies, ein weiteres – ein Kardinal, der den Medici-Papst Leo X. ermorden wollte – ließ der Heilige Vater hinrichten, einen dritten Petrucci warf das Volk aus der Stadt.

Siena stellte sich erneut unter den Schutz des Kaisers. Von der Unabhängigkeit der Stadt und ihrer republikanischen Freiheit, über die jetzt eine Regierung aus zehn »Konservatoren der Freiheiten des Staates« wachte, war allerdings nicht mehr viel die Rede. Die spanische Garde Kaiser Karls V. und seine Legaten pressten Siena maßlos aus. Der Hass gegen die habsburgische Zudringlichkeit wuchs im selben Maße wie die Unzufriedenheit mit der ständig zerstrittenen Stadtregierung. 1552 kam es zur Revolte. Unterstützt durch den Widersacher der Habsburger, den französischen König Franz I., erhoben sich die Sieneser, griffen die spanische Besatzung an, entwaffneten und vertrieben sie aus der Stadt. Durch ein Abkommen mit Cosimo I. de’ Medici, dem Herzog von Florenz, zwang man die Spanier schließlich, Siena und seine Umgebung ganz zu verlassen.

Doch da hatte man den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben. Denn Cosimo wechselte die Seiten, griff an und eroberte, von den Spaniern unterstützt, die Stadt. Mit dem Segen von Karls Sohn, dem spanischen König Philipp II., nahm der Herzog im Juli 1557 formal Besitz von ihr. Damit war die Katastrophe eingetreten: Siena war florentinisch geworden; als Vertreter Cosimos regierte nun ein Generalleutnant. Zwar blieben das Konsistorium der Zehn und der allgemeine Rat bestehen, die Unabhängigkeit indes ging auf immer verloren, und aus der stolzen Republik wurde eine Provinzstadt im Großherzogtum Toskana. Doch davon will und davon wird man in diesem Jubeljahr in Siena nun ganz gewiss nichts hören.

Der Autor ist Schriftsteller und lebt in Hamburg

 
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