Jede Woche ein neuer Beruf auf ZEIT ONLINE © Tim Boyle/Getty Images

Die Geburt ihres ersten Kindes hatte sich Elisabeth Wiedenhofer ganz anders vorgestellt. "Ich wollte eine natürliche Geburt, aber hatte irgendwann das Gefühl: Ich schaffe das nicht." Was folgte, waren 36 Stunden Wehen inmitten eines hektischen Krankenhausbetriebs, am Ende ein Kaiserschnitt. Jetzt, schwanger mit ihrem zweiten Kind, möchte Wiedenhofer "jemanden bei mir haben, der das tut, was mein Mann nicht leisten kann". Wenn sie im Herbst im Kreißsaal liegt, soll eine Doula dabei sein.

Doulas sind professionelle Geburtsbegleiterinnen, die während der Geburt ganz und gar für die werdende Mutter da sind: Sie trösten, erklären, massieren. Das Wort Doula kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet sinngemäß "Dienerin der Frau". Das Konzept ist nicht neu, sondern wird seit Jahrtausenden praktiziert: Frauen, die schon eigene Kinder haben, helfen werdenden Müttern durch die Geburt. Die Wiederbelebung dieses Modells stammt aus den USA , wo es weniger Hebammen in den Krankenhäusern gibt und dafür umso mehr Doulas. In Deutschland ist das Berufsbild noch kaum angekommen, bundesweit bieten nur ein paar Dutzend ihre Dienste an: Der Verein Doulas in Deutschland verzeichnet 24, die Gesellschaft für Geburtsvorbereitung elf zertifizierte Geburtsbegleiterinnen.

Der Bedarf ist da. Immer mehr Frauen sind bereit, die 400 bis 500 Euro zu investieren, die eine Doula in der Regel kostet. Viel Geld dafür, dass einem jemand die Hand hält; viel Geld für etwas, das doch auch der Partner oder die beste Freundin übernehmen könnte. Trotzdem kommen zu Doulas nicht nur alleinstehende Frauen. Eine Geburt ist eine Grenzerfahrung, im schlimmsten Fall sogar eine traumatische, in der sich die Frau vor Schmerzen und Anstrengung allein gelassen fühlen kann und die viele Partner überfordert. Hinzu kommt, dass sich Ärzte und Hebammen meist um mehrere Geburten gleichzeitig kümmern müssen und sich die Schwangere mit dem Schichtwechsel erneut auf Fremde in ihrem Intimbereich einstellen muss.

Die Doula bleibt. "Zu wissen, dass jemand da ist, den man kennt, das gibt Sicherheit", sagt Barbara Strehler-Heubeck vom Doula-Team München . Strehler-Heubeck hat bereits rund 50 Geburten begleitet. Sie und ihre Kolleginnen wollen weder Partner noch Hebamme ersetzen und können dafür auch nicht die medizinische Kompetenz vorweisen. Aber sie haben ausreichend Wissen, um zu erklären, was vor sich geht, und genügend Erfahrung, um sich von Blut und Schreien nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Selbst eine Geburt überstanden zu haben ist die Voraussetzung, um Doula werden zu können. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, die Verbände bieten jedoch eine zertifizierte Ausbildung an, die anderthalb Jahre dauert und berufsbegleitend stattfindet. Dabei wird medizinisches Wissen rund um die Geburt vermittelt, es werden Methoden der Entspannung und der Schmerzerleichterung gelehrt und die Kommunikationsfertigkeiten trainiert. Außerdem hospitieren die Frauen in Geburtsvorbereitungskursen, in einer Still- oder Müttergruppe und bei fünf Geburten.

Ausgebildete Doulas kommen dann für je 50 Euro zu einem bis zwei Vorgesprächen. Bei ausreichend Sympathie kann die Schwangere das Komplettpaket für 400 Euro buchen: Zehn Tage vor und nach dem errechneten Geburtstermin ist die Doula rund um die Uhr für den Fall erreichbar, dass die Wehen einsetzen.